Gastankflasche vs. Gasflasche

Wieso muss man sich überhaupt über eine alternative Gasversorgung Gedanken machen? Spätestens wenn man im Ausland unterwegs ist und mehrer Ländergrenzen überquert, stellt man sehr schnell fest, das im Bereich Gasversorgung von Einheitlichkeit innerhalb Europas wenig zu spüren ist. Es gibt nicht nur etliche verschiedene Anschlüsse, mit denen Gasflaschen an das Leitungssystem des Reisemobils angeschlossen werden, sondern in jedem Land auch wieder eigene und meist länderspezifische Gasflaschentypen. Das wäre alles noch kein größeres Thema, wenn man diese denn auch einfach so gegeneinander tauschen könnte. Aber genau das geht nicht. Und ein ganzes Arsenal verschiedener Gasflaschen mit sich herumzufahren ist irgendwie keine echte Alternative. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass man genau mit einer Gasfüllung bis an die Grenze fährt und direkt hinter dieser eine neu Flasche erstehen könnte. also ist man entweder kurzzeitig gaslos, fährt eine weitere Reserveflasche spazieren, oder gibt eine nicht vollständig entleerte Flasche wieder ab. Für den Wochenendurlauber oder für eine zweiwöchige Tour im Sommer ist das sicher kein größeres Problem. Für uns, die wir aber länger unterwegs sein wollen, aber schon ein Thema über das es sich nachzudenken lohnt.

Gasflasche (Abbildung unten links)
Wie bisher werden wir auch in unserem Chausson die Gasversorgung über eine Alu-Gasflasche (11kg) sicherstellen. Da diese Flaschen in Deutschland recht gut getauscht werden können ist das innerhalb Deutschlands in jedem Falle die Variante der Wahl. Wenn einem Die Flaschen nicht zu schwer sind, dann ist das auch recht unproblematisch.

img_0793Wir benötigen in unserem Fahrzeug Gas lediglich zum Kochen, zum Betreiben des Kühlschranks und für die Warmwasserbereitung. Die Heizung läuft über Diesel. In den Gaskasten unseres Chausson 640 passt genau eine 11kg Gasflasche hinein, so dass schon der Transport einer Reserveflasche in der Garage erfolgen muss.

Gastankflasche (Abbildung oben rechts)
Zusätzlich zur regulären Gasflasche kann man auch über die Anschaffung einer Tankflasche nachdenken. Im Prinzip ist dies Flasche identische mit einer „Normalen“ Gasflasche, allerdings ist eine zusätzliche Befülleinheit integriert, so dass sie an jeder LPG-Tankstelle selbst befüllt werden kann. Die Flaschen haben dann eine automatische Abschaltung bei 80%igem Füllstand integriert, damit ein überfüllen und damit ein zu hoher Innendruck bei Temperaturanstieg vermeiden wird. In Deutschland ist das allerdings nicht erlaubt, daher eben der „Umweg“ über die Alugasflasche, die von Fachfirmen ebenfalls auf 80% des Maximalfüllstandes aufgefüllt wird. Wenn man dieselbe Gastankflasche fest mit dem Fahrzeug verbinden würde (also statt der Spannriemen, die man von Hand öffnen kann, solche verbauen würde, die nur mit Werkzeug geöffnet werden können und bestimmte sehr große Kräfte aushalten) und noch dazu die Anlage eintragen lassen würde, dann darf man diese Flaschen (allerdings nur über einen außenliegenden Füllstutzen) auch in Deutschland befüllen, denn dann sind es ja keine beweglichen Gasflaschen mehr, sondern fest installierte Gastanks. Das die Lobby der Gasprüfer sehr großen Wert darauf legt, dass diese Installation nur von einem der Ihrigen vorgenommen wird ist verständlich, aber nicht unbedingt logisch, denn die Gasflasche wird auch von jedem Laien mit dem Druckminderer verbunden und auf der Entnahmeseite existiert schlicht kein Unterschied zwischen Gasflasche und Gastankflasche. Kurzum in Deutschland ist ein Befüllen und Betreiben einer Gastankflasche nicht zulässig, in allen anderen EU-Ländern kein Problem, vorausgesetzt man hat den passenden der vier verschiedenen  Adapter zur Hand. Diese Adapter sind im Übrigen auch notwendig, wenn man mit einem erdgasbetriebenen KFZ unterwegs wäre…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Generell möchte ich bemerken, dass ich im Normalfall eher in Richtung „Sicherheitsfanatiker“ tendiere, allerdings ist mir die Regelung zwei praktisch identische Gasbehälter völlig unterschiedlich zu handhaben, irgendwie unerklärlich. Jedem sei also selbst überlassen, welche Lösung er für sich persönlich findet… spannend ist auch, dass es für Gasflaschen (egal ob voll oder leer) nur eine Maximalgrenze von 300kg gibt, die wohl kaum ein Wohnmobils je erreichen wird. zudem müssend die Flaschen so gesichert sein, dass sie beim Bremsen und Kurverfahren nicht verrutschen können und die Ventile durch Schutzkappen abgedeckt sein. Der Lagerplatz muss „ausreichend nach außen belüftet“ sein. In welcher Position die Flaschen transportiert werden dürfen, ist nicht geregelt. Das bei Ladevorgängen das Rauchen und offenes Feuer verboten ist, sollte selbstverständlich sein (aber es gibt ja auch Experten mit Glimmstängel an der Tankstelle…).

Aber wie schon geschrieben: Bei Gastankflaschen ist dann Alles anders, der heilige Bürokratismus lässt grüßen 😉

2 Gedanken zu “Gastankflasche vs. Gasflasche

  1. Moin Marc,

    ich möchte deinen Artikel um einen wichtigen Hinweis ergänzen.
    Denn es gibt noch einen weiteren Grund, warum in Deutschland die Gastankflaschen nur im fest Verbautem Zustand erlaubt sind. (s.g. ortsfester Druckbehälter)

    Man muss immer mit der „Dummheit“ (netter: Unwissenheit) des Benutzers rechnen.
    Legt sich nun jemand die Tankflasche auf die Seite, quasi bequem an die Kante der Heckgarage und befüllt die Flasche, ist der 80% Stopp außer Funktion und die Flasche wird zu 100% gefüllt.
    Der Druck im Inneren steigt pro 1° um ganze 7Bar, dass würde also bedeuten, dass sie recht schnell in hohe Drücke aufsteigt, für die der Behälter nicht ausgelegt ist.
    Nun gibt es ja ein Überdruckventil.
    Wenn dieses funktioniert, wird also Gas abgeblasen, wenn es nicht funktioniert, dann viel Spaß!

    Aber auch beim Abblasen ensteht eine Gefahr, da recht große Mengen an Gas abgeleitet wird.
    Auch dies ist u.U,. nicht ganz so lustig. 😉

    Viele Grüße
    Marco Neul
    Lieblingswomo.de Reisemobiltechnik aus dem Norden

    Gefällt 1 Person

  2. Danke Marco,
    mit anderen Worten Deutschland traut seinen Einwohnern (vielleicht mit recht?) jegliche falsche Handhabung der Gastankflaschen zu, während die europäischen Nachbarn davon ausgehen, dass man Flaschen natürlich nur aufrecht stehend und gut befestigt befüllt… Auf eine andere Idee wäre ich auch garnicht gekommen, aber danke für die Erklärung von einem zertifizierten Gasfachmann…

    Grüße zurück

    Marc

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