Meine letzten Tage im Fitness-Studio

Marc ist mir schon einen Schritt voraus, er hatte am Freitag seinen letzten offiziellen Arbeitstag, auch wenn er ihn im Homeoffice verbrachte. Ich habe jetzt genau ein Jahr halbtags beim Kraft-Punkt in Fellbach und Korb als Trainerin gearbeitet. Es hat mir sehr viel Freude bereitet, neue Kunden in die Geräte einzuweisen, den Trainingsablauf und die korrekte Ausführung der Übungen bei den Bestandskunden zu überwachen.

Die größte Herausforderung war wie fast überall, potenzielle Neukunden vom Trainingskonzept zu überzeugen, was sie bei einem kostenlosen Probetraining erschnuppern konnten. Das Ziel war dann der Vertragsabschluss. Mit der Zeit lernte ich die Kunden, die zu meinen Einsatzzeiten trainierten, besser kennen. Viele richteten sogar ihren Trainingsplan nach meinen Einsatzzeiten ein. Sie fragten extra nach, wann ich denn immer im Studio sei. Sehr süß!

Der Altersdurchschnitt der Kundschaft liegt sicher bei über 60 Jahren, die älteste Kundin ist 90 und topfit. Viele sind auch über 80, denen sieht man ihr Alter meist nicht an. Außerdem haben sie einen großen Schatz an Lebenserfahrungen, aus dem sie immer mal gerne berichteten. Themen waren unter anderem der zweite Weltkrieg, Familie, Beruf, Kinder, oft auch Krankheiten und Schicksalsschläge. Weitere Themen waren der Branche entsprechend Sport, Ernährung und körperliche Beschwerden. Nur zu wenigen Kunden habe ich engeren Kontakt aufgebaut, die meisten trainierten nur so vor sich hin und waren eher zurückhaltend. Ich weiß nicht, ob das an der schwäbischen Mentalität liegt, jedenfalls habe ich ja auch „anders“ gesprochen, somit war ich schon mal eine „Reingeschmeckte“, also eine Zugezogene. Und die haben es zunächst bei den Schwaben schwer, akzeptiert zu werden. So habe ich jedenfalls die Erfahrung gemacht. Wer hochdeutsch spricht, ist „Ausländer“ 😂. Da es in Stuttgart und Umgebung natürlich auch einen hohen Ausländeranteil gibt und viele aus anderen Regionen Deutschlands kommen, fand ich immer auch Gesprächspartner, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Im Endeffekt leben sie ja auch dann alle kunterbunt gemischt friedlich zusammen. Einige krasse Gestalten hatten so einen derben Dialekt, dass ich kein Wort verstanden habe, auch nicht später, als ich schon länger da war. Dass ich ihnen dann mit drei Fragezeichen auf der Stirn verständnislos zuhörte und nur mit dem Kopf nickte, fiel ihnen dabei gar nicht auf, und sie schnatterten einfach weiter. Sie haben sich noch nicht einmal gewundert, dass ich nie geantwortet habe 😂😂.

Eine der jüngeren Kundinnen war sogar Luxemburgerin, die schon seit vielen Jahren in Fellbach lebt und arbeitet. Als ich dies herausgefunden hatte, da sie immer noch mit ihrem gelben Kennzeichen hier herumfährt, sprach ich sie beim nächsten Besuch auf Luxemburgisch an, und sie selbst sowie alle anwesenden Trainierenden hörten erstaunt zu, wie ich sie ansprach. Ich habe mich gewundert, wie viele Sätze ich noch auf  Luxemburgisch zusammen bekommen habe, irgendwann jedenfalls musste ich passen und bat darum, weiter auf Deutsch zu reden. Ob die Kundin bei diesem Training überhaupt gemerkt hat, dass sie trainiert hat? Wir haben jedenfalls viel über Luxemburg, mein Leben dort und an der Mosel erzählt, und sie mir von ihrem Leben im Schwabenland. So hatten jedenfalls auch mal ganz viele Schwaben drei Fragezeichen auf der Stirn, als ich mal eine andere Sprache aufgelegt habe 😂.

Eine Kundin ist Spanierin, mit ihr habe ich immer mal ein wenig Small Talk auf Spanisch gemacht. Das fiel mir schon etwas schwerer, weil ich es lange nicht mehr gesprochen habe.

Ein älteres Ehepaar hat eine Tochter, die mit ihrer Familie in Luxemburg lebt und arbeitet. Wir kamen darauf, weil ich ja immer noch ein Trierer Kennzeichen hatte, und sie mich darauf ansprachen. So vergingen viele Donnerstage in Korb, an denen ich mich nett mit diesem Ehepaar über Luxemburg, die Sprache etc. unterhalten habe. Da sie auch ein Wohnmobil haben, hatten wir gleich das nächste gemeinsame Thema, und auch sonst waren wir auf einer Wellenlänge, und es war für mich immer eine Freude, wenn sie zum Training erschienen.

Nun noch zu mir und meinen persönlichen Erfahrungen mit dem Gerätetraining. Bisher habe ich als Lauftrainerin ja mein Athletik-Training mit dem eigenen Körpergewicht oder kleinen Hilfsmitteln wie Brazils, TRX oder Therabändern gemacht, wenn überhaupt. Planks, Kniebeugen und Liegestütze standen bei mir eher auf dem Plan, was ja auch in meinem Kurs „Bauch, Beine, Po & Rücken“ , den ich jetzt drei Semester bei der VHS Stuttgart gehalten habe, auf dem Programm stand. In einem Jahr Gerätetraining, anfangs zweimal wöchentlich, später nur noch einmal wöchentlich, habe ich etwas mehr als 2 kg an Körpergewicht zugelegt in Form von Muskelmasse. Evtl. ist die Knochendichte auch etwas größer geworden, so genau ist unsere Waage dann auch nicht. Jedenfalls fühle ich mich stärker denn je, beim Laufen und Radfahren fliege ich nur so die Berge hoch, auf dem Rennrad ist mein Tempodurchschnitt auf flacher Piste im Vergleich zu Moselzeiten um mehr als 2 km/h gestiegen. Da wir hier auch auf einem Berg oberhalb des Neckars gewohnt haben, bin ich nun auch anderthalb Jahre extrem viele Steigungen in Form von Treppen und Weinbergen gelaufen und Rad gefahren, was sicherlich auch zu meiner gesteigerten Fitness beigetragen hat. Dazu kam, dass ich durch meinen Halbtagsjob viel Zeit für meine sportlichen Aktivitäten hatte. Mindestens eine, wenn nicht zwei Sporteinheiten standen täglich auf dem Programm, mein 10 km Morgenlauf um den Max-Eyth-See sowie oft noch eine Radeinheit zur Arbeit und zurück. An freien Tagen war ich dann mit dem Rennrad unterwegs und habe die Stuttgarter Höhen erkundet.

Das Training mit Gewichten habe ich wirklich unterschätzt. Fitness-Studios hatte ich wegen der Klischees bisher müde von außen belächelt. Fazit: Als Add-on zur Kräftigung für andere Aktivitäten ist ein Kraft-Training sicherlich zu empfehlen. Ab jetzt werde ich auf unserer Tour natürlich wieder ohne Studio auskommen. Als Ersatz habe ich uns eine Kugelhantel gekauft. Marc ist von den Swings auch sehr begeistert. Wir bleiben am Ball!

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