Nach einer chaotischen Nacht im verschlafenen Nest Estepona Richtung Motril

Nachdem wir uns auf unserem freien Stellplatz im Hafen von Estepona ruhig ins Bett gelegt hatten,  wurden wir auf einmal gegen 0.30 Uhr wach, da sich neben uns auf dem Parkplatz ein kleiner Seat gesellte, der besetzt war mit vier Erwachsenen und ein paar Musikboxen, aus denen Bässe drangen, die das Auto zum Beben brachten. In dem Wagen war gut Stimmung, und eine der Damen ging zum Kofferraum und packte eine Flasche Sekt aus, die dann erst mal von allen geext wurde. Wir konnten dies alles aus einem Meter Entfernung aus unserem Guckloch (Ritze der Jalousie an unserem Bettfenster) beobachten, und wir waren gespannt, wie die Show weiterging.

Nach einer weiteren Flasche ??? wurde die Stimmung und Musik immer lauter, dass wir beschlossen, ein paar Parktaschen weiterzufahren, wo noch andere Wohnmobile standen, um ein wenig mehr Ruhe zu haben, denn ein Schlafen wäre unmöglich gewesen mit so einer Nachbarschaft. Kaum hatten wir das Wohnmobil 10 Meter weitergeparkt, lagen wir erneut im Bett. Keine 2 Minuten später, und schon gesellte sich ein ähnlich besetztes Auto neben uns, diesmal wurde geraucht und gesoffen. Am Wochenende wird also auch in Spanien gut gefeiert. Ein Schweizer hatte am Tag vorher schon davon gesprochen, dass es hier eine Diskomeile um die Ecke gebe, und dass es laut werden könnte. Wir hatten dem ganzen nicht getraut, da es gegen Abend noch alles ruhig schien. Die spanischen Nächte fangen eben erst viel später an als bei uns. Denn um 0.30 Uhr findet bei denen also erst das „Warmtrinken“ statt, um danach in eine ihrer Diskotheken abzutauchen und schon ein gewisses Alkohol-Level zu haben, bevor es so richtig los geht. Dazu gesellte sich auch noch ein Polizeiauto mit Drogenhund. Jetzt ging es richtig rund, und wir beschlossen, auf den benachbarten Schotterplatz, der komplett im Dunklen hinter den Wellenbrechern lag, umzusiedeln, in der Hoffnung, dort endlich ein wenig Ruhe zum Schlafen zu finden. Diese nächtlichen Umparkaktionen habe ich dann ohne Kontaktlinsen im Halbschlaf erledigt. Am Ende des Schotterplatzes standen noch eine Reihe weiterer Wohnmobile, die es direkt richtig gemacht hatten, u.a. auch der vorher erwähnte Schweizer.

Kaum zu glauben, aber wahr. Hier konnten wir in Ruhe bis morgens schlafen und wurden von hellem Sonnenlicht geweckt mit Blick aufs Meer. Was will man mehr an einem Sonntagmorgen, und das ganz ohne Wind, der uns am Atlantik die ganze Zeit verfolgt hatte. Mit so einer Aussicht aus dem Bett hatten wir gar keine Lust aufzustehen, zumal wir ja eh keinen Termin hatten, außer irgendwann weiter zu fahren.

Ein kleiner Exkurs zum Thema Müll in Spanien:

Auf unserem Schotterplatz standen 10 halbvolle Müllcontainer, und dahinter lagen viele Kubikmeter Müll auf dem Boden herum. Man fragt sich, ob die Menschen nicht treffen können, oder wie dies zustande kommt. Allgemein liegt in Spanien außerhalb der Städte sehr viel Müll in der Prärie herum, weniger am Strand, da diese oft noch gereinigt werden, unter anderem von den Städten. Eigentlich wollten wir ab und zu Müll sammeln, sind aber dermaßen frustriert, weil wir oft einen Müllsack füllen könnten, ohne zu sehen, dass es überhaupt weniger Müll geworden ist. In Frankreich war es oft das Problem des Mikroplastiks, kleine Millimeter große Plastikstücke, die kaum zu greifen sind, um sie aufzuheben und sinnvoll zu entsorgen. Dazu müssten wir fast mit einer Lupe über den Boden robben. So heben wir hauptsächlich also nicht gezielt Müll auf, sondern nur, wenn etwas vor uns auf dem Boden liegt, und ein Mülleimer in Reichweite ist. Naja, wenigstens etwas.

Gegen 10 Uhr machten wir uns fahrklar und starteten mit dem Ziel unseres Campingplatzes DonCactus in Motril mit Zwischenstation in Nerja. Die A7 führte komplett am Meer entlang bzw. mit Fernsicht auf das Meer. Links davon im Hintergrund riesige Gebirgsketten von diversen Sierras, die bis 1900 Meter hochgehen, die Sierra Nevada werden wir auf unserer nächsten Etappe sehen. Oft führte uns die Autovia genau in Richtung Wasser, so dass wir das Gefühl hatten, dort die Klippe hinunterzustürzen, bzw. direkt ins Meer zu fahren. Ein echt tolles Gefühl! Wenn man weiß, dass es nicht so sein wird. Später fuhren wir durch riesige Anbaugebiete von Pfirsichbäumen bis nach Nerja, wo wir den Balcón de Europa besuchten, den wir vor vielen Jahren über Weihnachten schon einmal besichtigt haben. Bei guter Sicht kann man auch hier bis nach Marokko schauen.

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Der Balcon de Europa

Die letzten Kilometer führten uns durch große Obst- und Gemüseplantagen, in Form von Leichtgewächshäusern mit weißen Folien bedeckt. Unser Campingplatz liegt genau zwischen diesen Gewächshäusern und zwar 50 Meter vom Strand entfernt. Heute begleitete uns ein gefühlt orkanartiger Wind mit Windstärken von bis zu 7 oder 8 Beaufort, sprich 50-70 km/h, und wir dachten, am Mittelmeer wäre es milder und wärmer. Pustekuchen, im wahrsten Sinne des Wortes. Hier fliegt alles weg, was nicht niet- und nagelfest ist.

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Bei unserem Spaziergang vor Sonnenuntergang am Strand liefen sogar bis zu 2 Meter hohe Wellen. Noch ein Klischee, welches vom Mittelmeer heute widerlegt wurde: Das Meer ist platt, und es gibt keine Wellen. Fünf Surfer versuchten, die schnellen und steilen Wellen zu erhaschen, mehr oder weniger erfolgreich. Ihnen schauten wir sehr interessiert einige Zeit zu. Mal sehen, wohin die Reise weitergeht.

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Ein Surfer auf einer Mittelmeerwelle

 

 

 

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