20 Jahre ist es her – März 2001 – Auf ins „Abenteuer Luxemburg“

Aussicht auf die Kathedrale Notre-Dame und die „Gelle Fra“

Für all diejenigen, die nicht wissen, wie ich überhaupt damals beruflich in Luxemburg gelandet bin, erzähle ich dies nun rechtzeitig zum 20. Jubiläum:

Nach Abschluss meiner Bankausbildung bei der damaligen Stadtsparkasse Köln im Januar 2000 stand für mich fest, dass ich mir keine Karriere in einer Bank vorstellen konnte. Schon nach dem Abitur war die Wahl der Ausbildung eher eine Vernunftsentscheidung, da meine Vorlieben eher dem Sport und den Sprachen galten. In dieser Kombination hätte sich damals nur ein Lehramtsstudium angeboten, was ich aber für mich ausgeschlossen hatte. Damals war ich noch nicht so weit, dass ich es mir zugetraut hätte, vor einer Klasse zu stehen und Unterricht zu halten. Die Respektlosigkeit der damaligen Sextaner vor den Abiturienten hatte mich doch sehr schockiert! Ebenfalls die Hilflosigkeit so mancher Lehrer, sich bei den Schülern durchzusetzen, hielt mich davon ab. So stand ich also erneut vor der Entscheidung, wie die berufliche Karriere weitergehen sollte, wenn nicht in einer Bank!

Ich als leidenschaftliche Windsurferin träumte ja eigentlich schon immer davon, als Surflehrerin irgendwo am Meer zu leben und am Strand zu arbeiten. Dieser Traum ließ mich auch während der Banklehre nicht los, und so informierte ich mich bei der Deutschen Windsurfing Vereinigung, was es es dort für berufliche Möglichkeiten gab. So saß ich kurz darauf im März 2000 im Flugzeug nach Ägypten ans Rote Meer, um dort eine zweiwöchige Windsurflehrerausbildung zu machen. Meiner Familie und meinen Freunden erzählte ich, dass ich mich im Herbst für BWL bei der Uni Köln einschreiben würde. Das wäre zumindest eine logische Fortsetzung in die betriebswirtschaftliche Richtung nach einer kaufmännischen Ausbildung. Für nach der Ausbildung in Ägypten organisierte ich mir noch in unserer französischen Partnerstadt Charleville-Mézières in den Ardennen ein 10-wöchiges Praktikum im städtischen Office du Tourisme, um dort meine französischen Sprachkenntnisse zu perfektionieren, denn wer mich kennt, weiß, dass mein Herz für Frankreich und die französische Sprache schlägt.

Nach erfolgreich bestandener Windsurflehrerausbildung stellte sich heraus, dass es nicht so einfach wäre, irgendwo im Ausland eine sichere Stelle als Surflehrer zu finden. Auch die Eröffnung einer eigenen Surfschule wäre mit großen Risiken verbunden. Es war also nicht alles so rosig, ich ich es mir vorgestellt hatte. So ging es also nahtlos über nach Frankreich, wo ich eine interessante Zeit im Touristenbüro mit netten Kollegen verbrachte. Untergebracht war ich bei einem lieben Ehepaar, welches in Fußdistanz zur Innenstadt wohnte. Dort hatte ich viele Freiheiten, und ich lernte das französische Leben in all seinen Zügen kennen. Besonders enttäuscht war ich doch, als ich feststellte, dass mein Französisch trotz des französischen Leistungskurses mit Abschlussnote „sehr gut“ im Abitur ziemlich wenig für den Alltag zu gebrauchen war, sondern eher für Textinterpretationen und literarische Lektüre. Das war dann der Sprung ins kalte Wasser, nun auch Umgangssprache gefühlt als „Neuling“ zu lernen.

Die zehn Wochen gingen recht schnell vorüber, zunächst sehr unbeschwert, da alles sehr abwechslungsreich war, gegen Ende jedoch sah ich mich wieder mit der Entscheidung über die weitere „Karriere“ konfrontiert, was mir enormen Druck machte. Die Erwartungshaltung von außen verstärkte dies, da ich eigentlich schon nach einer Woche „Schnuppern“ bei BWL im Sommersemester für mich entschieden hatte, dass dies kein Weg für mich sein würde. Doch, was tun? Als mich mein Vater in Charleville abholte, fuhren wir auf dem Rückweg, warum auch immer (?), damals noch ohne Navi, über Luxemburg, und zwar mitten durch die Stadt, die Montée de Clausen hinunter mit Aussicht auf die Rote Brücke und das Kirchbergplateau. Ich war fasziniert von diesen Höhenunterschieden, schaute von den Kasematten im Vorbeifahren hinunter in die Unterstadt und meinte zu meinem Vater direkt: „Hier müssen wir unbedingt mal einen Ausflug hinmachen!“ Irgendwer muss diesen Wunsch gehört haben, denn dass ich zehn! Monate später mal dort arbeiten würde, damit hätte ich niemals gerechnet.

Zum Glück stand im Sommer nach meinem Praktikum dann noch ein gemeinsamer Wellenreiturlaub mit meinem Bruder in Moliets-Plage auf dem Plan, wo ich wieder etwas Zeit gewinnen und mich mit der Sache beschäftigen konnte. Was den Urlaub jedoch für mich nicht sonderlich entspannt machte, da das Wintersemester, für das ich mich tatsächlich eingeschrieben hatte, nahte.

Im August nahte der Geburtstag meines Bruders, ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, dass ich an dem Abend während der Grillparty im Garten meinen Eltern meine „Verzweiflung“ über meine Situation beichtete. Sie waren natürlich schockiert, weil sie von der ganzen „Chose“, über die ich ja mit niemandem gesprochen hatte, nichts wussten. Sie sahen, dass ich todunglücklich war und machten den Vorschlag, dass ich doch einfach mal ein paar Monate irgendwo in einer Surfschule auf einer schönen Insel ein Praktikum machen sollte, um zu schauen, ob ich mir so etwas vorstellen könnte. Gesagt getan, kurze Zeit später landete ich auf Fuerteventura im Robinson Club Jandia Playa, wo ich an der Surfstation zum Einsatz kam. Dort traf ich übrigens einen Bekannten, der im Frühjahr in Ägypten ebenfalls die Ausbildung gemacht hatte. So klein ist die Welt! Und so hatte ich schnell Anschluss und lernte das anstrengende Clubleben kennen. Sechs Tage die Woche 12-14 Stunden Arbeit und einen Tag frei. Puh, war das anstrengend! Nach der Arbeit an der Surfstation stand am Abend Animation auf dem Programm! Zirkus, Jonglieren, Theater spielen, Showkoch etc..Auch wenn man tagsüber am Strand arbeitete und die tollste Aussicht genoss, viel Zeit, um selbst mal surfen zu gehen, gab es nicht. Im Dezember nach ca. zwei Monaten reichte es mir, und ich arrangierte mir einen Rückflug, um mit meiner Familie als Überraschung gemeinsam Weinachten zu feiern. Es war auch tatsächlich eine Überraschung, da niemand mit mir gerechnet hatte, da es mir ja eigentlich gut gefallen hatte.

Kaum war ich zu Hause, kam mein Vater direkt mit einer Zeitungsannonce aus dem Kölner Stadt-Anzeiger zu mir und meinte, er hätte da was gefunden, was genau zu mir passen würde:“Junge Bankkaufleute mit Sprachkenntnissen“ würden gesucht von der Dresdner Bank Luxemburg. Meine Güte, das klang ja wirklich verlockend, besonders Französischkenntnisse waren erwünscht.

Und Luxemburg war ja „fast“ Frankreich, und überhaupt hatte ich da ja schon längst auch einen Ausflug hin machen wollen. Unter den Bedingungen konnte ich mir auf einmal doch wieder eine Karriere in einer Bank vorstellen, erst recht im Ausland!

Schon einen Tag später ging die Bewerbung raus, kurz darauf erfolgte ein Telefonat mit der Personalabteilung, und ich wurde sofort zu einem Gespräch eingeladen. Und das im tiefsten Winter! Anfang Januar bei Schnee und Sturm fuhr ich mit meinen Eltern zum Gespräch in die Hauptstadt. Das Gespräch verlief sehr erfolgreich, und ich kam freudestrahlend mit einem Arbeitsvertrag in der Tasche aus dem Finanzinstitut, traumhaft gelegen direkt gegenüber dem großherzöglichen Palast. Meine Eltern hatten sich in der Zwischenzeit bei C&A aufgewärmt, da es wirklich sehr kalt war. Im März sollte es losgehen.

Zur Feier des Tages buchte ich noch eine Woche Fuerteventura über meinen Geburtstag Mitte Januar für meine Mutter und mich, um ihr mal zu zeigen, auf welcher schönen Insel ich einige Zeit am Strand gelebt und gearbeitet hatte.

Dass ich am Ende doch wieder in einer Bank landen würde, hätte ich auch niemals gedacht. Und erst recht nicht in diesem schönen beschaulichen Luxemburg, was mich im Jahr zuvor auf der Durchreise so sehr beeindruckt hatte.

Und was mich die nächsten 17 Jahre dort erwarten würde, war eine tolle Lebenserfahrung mit vielen lieben Menschen, Kollegen und Kunden, die ich in dieser Zeit kennenlernen durfte.

Da ich eine der wenigen Deutschen war, die im Gegensatz zu den deutschen Berufspendlern auch viele Jahre in Luxemburg gelebt hat, habe ich auch einen etwas tieferen Einblick in das Leben im multikulturellen Großherzogtum bekommen.

Mehr dazu sicher noch einmal in einem gesonderten Artikel…………Vilmols merci an alle lieben ehemaligen Kollegen und Freunde, mit denen ich eine schöne Zeit im Grand-Duché erleben durfte!

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