Aufbruch von Vila Châ nach Murtosa vor den Toren von Aveiro, dem portugiesischen Venedig

Am heutigen Tage checkten wir nach zwei Tagen beim Campingplatz aus und gingen noch vor Abfahrt zum Abschluss eine Runde am Strand spazieren. Hier verlaufen Holzstege durch die Dünen, auf denen auch der portugiesische Jakobsweg entlang führt. Dieser ist bedeutend schöner zu gehen als der spanische Küstenweg, welcher vorwiegend über Landstraßen mit viel Straßenverkehr geht. Marc übernahm dann bei Abfahrt das Steuer, weil die Hinfahrt zum Campingplatz schon sehr holprig und eng gewesen war. Ich hatte ihn darum gebeten. Und es sollte nicht einfacher werden. Nach 3 km Pflasterstraßen folgten enge Dörfer mit Häusern, deren Vorgärten direkt mit Mauern an die Straße grenzen. Einen Bürgersteig o.ä. gibt es nicht. Man hat die Wahl bei Gegenverkehr, gegen die Mauer zu fahren, oder den Gegenverkehr zu rammen, wenn es eng wird. Oder am besten stehen bleiben und evtl. rückwärts die Straße zurück zu fahren. Dazu kamen tief liegende Kanaldeckel, überragende Balkongeländer im ersten Stock, Laternenmasten, die direkt am Bordstein stehen und somit potenziell auch mit unserem Spiegel geküsst werden können, und Straßenschilder, die auch sehr dicht an der Straße stehen. Damit habe ich nur die unbeweglichen Verkehrshindernisse aufgezählt, die fahrenden sind die Krönung. Dazu mehr von Marc. Plötzlich las ich “Matosionhos”, ein Vorort von Porto, in dem wir vor Jahren schon einmal während eines City-Trips gewohnt hatten. Da wusste ich, wir sind direkt vor den Toren von Porto, was wir eigentlich hatten großzügig mit unserem EU-GO umfahren wollen. Unser Navi wollte uns aber mitten durch die Stadt lotsen, und das taten wir dann auch, hintern den Touribussen her, zwischen Stadtbussen und vielen Touristen. Viele Stellen erkannten wir wieder, und tatsächlich war das Fahren in der Stadt nicht ganz so stressig wie in den engen Dörfern. Als wir eine Brücke überquerten, machten wir an einer uns noch bekannten Stelle von damals einen Foto-Stop, wer hätte das gedacht, dass wir hier noch einmal Langfahren würden, und das mit unserem Wohnmobil. Porto ist echt eine Reise wert.

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Ein Blick über Porto mit seiner legendären Brücke

Hinter Porto sollte die Fahrerei nicht einfacher werden, wir erreichten einen Schnitt von ca. 35 km/h, da kann man sich vorstellen, was das bedeutet. Es war genauso stressig wie in den Picos de Europa, wo man hinter jeder Häuserecke, bzw. jedem Felsvorsprung nicht erahnen konnte, was da kommt. Gegen 15 Uhr erreichten wir dann unseren Zielort toll gelegen an der Aveiromündung mit schönen Fischerbooten und Fischerhäuschen.

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Hier machten wir dann erst mal ein Brunchinner (unsere Worterfindung für Frühstück, Mittag- und Abendessen in einem). Gespannt auf die nächste Etappe beendeten wir diesen Tag.

Vom “Ende der Welt” mit Zwischenstopp in Santiago nach Pontevedra kurz vor Portugal

Um an den gestrigen Bericht anzuschließen, gehe ich auf die Schräglage unseres Wohnmobils kurz ein, was uns wirklich nicht an einem guten Schlaf gehindert hat, also muss man es mit den Auffahrkeilen nicht so genau nehmen. Nur der Kühlschrank funktioniert besser, wenn er aufrecht steht. Nach einer geruhsamen Nacht mit einem Sternenhimmel mit Millionen Sternen (würde der Trierer sagen!) konnten wir heute Morgen aus unserem Bett den Sonnenaufgang über den Bergen beobachten. In welchem Schlafzimmer kann man gleichzeitig aus den Bett sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen? Einfach genial!

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Der Sonnenaufgang in Fisterra. Sonja schaut zum Kreuz auf.

Die ersten Wanderer oder Pilger waren auch schon wieder unterwegs, um diesen von Finisterre aus zu beobachten. Wir warteten auch nicht lange und spazierten noch zum Leuchtturm und stiegen die Treppen hinab bis ans Wasser. Da war dann wirklich das Ende der Welt und das finale Ende vom Jakobsweg. Bald machten wir auch wieder unseren EU-GO startklar um in die Pilgerstadt Santiago de Compostela aufzubrechen.

Am Abend zuvor hatten wir uns eine günstige Tankstelle gemerkt, wo wir auf dem Rückweg noch einmal volltanken wollten, bevor es nach Portugal geht, wo der Sprit teurer sein soll. Ebenso gab es dort einen riesigen spanischen Supermarkt, den wir einmal auf sein Sortiment testen wollten, nachdem wir davor in einem spanischen Lidl einmal eingekauft hatten. Fazit, die Preise sind fast gleich, doch der Lidl hatte eine deutlich größere Obstauswahl. Danach ging es recht entspannt über wechselnde Autobahnen und Nationalstraßen nach Santiago, wo wir einen Stellplatz suchten. Ein Parkplatz für Busse und Wohnmobile sollte 12 Euro kosten, egal ob für eine oder für 24 Stunden, das lehnte ich allerdings kategorisch ab, weil mir das für 3 Stunden zu parken einfach zu teuer war. Also lotste mich mein Gefühl einen Berg hinauf Richtung Wald, wo Marc über eine App einen kostenlosen Waldparkplatz ausfindig machte, der zu Fuß 25 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Zwei französischen Geschwister der Marke Chausson standen bereits auf diesem Platz, und deren Besitzer grüßten freundlich.

Nach unserem Frühstück, was heute dann erst um 14 Uhr stattfand, machten wir uns gegen 15 Uhr auf in die Stadt. Es war wirklich ein Katzensprung, und es war auch wirklich nicht viel los. Von weitem sah man schon die Kathedrale die ganze Stadt im Tal überragen. Von unserem Parkplatz aus lag uns quasi die Stadt zu Füßen. Zuerst besuchten wir eine schöne kleinere Kirche namens San Francisco, welche auf dem Weg lag, bevor wir zur Kathedrale gingen. Der Platz vor der Kathedrale war recht voll von Pilgern, die auf dem Boden saßen und ihre Füße “lüfteten” und sich von ihren Strapazen erholten. Eine nette ruhige Atmosphäre. Die große Enttäuschung kam, als wir in die Kathedrale hineingingen, alles war mit Folie verhüllt wegen Bauarbeiten. Sowohl alle Seitenkapellen, der Altar, einfach alles. Nur den engen Zugang zum heiligen Jakobus hatten sie offen gelassen, damit die Pilger ihn traditionell umarmen können. Dafür musste man Schlage stehen, was wir uns ersparten. Von außen ist die Kathedrale allerdings sehr beeindruckend, ebenfalls die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde mit ihren Säulengängen und engen Gassen.

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Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Platz davor viele mehr oder weniger erschöpfte und gezeichnete Pilger.

Die Stimmung war wirklich friedlich und angenehm, ich hatte erwartet, dass die Stadt von Pilgern überlaufen sei. Mit 100.000 Einwohnern ist sie auch überschaubar, so dass wir mit unserer Besichtigung in knapp zwei Stunden schon “durch” waren. Daraufhin beschlossen wir, uns wieder Richtung Meer zu orientieren, Pontevedra, unser nächstes Ziel kurz vor Portugal. Das Wetter war auch heute wieder traumhaft, über 20 Grad und Sonnenschein, so verlängert man sich den Sommer gerne. Die Stadtbesichtigung von Pontevedra steht dann morgen auf dem Programm.

Die Anfahrt hierhin war sehr anstrengend für mich (Sonja), enge Landstraßen, LKWs im Gegenverkehr, so was macht mir “latent” Stress, so dass ich mich auf den nächsten “Urlaub” freue, sprich, ein paar Tage auf einen Campingplatz zu fahren und noch mal von der Fahrerei pausieren. Wir sind jetzt genau eine Woche unterwegs (von unserem franz. Campingplatz in Moliets) und waren jede Nacht und jeden Tag irgendwo anders, wir haben so viel gesehen, dass man es erst mal wieder sacken lassen muss, und wir haben in dieser Woche die ganze spanische Nordküste (inkl. 2 Tage Picos de Europa) abgefahren und unsere Highlights besichtigt. Sehr viele und schöne Eindrücke, die wir in einem “normalen” Jahresurlaub niemals gesammelt hätten! Wir freuen uns jetzt schon auf Portugal, wo wir beide erst zweimal waren, einmal gemeinsam in Porto und jeder einmal alleine. Da wir zu unseren “Luxemburgzeiten” und in Stuttgart (Herr Illi bleibt unvergessen! (Marc)) auch sehr nette Bekanntschaften mit liebenswürdigen Portugiesen im Alltag und als Kollegen gemacht haben, freuen wir uns besonders, dieses Land zu erkunden.

Unsere geplant nächste Etappe nach La Coruña

Nach einer sehr ruhigen Nacht am Flussufer von Bergondo stand unsere Weiterfahrt nach La Coruña auf dem Programm. Da die Sonne schon schön schien, und es auf dem Stellplatz sogar einen kleinen Sandstrand mit Duschen gab, beschloss ich doch ganz spontan, noch gerade in den Fluss zu hüpfen und dann am Ufer zu duschen. Open-air Dusche bei strahlendem Sonnenschein und gefühlt 20 Grad, ein Traum, was will man mehr an einem Sonntagmorgen?

Auf den heutigen Tag hatten wir uns schon sehr gefreut, da er nicht so anstrengend wie die letzten Tage werden sollte auch aufgrund der kurzen Fahrtzeit nach La Coruña von nur 40 Minuten. Dort wollten wir dann auch übernachten nach der Stadtbesichtigung.

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Unser Parkplatz mit Blick auf die Stadt

Auf einem schönen Parkplatz nahe dem Stadtzentrum und mit tollster Aussicht auf das tosende Meer stellten wir unseren EU-GO ab und machten erst mal Frühstück. Wir frühstücken meist erst mittags, da wir nach dem Aufwachen immer erst mal ein Stück fahren möchten, und dann wird es oft zwischen 12 und 14 Uhr, bis wir den frisch zubereiteten Obstsalat etc. genießen können. Gegen 14 Uhr brachen wir dann heute auf unseren Stadtrundgang auf.

Das Wahrzeichen der Stadt ist ein 2000 Jahre alter römischer Leuchtturm, den wir von unserem Parkplatz aus sehen konnten. Typisch für die Stadt sind schöne verglaste Holzerker, mit denen die Häuserfronten verziert sind, was der Stadt auch den Spitznamen “Kristallstadt” verleiht.

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Wir beide im Freizeithafen mit Blick auf die typischen Häuserfronten
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Der römische Leuchtturm überwacht die Stadt

Die Stadt hat uns sehr gut gefallen, da sie mehrere Strandpromenaden hat, einen riesigen Stadtstrand, wo sowohl Surfer schöne Wellen surfen als auch Sonnenanbeter schwimmen gehen können. Die Altstadt besticht mit schönen gemütlichen Gassen und einigen alten Kirchen. Palmen säumen die Hafenstraße, wo Spaziergänger, Jogger und Radfahrer anzutreffen sind. Alles in Allem, hier lässt es sich sicher gut leben bei im Herbst selbst sommerlichen Temperaturen. Als wir dann gegen 17 Uhr zurück am Parkplatz sind, beschließen wir doch kurzum, wieder weiter zu fahren, da der Platz zum Schlafen nicht so gemütlich ist. Unser nächstes Ziel, was eigentlich für morgen gedacht war, ist Fisterra, das spanische “Ende der Welt”, und der westlichste Punkt Europas. Bis dahin wären es noch gut 2 Stunden zu fahren. Da wir heute ja erst 40 Minuten gefahren sind, brachen wir also auf. Die Straßen waren angenehm zu fahren, leere Autobahnen und gut ausgebaute Landstraßen, von denen man in Deutschland oft träumt. Gegen 19.30  Uhr kamen wir doch glatt rechtzeitig zum Sonnenuntergang an. Auf dem Weg zum Leuchtturm waren Pilgerströme unterwegs, Jakobspilger verlängern oft ihren Weg von Santiago bis hierhin, aber auch so manch andere Leute verirrten sich so spät noch auf diesem Felsen.

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Unser EU-GO am Ende der Welt mit Blick auf den Leuchtturm

Zum Glück bekamen wir noch einen Parkplatz, das Gefälle ist so stark, dass wir selbst mit den Auffahrkeilen die Unterschiede nicht ausgleichen konnten. Unsere französischen Nachbarn auf dem Stellplatz meinten: “Für eine Nacht wird das gehen. Dafür ist die Aussicht unbezahlbar.” Wir werden es heute Nacht erleben, wie die Schräglage so ist. Pünktlich um 20.09 Uhr ging die Sonne am Horizont über dem Atlantik unter. An diesem Punkt geht in unserer Zeitzone in Europa am spätesten die Sonne unter. Bis 20.50 Uhr war es noch nicht komplett dunkel. In Stuttgart zum Vergleich ging sie schon um 18.50 Uhr unter. Ein schönes Naturschauspiel zum Tagesausklang, wir sind gespannt auf den morgigen Tag.

Eine abenteuerliche Gebirgstour durch die Picos (Teil II) mit Happy End

Nachdem wir nach der gestrigen Etappe recht müde ins Bett gefallen waren, erwachten wir heute Morgen im dichten Nebel bei 8 Grad am Stausee von Riaño. Unser heutiges Ziel war eigentlich ausschließlich, wieder heil und unfallfrei aus diesem gigantischen Gebirge, welches wir extrem unterschätzt hatten, herauszukommen. Der gestrige Tag war wirklich nervenaufreibend, wie Marc ja schon geschildert hat. Der heutige hielt auch wieder einige Überraschungen parat. Kurz: Wir fuhren ohne lange nachzudenken recht früh los, weil wir heute irgendwann wieder am Meer ankommen wollten. Das Navi spielte recht schnell verrückt und führte uns auf eine falsche Straße, was wir aber schnell merkten und noch rechtzeitig wieder wenden konnten. Nach ca. 20 km kamen wir an einen Ort, wo ein Schild “Straße gesperrt” stand. Die Umleitung sollte über eine sehr enge und kurvenreiche Straße gehen, die für lange Fahrzeuge nicht geeignet war.

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Straßensperrung mitten im Gebirge

Laut Aussage der Bauarbeiter würde ausnahmsweise, weil Freitag war, die Baustelle wieder um 14 Uhr anstelle von 20 Uhr geöffnet. Zwei andere deutsche Wohnmobile standen ebenfalls vor dem Schild, und wir beschlossen gemeinsam, einfach hier Mittagspause zu machen und auf der Öffnung zu warten, anstatt die risikoreiche Umleitung zu fahren.

Vor der Baustelle entdeckte ich am linken Straßenrand einen riesigen Walnussbaum, und wer mich kennt, weiß, dass ich jedes Jahr kiloweise Walnüsse sammele. Schon an der Mosel hatte ich damit begonnen, und auch in Stuttgart sammelte ich in der Herbstzeit jeden Tag Walnüsse nach meinem Morgenlauf.  Der Baum hing voller reifer Nüsse, und sehr viele lagen auch schon auf dem Boden, so dass ich mir erst einmal eine Tüte besorgte. Die Ausbeute der 20 minütigen Sammelaktion kann sich sehen lassen. Bio-Walnüsse aus den Picos de Europa. Eine Delikatesse! Selbst die frischen, die noch nicht getrocknet sind, kann man schon essen.

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Die gesammelte Nussausbeute von heute

Pünktlich um 14 Uhr wurde die Baustelle freigegeben, und wir machten uns auf den Weg Richtung Küste. Dieser sollte noch 200 km lang sein und über drei Stunden dauern. Sehr ermutigend! Was uns erwartete, seht ihr auf den nächsten Bildern: Enge Tunnel, viele scharfe Kurven an Felswänden entlang mit tiefen Abgründen auf der gegenüberliegenden Seite. “Mein Vater wäre ausgestiegen und zu Fuß weiter gegangen”, sagte ich zu Marc.

Anscheinend hatte ich schon etwas Übung von gestern, oder ich hatte nur den Eindruck, dass diese Route nicht mehr ganz so heftig war. Dennoch war es immer wieder eine Herausforderung, nicht mit dem Gegenverkehr zusammenzukrachen, weil doch rechts auch eine Felswand war, die wir mit unserem rollenden Haus nicht unbedingt “streifen” wollten. Und ungeduldige Einheimische schoben uns oft von hinten an, die ich dann auch oft vorbeifahren ließ, wenn es mal eine Haltebucht gab.

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“leichter” Überhang über der Straße
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Tunnel in den blanken Fels gehauen, ohne jede Beleuchtung
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nicht ganz so enge Straße, denn sonst hätte es kein Foto gegeben 😉

So kamen wir mit gefühlt einem Schnitt von 30 – 40 km/h vorwärts. Irgendwann wurden die Straßen weiter, und wir erreichten den Ort Cangas de Onís, laut Reiseführer sind wir mit der Nationalstraße N625 durch die Schlucht des Río Sella den engsten befahrbaren Pass Europas gefahren. Darauf bin ich doch recht stolz, dass wir wohlbehalten dadurch gekommen sind.

Gegen Abend erreichten wir wieder den Atlantik, unser Stellplatz direkt am Wasser vor einem Traumstrand (Playa de Aguilar) für uns alleine. Nur ein paar Profisurfer saßen noch draußen im Wasser. Spontan beschloss ich, noch einmal in die Fluten zu springen, bei 18 Grad Wasser- und Lufttemperatur ein angenehmes Vergnügen vor dem Duschen. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Ergänzung von Marc: Natürlich nicht ohne ein leckeres, von Sonja gezaubertes Abendessen!

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Heute mal Swimmingsonja

Unsere tierischen Begleiter, Info-Schilder und sonstiges

Hier mal eine kleine Übersicht über unsere tierische Besatzung an Bord. Wir sind gefühlt die einzigen Camper hier, die ohne Hund(e) unterwegs sind. Im Gegensatz dazu haben wir allerdings andere tierische Begleiter als Mitfahrer. Da ist als erstes Leo zu erwähnen, der Affe von Marc, den er schon zu seinem ersten Geburtstag geschenkt bekommen hat, und der ihn überall hin begleitet hat.

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Weiter geht es mit unseren beiden Delfinen, die ich Marc vor vielen Jahren einmal geschenkt habe, da wir schon immer Delfin-Fans waren. Sie standen bisher immer an seinem Computer-Monitor. Jetzt thronen sie auf unserem Armaturenbrett.

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Ebenso fährt auch noch die c von Marc mit, die als Galionsfigur unseren EU-GO ziert. Sie sitzt direkt hinter der Windschutzscheibe und schaut mit, dass wir den richtigen Weg finden. Wahrscheinlich hat sie schon einen kleinen Genickschaden, da sie sehr eingequetscht ist.

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Wenn wir freie Sicht oder keine Nachbarn haben wollen, bzw. surfen gehen, stellen wir folgende Schilder ins Fenster:

Zu guter Allerletzt haben uns einige Freunde von uns unabhängig voneinander einen kleinen Schutzengel mit auf den Weg gegeben. Diese bilden wir hier nicht ab. Sie sind immer bei uns und passen gut auf uns auf. Vielen Dank dafür 🙏.

Ein Naturspektakel im Sonnenuntergang

Gestern kam ich gegen 20.30 Uhr sehr spät vom abendlichen Surfen zurück. Marc hatte beschlossen, sich etwas auszuruhen und nicht mehr mit aufs Wasser zu gehen, da die Wellen sehr klein waren. Anfangs war ich etwas frustriert, weil die Surfer mit den längeren Brettern mehr Wellen erwischten als ich; bis ich von einem Schweizer hörte, wie er einem Mädchen einen Tipp gab, den ich dann auch versuchte anzuwenden: Steil anpaddeln und dann direkt aufs Heck des Bretts treten, dann würde es funktionieren….und tatsächlich, beim nächsten Versuch klappte es auch bei mir. Man lernt ja nie aus, und jeder Tag ist wieder anders von den Wellenbedingungen her.

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Das Wasser war so schön warm, kein Wind, klares Wasser, viele Fische, die auch öfter mal aus dem Wasser sprangen, man konnte sich einfach nicht vom Wasser trennen, es war so eine ruhige Atmosphäre am Strand, die Sonne verschwand hinter einer Dunstschicht und ließ den Himmel schön rosa leuchten.

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Plötzlich rief jemand: “Delfine!” Und alle Surfer schauten aufs Meer und konnten über den ganzen Horizont verteilt immer wieder Delfine beobachten, wie sie alleine oder zu zweit aus dem Wasser sprangen. Wir hofften, dass sie näher kämen, manche paddelten mit ihren Brettern weit hinaus, um näher an sie heranzukommen.

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Die Surfer ließen alle Wellen unberücksichtigt passieren, da die volle Aufmerksamkeit den Delfinen galt. Der Himmel färbte sich immer röter, und die Sonne kam sogar noch einmal hervor, um dann über dem Wasserhorizont unterzugehen.

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Die Menschen am Strand schauten fasziniert aufs Wasser, und alle klatschten, wenn die Delfine wieder tolle Sprünge zeigten.

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Mein “Hätzje” hüpfte vor Freunde, da ich an unseren Lieblingsautor Sergio Bambaren denken musste, dessen Begegnung beim Surfen mit einem Delfin ihn zum Schreiben seines ersten Buchs “Der träumende Delfin” inspiriert hatte. Ich war voller Adrenalin, so fühlt es sich sicher an, wenn die Südkurve (für nicht Kölner: die Fankurve vom 1. FC Köln) die Fan-Hymne singt und wenn ich eine lange Welle bis an den Strand abgesurft bin. Da die ganze Aufmerksamkeit der Surfer bei den Delfinen lag, nutzte ich die Gelegenheit und paddelte eine Welle an, da ich dies als einzige tat. Vor mir standen ein paar deutsche Surfer ohne Bretter hüfttief im Wasser, die auch die Delfine beobachteten. Ich bekam die Welle, surfte sie grün ab, als mir plötzlich eine Welle vom zurücklaufenden Wasser entgegen kam, über die ich mit meinem Brett sprang und weitersurfte. Die Schwimmer jubelten und applaudierten: “Habt ihr gesehen, sie hat einen Air über Backwash gemacht!?!” Das wollte ich noch mal hören und realisierte erst dann, dass es ein “cooler Surf-Trick” war, den ich da spontan gemacht hatte. Am Ende der Welle sprang ich nur noch ins warme Wasser vor Glück, mein Adrenalinspiegel war gefühlt so hoch wie selten zuvor. Das Delfinspektakel ging bis zur Dämmerung, vor Freude hatte ich Tränen in den Augen, ein solches Ereignis in Moliets-Plage erleben zu dürfen, wo ich seit 1999 jedes Jahr Urlaub mache, und so etwas noch nie erlebt habe. Wenn das mal kein gutes Omen ist!

Beim Wellenreiten sichteten wir einen Delfin

Dieses Mal widme ich mich dem Thema “Wellenreiten”, welches mein liebstes Hobby ist, seitdem ich 1996 das erste Mal auf einem Wellenreitbrett gestanden habe. Damals war ich mit dem Jugendferienwerk in Nordportugal. Meine erst Flugreise im Leben. Und dort wollte ich Windsurfen lernen in einem zweiwöchigen Kurs. Dass ich dort auch einen Wellenreitschnupperkurs machen durfte, wusste ich vorher nicht, und dass mich diese Surfvariante noch viel mehr faszinieren würde als das Windsurfen, hätte ich auch damals nie erahnt. Nach dem Urlaub wollte ich nur noch eins: Ein eigenes Wellenreitboard besitzen und sobald wie möglich wieder ans Meer. Diese Story würde zu weit gehen, von daher verweise ich auf das erst begonnene Buch, welches wir schreiben werden (voraussichtliche Fertigstellung nach unserer Reise), wo die ganze Story drin zu lesen ist mit der Suche nach einem Brett im kalten Deutschland ohne Internet und Co. Eine höchst anspruchsvolle Herausforderung mit einem bisschen Glück.

Nun zurück zu unseren Surfsessions an unserem Strand in Moliets. Die ersten Tage sind wir meist morgens als erstes gegen 10 Uhr zum Surfen an den Strand gegangen. Die Wellen waren bisher eher schlecht als recht. Viel Strömung, viel Chaos, die ganze Zeit ein heftiger Kampf gegen große Weißwasserwalzen, alles andere als entspannt. Nach einer Stunde waren wir meist schachmatt. Danach geht es normalerweise erst zum Entsalzen unter die heiße Dusche und danach zum späten Frühstück auf unserem Campingplatz, gemütlich vor unserem EU-GO im Schatten. Nachmittags zieht es mich dann erneut in die Wellen, immer in der Hoffnung, dass die Bedingungen besser werden. Gestern hatten wir erstmals so schöne Wellen, grüne, schön geordnet, gut kalkulierbare Sets rollten an den Strand. Auch nicht so hoch, so dass man locker hinter die Brechungszone paddeln konnte, ohne dabei gewaschen zu werden. Das Wasser war so klar und schimmerte grünlich, dass man den Sandboden überall sehen konnte. Überall sah man silberne Fische schwimmen, selbst in den Wellenkämmen, die sich über unseren Köpfen auftürmten, oder wenn wir eine Welle hoch paddelten. Plötzlich hörte ich hinter mir ein  undefinierbares Wassergeräusch. Ich drehte mich um und sah einen Fischschwarm aus dem Wasser springen und im selben Moment einen richtig großen “?”…….Marc rief vom Ufer aus: “Schau mal, ein Delfin hinter dir!” Ich konnte es kaum glauben, hier jemals einem Delfin zu begegnen. Vielleicht weil wir alle Bücher vom “träumenden Delfin”-Autor Sergio Bambaren neulich gelesen haben bzw. bei uns an Bord haben.

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Sonja surft eine grüne Welle und hat sichtlich Spaß dabei

Die Hoffnung, dass die Wellen heute auch noch so schön sein würden, bestätigte sich leider nicht. Dafür sind Marc und ich allerdings eine schöne Welle auf Kommando gemeinsam nebeneinander angepaddelt, haben sie bekommen und sind sie Hand in Hand bis fast an der Strand gesurft. Zum Abschluss gab es einen Kuss. Es gibt sicher nicht so viele Pärchen, die so eine Welle jemals gesurft sind! 🙂