14 Tage Renovierung bei 34 Grad, gefühlt 14 Tage unter Tage ohne Sonnenlicht

Nachdem wir Anfang August den Schlüssel in Händen hielten, fuhren wir direkt nach Stuttgart, um dort unser letztes Hab und Gut, welches wir in einem Kellerraum gelagert hatten, abzuholen. Dieser Kellerraum war bis unter die Decke mit Umzugskartons gefüllt, so dass wir also sage und schreibe drei Stunden Kartons aus dem Keller in unser Auto und unser Wohnmobil geladen haben (Erstaunlich, was alles in so einen Skoda Superb und in unser Wohnmobil so reinpasst!). Dazu kamen dann noch unsere Windsurfbretter und Segel. Man muss sich das so vorstellen, dass wir quasi, als wir die Kellertür aufschlossen, von den Kisten fast „erschlagen“ wurden, weil wir alles irgendwie da hinein gepresst hatten. Tatsächlich hat alles in die Fahrzeuge reingepasst. Die Fahrt war ja glücklicherweise nicht ganz so lang, da es ca. 80 km sind, die wir zurückzulegen hatten. In Stutensee angekommen, ging es direkt ans Entladen der Kisten, was eine große Herausforderung darstellte, da wir ja schon einen Renovierungsplan erstellt hatten, in welcher Reihe wir die Räume streichen und renovieren, abhängig vom Anlieferungsdatum unserer Möbel. Um ständiges Umräumen zu vermeiden, mussten die Kisten sorgfältig auf bestimmte Räume laut Plan verteilt werden. Das Umräumen einiger Kisten war nicht zu vermeiden, jedoch konnten wir dies minimieren. Renovierungsmaterial wie Farbe, Pinsel, Rolle, Tapete etc. hatten wir rechtzeitig gekauft bzw. bestellt, so dass wir pünktlich loslegen konnten. Im Keller konnten wir das Anstreichen üben. Marc war für die Decken zuständig, ich eher für den Anstrich mit Pinsel um Fußleisten, Steckdosen, an Fenstern etc. So spielte sich das ganze ein. Es folgte täglich ein weiterer Raum, je höher wir kamen (im Splitlevelbaustil sind es immer halbe Etagen), desto heißer wurde es. Schlafzimmer, Wohnzimmer, Büro, Flur…..der mit seiner beachtlichen Höhe, ebenso das Büro, sehr herausfordernd waren und sogar Marc eine Leiter brauchte 🤣😂😅😆. So vergingen die Tage, jeden Tag ein Raum zuzüglich Vorbereitung (Abkleben, Folie auslegen) des nächsten am Vorabend. Zwischendurch fielen immer noch andere Dinge an wie Anlieferung von Waschmaschine und Trockner, Aufbau von Schränken etc. Gefühlt hatten wir eh täglich Besuch von drei Lieferanten oder Speditionen, da wir ja quasi unseren ganzen Hausstand verkauft hatten und jetzt alles wieder benötigten. Mittags machten wir dann oft Siesta, da es megaheiß war, und setzten die zweite Etappe bis in die Nacht fort. Abends gingen wir anfangs zur Abkühlung noch zum Badesee sogar im Dunklen. Später war selbst dafür keine Zeit mehr, da wir ja auch irgendwann noch mal was essen mussten. Nach einer Woche waren wir schon sehr ausgepowert, da es keine ruhige Minute gab und unser Zeitplan sehr straff war. Zwei Wochen hatten wir uns vorgenommen, da ich dann mit meinem Bruder nach Frankreich fahren wollte. In unserem Garten türmten sich die Müll-Sperrmüll-und Altpapierberge. Alles Überflüssige feuerte Marc aus dem Fenster direkt in den Garten. 48f6165b-d113-4072-b4ec-f0423f4792f1

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Frühstück auf der Baustelle

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Meine Marathon-Aufgabe war es dann, in drei kompletten Tagen das ganze Treppengeländer, was sich vom Kellergeschoss bis unter das Dach zieht, weiß zu lackieren. Die Vorarbeit mit Abschleifen und Säubern war fast so zeitaufwendig wie das Lackieren selbst. Da Marc und ich keine Vorerfahrung mit Lackierung hatten, war unser Respekt davor groß. Jedoch war es dann doch irgendwie „machbar“. Wenn man sich so vorstellt, dass ein Geländerstab ja vier Seiten hat, und man ihn von allen Seiten lackieren muss, dann immer noch Querstreben zwischendurch, die Ecken hervorzaubern, und den eigentlichen Lackier-Fluss unterbrechen, ist es eine verdammt große Fläche, die neuen Lack brauchte. Ich fühlte mich teilweise wie in Trance, weil es immer wieder neue Stäbe waren, nur eben versetzt. Gefühlt kam ich nicht von der Stelle, was man an meiner „Hocke“ auf dem Foto erahnen kann.

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Sieht eher wie ein „Chinesen-Kacksitz“ aus, wie Marc mich da erwischt hat 😁

ich musste mich ordentlich verrenken, um an alle Stellen zu kommen. Dabei dann oft die Seite wechseln, was ja dann auch mit Treppensteigen verbunden war. Wir hatten Tage, da zeigte mein Schrittzähler 10.000 Schritte (und die nur im Haus und sicher gefühlt die Hälfte Stufen, wovon es im Haus 44 Stück gibt.) Irgendwann merkte ich das fehlende Sonnenlicht und beschloss, morgens um 6 Uhr, vor den Renovierungen, meine tägliche Laufrunde wieder einzuführen, weil das einseitige Bewegen oder auch „Nicht-Bewegen“ beim Renovieren mich irgendwie einrosten lies. So kam zu dem Renovierungsprogramm auch noch 10 km durch den Hardtwald und durch die Felder zum Badesee hinzu, was die Verspannungen dann auch wieder verschwinden ließ!! Und ich. bekam wenigstens in dieser Stunde die Sonne zu sehen!

Alles in Allem lagen wir voll im Plan. Das Resultat kann sich sehen lassen. Unser Haus ist nun schön renoviert und bewohnbar. Jetzt können die restlichen Möbel kommen.

Ich konnte nun meine Reise nach Frankreich antreten und Marc guten Gewissens mit einem überschaubaren Pensum „Restrenovierungen“ alleine lassen. Was die Reise nach Frankreich (Moliets-Plage) zu unserem Ausgangsort unserer Karrierewende ohne Marc für einen Hintergrund hat, erfahrt ihr im nächsten Artikel!