Es wird nervenaufreibend…

Am 6. März sollten die Rückflüge nach Deutschland beginnen und die ersten unserer Reisegruppe hatten am Abend des 5. März Tickets für diesen Flug erhalten. Über Nacht kamen immer weitere Tickets hinzu (teilweise zwei Stunden vor der Zeit an der die Menschen am Flughafen sein sollten). So fuhren dann am Vormittag des 6. März acht der dreizehn Mitreisenden mit unserem Reiseleiter Jürgen zum Flughafen. Wie anderen fünf wussten zu diesem Zeitpunkt nicht viel, außer einer Nachricht des Konsulats, die besagte, dass wir „zeitnah“ Informationen zu unseren „in den nächsten Tagen“ stattfindenden Flügen erhalten sollten.

Bis 7. März um 12:16 Uhr eine WhatsApp-Nachricht von Jürgen kam: „T, Sonja, Marc. Bitte Koffer packen; wir fahren in 15 Minuten los. Kein Spaß“. Woraufhin wir, wie von der Tarantel gestochen, unsere Sachen zusammen gepackt und in den Bus geladen haben. Zwei weitere Mitreisende waren zu diesem Zeitpunkt mit Jürgen spazieren und mit dem Taxi auf dem Rückweg zum Motel. Sonja und ich waren gerade dabei zum Spaziergang aufzubrechen und hätten fünf Minuten später das Motel verlassen und daher auch keinen WLAN-Empfang mehr gehabt. Wir saßen dann jedenfalls alle sechs um 12:28, teilweise nass geschwitzt, im Bus auf dem Weg zum Flughafen.

Während der Fahrt informierte und Jürgen was passiert war: Unsere Mitreisenden hatten am gestrigen Tag Jürgens Telefonnummer bei einem der Botschaftsmitarbeiter hinterlegt, mit der Information, dass wir verbleibenden fünf Personen innerhalb einer halben Stunde am Flughafen sein könnten, falls andere Reisende nicht erscheinen sollten. Und während des Spaziergangs rief dieser Mitarbeiter tatsächlich bei Jürgen an, dass wir sofort kommen sollten. Das Boarding des Fluges war für 14:00 Uhr vorgesehen. Unsere Zeit war also sehr sehr knapp und auf der Hinfahrt jede einzelne Ampel rot. Wir waren alle absolut ungläubig und konnten noch nicht glauben was passierte, denn nach 14 Tagen Unsicherheiten, Hoffen und Bangen und regelmäßigem nächtlichen etlichen Male Emails kontrollieren, passierte so plötzlich etwas.

Zügiger Weg zum Eingang des Flughafens in Christchurch

Am Flughafen angekommen waren lediglich zwei Sicherheitskräfte und ein Polizist zu sehen, die uns aber nach kurzer Erklärung sofort ins Gebäude ließen. Dort erwartete uns ein Team der Botschaft und die Kostenübernahmezettel wurden eingesammelt und unsere Pässe kontrolliert. Anschließend durften wir noch ein Bild mit den Mitarbeitern für das Auswärtige Amt machen, da wir „so herrlich verschwitzt und abgehetzt“ aussähen. Komisch, warum nur… Anschließend ging es dann zum Checkin, der von sechs Flughafenmitarbeitern an sechs Schaltern besetzt war. So hatte praktischer Weise jeder aus unserer Gruppe einen Schalter für sich, denn fast alle anderen Passagiere (bis auf zwei, die praktisch gleichzeitig mit uns angehetzt kamen) waren natürlich bereits eingecheckt. Die Mitarbeiter waren extrem freundlich und selbst auf meine Länge wurde Rücksicht genommen, die Gepäckstücke zwar gewogen, die Massen (die teilweise zu hoch für Air New Zealand waren) jedoch ignoriert. Alle fünf haben wir Plätze in der Business-Class bekommen und etwa 50 Minuten nach dem Anruf hielten wir die Bordkarten in Händen. Durch die Sicherheitskontrolle ging es dann auch sehr schnell, klar wir waren wieder die Einzigen! Die Mitarbeiter zeigten uns aus eigener Motivation wo wir das Wasser ausleeren und die Flaschen wieder mit Trinkwasser befüllen konnten. Dann waren wir tatsächlich ausreichend früh zum Boarding bereit und konnten kurz unsere Verwandten informieren, bevor es in den Flieger ging. Erst so langsam realisieren wir, was eigentlich alles passiert ist, womit wir nur Stunden vorher nicht gerechnet haben.

Die letzten Passagiere des Fluges über Vancouver nach Frankfurt mit den Mitarbeitern der Botschaft am Flughafen in Christchurch

Während ich das hier schreibe, liege ich im Bett (tatsächlich!) der Business-Class in der Boing 777-300W von Air New Zealand mit der Flugnummer NZ 1952 auf dem Weg nach Vancouver. Aktuell befinden wir uns irgendwo über dem Pazifik etwa auf Höhe der Datumsgrenze. In Vancouver werden wir nach 15 Stunden Flugzeit landen, die Crew wird getauscht und der Flieger gereinigt. Wir werden das Flugzeug allerdings nicht verlassen dürfen, da Kanada ebenfalls die Grenzen geschlossen hat. Aber die notwendige Zwischenlandung ist dank der Verhandlungen des Auswärtigen Amtes überhaupt erst möglich. So werden wir voraussichtlich dann nach etwa 27 Stunden im Flugzeug – irgendwann hoffentlich – in Frankfurt ankommen.

Wir bedanken uns noch einmal ausdrücklich bei Jürgen, Michael, den Mitarbeitern von Air New Zealand (am Flughafen und im Flugzeug) und den Mitarbeitern der Deutschen Botschaft sowie im Auswärtigen Amt, die diese Aktion überhaupt erst möglich machen. Wir hätten nie gedacht einmal auf diplomatische Hilfe angewiesen zu sein, aber es ist toll, dass so etwas organisiert wird. Danke!

Im Lockdown in Neuseeland

Wir haben schon einige Tage nichts mehr geschrieben und das hatte einen guten Grund: Wir haben schlicht nichts interessantes unternommen.

Schöner Pilz in einem Vorgarten…

In Neuseeland wird die Covid-19-Bedrohung sehr ernst genommen und daher sind jegliche nicht absolut notwendigen Autofahrten, das weitere Entfernen von der Unterkunft (mit dem Fahrrad bis zu 10km, zu Fuß maximal drei Kilometer) und jegliche Treffen von mehr als zwei Personen (es sei denn sie leben in einem Haushalt) untersagt. Auch alle Geschäfte und Dienstleister sind geschlossen. Lediglich Apotheken, Arztpraxen und Supermärkten dürfen geöffnet sein. Auch alle internationalen Flüge wurden unterbrochen, da die Bewegung der Menschen zum Flughafen als zu großes Risiko eingestuft wurde. Damit wurde durch die neuseeländische Regierung auch die bereits vom Auswärtigen Amt organisierten Rückholflüge unmöglich. Lediglich ein Lufthansaflug der schon gelandet war, durfte ausnahmsweise noch starten. Damit war aber, bis auf die wenigen glücklichen Menschen, die an Bord dieses einen Flugzeugs waren, jegliche Rückreisemöglichkeit erneut unmöglich geworden.

Bereits zuvor hatte, noch bevor es von der Regierung Neuseelands oder der Vereinigten Arabischen Emirate empfohlen wurde, unsere Fluggesellschaft „Emirates“ alle Flüge ersatzlos und ohne jegliche Begründung gestrichen. Eigentlich wären wir noch regulär aus Neuseeland nach Frankfurt geflogen, wenn es eben diesen Flug gegeben hätte.

Und noch einer

Immer wieder haben wir aus Deutschland und Europa in diesen Tagen gehört: „Warum macht man in diesen Tagen eine solch weite Reise, da seid Ihr doch selbst schuld!“. Als wir allerdings am 2. März losgeflogen sind, gab es weder von Seiten des Auswärtigen Amtes noch von irgendjemandem sonst eine Reisewarnung, zumal in Neuseeland kein einziger Covid-19-Fall bekannt war. Und wer konnte diese Entwicklung wirklich vorhersehen?!?

Jedenfalls sind wir in Neuseeland erst einmal zwei Wochen lang gereist, ohne dass Covid-19 oder „das Coronavirus“ ein Thema war. Erst dann entwickelte sich die Situation zunehmend rasant und am gleichen Tag, als Neuseeland auf Alarmstufe 3 ging und damit touristische Fahrten untersagte, haben wir uns in Richtung Christchurch bewegt, denn auch das war die Empfehlung der Regierung, da zeitnah Rückflüge von Christchurch (für die Südinsel) und Auckland (für die Nordinsel) in Richtung Heimatländer genommen werden sollten. Da wir ja sowieso unseren Rückflug am 28.3. hätten antreten sollen, wollten wir diesen einfach in Christchurch abwarten, wozu es dann aber eben nicht mehr kam.

Besonders ärgerlich in diesem Zusammenhang ist, dass Emirates überhaupt nicht kommuniziert hat und auch keine Rückerstattung der von dieser Firma stornierten Flüge vorsieht. Entgegen anderslautenden Berichte in Deutschland, ist die Rückreise im Rahmen des Rückholprogramms auch alles andere als kostenlos, denn man darf den Flughafen erst betreten, wenn man ein ausgefülltes Formular zur Kostenübernahme abgibt. Die Höhe der tatsächlich Kosten kann allerdings niemand nennen. Ok, soviel zu den Rahmenbedingungen…

Wir haben unsere Tage versucht klar zu strukturieren. Nach dem Aufstehen ist Sonja Laufen gegangen und ich habe Gymnastik gemacht. Nach dem anschließenden Duschen haben wir gefrühstückt und dann etwas gelesen. Der Nachmittag war mit dem gemeinsamen Spaziergang dann das Highlight des Tages und wir kennen jetzt alle Straßen und Häuser im Umkreis von drei Kilometern um unser Motel. Anschließend gingen wir an jedem zweiten Tag beide zum Supermarkt. Lediglich Sonja betrat diesen jedoch und kaufte alles Notwendige ein. Den Abend verbrachten wir erneut mit Lesen oder Nachrichten schauen. Die letzten Tage haben wir auch diverse Filme über Surfer oder die Feuerwehr via YouTube gesehen, denn unser Motel hatte dies per TV-Gerät ebenso im Angebot wie Netflix, was aber nicht so „unser Ding“ war. Sonja zauberte wieder leckere Abendessen und wir schrieben mit Freunden und Verwandten, über den ziemlich unveränderten Stand der Dinge.

Schnell nach Christchurch – Nun ist Corona auch in Neuseeland wirklich angekommen…

Daher fasse ich die Ereignisse der letzten zwei Tage zusammen und wir werden vermutlich auch weniger zu berichten haben, aber dazu später mehr…

Wir hatten nach unserem Ausflug zum Milford Sound ja noch in Te Anau übernachtet und sollten eigentlich in die abgelegene Region der Catlins und danach nach Dunedin fahren. Während am Abend und während unserer Nacht veränderte sich die Situation aber ziemlich deutlich. Emirates sagte sämtliche Rückflüge nach Deutschland ab, Australien schloss auch für den Transit die Flughäfen und die neuseeländische Regierung verkündete auf der vierstufigen Maßnahmen-Skala sofort auf Stufe drei und 48 Stunden später, also ab dem 26. März auf Stufe vier zu gehen. Schon Stufe drei untersagt nicht notwendige Reisen, bei Stufe vier sind jegliche Fahrten, die nicht absolut unumgänglich sind untersagt. Außerdem müssen alle nicht absolut notwendigen Geschäfte nach und nach bis auf Weiteres, mindestens für vier Wochen schließen. Der Abstand zu anderen Menschen, mit denen man nicht in häuslicher Gemeinschaft lebt, muss damit auch unter allen Umständen ab sofort zwei Meter betragen. Der Ausgang ist nur noch zum Arzt (nach Anmeldung), zum Sport (alleine oder mit dem Menschen mit dem man zusammen lebt) und zum einkaufen erlaubt. Jegliche öffentliche Einrichtungen, auch Toiletten, öffentlicher Nahverkehr und jegliche Benutzung von Spielplätzen, Sportstätten, Restaurants usw. ist bei Strafe untersagt.

Die Haupteinkaufsstraße in Christchurch Dienstag um 16 Uhr…

Daher haben wir dann gemeinsam als Gruppe mit unserem Reiseleiter entschieden direkt in Richtung Christchurch zu fahren, um dann in Flughafennähe zu sein. Da die Fahrt für einen Tag zu lang gewesen wäre, fuhren wir nach Wanaka zurück. Jürgen organisierte in Rekordzeit die Unterkunft dort und gleich für den Folgetag auch eine Bleibe in Christchurch. Da wir aufgrund der Diskussion und Organisation erst nach 10 Uhr losfahren konnten, kamen wir erst am Nachmittag in Wanaka an. Auf der Fahrt hielten wir dennoch für einige Toilettenstopps an, die zufällig an sehr schönen Aussichtspunkten lagen. Nach der Ankunft in Wanaka spazierten Sonja und ich noch einmal zum See, an dem – bis auf den Wind- schon fast gespenstische Stille herrschte. Die wenigen Menschen, denen wir begegneten wichen uns ebenso mindestens zwei Meter aus, wie wir das ebenfalls taten. Als wir nach gut zwei Stunden zurück am Holiday Park waren, hatte Jürgen auch schon bald ein hervorragendes Curry für uns alle gekocht. Das sollte unser Abschiedsessen werden, denn der weitere Verlauf der Gruppenreise war nicht klar. Einige Teilnehmer wollten versuchen so schnell wie möglich selbst Flüge zu buchen, was allerdings wegen der Verfügbarkeit letztlich scheiterte. Jedenfalls hatten wir ein sehr leckeres Essen und eine emotionale Ansprache von Jürgen. Unser lieber, normalerweise aber nicht sehr geschwätziger Michael hielt eine kurze aber wunderbare Rede in einer Mischung aus deutsch, englisch und maori. Zum Abschluss sang er auch noch einen Maori-Song und wünschte uns allen eine gesunde und glückliche Reise. Wir haben „sein Herz berührt“. Wir bedankten uns natürlich auch bei unserem genialen Reiseleiterteam und waren und sind uns alle einig, dass wir mit Michael und Jürgen das größtmögliche Glück hatten. Ihre Ortskenntnis und die teilweise schon langjährige Bekanntschaft mit den Betreibern der Unterkünfte ermöglichte uns eine tolle Reise und die spontane Umplanung. Wir sind sehr dankbar, das Land und Euch beide kennengelernt zu haben.

Auf der Fahrt bei einem „Toilettenstopp„

Am nächsten Tag ging es dann schon sehr früh in Richtung Christchurch. Denn außer dem Fakt der kommenden praktischen Reise- und Ausgangssperre war noch nicht viel klar. Auch Michael und Jürgen müssten eigentlich in ihre jeweiligen Heimatorte (beide bei Auckland) zurück. Jürgen hat aber sofort entschieden, dass er in Christchurch bleibt, bis der letzte der Gruppe ausgereist ist, was für ihn bedeutet, dass auch er Christchurch nicht mehr verlassen kann, bis die Sperre aufgehoben wurde. Die Fähre zur Nordinsel war auch auf allen erreichbaren Fahrten ausgebucht. Daher organisierte Jürgen während der Fahrt noch einen Flug für Michael, der ihn hoffentlich am Donnerstag (nach Beginn von Stufe 4) nach Auckland bringen soll.

Kirche am Lake Tekapo

Trotz dieser Schwierigkeiten erhielten wir während der Fahrt immer noch interessante Informationen über das Land und die Regionen durch die wir gerade fuhren. Auch die Stopps waren weiterhin so, dass man keinen Unterschied zu einem „ganz normalen“ Reisetag ausmachen konnte.

Auf einem Pass hatte es in der Nacht sogar geschneit.

In Christchurch angekommen bezogen wir tatsächlich noch Zimmer in einem sonst total überfüllten Holiday Park. Am Nachmittag zeigte uns Jürgen dann bei einem Stadtrundgang noch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und die immer noch präsente Zerstörung durch die großen Erdbeben 2010 und 2011, die das Stadtzentrum fast vollständig zerstörten und 185 Todesopfer und weit mehr Verletzte forderten. Daher halten sich die Sehenswürdigkeiten im Zentrum in Grenzen. Nach einem Stopp am Supermarkt ging es zurück zur Unterkunft.

Ein Denkmal für die Toten des Erdbebens 2011. 185 unterschiedliche weiße Stühle, alle unbefestigt und frei beweglich… wie lange das wohl in Deutschland gehalten hätte?!?
Eines der wenigen alten Gebäude, dass wieder aufgebaut wurde und immer noch wird.

Am nächsten Tag haben wir unsere Freiheit noch einmal genutzt und sind mit dem Bus an den Strand gefahren, der leider knapp 10 Kilometer entfernt ist. Das ist zu weit um sich auf dem Weg zum Supermarkt dorthin zu verlaufen. Die Meeresbrise und der Spaziergang tat wirklich gut, die Sonne schien, nur sehr leer war alles und die paar Menschen hielten ganz bewusst Abstand. Anschließend noch ein Stopp am Supermarkt, den wir allerdings nicht mehr aufgesucht haben. Stattdessen spazierten wir zur Unterkunft, aßen zu Abend und spazierten noch einmal über den Platz. Nun sind wir in unserer kleinen Kammer und harren der Dinge und hoffentlich Flüge, die da kommen.

Das letzte Mal am Strand, wer weiß für wie lange….
Diese Nachricht erschien auf allen Mobiltelefonen um 18:30 Uhr. Damit kann niemand behaupten, er hätte nichts von der Ausgangssperre gewusst.

Am schönsten Ende der Welt zu unschönen Zeiten

Der Bergpapagei Kea ist auch sehr selten und wir hatten heute gleich zweimal das Glück jeweils einen zu sehen und zwar jeweils aus nur wenigen Metern Distanz.

Früh um 6:45 Uhr starteten wir heute in Richtung Fiordland-Nationalpark. Die 120 kilometerlange Milford Road führt uns zur majestätischen Landschaft des Milford Sounds. Wir schauten uns den zerklüfteten Fjord bei einer anderthalbstündigen Bootsfahrt aus nächster Nähe an und waren sehr beeindruckt. Allerdings waren wir inklusive Crew mit 22 Personen an Bord und es war die letzte Fahrt dieses Schiffes für unbestimmte Zeit. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung bei der Crew, die praktisch komplett arbeitslos wird. Wir sind unendlich dankbar, dass wir die beeindruckende Natur noch erleben durften. Seit einigen Tagen sind wir allerdings im engen Kontakt mit dem Reiseveranstalter bezüglich der Optionen am Ende der Reise.

Die Hafenausfahrt in Milford
Pelzrobben gab es auch zu sehen.

Nach der Schifffahrt besuchten wir noch zwei weitere Aussichtspunkte auf kleinen Spaziergängen. Auf dem Rückweg blieb immer wieder Zeit für Fotostopps an Wasserfällen oder besonders beeindruckenden Bergformationen, bis wir gegen Abend wieder zurück in Te Anau ankamen.

Der Walk entlang des Fjords, der fälschlicher Weise Sound genannt wird, war auch sehr schön.

Dort hatten wir dann erstmalig wieder Internetzugang und uns erreichte die Nachricht, die wir schon lange befürchtet haben, nämlich das unser Flug nicht mehr wie geplant stattfinden wird. Aktuell sieht es noch so aus, als ob wir mit Emirates und dem gebuchten Flug bis Dubai kommen könnten. Allerdings ist der Anschlussflug nach Frankfurt gecancelt. Wir werden nun (da heute Sonntag ist) bis morgen Abend warten müssen, bis es weitere Informationen gibt. Der Kontakt zu der Fluggesellschaft und zum auswärtigen Amt ist aktuell leider nicht mehr möglich, so dass wir selbst mit der Reisegruppe und dem Veranstalter sehen müssen, wie es weiter geht.

Wir wünschen Euch alles Gute und können leider auch nicht nur über die heile Welt berichten, die es in aktuellen Zeiten nirgendwo zu geben scheint. Warum sind wir überhaupt weggeflogen? Weil es zu dem Zeitpunkt als wir Deutschland verließen noch keine Anzeichen gab, dass die Entwicklung so dramatisch sein würde. Es gab keine Reisewarnung, keine Empfehlung auf Reisen zu verzichten.

Am heutigen Tag haben wir so viele Glücksbringer getroffen, zwei Keas an einem Tag, den kleinen Fächervogel, Delphine im Milford Sound, einen Silberreiher, strahlenden Sonnenschein und Regenbogen, so dass wir hoffen, dass wir auch in den nächsten Tagen und Wochen Glück haben werden.

Denn selbst wenn wir zurück nach Deutschland kommen, haben wir auf den Flughäfen zwangsläufig und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Risiko uns zu infizieren. Da alle potentiellen Menschen, bei denen wir in Deutschland unterkommen könnten Risikogruppen angehören, wollen wir uns dann komplett für 14 Tage isolieren. Dazu stehen wir im Kontakt mit unserem Wohnmobilhändler Dörr, bei dem unser EU-GO aktuell in der Werkstatt steht. Herr Dörr hat selbst am Wochenende sehr freundlich geantwortet und sollten wir es irgendwie ins Saarland schaffen, werden wir auch an das Wohnmobil kommen um darin 14 Tage isoliert leben zu können. Wir würden dann bei Verwandten in der Nähe des Hauses stehen, denn so wäre auch unsere Versorgung und Entsorgung sichergestellt. Leider ist das aktuell erst der letzte Schritt, aber ihr merkt, dass wir schon sehr lange verschiedene Optionen prüfen.

Bitte bedenkt auch, dass unsere Berichte mit mehrtägiger Verzögerung erscheinen und daher manche Informationen bereits bei Veröffentlichung veraltet sein können. Dennoch wollen wir Euch weiter an den Erlebnissen und Herausforderungen teilhaben lassen.

Ein ganz großer Dank gilt bereits jetzt unseren Eltern und Verwandten, Freunden und Bekannten, der Firma Dörr, unserem Reiseleiter Jürgen, unserem Fahrer Michael und allen Menschen, die uns die Daumen drücken. Wir sind sehr froh, dass wir nicht alleine sind und uns beide haben.

Queenstown die Action City

Heute ging es nach dem Frühstück direkt in Richtung Queenstown. Unser erster Stopp war allerdings zum „AJ Hacket Bungy„ wo sich einer unserer Mitreisenden am Gummiseil in die Tiefe der Schlucht stürzen wollte. Wir anderen sahen natürlich zu und leisteten moralische Unterstützung.

Die erste Brücke von der sich kommerziell Menschen am Gummiseil in die Tiefe stürzen. Wirklich landschaftlich schön gelegen.

Aber auch hier kommt das Coronavirus und die damit verbundenen Probleme sehr schnell und immer schneller an. Wir haben allerdings den Eindruck, dass die Politik und allen voran die Premierministerin hier wesentlich schneller und härter durchgreifen, wenn Regeln nicht eingehalten werden.

Wir erlebten heute, dass wir uns selbst als Besucher des Bungy-Centers in Listen eintragen mussten, damit potentielle Kontaktpersonen identifiziert werden können. Alle Mitarbeiter hielten sehr bewusst die hier geforderte Distanz von zwei Metern ein und Handläufe und Toiletten wurden praktisch permanent gereinigt und desinfiziert. Dazu ist auch zu erwähnen, dass alle Personen, die in den letzten 14 Tagen eingereist sind, sich selbst isolieren müssen. Mehrere Touristen, die sich nicht daran gehalten haben, wurden bereits verhaftet. Die vermutlich spektakulärste Aktion diesbezüglich legte ein Hubschrauberpilot am Fox Gletscher hin, der die Insassen seines Hubschraubers, nachdem er während des Fluges erfahren hatte, dass sich diese erst seit wenigen Tagen im Land befanden, direkt zur Verhaftung bis vor die Polizeistation flog.

Da die meisten unserer Leser aber genug eigene Herausforderungen in dieser schwierigen Zeit haben, werden wir den Schwerpunkt nicht auf das Virus legen, denn diesbezüglich gibt es kompetentere Informationen von offizieller Seite. Wir selbst wissen ja auch noch nicht ob wir wie geplant zurück reisen können oder wie es in der nächsten Zeit weiter geht. Unsere Reise im April mit dem Wohnmobil fortzusetzen und in Richtung Skandinavien zu fahren erscheint aktuell jedenfalls wenig realistisch. Auch hier in Neuseeland sollten unnötige Reiseaktivitäten ab heute eingestellt werden. Da wir allerdings vorgebuchte Unterkünfte haben und uns ohnehin in Richtung menschenleerer Regionen und dann zum Flughafen bewegen werden, hat unser Reiseleiter zusammen mit der Firma in Deutschland entschieden die Reise fortzusetzen, wenn auch in abgewandelter Form und unter Vermeidung von Menschenansammlungen. In diesem Sinne: Passt auf Euch auf! Wir machen das ebenfalls und spielen verschiedene Optionen für die Zukunft durch.

Wir jedenfalls besuchten heute zuerst die Stadt Arrowtown und die chinesische Goldgräbersiedlung dort, bevor wir nach Queenstown, der Hochburg der Adrenalinjunkies, fuhren. In beiden Orten merkte man deutlich, dass der Tourismus bereits extrem zurück gegangen ist, denn es war sehr wenig los. Wir beschränken uns an den jeweiligen Orten auch auf Spaziergänge im Freien und dem Zusehen bei Aktivitäten andrer. So erfreuten sich Jetbootfahrten weiterhin großer Beliebtheit, wobei dabei 20 Personen auf engstem Raum zusammen sitzen. Von unserer Gruppe beteiligte sich niemand mehr an solchen Aktivitäten, aber viele, vor allem asiatische Touristen, scheinen potenzielle Gefahren vollständig zu ignorieren.

Der Blick von der gegenüber liegenden Halbinsel auf die Stadt Queenstown, die wir uns deutlich größer vorgestellt hatten.

Von Queenstown aus ging es an vielen Schaf- und Hirschweiden vorbei in Richtung unseres Tagesziels Te Anau. Das ehemalige Schafland Neuseeland scheint immer mehr auf die Rinder-, Hirsch- und Rehzucht umzustellen, denn die Anzahl der Schafe ist zwar immer noch hoch, aber deutlich geringer als vor einigen Jahren noch. In Te Anau besorgten wir unser Abendessen im örtlichen Supermarkt und bereiteten es in unseren jeweiligen Bungalows zu. Niemand aus der Gruppe geht noch in Restaurants oder Kneipen. Wir versuchen aber alle das beste aus der Situation zu machen, denn es hilft uns nicht in Panik zu verfallen. Die Unsicherheit ist dennoch überall zu spüren.

Wanaka und Umgebung

Heute schnürten wir erneut die Wanderschuhe und nach einer kurzen Busfahrt ging es auch schon los zum Rocky Mountain. Der Weg war zuerst zwar schon recht steil, aber bis zum Diamond Lake noch recht breit und gut ausgebaut. Das änderte sich sukzessive nach dem See. Die Steilheit blieb in weiten Teilen erhalten oder nahm sogar noch deutlich zu, dafür wurde der Weg an manchen Stellen nur noch etwa 20 Zentimeter breit. Als es dann rechts vom Weg nur noch, fast senkrecht bergab und links ebenso steil bergauf ging, habe ich mich entschieden umzudrehen, auch wenn ich nur wenige hundert Meter Strecke vom Gipfel entfernt war.

Oben im Berg ist der Weg mit einigen Wanderern zu erkennen. Aufgenommen vom Aussichtspunkt auf etwa halber Höhe des Weges.

Sonja hat den Weg dann noch fortgesetzt und ist auf einem anderen Weg wieder zurück gegangen. Da ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt gemacht habe und mir auch etwas Zeit gelassen habe, holte mich Sonja schon recht bald wieder ein.

Ausblick auf den Diamond Lake von etwas weiter oben.

Zusammen umrundeten wir noch den Diamond Lake und gingen dann zurück zum Bus, wo wir uns mit dem Rest der Gruppe trafen.

Deutlich weiter oben hat Sonja erst mal ein paar kleine Felsblöcke gesichert 😉

Anschließend fuhren wir zur Unterkunft zurück und legten die Rucksäcke ab, machten uns etwas frisch und wurden dann in die Stadt gefahren. Außer vielen Outdoor-Geschäften, -veranstaltern und Restaurants hat die Stadt selbst nicht so viel zu bieten. Die Lange direkt am glasklaren See hat allerdings etwas für sich. Wir spazierten am See entlang zurück in Richtung Unterkunft und ließen den Tag bei einem leckeren Gemüseeintopf ausklingen, den Sonja aus sehr wenigen Zutaten gezaubert hatte.

Der glasklare See Wanaka liegt wirklich schön in Mitten der Berge. Der 300 Meter tiefe Grund des Sees liegt etwa auf Meereshöhe.

Postkartenmotive auf dem Weg nach Süden

Auf dem Weg nach Wanaka hielten wir immer wieder für kleine Wanderungen und Fotostopps. Der heutige Tag war so ereignisreich und eindrucksvoll, dass es mir wirklich schwer fällt alle Highlights zu erwähnen. Zuerst hielten wir unmittelbar am Strand, am Rande des Highways an und konnten bereits aus dem Bus Hektor-Delphine beobachten. Da die kleinste und auch eine der seltensten Delphinarten eher selten springen, war meist zwar nur die Rückenflosse und ein Teil des Rückenflosse zu erkennen, aber immerhin!

Weiter ging es zu zwei kleineren Wanderungen von je einer halben Stunde Länge, bei denen wir erneut Delphine am Strand sahen und ein besonders verspieltes Exemplar sprang sogar in die Luft. Der andere Teil führte dich sehr beeindruckenden Regenwald, der heute immer wieder seinem Namen alle Ehre machte. Die Pflanzen standen teilweise im Wasser oder Sumpf.

Der dunkel eingefärbte Fluss mitten durch den Regenwald

Anschließend besuchten wir einen Wasserfall, der über 100 Meter in die Tiefe stürzt, bevor wir unsere Mittagspause in Haast machten.

Schon beeindruckend, wie das Wasser aus großer Höhe herabfällt.

Von dort aus ging es weiter ins Landesinnere und zum nächsten Stopp für einen Walk zu den Blue Pools. Der Weg führte über eine recht lange und wacklige Hängebrücke (immerhin mit einer maximalen Belastbarkeit von 10 Personen) zu den Blue Pools, einer kristallklaren Serie von Wasserbecken, die über die Jahrhunderte aus den Steinen gewaschen wurden.

Die Blue Pools luden heute aufgrund der kühlen Temperaturen eher nicht zum Schwimmen ein, waren aber toll anzusehen.

Unser Weg nach Wanaka führte uns weiter über den Haast-Pass, eine der atemberaubendsten Strecken unserer bisherigen Reise! Wir hielten mehrfach, vor allem für Fotos der Bergkulisse vor den Seen, an.

Ein Blick auf See und Berge, den man so such nicht alle Tage genießen darf.

Am frühen Abend erreichten wir dann, mit vielen Fotos und noch deutlich mehr Eindrücken, die am gleichnamigen See gelegene Kleinstadt Wanaka. Außer einem kurzen Einkaufsstopp für unser Abendessen, dass Sonja dann wieder für uns zauberte, haben wir nicht mehr viel unternommen und fielen müde ins Bett.