Peniche – World Surf League Pro Portugal und Stadtrundgang

Leider waren die Bedingungen für die 2019er Ausgabe des Meo Rip Curl Pro Portugal heute am ersten Tag des Wettkampfes noch weit davon entfernt ideal zu sein, dennoch waren wir natürlich mehrfach am Veranstaltungsort. Am heutigen Tag sollten dann, eben wegen der ungünstigen Bedingungen, keine Wettkämpfe stattfinden. Dennoch waren einige der Profis im nur 16 Grad kalten Wasser und haben den Bedingungen getrotzt. Besonders die Surfer aus Australien, Brasilien und Florida, die eher warmes Wasser gewöhnt sind, hatten so ihre Schwierigkeiten und blieben auch nicht übermäßig lange im Wasser.

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Am Nachmittag haben wir einige von den Profis in mitten der anderen Surfer und Surfschulen am anderen Strand wiedergesehen, denn dort war der Wind ablandig, was deutlich besser für die Wellen ist. Einen Wettkampf haben wir aber natürlich noch nicht zu Gesicht bekommen. Da es uns hier aber auch langsam zu kühl uns stürmisch wird, werden wir bald weiterziehen. Wir haben uns daher auch entschieden nicht selbst zu surfen, denn uns war bereits am Strand kalt 😉 Wir sind ja auch keine Profis und müssen nicht erfrieren.

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Surfer auf dem Weg aus dem Wasser vor der Kulisse der Stadt Peniche

Die Organisation des Events ist dennoch beeindruckend, so hat zum Beispiel jeder Surfer einen eigenen Parkplatz im VIP Bereich, der mit seinem Namen gekennzeichnet ist. Für die Zuschauer ist das dann gleichzeitig ein Anhaltspunkt, wer sich auf dem Wettkampfgelände aufhält. Allerdings haben wir mehrere Surfer gesehen, die keinen PKW auf ihren Parkplätzen stehen hatten, aber definitiv im Wasser waren… Aber man will vielleicht auch einmal seine Ruhe haben.

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Sonja mit dem Parkplatzschild von DEM Surfer überhaupt. Kelly Slater war der jüngste und ist der älteste Gewinner von Profiwettkämpfen und mehrfacher Weltmeister. Leider haben wir Ihn noch nicht live getroffen.

Am Nachmittag sind wir dann durch die Altstadt von Peniche spaziert und auf dem Rückweg natürlich wieder an den Surferstränden gelandet, wo wir noch einmal den Surfern zugesehen haben. Zumindest so lange, bis wir uns vor der Kälte wieder in unseren EU-GO verabschiedet haben. Die alte und sehr sehenswerte Kirche von Peniche haben wir heute sogar sehr intensiv kennengelernt, denn eine nette Dame hat sich bereit erklärt uns die Besonderheiten der Kirche und die darin gelagerten Kunstwerke zu erklären und auch die weniger bekannten Stücke in den Nebenräumen zu zeigen. Die Dame sprach hervorragendes Deutsch und so haben wir viele neue Informationen sammeln können, die ich Euch aber im Detail erspare. Falls Ihr nach Peniche kommt, unbedingt die Kirche anschauen! Es lohnt sich. So nebenbei sind wir heute also wieder 15 Kilometer zu Fuß unterwegs gewesen – also nicht untätig – wenn auch nicht aktiv surfend…

Das Surfmekka Peniche – und es gibt wirklich viel zu sehen

Nach unserer Abfahrt in São Martiño do Porto wurde es dann fahrtechnisch wieder sehr interessant, aber das kennen wir ja von Portugal bereits. Jedenfalls sind wir dann ohne viele Unterbrechungen bis nach Peniche gefahren. Dort haben wir uns ganz dekadent wieder auf dem städtischen Campingplatz einquartiert. OK, wenn man bedenkt, dass dieser ganze 4,25 € pro Nacht kostet, ist es mit der Dekadenz vielleicht doch sehr relativ. Wichtig ist vor allem, dass dieser Platz sehr zentral liegt und zwei Strände mit sieben Namen (einzelne Strandabschnitte werden als neue Strände bezeichnet) zügig erreichbar sind.

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Der Strand mit den vielen Namen und tollen Wellen in Peniche

Kurz nach Ankunft und Frühstück (ihr kennt das ja schon…) sind wir dann am Nachmittag zu einem Spaziergang zum Leuchtturm aufgebrochen. Dieser war dann doch etwas über 12 Kilometer lang und wir haben die komplette Halbinsel umrundet, so dass wir uns das Abendessen, die heiße Dusche und das Bett redlich verdient hatten.

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Das Ziel – oder eher die Halbzeit unseres Spaziergangs um die Halbinsel – der Leuchtturm am Cabo Carvoeiro

Am nächsten Morgen sind wir “nur” etwas mehr als fünf Kilometer entlang der Strände gegangen und haben dabei zuerst den “normalsterblichen” Surfern und dann denn Profis der World Surf League zugesehen, die für den vom 16. bis 28. Oktober stattfindenden Wettkampf trainierten, bzw. die Bedingungen des Supertubos austesten wollten. Es war schon sehr beeindruckend, die besten Surfer der Welt in ihrem Element zu sehen, denn was diese so in den Wellen anstellen, ist für einen Menschen, der ungefähr weiß, wie man sich auf dem Brett hält, nahezu unvorstellbar. Wir hatten ja vor einigen Wochen bereits das Vergnügen, die Deutschen Meisterschaften in Saint Girons zu erleben, aber hier haben wir noch einmal deutliche Unterschiede zu den Weltbesten Surfern feststellen können. Am Wettbewerb wird auch kein Deutscher teilnehmen. Die Maßstäbe sind jedenfalls komplett andere als bei den Deutschen Meisterschaften, denn es wird praktisch eine Kleinstadt errichtet. Am Tag vor dem Wettkampf kamen wir jedenfalls sehr nah an die Location heran und waren mittendrin. Mal sehen, ob uns das in den nächsten Tagen auch gelingt?!?

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Die Aufbauten für den Wettkampf der World Surf League am Tag vor dem Wettkampf.

Die Feuerwehr von Peniche war mit Ihrem Einsatzleitwagen auch bereits vor Ort, und ich durfte einen kurzen Blick in das Fahrzeug werfen. Die Ausstattung entspricht ungefähr einem geländegängigen ELW2 einer deutschen Feuerwehr. Danke an die Kameraden aus Portugal.

Entlang der “Surferküste” Portugals (Nazaré – São Martinho do Porto)

Nachdem wir in Praia de Mira mit wunderbar rauschenden Wellen übernachtet hatten, sind wir nach einem kurzen Spaziergang durch den Ort bald weitergefahren, denn es hat die gesamte Nacht und auch den folgenden Vormittag geregnet bis auf die halbe Stunde unseres Spaziergangs nicht. Die Fahrt anschließend ging wieder über sehr kleine Straßen und Brücken, die mit dem Gewicht und der Größe unseres EU-GO an ihren Grenzen waren. Unser Zwischenziel war dann Nazaré, die Hochburg der Big Wave Surfer der Welt. Die Wellen, die wir dort vorfanden, waren zwar mit etwa 2 Metern Höhe nicht klein, aber nicht mit den über 20 Meter hohen Brechern zu vergleichen, die nach manchem Herbst und Wintersturm am Leuchtturm der Stadt zu bestaunen sind. Immerhin hatte der Regen wieder aufgehört und wir konnten ein wenig am Strand und durch den Hafen spazieren. Uns beiden war Nazaré allerdings selbst jetzt noch zu überlaufen und zu touristisch. Noch dazu dürfen im gesamten oberen Stadtteil, der mit dem Leuchtturm und den älteren Gassen besonders interessant ist, Wohnmobile nicht einmal halten. Vermutlich nicht ohne Grund, denn die Straßen sind wirklich eng und die Touristen sind sich selbst jetzt im Oktober noch gegenseitig auf die Füße getreten, also nicht wirklich das, was wir so mögen.

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Der Strand von Nazaré

Unten in der Stadt am Strand war es deutlich ruhiger und die Leuchtfeuer der Hafeneinfahrt sind auch ganz nett anzusehen und bilden einen schönen Kontrast zu dem blauen Himmel, dem Strand und dem Grau der Wellenbrecher.

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Das Leuchtfeuer der Hafeneinfahrt von Nazaré

Nach unserer Frühstückspause – wie so oft gegen 15 Uhr – fuhren wir dann weiter nach São Marinho do Porto, ein wesentlich beschaulicheres Städtchen mit sehr netter Architektur und einem Sandstrand, der sich entlang einer exakt halbkreisförmigen Bucht zieht. Dort sind wir dann natürlich den Strand auf und ab spaziert und haben auch die Geschäfte und Lokale angesehen, für einen Sonntag war es gut gefüllt, aber eben nicht so überlaufen wie in Nazaré. Zudem war vor Ort noch ein Stellplatz mit festem Untergrund zu finden, denn es sollte die gesamte Nacht regnen und wir wollten doch gerne demnächst weiter fahren, ohne das Auto zuvor aus dem Schlamm oder Sand zu buddeln. Die Regenintensität in der Nacht hat uns dann auch Recht gegeben. Der Blick aus dem Wohnmobil direkt auf den Strand war noch ein zusätzliches Highlight, das wir natürlich gerne “in Kauf nahmen”. Pünktlich zu unserem Morgenspaziergang entlang der Bucht war es allerdings wieder trocken und begann erst mit unserer Abfahrt erneut zu regnen – optimales Timing.

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Ein hübsches Gebäude, direkt am Sandstrand von São Martiño do Porto

Bunte portugiesische Städtchen und mehr (Mutosa – Aveiro – Costa Nova do Prado – Praia de Mira)

Nach einer ruhigen Nacht in Mutosa direkt am Wasser, wurde unser Kreislauf  bei der Weiterfahrt dann sofort wieder auf Touren gebracht, denn die Straße, die uns das Navi führen wollte, war gesperrt und alle anderen Wege waren sehr schmal. Sehr schmal bedeutet, dass wir an beiden Spiegeln teilweise nur wenige Zentimeter Platz hatten und gleich mehrfach freundliche Anwohner mitgeholfen haben, sei es durch Mitschauen oder Wegfahren von anderen Fahrzeugen, ohne dass es keinerlei Fortkommen gegeben hätte. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass es zur “gesperrten” Straße keine Alternative gab und heute eh an der vermeintlichen Baustelle nicht gearbeitet wurde. Nur die Schilder sind eben stehen geblieben… Anschließend wurden die Straßen deutlich besser, und wir konnten ab und an tatsächlich auch fast die erlaubten 50 km/h im Ort erreichen. Fast allerdings nur deshalb, weil wir ständig mit selbstmordgefährdeten anderen Verkehrsteilnehmern rechnen mussten. So war die Oma, die mit ihrem Rollator zwischen parkenden Autos hervorschoss, weniger überraschend, als Linksabbieger, die einfach durch den Gegenverkehr abbogen, obwohl es keine Lücke gab und ich teilweise kräftig in die Eisen steigen musste. Dass die Verwendung von Blinkern generell überbewertet ist, haben wir ebenfalls gelernt. Einzig als Warnblinker, wenn man mitten auf der Straße im absoluten Halteverbot, aber direkt vor dem Geschäft seines Vertrauens parkt, werden diese gelegentlich verwendet. Ein Überholen innerhalb geschlossener Ortschaften, bei Gegenverkehr mit Geschwindigkeiten jenseits der 80km/h ist eher normal. Damit das aber wirklich überraschend kommt, fahren die Menschen erst einige Kilometer direkt hinter einem her, um dann nicht etwa auf der breiten, gut ausgebauten Straße zu überholen, nein im Ort ist das viel interessanter und vielleicht kann Mann da seine Potenz (oder zumindest die des Fahrzeugs) besser zur Schau stellen?!? Das nach dem Überholmanöver so eingeschert wird, dass der Überholte abbremsen muss, ist schon selbstverständlich, nicht nur des Gegenverkehrs wegen…

Nach knapp einer Stunde erreichten wir dann Aveiro und den zwar sehr zentral gelegenen, aber alles andere als einladenden Stellplatz. Weil wir das aber ja bereits wussten, nutzten wir diesen lediglich als Parkplatz für die Stadtbesichtigung. Bereits nach etwa einer Stunde waren wir auch damit “durch”, denn die Stadt wird sehr gut vermarktet und ist entsprechend voll mit Touristen, ist aber nicht so besonders. Die Boote, mit denen dort Touristen durch die Kanäle geschippert werden, kann man entlang der Küste – mindestens ebenso reich verziert – im alltäglichen Einsatz sehen.

Ganz anders der eher unbekanntere Ort Costa Nova do Prado, der durch seine wirklich hübschen, bunte bemalten Häuser besticht und zudem einen ausgesprochen schönen Sandstrand besitzt. Dorthin haben wir dann auch unsere Frühstückspause verlegt.

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Die bunten Häuser von Costa Nova do Prado, in Richtung des Binnengewässers gelegen…
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… und keine 500 Meter entfernt: Ein wunderschöner Sandstrand und Dünen, die mit Holzstegen sehr gut zu erreichen sind

Im Anschluss sind wir die Küstenstraße weiter gen Süden gefahren und haben Praia de Mira erreicht. Dieser Ort hat bezüglich der Architektur etwas weniger zu bieten, dafür kann man aber direkt mit Blick auf das Meer parken. Der Strand ist ebenso wie die Kapelle absolut sehenswert. Noch dazu mit solch hohen Wellen, wie heute.

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Die Kapelle von Praia de Mira, direkt am Strand gelegen

Weiter in Portugals Norden und “Hausarbeit” (Belinho – Esposende – Vila Chã)

Die Nacht auf dem Campingplatz Belinho war sehr ruhig und erholsam, nur das Meer hat man wieder deutlich rauschen hören. Der Vorteil auf einem echten Campingplatz zu stehen war vor allen Dingen die Dusche mit “unbegrenzt” warmem Wasser, die wir beide sehr genossen haben. Auch die Tatsache, dass man die Duschkabine auf dem Platz – im Gegensatz zu unserer eingebauten Dusche – nicht austrocknen musste, war wirklich luxuriös. Auch Ver- und Entsorgen war demnach nicht notwendig, und wir fuhren sehr entspannt an den Strand nach Esposende. Dort schauten wir einer Surfschule zu, die tatsächlich auch im Oktober noch mehrere Kunden hatte. Im Anschluss gab es im EU-GO den berühmten Obstsalat, bevor wir dann weiter auf den nächsten Campingplatz in Vila Chã fuhren.

Die Fahrtstrecke war auch insgesamt nicht sehr weit, führte aber zu etwa 60% über Kopfsteinpflaster und zusätzlich, teilweise gleichzeitig, durch enge Ortschaften mit hohen Mauern. Dazu kommt noch, dass die Portugiesen (nur die, die an diesem Tag zufällig in unserer Nähe waren selbstverständlich) entweder ein sehr hohes Gottvertrauen haben, oder Fahrzeuge jenseits der Größe eines Fiat Pinto schlicht nicht einschätzen können. Die Fahrmanöver, die wir an diesem Tag erlebten, waren jedenfalls recht abenteuerlich.

Der Grund, warum wir den Campingplatz in Vila Chã anfuhren, war unter anderem, dass gutes Wetter angesagt war, der Campingplatz über eine Waschmaschine verfügen sollte (im Gegensatz zu dem in Belinho) und wir schlicht einmal waschen und nicht Autofahren wollten. Daher planten wir von Anfang an zwei Übernachtungen ein, denn am Nachmittag, als wir ankamen, war es zu knapp zum Waschen, bzw. dass die Wäsche auch wieder trocken wurde. Die angekündigte Waschmaschine erfüllte dann auch alle Erwartungen, denn es handelte sich um  eine hervorragende Industriewaschmaschine, die in sehr kurzer Zeit ein hervorragendes Waschergebnis erzielt. Selbst das Waschmittel dosiert dieses Wunderwerk der Technik vollautomatisch (und im Preis von 5 € inklusive) hinzu. Oft haben wir unsere Wäsche auch in einer Waschschüssel von Hand gewaschen, aber diesmal waren auch einige Hand- und Badetücher, sowie die Bettwäsche “fällig”, so dass sich die 7 kg Trommel auch fast vollständig füllte.

Während die Waschmaschine lief, gingen wir an den Strand, um den Fischern zuzusehen, wie sie mit Ihrem Fang nach Hause kamen. Aber wohl wegen der recht aufgewühlten See, war nicht viel zu sehen, außer den Booten und den Fischerhütten, sowie einzelnen Fischern und ihren Frauen, die Netze flickten.

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Der Strand von Vila Chã mit Fischerbooten und Fischerhütten

Im Anschluss stand dann das Wäscheaufhängen an und anschließend “Fahrzeugpflege”, denn auch der EU-GO wollte mal wieder gereinigt werden und die Teerspritzer, die wir uns irgendwo unterwegs eingefangen haben, ließen diese Arbeit deutlich länger dauern als ursprünglich geplant. Diese erwiesen sich als sehr hartnäckig und auch die Versiegelung, die die sonstige Reinigung deutlich beschleunigte, hat dabei weniger geholfen. Nun strahlt unser Reisemobil aber wieder in vollem Glanz und ist bereit für die nächsten Touren.

Natürlich gingen wir noch einige Male zwischendurch an den Strand spazieren und der Himmel war erneut strahlend blau (und windig war es ebenso…):

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Der 10. 10. für uns immer ein besonderes Datum

Heute jährt sich der 10. 10. 2010 zum 9ten Mal. Bevor ich schreibe, warum dieses Datum für uns so besonders ist, zitiere ich lieber Sonja, die es 2016 schon einmal in Perfektion in Worte gefasst hat.

Den Artikel, wie er im Mai 2016 in der Sonderbeilage des Trierischen Volksfreunds erschienen ist, findet ihr hier im folgenden:

Sonjas Geschichte: Auf dem Surfbrett in die Ehe

Auf diesem Wege möchte ich meinem tollen Ehemann dafür danken, dass er mich immer wieder aufs Neue erobert hat — bis ich mal an der Reihe war.

Seit Anfang 2007 sind wir, Marc und ich, ein Paar. Allerdings ließ ich von Beginn an deutlich durchklingen, dass für mich eine Hochzeit nicht in Frage kommen würde. Weder kirchlich noch steuerlich hatte ich zu der Zeit Beweggründe. Als ein sehr freiheitsliebender Mensch wollte ich mich durch eine Ehe nicht einschränken lassen — obwohl ich meinem jetzigen Mann und damaligen Freund ewige Treue und Liebe geschworen hatte. Allerdings wusste ich auch, dass es ein großer Traum von Marc gewesen wäre, mich zu heiraten. Ihm war klar, da ich zu dem stehe, was ich sage und da sehr konsequent bin, hätte er natürlich nie gewagt, mich zu fragen, ob ich es mir doch noch überlegen möchte mit einer Hochzeit. Er hatte zu sehr Angst, dass ich „Nein“ sagen würde.

So vergingen einige Jahre, und im Oktober 2010 wurde mein Gefühl von „Liebe“ für ihn immer intensiver. Den größten Liebesbeweis konnte ich ihm erbringen, wenn ich ihm einen Heiratsantrag machen würde. Seine Antwort wusste ich ja schon im Voraus. Und auch, dass ich die Frage stellen müsste.

Ich ließ mir noch ein paar Tage Zeit, um das legendäre Datum 10. Oktober 2010 abzuwarten — ein Wochenende. Und somit konnte ich mir noch überlegen, wie ich es anstellen sollte. Schließlich wollte ich einen außergewöhnlichen, keinen spießigen, Antrag machen.

Wir wohnen an der Sauermündung, wo die Mosel recht breit ist und sind beide passionierte Wassersportler (Kajakfahren und Windsurfen). Daher beschloss ich im Oktober 2010, vormittags bei schönem Wetter windsurfen zu gehen. Marc half mir beim Aufbauen des Materials. Nach den ersten Metern auf dem Wasser bat ich ihn, in der Wohnung einen schwarzen wasserfesten Stift zu holen, weil ich auf meinem Surfbrett eine verblasste Linie nachziehen wollte. Nichtsahnend verschwand er in unserem Zuhause. In der Zwischenzeit zog ich ein weißes T-Shirt, das ich vorher mit einer Aufschrift präpariert hatte, über meinen Neoprenanzug: „Dies ist kein Witz…“

Als er bewaffnet mit einem Stift wieder ans Ufer kam, surfte ich auf ihn zu. Er war ein wenig irritiert, mich jetzt mit einem T-Shirt mit dem Schriftzug zu sehen. Er schaute fragend und ich stürzte mich samt Segel ins Wasser, tauchte wieder auf und zeigte ihm die Beschriftung auf meinem Rücken: „Willst du mich heiraten?“und zwei Kästchen zum Ankreuzen „Ja“ und „Nein“. Sofort verstand er, warum er den Stift in der Hand hielt und stürzte sich zu mir ins Wasser — das Kreuz machte er direkt und vor Glück kullerten die Freudentränen. „Ja“, sagte er noch.

Gut zwei Monate später heirateten wir in Dänemark.

Auch neun Jahre später kann ich mein Glück kaum fassen. Mit dieser tollen Frau den heutigen Tag in Portugal (dazu demnächst mehr) bei strahlendem Sonnenschein verbringen zu dürfen, ist einfach unbezahlbar.

Von Spanien nach Portugal (von Pontevedra nach Esposende)

Die letzte Nacht haben wir, wie von Sonja bereits beschrieben, in Pontevedra verbracht. In den letzten Tagen haben wir keine Campingplätze aufgesucht sondern Stellplätze. Diese besonderen Parkplätze für Wohnmobile (oft sind Wohnwagen nicht erlaubt) gibt es mehr oder weniger häufig, je nach Interesse der Stadt oder Gemeinde an Wohnmobilisten und in Spanien auch oft kostenlos. Für alle, die sich darunter bislang wenig vorstellen können, heute ein klein wenig mehr Information dazu. Auf den Parkplätzen, die deutlich größere Parkbuchten als normale PKW-Parkplätze aufweisen, befindet sich oft noch eine kombinierte Versorgung-/Entsorgungsstation. An dieser kann das Frischwasser aufgefüllt werden sowie das Grauwasser (Dusch- und Händewaschwasser) ebenso wie der Inhalt der Toilettenkassette entsorgt werden. Zum Spülen der Toilettenkassette ist in der Regel ein separater Wasserhahn vorhanden (Die Gründe dürften offensichtlich sein.). Das Grauwasser wird in der Regel auf einer gesonderten Fläche in einen Bodenablauf eingeleitet (ähnlich einem gewöhnlichen Gully). Die Fläche, in die der Ablauf integriert ist, hat daher immer ein Gefälle in alle Richtungen auf diesen Ablauf hin.

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Ein typischer Reisemobil-Stellplatz (hier in Pontevedra recht zentrumsnah gelegen). In diesem Falle für Reisemobile bis etwa 8,5 Meter Länge passend
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Eine kombinierte Versorgungs-/Entsorgungssäule. (Linke Seite: Frischwasserentnahme; Rechte Seite: WC Entsorgung (unter der Klappe) mit separatem Wasserhahn zum Spülen der WC-Kassette)

Unsere letzte Nacht war jedenfalls aus mehrerlei Gründen nicht sehr ruhig, denn zum einen führte eine recht viel befahrene Straße direkt am Stellplatz vorbei, zum anderen war auf der anderen Seite eine Baustelle, auf der recht lange und sehr früh wieder gearbeitet wurde. Aber Ohropax ist in solchen Fällen sehr hilfreich, und wir haben dann doch ganz gut geschlafen. Pünktlich zum Aufstehen zog sich der Himmel zu, und kurz nachdem wir unser Wasser aufgefüllt und die Toilettenkassette geleert hatten, begann ein leichter Nieselregen. Dieser steigerte sich im Laufe des Vormittags, so dass unsere Stadtbesichtigung in Pontevedra relativ kurz ausfiel, was nicht unbedingt der Optik der recht ansprechenden Altstadt geschuldet war. Wir machten uns also auf gen Süden, und unser EU-GO durfte dabei noch einige Hügel erklimmen und wieder hinunterfahren.

Da wir gehört hatten, dass in Portugal Benzin und Diesel deutlich teurer sind als in Spanien, wollten wir kurz vor der Grenze noch “mal eben” tanken gehen. Diese Aktion hat dann im Ganzen etwa eine Stunde in Anspruch genommen, denn unser Navigationssystem wollte uns ein wenig Abenteuer gönnen und wählte sehr enge Straßen mit hohen Mauern aus, um dann letztlich an einer Straße anzukommen, die vielleicht vor vielen Jahren einmal befahrbar gewesen ist, das heute aber vielleicht für ein geländegängiges Fahrzeug mit Allradantrieb ist. Kurzum, wir fuhren den gesamten Weg wieder zurück. Fanden dann doch noch eine Tankstelle (auch diese war sehr gut versteckt und nicht ohne fahrerisches Können zu erreichen), die tatsächlich auch noch zu den günstigsten gehörte, die wir in Spanien bisher gesehen haben. Wenn man allerdings die mehrgefahrenen Kilometer gegenrechnet, haben wir wohl eher nicht so viel gespart. Und hätten auch einfach in Portugal tanken können. Dann wären wir allerdings um dieses Abenteuer ärmer…

Die Weiterfahrt nach Esposende – Belinho gestaltete sich dann recht ereignisarm, so dass wir am frühen Nachmittag auf einen “richtigen” Campingplatz angekommen sind.  Auf der Fahrt hat es bis kurz vor unserem Ziel entweder genieselt oder war nebelig, so dass wir nicht sehr viel von der Umgebung sehen konnten. Vom Campingplatz aus haben wir nach dem Frühstück (ihr kennt das ja mittlerweile von uns… ist immer etwas später, heute sogar erst um 15 Uhr…) einen kleinen Spaziergang in Richtung Strand unternommen.

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Der Strand und die Dünen von Esposende
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Einen solchen Strand – mit so großen, glatt geschliffenen Steinen – kann man kaum noch als Kiesstrand bezeichnen. Traumhaft schön und ganz anders als ein Sandstrand.

Den Abend lassen wir dann ruhig ausklingen, denn auch wenn wir in Portugal – dank der Zeitumstellung – eine Stunde hinzugewonnen haben, sind wir doch ein wenig “geschafft”. Wir werden dann noch überlegen, wohin es in der nächsten Zeit gehen soll. Porto werden wir sicher umfahren, denn das haben wir ja bereits intensiv kennengelernt und tendenziell zieht es uns in den Süden, denn im “Norden” wird es doch ein wenig herbstlich (Wir mussten heute bei bei den Spaziergängen Windjacken anziehen!!! ;-)). Aktuell bläst zudem der Wind sehr kräftig, was die gefühlte Temperatur weiter reduziert. Im Gegensatz zum 20 °C warmen Wasser in Moliets, hat das Meer hier auch aktuell nur noch 17 °C.