Kleiner Exkurs – Wellenreiten, meine große Liebe 💕

Wie Marc ja schon angekündigt hatte, werde ich kurz mal etwas über mein “geliebtes Surfen” berichten. Auch heute war ich mal wieder für eine halbe Stunde im Wasser, auch wenn die Bedingungen alles andere als gut waren. Die Surfprofis sagen, man lernt immer dazu, egal wie schlecht die Bedingungen sind, vielleicht sogar noch besser als in guten Bedingungen. Denn man muss viel schneller reagieren, da die Wellen entweder aus verschiedenen Richtungen kommen oder sich unmittelbar hinter einem aufbauen, während man in guten Bedingungen die Wellen schon aus der Ferne anrollen sieht und sich dementsprechend darauf vorbereiten kann. Kurz vorab für die Laien unter euch:

Die Surfer sind durch eine “Leine”, der Leash, mit dem Brett verbunden, damit man das Brett nicht verliert, wenn man stürzt. Befestigt ist diese Leash am Fußgelenk des hinteren Fußes. Sie Surfer paddeln auf dem Brett liegend aufs Meer hinaus hinter die Linie, wo die Wellen brechen und dann in Form von großen Weißwasserwalzen zum Strand zu laufen.  Dort setzt man sich auf sein Brett und wartet auf die entsprechende Welle, die man surfen möchte. Wenn man sie ankommen sieht, legt man sicher wieder auf das Brett mit der Spitze ich Richtung Strand und beginnt wie ein Irrer zu paddeln, um Geschwindigkeit aufzubauen. Wenn einen dann die Welle von hinten einholt und das Brett leicht anhebt, paddelt man noch zwei weitere Schläge, stützt sich auf die Hände, platziert auf dem Brett in Höhe links und rechts neben der Brust, und springt mit Schwung auf beide Beine, dann sollte man die Welle erwischt haben, wenn man alles richtig gemacht hat. Ziel des Surfers ist es, die Welle noch im grünen Bereich zu surfen, also kurz vor dem “Zusammenbrechen”, vor dem “weiß werden”. In diesem Bereich der Welle ist die Welle stabil. Mit den Kanten des Bretts kann der Surfer an der Wellenwand entlang gleiten. Je länger, desto besser und schöner. Dafür braucht man eine gute Wellenkenntnis und Erfahrung über Entstehung und Entwicklung einer Welle. Keine Welle ist jemals gleich wie die vorherige. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl dafür. Wellen brechen auf Sand, auf Stein und auf Riffen, wir bevorzugen Sand, da es ungefährlicher ist. Allerdings sind die Wellen über Riffen und Felsen sauberer, da der Sandboden sich immer wieder verändert, und sich die Sandbänke, auf denen die Wellen brechen, sich verschieben. Vor 23 Jahren habe ich das erste Mal auf dem Brett gestanden, da war ich 18. Seitdem lässt mich meine Leidenschaft für das Surfen nicht mehr los, und ich kann nicht genug bekommen, denn das Gefühl, mit dem Brett über das Wasser vor einer Welle zu “schweben”, ist einfach unbeschreiblich. Es hat ein bisschen etwas von Schwerelosigkeit, die man durch Bewegung des Bretts beeinflussen kann. Wie von Geisterhand geschoben, fühlt man sich, als würde man über das Wasser schweben. Wenn man dann völlig erschöpft aus dem Wasser kommt, fühlt man sich wie neu geboren. Man war eine Zeitlang fernab des Alltags, eins mit sich, dem Brett und dem Meer. Wer dieses Gefühl einmal erlebt hat, kann nicht mehr genug davon kriegen. Das verstehen nur die Menschen, die “es” erlebt haben. Mein Bruder Daniel ist unter anderem auch einer von “denen”.

Beeindruckend ist das Surfen besonders am Atlantik abends, wenn die Sonne über dem Meer untergeht, und wenn sie von hinten durch die Wellen scheint und diese grün leuchten lässt. Gekrönt wird das ganze, wenn durch die Wellen dann noch kleine Fischschwärme schwimmen (oder man sogar Delfine am Horizont sieht!). Da man beim Paddeln auf dem Surfbrett liegt, schwimmen die Fische quasi wie in einem Aquarium über einem……unglaublich!

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abends nach einer Surfsession in Moliets-Plage

Jedes Jahr fahren wir zwei Wochen zum Wellenreiten nach Moliets-Plage, wo wir ca. 10 Tage surfen. Das ist eine recht kurze Zeit, um wirkliche Fortschritte zu machen. Bisher habe ich auf unserer Reise so viele Tage wie nie zuvor in meinem Leben auf dem Brett gestanden, und ich merke, dass ich von Tag zu Tag besser werde. Abends schauen wir uns manchmal auf YouTube Videos über Surftechniken an, die ich dann nachts verarbeite um am nächsten Tag trainiere. Es klappt wirklicht, diese Art des Lernens. Verinnerlichen, darüber schlafen und MACHEN!

Jetzt scheinen sowohl Marc als auch ich an die Grenzen unserer Bretter gestoßen zu sein. Wir merken mittlerweile, dass unsere Kannten nicht wirklich greifen. Bei nächster Gelegenheit versuchen wir einmal, andere Bretter zu testen. Ich bin gespannt auf die weiteren Fortschritte und wünsche mir noch mal ein paar bessere Wellen als jene vom Wind verblasene, wie ich sie heute und die letzten Tage hatte. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Mit welcher Leichtigkeit Kelly Slater hier an der grünen Wellenwand entlang gleitet – einfach genial

 

Besichtigung von Rota mit dem Fahrrad, Haushalt

Heute war, nachdem gestern das Auto gewaschen wurde, unsere Wäsche an der Reihe und wir nutzten das sonnige Wetter für eine Waschmaschine und das anschließende Trocknen der Wäsche auf der Leine. Vor allem für unsere Bettwäsche benötigen wir dann schon einiges an Platz. Nachdem also die Waschmaschine gelaufen war, wir gefrühstückt und die Wäsche aufgehängt hatten, machten wir uns mit den Fahrrädern auf in Richtung Rota. Direkt am Ausgang des Campingplatzes begann eine Schotterstraße, die auch schon ein heftiges Waschbrettmuster aufwies, was zum Radfahren eher weniger angenehm ist, aber immerhin einen Bezug zu unserer Haupttätigkeit am heutigen Tage aufwies. Wir waren allerdings sehr froh nach etwas mehr als einem Kilometer wieder Asphalt unter den Reifen zu haben. Nach etwa 7 Kilometern erreichten wir die ersten Ausläufer der Stadt und einige sehr schöne Strände, die windgeschützt in der Bucht liegen. Die 19 °C fühlten sich in der Sonne und ohne Wind deutlich wärmer an. An den Stränden entlang fuhren wir dann bis zum Hafen, um dann einen Abstecher in die Altstadt zu machen. Es dürfte wenige Rathäuser geben, die in älteren Mauern untergebracht sind, wie das von Rota.

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Platz mit Kirche und Rathaus von Rota (Ja, das was aussieht wie eine Festung ist das Rathaus, zumindest heutzutage)

Vom Hauptstrand der Stadt Rota kann man auch die Stadt Cádiz und deren Militärhafen recht gut sehen, der nur einige Kilometer Luftlinie entfernt liegt.

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Einer der Strände von Rota, davor die Strandpromenade und im Hintergrund die Stadt Cádiz 

Der Rückweg war wegen des heftigen Gegenwindes, den wir auf der Hinfahrt als angenehmes leichtes Lüftchen von hinten wahrgenommen hatten, dann doch ganz schön anstrengend. Und die Waschbrettpiste zum Abschluss tat ihr übriges.

Nach der Fahrradtour ging es dann daran die Wäsche abzuhängen und wieder zu verstauen, das Bett zu beziehen und im Prinzip ähnliche Dinge im “Haushalt” zu erledigen wie in einer gewöhnlichen Wohnung, nur dass unsere Wohnung eben vier Räder hat.

Sonja nutze das gute Wetter für eine weitere Surfsession, während ich lediglich etwas gelesen haben.

Ein ruhiger Tag in Aguadulce… mit Fahrzeugpflege und Surfsession

Heute wollten wir ja mal ein wenig Urlaub machen, aber so ganz untätig waren wir natürlich nicht. Nach einem kleinen Strandspaziergang ist uns aufgefallen, dass unser EU-GO mal wieder ein Wellness-Programm verdient hat.

Beim Regen der vergangenen Nacht ist einiges an Dreck vom Dach heruntergelaufen und hat die bei Wohnmobilisten überaus “beliebten” Regenstreifen erzeugt. Das Problem an den Dingern ist, dass man sie praktisch nicht vermeiden kann, und leider sind sie auch recht hartnäckig. Da der Dreck, der an den Fahrzeugwänden herunterläuft, ja auch irgendwo herkommen muss, ist oft ein schmutziges Dach die Ursache dafür, bzw. sorgt neben dem Auswaschen von Luftschadstoffen durch den Regen selbst für Drecknachschub. Wie ihr ja schon wisst, ist unser Dach für mich nicht wirklich begehbar, da ich einfach zu schwer bin, und so konnte ich mich vor diesem Teil der Arbeit erfolgreich drücken… Und Sonja macht auch einfach eine deutlich bessere Figur.

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Sonja schrubbt das Dach unseres EU-GO

Da Sonja anschließend sowieso zum Wellenreiten ins Meer gehen wollte, hat sie sich schon vorher den Neoprenanzug und Neoprenschuhe angezogen, was den Vorteil hat, dass die Füße schön warm bleiben. Wie sich dann herausstellte, haben wir unseren EU-GO gestern viel zu gut in “die Waage” gebracht, denn das Wasser blieb auf dem Dach stehen. Aber Sonja hat mit der Bürste nachgeholfen und mit 20 Litern Wasser das Dach zum Glänzen gebracht. Um das restliche Auto habe ich mich dann gekümmert, und nun strahlt der EU-GO wieder vor sich hin. Ich bin dank der Versiegelung auch mit 2 Litern  Wasser hingekommen ;-).

Wir nutzen zum Ausrichten des Wohnmobils die Auffahrkeile von Thule in Kombination mit der App WomoSet. Das Praktische an dieser App ist, dass man – nachdem anfänglich Radstand und und Spurweite ermittelt und eingegeben wurden – das Telefon einfach auf eine ebene Fläche im Wohnmobil, in unserem Falle den Tisch, legt und die App einem “sagt”, was zu tun ist. Tatsächlich kann das Ding sowohl sprechen als auch über die Apple Watch anzeigen, was zu tun ist.

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Beispielhaft Anzeige der App WomoSet. Eine App für Dumme, die das Ausrichten des Fahrzeugs wirklich zum Kinderspiel macht.

Das waagerechte Ausrichten des Fahrzeugs hat neben dem angenehmen Nebeneffekt, dass man nicht aus dem Bett kugelt, die Schrank- oder Fahrzeugtüren schlecht oder von alleine aufgehen, auch den Sinn, dass Kühlschrank, Warmwasserboiler, Heizung und Herd ordnungsgemäß funktionieren. Da Flammen bekanntlich gerade nach oben brennen, macht es Sinn, wenn diese auch die Orte erwärmen, die geplant sind. Ja, auch der Kühlschrank funktioniert mit einer Gasflamme.

Sonja war jedenfalls, während ich das Auto geputzt habe (Sonja hatte ihren Teil ja bereits erledigt), auf dem Atlantik surfen und hat tatsächlich mehrere grüne Wellen bekommen, obwohl hier eigentlich nur eine Windwelle lief, wie man sie auch zum Beispiel von der Nordsee kennt. Auf das Thema “Wellenreiten” wird Sonja demnächst gesondert noch einmal eingehen.

Von Sevilla an die Küste nördlich von Cádiz – einen ganzen Tag ohne Meer, das geht ja nicht…

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in Sevilla, die recht früh nicht mehr ganz so ruhig war, da die Arbeit in einem Hafen wohl früh startet. Wie nah wir am Hafen und der damit verbundenen Betriebsamkeit waren, hatten wir am Vortag gar nicht so richtig wahrgenommen, denn am Sonntag war es sogar im Hafen ruhig. Das änderte sich allerdings dann am frühen Montag, dennoch haben wir sehr gut geschlafen, was vermutlich auch an  der Anstrengung des gestrigen Tages gelegen hat.

Bereits am Abend hatten wir beschlossen, dass wir nun wieder ein wenig Urlaub benötigen und etwas länger an einem Ort bleiben wollen. Dass dieser Ort möglichst direkt am Meer liegen sollte, war ja eigentlich klar. So haben wir uns für einen Campingplatz in der Nähe von Rota entschieden, den Camping Aguadulce (woher der Name kommt, haben wir bislang noch nicht herausgefunden, denn das Meerwasser ist bekanntlich salzig und weniger süß). Was allerdings sehr süß ist, ist die Distanz vom Platz zum Meer, was den Ausschlag gegeben hat, sich für diesen Platz zu entscheiden.

Nach einer morgendlichen Dusche, die der Stellplatz in Sevilla ja ebenso wie Toiletten anbot, der Leerung unseres Brauchwassertanks und der Abrechnung fuhren wir dann also schon recht bald wieder gen Südwesten in Grobrichtung Cádiz. Die Straßen waren viel besser, als wir es von Portugal gewohnt waren, und so kamen wir äußerst zügig voran. Mitten im Nirgendwo sahen wir dann auf einem Hügel ein prächtiges Bauwerk…

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Die Kirche in El Palmar de Troya

Natürlich haben wir angehalten, und da wir mal wieder Glück hatten, war das Tor von einem der Angestellten gerade geöffnet worden, so dass wir genau dieses eine Bild machen und einen Blick auf die Kirche erhaschen konnten. Das Gelände durften wir als “Ungläubige”, die zudem nicht festlich genug gekleidet waren (wir wollten ja auch Auto fahren und nicht heiraten), nicht betreten. Es stellte sich heraus, dass diese Kirche das Zentrum der “palmairanischen Kirche” darstellt. Diese Glaubensgemeinschaft, die sich als verbliebener Rest des “wahren Katholizismus” sieht, erkennt die Veränderungen des zweiten Vatikanischen Konzils nicht an und hat folglich auch einen eigenen Pabst. Die Messe wird nach wie vor in Latein gelesen und der Zehnt eingefordert. Die Kirche hat weltweit etwa 10.000 Mitglieder, viele davon auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So erklärt sich auch, dass mitten in der öden Landschaft ein solch prächtiges Bauwerk entstehen konnte, denn alles, was dafür gespendet wurde, wird im Leben nach dem Tode hundertfach zurückgegeben… Eigentlich logisch, dass vor allem Schwaben sich auf einen solchen Deal einlassen… Tatsächlich ist in Stuttgart wohl ein großer Teil der deutschen Anhänger zu finden, wie uns der Mitarbeiter erklärte. Außerdem erhielten wir auch Informationsmaterial auf deutsch.

Derart informiert machten wir uns dann auf die Weiterfahrt an die Küste. Kurz vor dem eigentlichen Ziel fand Sonja wieder eine ausgesprochen günstige Tankstelle, so dass wir unseren Treibstoffvorrat auffüllen konnten, und anschließend erledigten wir das auch noch mit den Vorräten für uns und kauften reichlich Nahrungsmittel ein. Die enge Zufahrt und der Parkplatz, der eigentlich nach deutschen Maßstäben lediglich für Kleinstwagen geeignet war, schreckte uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr ab.

Bereits gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz und stellten fest, dass dieser zu einem großen Teil von Dauercampern genutzt wird, diese aber nicht anwesend waren. Kurzum, es ist absolut ruhig und Menschen sehen wir eher selten. Die ideale Lage direkt am Strand hat sich bewahrheitet, denn von unserer Parzelle bis zum Meer sind es nicht einmal 100 Meter.

Natürlich haben wir auch den Strand direkt mit einem Spaziergang erkundet und nach knapp 5 Kilometern in eine Richtung umgedreht. Auf dem Rückweg gingen wir nicht direkt am Strand, sondern auf einem direkt dahinter liegenden Weg entlang. Dort waren auf dem Golfplatz tatsächlich vereinzelte Menschen zu sehen, alle Häuser und Wohnungen, die wir sahen, wirkten vollständig ausgestorben und das, obwohl die Luft mit 20 °C durchaus noch angenehm warm ist, und sogar das Wasser eine Temperatur von 19 °C hat. Auf dem Rückweg hörten wir mehrere Male laute Knallgeräusche vom Meer, und wir haben eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass die spanische Marine dort wohl ein Manöver abhielt, denn vereinzelt war auch Leuchtmunition zu erkennen. Unwahrscheinlich ist das hier nicht, da in Rota einer der größten Marinestützpunkte Europas liegt, was wir aber auch erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden haben. Unter anderem leben auf der Base auch 3000 Amerikaner. Rota wurde im März 2019 sogar Operationshauptquartier der EU, auch eine Folge des Brexit, denn das Hauptquartier in Northwood (GB) wurde durch Rota ersetzt. Eines der fünf Hauptquartiere liegt übrigens in Potsdam (wo da ausreichend Wasser ist, ist mir allerdings ein Rätsel…). Es ist schon erstaunlich, wie nahe man an Ereignisse des Weltgeschehens kommt, ohne sich wirklich damit zu beschäftigen, denn wir verzichten aktuell bewusst auf “Nachrichten”.

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Ein Schiff der (spanischen?) Kriegsmarine

… und tatsächlich kamen wir heute bis Sevilla

Nach einer sehr erholsamen Nacht auf dem Stellplatz in Tavira wurden wir von Trompetenklängen aus der Ferne und Sonnenstrahlen geweckt. Die zehn Stunden Schlaf hatten ausreicht, dass wir voll motiviert aus dem Bett gehüpft sind, um weiterzufahren (Wir gingen in Portugal oft recht zeitig ins Bett, da es nach der Zeitumstellung auch schon um 18 Uhr dunkel wurde, und wir von den ereignisreichen Tagen immer sehr erschöpft waren). Am Abend zuvor hatten wir uns schon die Route zu unserem nächsten Zwischenziel herausgesucht. Es sollte doch noch eine letzte Großstadt vor unserem “richtigen Urlaub” werden: Sevilla. Da der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal das Mündungsgebiet ziemlich schlecht für den Straßenbau gestaltet, war ein Ausweichen auf ein Stück Autobahn, die wir sonst aufgrund der Maut in Portugal gemieden hatten, unumgänglich. Denn diese hatte eine Brücke über den Fluss, ansonsten hätte wir über die Landstraße einen Umweg von mehreren hundert Kilometern auf uns nehmen müssen. Zum Glück wurde für die letzen Kilometer bis zur spanischen Grenze auch keine Maut mehr berechnet, sonst hätten wir mit einer Strafe rechnen müssen, da wir nicht die entsprechende Bezahlbox dafür installiert hatten.

Nach knapp zwei Stunden Fahrt über ausschließlich Autobahn, erreichten wir gegen Mittag den Stellplatz am Hafen. Die Autofahrt war wirklich sehr entspannt, solch lange Autobahnstücke von über 100 km hatten wir bisher noch nie auf unserer Tour zurückgelegt. Landschaftlich war die Gegend jetzt auch nicht so attraktiv, dass man auf den Landstraßen hätte ein paar mehr Oliven- und Orangenbäume hätte zählen können. Es gab sogar Weinstöcke an der Autobahn. Der Stellplatz lag sehr nah an der Altstadt, so dass man also zu Fuß dorthin gelangen konnte. Nach einem kleinen Frühstück mit u.a. Mandarinen vom Markt in Tavira und Orangen aus Albufeira machten wir uns auf zu unserem City-Walk. Dabei starten wir beide immer unsere Polarpulsuhr bzw. Apple-Watch. Sprich, wir starten beide unsere Pulsuhren und lassen unsere Schritte und Kilometer aufzeichnen. Dabei kommen wir fast täglich auf über 10 km, oft auch 15. Heute Abend haben wir nach dem Sevilla-Rundgang sage und schreibe 20.000 Schritte zurückgelegt.

Von unserem Stellplatz mussten wir nur eine Brücke über den Guadalquivir überqueren und schon waren wir in einem der vielen grünen Stadtparks mit Palmen, Eukalyptusbäumen und anderen Blütenpflanzen wie Hibiskus, Bugainvillea, etc. Bei 24 Grad im Schatten hielten wir uns dann gerne untern den großen Bäumen auf, um ins Zentrum zu gelangen. Durch die Baumwipfel erahnten wir schon die ersten schönen Gebäude, darunter einige Museen wie an diesem Platz:

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Maurischer Baustil dominiert die Gebäude

Weiter ging es dann zur Plaza de España, der 1929 zur iberoamerikanischen Ausstellung sehr aufwendig mit Marmor und Keramikelementen gebaut wurde.

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Auch hier dominiert der Mudéjar-Baustil mit den Hufeisenbögen
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Die Kathedrale mit dem fast 100 Meter hohen Glockenturm, ehemals Minarett der maurischen Moschee, in die die Kathedrale eingebaut wurde (leider hier nicht zu sehen)
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der Torre del Ort am Flussufer

Je weiter wir in die Stadt gelangten, umso beeindruckender wurden die Gebäude, wie die Tabakfabrik wie ein Schloss mit Wassergraben, tollen Ornamenten und einem gusseisernen Zaun darum, der heutigen Universität. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten, da es in alle Blickrichtungen immer wieder neue Sehenswürdigkeiten, meist in Form von toll verzierten Gebäuden in verschiedenen Baustilen, gab. Dazwischen immer wieder enge Gassen mit schönen Häuserfassaden, kleine Hinterhöfe oder große Plätze mit netten Restaurants und Cafés, Pferdekutschen, die die Touristen durch die Stadt fuhren. Besonders die Kathedrale hat uns aufgrund ihrer großen Dimension imponiert, gefühlt mehrere hundert Meter breit. Ich dachte immer, der Kölner Dom ist das Non-Plus-Ultra, wer ähnliches erleben möchte, dem sei Sevilla ans Herz gelegt. Zum Schluss hörten wir noch ein paar Flamenco-Klänge, dessen Ursprung auch in Sevilla liegt. Die Stierkampfarena konnten wir nur von außen bestaunen. Alles in Allem sind wir sehr beeindruckt von der Vielfalt bzgl. Baustilen und der farbenfrohen Prachtbauten gesäumt von Palmen-Alleen und schönen Parks. Somit hat Sevilla weit unsere Erwartungen übertroffen, und wir können jedem mal einen Besuch ans Herz legen.

Der voraussichtlich letzte vollständige Tag in Portugal (Faro – Fuseta – Santa Luzia – Tavira)

Heute sind wir nach einer sehr ruhigen Nacht mitten in Faro direkt an der Stadtmauer aufgewacht und haben bereits um 8 Uhr einen kleinen Stadtrundgang unternommen. Da um diese Zeit wenig “los” ist, haben wir auch viele Orte noch ziemlich für uns gehabt. Und man muss wirklich sagen, dass sich die Altstadt sehr wohl für einen Besuch lohnt. Der kleine Fischerhafen, die Kathedrale und vor allem die Fußgängerzone mit dem tollen Pflaster (das vermutlich kaum zu sehen ist, wenn sich tagsüber die Straßen füllen).

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Die Fußgängerzone mit wunderbarem glatten und sauberen Pflaster, morgens noch sehr leer 😉

Die Stadt Faro wird auch als Stadt der Störche bezeichnet. Tatsächlich war das Klappern der Störche das erste Geräusch, was wir am Morgen vernommen hatten, und auf manchen Gebäuden hatten es sich gleich mehrere Paare bequem gemacht.

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Das Stadttor Arco da Vila mit zwei Storchenpaaren in zwei Nestern (ja, die sind echt!)

Ein besonderer Tipp in Faro ist die Kirche St. Francisco, die innen teilweise mit Kacheln, Gold und tollen Ornamenten gestaltet ist und die bislang für uns schönste Kirche auf unserer Tor darstellt (und wir haben viele gesehen!). Da in der Kirche keine Fotoaufnahmen gestattet sind und wir außerdem nur wegen einer stattfindenden Messe hineingekommen sind, versteht sich von selbst, dass wir uns daran gehalten haben. Daher diese Empfehlung leider ohne Foto.

Schon gegen 9:30 Uhr fuhren wir durch die immer noch sehr ruhige Stadt Faro nach Fuseta, einem kleinen und recht engen Fischerort, der Sonja (die die erste Etappe gefahren ist) vor einige Herausforderungen gestellt hat, die sie aber mit Bravour gemeistert hat. Ein kurzer Spaziergang reicht, um sich einen Eindruck vom kleinen, gemütlichen Ort zu verschaffen, und so sind wir auch recht bald weiter nach Santa Luzia gefahren. Da der Ort genau so heißt wie eine meiner Omas (die vor einigen Tagen 100 geworden wäre, aber im letzten Jahr verstorben ist), war klar, dass wir kurz anhalten mussten. Die Uferstraße entlang erstreckt sich ein wirklich schönes Fischerdorf mit bunten Booten, und auf der anderen Straßenseite sind die Häuser ähnlich farbenfroh.

Zum Tagesabschluss ging es für uns dann nach Tavira, wo wir auch übernachten werden. Das Städtchen Tavira liegt nett an Fluss und Hügel und verfügt über ein Castello ebenso wie 37 Kirchen (sagt der Reiseführer, wir haben nur einige wenige angesehen…). Eine Römerbrücke findet man hier ebenso wie in Trier. Durch die vorgelagerten Inseln ist die Stadt auch gegenüber dem Meer sehr gut geschützt, und die Fischerei und Salzgewinnung waren von altersher eine der Haupteinnahmequellen. Falls man an den Strand möchte, muss man die städtische Fähre dafür nehmen. Heute am Samstag war neben dem regulären Markt in der (neuen) Markthalle auch noch ein Flohmarkt außen davor, so dass bei unserer Ankunft ein reger Trubel herrschte, der sich dann aber bald gelegt hat.

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Die Kirche Santa Maria in Tavira oben auf dem Berg, direkt neben dem Castello gelegen (von dem aus dieses Bild entstand)

Morgen geht es dann voraussichtlich über die Grenze nach Spanien, und wir verlassen nach gut drei Wochen und etwas mehr als tausend Kilometern Portugal (bei 1800 Kilometern Küstenlinie, die Portugal besitzt, sind wir also nicht jede Bucht nachgefahren, was aber auch nicht möglich wäre…)

In Portugal gen Osten (Lagos – Alvor -Portimão – Vilamoura – Faro)

Nach einer ruhigen Nacht in Lagos sind wir rechtzeitig losgefahren und bereits gegen 10 Uhr am Strand von Alvor entlang spaziert und haben dort die wirklich beeindruckenden Felsformationen angesehen. Die Uhrzeit war sehr gut, denn es herrschte Ebbe, und so kamen wir auch in die nächsten Buchten trockenen Fußes hinein. Das Meer hat im Laufe der Zeit nicht nur Höhlen oder einzeln stehende Felsen ausgewaschen, sondern auch mehrere Torbögen. Auch wenn die Sandsteinfelsen recht stabil aussehen, sollte man vorsichtig sein, denn an mehreren Stellen war zu erkennen, wie die Erosion ganz praktisch vonstatten geht. Und damit aus Erosion nicht Evolution wird, haben wir zumindest versucht, uns so weit es ging von den Felsen fernzuhalten oder zumindest die Aufenthaltszeit im potentiellen Einsturzbereich gering zu halten.

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beeindruckende Sandsteinfelsen am Strand von Alvor, bei Ebbe auch trockenen Fußes zu besichtigen. Sonja ist auch auf dem Bild, so sind die Dimensionen abzuschätzen…
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Die Bögen haben schon beeindruckende Ausmaße und sehen aus, wie auf den Stand gestellt

Im Anschluss sind wir nach Portimão weitergefahren und haben unseren EU-GO am LIDL-Parkplatz abgestellt, denn die LIDL-Supermärkte haben in Portugal recht häufig spezielle Parkplätze für Reisemobile, auf denen man sogar übernachten darf. Wir haben allerdings nur einen Stadtrundgang durch diese – nun ja – architektonische weniger reizvolle Stadt gemacht (sie ist einfach grottenhässlich mit ein paar schönen Stränden und viel Touristensouvenirläden), bevor wir natürlich dann beim LIDL auch unsere Vorräte wieder aufgefüllt haben. Der fast acht Kilometer lange Rundgang war dann auch noch ungeplant anstrengend, da das Thermometer die 25 Gradmarke deutlich überschritt und das bei mehr als 80% Luftfeuchtigkeit.  Die meisten Leser werden nun in Deutschland bei Regen und Temperaturen unter 10 °C sitzen und sich denken: “Wie gerne würden wir jetzt schwitzen”.  So ist das eben… Das Wetter ist nie richtig 😉

Weiter ging es über Amação de Pêra, wo wir an der Küste mit Blick aufs Meer eine kurze Pause zum Frühstücken einlegten, bis nach Vilamoura. In Vilamoura trifft sich alles, was Geld hat (oder zumindest gerne so tun möchte, als ob…). Wenn die Yachtgröße für Monaco nicht gereicht hat, kann man hier den “tollen Hecht” spielen. Entsprechend laufen um die Marina auch viele besonders coole, teils stark gealterte Machos und ebensoviele oder mehr aufgespritzt und gestraffte (ehemalige) Schönheiten und lassen sich in den Restaurants und Bars kulinarisch verwöhnen, um den ehemaligen Astralkörper noch etwas weiter vom Idealzustand zu entfernen. Wer etwas Authentisches sucht, ist in Vilamoura sicherlich nicht richtig. Ein bisschen Kitsch mit Phantasialandatmosphäre passt dann schon eher… Wir waren froh, wieder weiterfahren zu dürfen.

Allerdings haben wir, als wir gerade den Motor wieder gestartet hatten, eine Nachricht von einer ehemaligen Kollegin – der lieben Stefanie – bekommen, dass sie nebst ihrem Gatten ebenfalls in Vilamoura angekommen ist, um es sich noch einen Tag im Hotel richtig gut gehen zu lassen, bevor es dann wieder zurück nach Stuttgart geht. Selbstverständlich sind wir dann noch zu Ihrem Hotel gefahren, was mit unserem “Kleinwagen” durchaus sportlich war. Wir haben dann einfach mitten im Wendehammer vor dem Hotel geparkt und uns kurz mit den beiden getroffen. Die Hotelangestellten waren völlig entspannt… Wenn die Polizei käme, sollten wir einfach sagen, dass wir zum Hotel gehören, dann wäre das schon ok…

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Ein weiteres Wiedersehen, diesmal mit meiner (Marc) lieben Ex-Kollegin Stefanie

So jedenfalls hat der Abend mit einem weiteren Wiedersehen seinen Abschluss gefunden, wobei nicht ganz, denn wir sind ja noch bis Faro gefahren, um dort zu nächtigen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch Orangen eingekauft, für die diese Region berühmt ist, und Sonja hat dann abends noch eine Jongliereinlage hingelegt.

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Sonja jongliert im EU-GO mit den riesigen Orangen aus Albufeira, natürlich ohne Unfall…