Surfen am Black Sand Beach

Unsere zweite Unterkunft liegt an einem richtig einsamen Strand im Gegensatz zur ersten Bleibe in Weligama. Dort war der Strand sehr touristisch, überlaufen von unzähligen Surfern und mit der Hauptstraße direkt im Hintergrund. Da konnten auch die Kokospalmen das paradiesische Gefühl nicht herbeizaubern.

In Medawatta, am Black Sand Beach, haben wir unseren Strand morgens und abends fast für uns alleine und teilen uns die Wellen mit einer überschaubaren Anzahl an Surfern. Man kennt sich und grüßt sich untereinander. So habe ich den Luxus, nicht nur frühmorgens im Sonnenaufgang mit Marc surfen zu gehen, sondern auch abends noch eine Runde zum Sonnenuntergang, wenn die Temperaturen wieder erträglich werden. Denn tagsüber ist es schlichtweg zu heiß und grell vom Licht her.

(Während ich diese Zeilen hier schreibe, poltert immer wieder eine Horde Affen über unser Wellblechdach!)

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Nicht nur über das Dach, auch über unseren Balkon turnten die Affen…

Der Surfbrettverleih hat eine riesige Anzahl an verschiedenen Brettern, so dass wir je nach Bedingungen immer das entsprechende Brett, welches wir für richtig erachten, auswählen können. Diesen Luxus haben wir mit unserer eigenen Boardpalette nicht. Unsere eigenen neuen Bretter wollten wir nicht mitnehmen, da Bretter oftmals trotz flugtauglicher, gepolsteter Packtaschen beim Transport im Flugzeug beschädigt werden. Die Surfbrettmiete ist pro Stunde mit 1,50 Euro auch spottbillig.

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Surfen im warmen Wasser vor der Kulisse des tropischen Strandes mit Palmen im Hintergrund

Für mich sind die Wellen hier so perfekt, wie ich sie nie zuvor erlebt habe. Die Wellenausbeute, die ich hier in einer Stunde habe, ist viel höher als an anderen Surfsports am Atlantik oder auch letztens in Spanien am Mittelmeer. Ich berichtete von meiner höchsten Welle meines Lebens in Peñiscola. Einen neuen Rekord konnte ich hier am Black Sand Beach aufstellen.

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Eine von vielen tollen und hohen Wellen, die Sonja in Sri Lanka gesurft ist.

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, die Wellenhöhe zu berechnen. Gefühlt war es jedenfalls die höchste Welle, die ich je angepaddelt habe. Und Marc hat sie auch noch fotografiert! Ich schätze, zwischen 2,5 und 3 Metern hatte sie: Ein riesiger Wasserberg kam auf mich zugerollt. Als er einige Meter hinter mir war und sich auftürmte, begann ich,  ihn schräg anzupaddeln. Als ich merkte, dass die Welle mich erfasste, drückte ich die Spitze nach unten und sprang auf das Brett. Die Welle nahm mich mit in ihre geheimnisvolle Tiefe, die man aus dieser Perspektive nur als Surfer erleben kann. Das ist die große Faszination dieses Naturerlebnisses. Der Wellenritt reißt die Surfer für Sekunden aus der Realität und lässt sie die enorme Wasserkraft spüren. Alles dreht sich um einen herum. Diese Sekunden fühlen sich sehr intensiv an. Da bin nur ich, die Welle und mein Brett. Da die Welle jedes Mal anders verläuft, muss sie mit dem Brett über die richtige Linie abgesurft werden, damit man so lange wie möglich die Welle abreiten kann. Zum Abschluss und finalen Zusammenbruch der Welle wird man belohnt mit einer peitschenden Gischt, die einem vom Wind ins Gesicht geweht wird. Ein Traum!

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Die wahrscheinlich höchste Welle des Urlaubs…

Und dann: Nichts wie zurück aufs Brett und wieder rauspaddeln, auf der Suche nach der nächsten Welle.

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Ich betreibe ja wirklich viele Sportarten. Für mich gehören das Skilanglaufen und das Wellenreiten zu den Sportarten, die den Körper am meisten innerhalb Kürze erschöpfen. Ganzkörpereinsatz nennt sich das (Beim Langlaufen arbeiten Arme und Beine gleichzeitig). Bei beiden Sportarten kommt auch noch hinzu, dass der Körper zusätzlich Wärme produzieren muss (im Winter bei Kälte im Schnee und im Meerwasser, in dem man sich während der ganzen Zeit befindet, dessen Temperatur auch unter der Körpertemperatur liegt!)

Beim Paddeln ist man ständig in Bewegung, und das mit enormem Kraftaufwand gegen Strömung und Wellen, beim Rauspaddeln aufs Meer kämpft man gegen die Wellen, und beim Absurfen muss man paddelnd Tempo aufnehmen, um die Geschwindigkeit der Welle zu erreichen, damit man sie erwischt. Sonst läuft sie unter einem hindurch und lässt einen „links liegen“. Ruhephasen gibt es selten. Dafür kommt man nach einer Runde Surfen mit einer gesunden Erschöpfung an Land und freut sich auf eine Ruhephase und etwas Gutes zu essen!

Wir bringen unserem Vermieter das Schwimmen bei

Auf dem Ausflug mit unserem Vermieter Vasu (32) in den Yala-Nationalpark erfuhren wir von ihm, dass seine Frau und seine Schwägerin vor zwei Jahren am Strand im Nachbarort, wo sich eine Flussmündung in den indischen Ozean befindet, ertrunken sind. Sie wurden von der Strömung immer weiter aufs Meer hinausgetrieben, und da sie nicht schwimmen konnten, versuchte Vasu, der ebenfalls nicht schwimmen konnte, sie zu retten. Leider ohne Erfolg. Nur Vasu kam wieder lebend an Land zurück. So sitzen der Schock und die Angst vor dem Wasser bei ihm immer noch tief. In Sri Lanka kann nur ein Bruchteil der Bevölkerung schwimmen.

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So kamen wir drei Tage vor unserer Abreise zu unserer neuen Unterkunft auf die Idee, ihm das Schwimmen beizubringen. Da wir ja als Surfer beste Schwimmer sind, hatte er vollstes Vertrauen in uns als seine Schwimmlehrer. Am Abend davor besorgten wir noch in einem absolut chaotischen Allzweckladen ein paar Schwimmflügel für seine dreijährige Tochter, der Vasu auch unbedingt das Schwimmen beibringen möchte. Nur dafür muss er ja erst einmal selbst das Schwimmen lernen.

So trafen wir uns also nachmittags mit ihm, seiner Tochter und seiner dreijährigen Nichte am Strand. Und kaum waren wir bis zu den Knien im Wasser, kamen auch noch seine beiden Schwestern und seine Mutter hinzu. Sie alle wollten zusehen, wie wir Vasu das Schwimmen beibringen würden.

Ich kümmerte mich um die kleine Tochter, mit der ich in den Wellen herumtollte, um ihr die Angst zu nehmen, und Marc zeigte Vasu, wie man auf dem Rücken liegend auf dem Wasser treiben kann, ohne unter zu gehen.

Dass es so einfach wäre, hätte Vasu nicht gedacht, und schon am ersten Tag konnte er sich furchtlos immer wieder in seine sichere Rückenposition zurückbegeben und auf dem Wasser treiben. Später gesellten sich sogar auch noch die anderen Mieter aus unserem Hostal, ein französisches Rentnerehepaar, dazu. Er war pensionierter Bademeister und Schwimmlehrer. Was für ein Zufall. Da Marc seine Aufgabe gut machte, wollte er sich nicht einmischen, wie er meinte. Jedenfalls war sein Kommentar, dass es unmöglich sei, in drei Tagen schwimmen zu lernen!

Am zweiten Tag waren wir nur zu viert. Vasu, seine Tochter, Marc und ich. Um das ganze etwas zu festigen, wiederholte Marc mit Vasu die Übung. Zusätzlich zeigte Marc ihm, wie man sich durch zusätzliche Arm- und Beinbewegung fortbewegen kann. Ich schwamm in der Zeit mit der kleinen Tochter, die voller Stolz die Schwimmflügel trug, zusammen in den Wellen. Dabei ließ ich sie ab und zu auch mal alleine treiben. Da sie ein absolutes Fliegengewicht ist, drehte sie sich oft automatisch auf den Rücken, so dass ich sie wieder umdrehen musste.

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Am dritten Tag dasselbe Spiel, denn Übung und Wiederholung machen bekanntlich den Meister.

Da das auf dem Rücken treiben bei Vasu schon sehr gut klappte, wurde er ein wenig übermütig, drehte sich einfach um, und begann, wie ich es ihm vormachte, zu kraulen. Dies hatte er am Tag zuvor bei mir schon beobachtet (und wahrscheinlich im Unterbewusstsein dann über Nacht schon verarbeitet!). Jedenfalls trauten Marc und ich unseren Augen kaum: Vasu schwamm alleine, er kraulte etwas mehr als 10 Meter, bis er völlig erschöpft aufgab, da er so gut wie gar keine Kondition hat. Voller Freude applaudierten wir, selbst die kleine Tochter und Vasu selbst, jubelten vor Freude.

Das war ein schönes Erlebnis, von Erfolg gekrönt. Jetzt möchte Vasu so oft es geht alleine üben gehen, damit er bald auch seiner Tochter und auch seinen Schwestern das Schwimmen beibringen kann. Wir sind gespannt, von seinen Plänen zu hören.

Sonjas Geburtstag

In die Zeit unseres Aufenthaltes in Euskirchen fiel dann auch der 16. Januar und damit Sonjas Geburtstag. Sonja war daher fast den gesamten Tag von Gratulanten beschäftigt und konnte etliche Telefongespräche nicht persönlich oder nur mit Verspätung annehmen, da sooo viele Menschen ihr gratulieren wollten. Von den unzähligen Nachrichten auf allen anderen Wegen ganz zu schweigen. Natürlich hat Sonja den Morgen mit einem 10 km Morgenlauf durch ihre Heimatstadt begrüßt.

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Sonjas Geburtstagsrose (nicht von mir;-))

Mittags gingen wir dann mit Sonjas Eltern ayurvedisch essen. Alle Bestandteile des Buffets sind aus naturbelassenen Zutaten hergestellt. Es werden keine künstlichen Aromen, Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffe oder andere Zusätze verwendet. Die Basis der Gerichte bilden verschiedene Gemüsesorten und die Verwendung nahezu 30 verschiedener Gewürze. Für meinen Geschmack ein wenig sehr viel des Guten, aber ok… Während des Essens soll unter anderem wenig oder nur sehr leise gesprochen werden, was aber nicht alle Quatschtanten und Omas verstanden hatten… Egal, es war jedenfalls eine völlig neue kulinarische Erfahrung für uns beide, die allerdings voraussichtlich auch einmalig bleiben wird.

Anschließend habe ich dann noch einmal eine Computersupportsession eingelegt, und Sonja ist abends mit Ihren Eltern noch zur Wirbelsäulengymnastik gegangen und durfte natürlich direkt vorturnen… Kein Wunder bei meiner superfitten Frau.

Silvester 2019 und Neujahr 2020

Nach dem Spaziergang am Silvesterabend haben wir uns ziemlich schnell ins Bett begeben, da wir von der anstrengenden Fahrt ziemlich erschöpft waren. Der Wecker hat uns um 23:40 Uhr geweckt, so dass wir den Jahreswechsel im wachen Zustand verbringen konnten.

Den Jahreswechsel 2019/2020 haben wir in Argelès-sur-Mer verbracht. Ursprünglich wollten wir um 0 Uhr zum Strand gehen und dort ins neue Jahr feiern, aber es war uns schlicht zu kalt, denn Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich sind wir einfach nicht mehr gewöhnt. Außerdem haben wir keine echte Winterkleidung dabei. So sind wir beide teils kurz vor das Wohnmobil gegangen und haben den schönen Sternenhimmel angesehen, und den Rest des Abends haben wir im warmen Bett verbracht.

Pünktlich zu den Glockenschlägen um 24 Uhr (ok, es war gar keine Glocke hörbar) haben wir nach spanischem Brauch jeder zwölf Weintrauben gegessen. Das soll Glück für das neue Jahr bringen, und Glück können wir ganz sicher gebrauchen, sowohl für unsere weitere Reise, als auch für ein Leben „danach“.

Hier in Argelès-sur-Mer findet jedes Jahr am 1. Januar ein Neujahrsschwimmen statt, dass wir uns zumindest anschauen wollten. Wir sind ja sonst beide nicht wasserscheu, aber bei vorherrschenden 5°C ins 14 °C kühle Wasser zu springen und danach noch einen etwa zwei Kilometer langen Weg zurück zum Wohnmobil zu haben, das war uns dann doch zu heftig. Allerdings haben wir sie moralisch unterstützt und den vielen Badenden zugesehen. Es waren sicher über hundert Menschen im Wasser, um das neue Jahr so zu begrüßen.

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Das Anbaden 2020 in Argelès-sur-Mer vor der Kulisse der Pyrenäen und wolkigem Himmel bei eisigen Temperaturen.

Ob die Urkunde, die es dafür gab, für mache auch Motivation war, sei dahingestellt. Die weitaus meisten Teilnehmer hatten normale Badekleidung, also Badehose oder Badeanzug an, waren dafür allerdings auch mit etwas mehr Biopren (körpereigenes Isolationsmaterial, umgangssprachlich „Fett“) als wir ausgestattet. Dass das Oberflächen-/Volumenverhältnis bei etwas fülligen, möglichst großen Menschen günstiger ist, dürfte bekannt sein. Wer nun noch ein bisschen Material zum Angeben haben möchte, kann dabei noch die Bergmannsche Regel zitieren, denn was für Pinguine gilt, ist bestimmt für Menschen nicht falsch. (Hat ja niemand behauptet, dass man hier nicht noch essenzielles biologisches Fachwissen vermittelt bekommt…)

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Außerhalb des Wassers an der Strandpromenade wurde mit Musik „eingeheizt“.

Nach unserem Morgenspaziergang sind wir dann zum ausgiebigen Frühstück in den EU-GO zurückgekehrt und haben es uns bis zum frühen Nachmittag gemütlich gemacht. Ich habe dann weiter gelesen, und meine liebe Sonja ist joggen gegangen.

 

El Gordo nach einer stürmischen Nacht

Heute morgen sollte sie dann starten, die große spanische Weihnachtslotterie um „El Gordo“, den Hauptpreis. Da bereits um 9 Uhr die Übertragung der Veranstaltung aus Madrid im Fernsehen startet, wollten wir zu dieser Zeit in der Stadt sein und uns eine Bar, ein Café oder eine Gaststätte mit Fernsehgerät suchen und dort dann die Ziehung oder zumindest den Beginn davon live verfolgen.

Ursprünglich hatten wir vorgehabt, vorher noch zu waschen, was wir heute sehr früh am Morgen auf später verschoben haben, da wir die Nacht über kaum geschlafen hatten. Das lag allerdings nicht an der Spannung bezüglich der Lotterie und eines potenziellen Gewinns, sondern am sehr starken Sturm, der unser Wohnmobil ordentlich durchgeschüttelt und geschaukelt hat. Zudem haben in der Umgebung Planen und Flaggen extrem laute Geräusche von sich gegeben.

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Hundemüde und ziemlich mitgenommen nach einer Nacht fast ohne Schlaf haben wir „El Gordo“ verfolgt… und waren neben dem Wirt die Einzigen, die sich dafür interessiert haben.

So sind wir dann heute gegen 8:30 Uhr in Richtung der Innenstadt aufgebrochen, und auf dem Weg dorthin kamen uns lediglich einige Frühsportler entgegen. Auch in der Stadt herrschte gähnende Leere, lediglich eine einzige Kneipe hatte geöffnet und war ebenfalls recht leer. Von einem großen gemeinsamen Erleben der Lotterie kann also zumindest in Peñíscola keine Rede sein. Wahrscheinlich verbringt jede Familie die Zeit in den eigenen vier Wänden und schaut die Veranstaltung, die eine Einschaltquote von 50% haben soll, im privaten Umfeld.

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Die Gaststätte in der wir die Ziehung der Zahlen und Gewinne verfolgt haben

Wir haben jedenfalls in einer eher rustikalen Kneipe gesessen und dem Gesang der Kinder zugehört. Besonders war in diesem Jahr, dass der Hauptgewinn schon nach 19 Minuten ausgespielt war, der zweitkürzesten Zeit der Geschichte der Lotterie.

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Immerhin hatten wir einen idealen Blick auf den Bildschirm und einen sehr netten Gastgeber

Leider wurden unsere Zahlen nicht gezogen, und nach knapp einer Stunde (die Veranstaltung dauerte bis fast 13 Uhr!) haben wir den ohrwurmverdächtigen Gesang der Schüler nicht mehr ertragen und sind zurück zu unserem Campingplatz gegangen. Dort haben wir dann noch gemeinsam die Waschmaschine beladen und gestartet. Sonja ist dann erneut surfen gegangen (bei dem recht starken Wind nicht unbedingt ein Vergnügen), und ich habe mich um das Aufhängen unserer Wäsche gekümmert. Dank Temperaturen von über 23 °C und teils heftigem Wind trocknete auch alles in Rekordzeit, und wir konnten unser Bett wieder mit derselben, frisch gewaschenen Wäsche beziehen.

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Fast wie aus der Waschmittelwerbung…

Anschließend fand hier auf dem Campingplatz noch ein Grillen der Seniorencamperfraktion statt, wir haben uns aber ferngehalten, denn „Herzilein“ von den Wildecker Herzbuben und das gesamte Repertoire von Heino ist nicht ganz unser Ding.

Stattdessen haben wir noch wieder viel gelesen und uns Gedanken bezüglich unserer Zukunft und dieser und weiterer Reisen gemacht. Dazu aber vielleicht später mehr…

I am stoked! – Heute erwischte ich die höchste Welle meines Lebens

Heute morgen wurden wir gegen 8 Uhr von einem strahlend blauen Himmel geweckt. Es war mit 12 Grad noch etwas frisch, so dass wir dann einfach noch ein bisschen im Bettchen unter unserem Panoramadachfenster liegen geblieben sind und Pläne geschmiedet haben. Gegen 9.30 h zog ich meine Laufklamotten an, und ging eine halbe Stunde am Strand entlang joggen, um mich aufzuwärmen, und um Ausschau nach den Wellen zu halten, im Fachjargon „Wellencheck machen“. Dieser fiel gut aus, so dass ich sofort zum Campingplatz zurücklief und meinen Neoprenanzug überzog. So langsam hatte die Sonne auch richtig Kraft, so dass es sich echt warm anfühlte. Marc wollte mich heute bei meiner morgendlichen Surfsession noch einmal begleiten und Fotos machen. Meine Wellenausbeute war sehr gut, besser als oft am Atlantik, dessen Wellen man ja eine gute Qualität nachsagt. Beim Rauspaddeln (raus bedeutet hier aufs Meer hinaus!) zog mich in Strandnähe eine starke Seitwärtsströmung Richtung Norden, so dass ich versuchte, mit den Füßen den Boden zu spüren, um mich mit meinen Füßen im Sandboden „festzuankern“. So konnte ich ein Stück weiter ins Meer hinaus gehen, anstatt zu paddeln, um ein weiteres Abtreiben zu verhindern. Als ich die nächste Sandbank in 20 Meter Entfernung vom Strand erreichte, konnte ich von dort aus weiter paddeln. Hinter dieser Brechungslinie ließ auch die Strömung nach, so dass ich auf einer Stelle bleiben konnte. Das Wasser hat 15 Grad, was sich gar nicht so kalt anfühlt. Beim Paddeln wird einem ja auch warm, und die Sonne tat ihr übriges. Außerdem habe ich ja seit ein paar Wochen einen neuen Neoprenanzug, der innen gefüttert ist und so die Körpertemperatur gut hält, weil kein Wasser durchläuft. Eine gute Neuanschaffung!

In der halben Stunde, während der Marc am Strand stand, hat er wie immer gute Schnappschüsse von mir gemacht. Im richtigen Moment, wenn ich eine gute Figur in der Welle machte! Vielen Dank an meinen Starfotografen!

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Hier gleite ich am grünen Wellenkamm die kleine Welle entlang, immer weiter, gefühlt endlos…..und es fühlt sich immer wieder berauschend an, auf der Welle zu schweben…..

Nach einer warmen Dusche gab es dann gegen Mittag unser lang ersehntes Frühstück, ein Megaobstteller und danach eine spanische Tortilla, ein Kartoffelomelette mit Pilzen, Käse und Chorizo. Nach dem Frühstück unternahmen wir dann einen kleinen Strandspaziergang über die Strandpromenade in Richtung Supermarkt, um noch einige Vorräte zu besorgen. Nachmittags wurde es immer wärmer.

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Tagsüber hatten wir wirklich 23 Grad (links unten), dagegen rechts im Bild die Temperatur von Deutschland bzw. bei uns die Kühlschranktemperatur!😁😎

Auf dem Rückweg am Strand entlang beobachteten wir zwei einheimische Surfer, wie sie in den Wellen herumtollten. Da bekam ich sofort Lust auf eine zweite Surfsession am Nachmittag. Bei diesen sommerlichen Temperaturen war es auch echt keine Überwindung, noch einmal ins kühle Nass zu springen. Diesmal ging ich alleine Richtung Beach. Die Wellen wurden immer größer, allerdings habe ich hier gelernt, dass die Mittelmeerwellen nicht so brutal sind und man keine Angst vor der Höhe haben muss. So lag ich auf meinem Brett und sah einen Megabrecher von ca. 2 Metern auf mich zurollen, was blieb mir? Die Welle nehmen oder ihr entgegen paddeln, um über sie hinweg zu kommen und sie unter sich durchlaufen zu lassen. Ersteres ist Zielführender.

So drehte ich die Surfbrettnase Richtung Strand und begab mich in Startposition: Auf dem Bauch liegend schräg in Richtung Strand paddeln und warten, bis die Welle das Heck vom Surfbrett leicht anhebt, dann noch zwei weitere Paddelschläge, um in die Welle hineinzukommen und aufzustehen, den Take Off zu machen. Dies gelang mir mit Bravour, ich glitt die glitzernde fast senkrechte Wasserwand entlang………..gefühlt endlos.

Mir gelang es sogar, in der Welle etwas hoch und runter zu fahren. Ein Wahnsinnserfolg.

Danach wurde ich beim Hinauspaddeln mehrmals von dicken Brechern gewaschen und herumgewirbelt, so dass ich nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Salzwasser in Nase und Ohren, aber das kenne ich auch von anderen Tagen am Atlantik. Es war mir nicht mehr möglich, über die riesigen senkrechten Brecher aufs Meer hinter die Brechungszone zu kommen. Immer wieder spülten sie mich zurück Richtung Strand.

Voller Adrenalin surfte ich eine letzte kleine Welle bis zum Strand und beendete die Surfsession für den Tag. Denn man soll immer dann aufhören, wenn es am schönsten ist.

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Strahlend geht es aus dem Wasser nach einer gelungenen Surfsession

Voller Stolz ging ich zum Campingplatz zurück und verkündete, dass ich mich 2020 für die Deutschen Wellenreitmeisterschaften in Frankreich anmelden werde. Im September dieses Jahres waren wir ja vor Ort, als der Wettkampf stattfand, und bei den Frauen über 40 hätte ich gute Chancen!

Surfen am Nikolaustag

Es ist kaum zu glauben, aber wir waren heute morgen tatsächlich zum Nikolaussurfen auf dem Mittelmeer. Die Wellen waren mit etw 2 Metern draußen immer noch recht hoch und brachen auch ziemlich „close out“, also in einer Linie, so dass an das Absurfen „grüner“ Wellen nicht wirklich zu denken war. Wir haben beide recht viele Weißwasserwalzen „erwischt“ und selbst dabei schon deutlich gemerkt, dass wir an die Grenzen unserer Bretter kommen. So bin ich mit Sonjas Brett besser klargekommen als mit meinem eigenen, und auch dabei sind uns die Dinge aufgefallen, die die Bretter eben nicht leisten. Unsere bisherigen Surfbretter sind eben mehr für Anfänger ausgelegt, d.h. sie verzeihen „falsche“ Kantenbelastungen und fahren relativ ungerührt mehr oder weniger geradeaus die Welle hinab. Genau diese Kantenbelastung ist aber notwendig, um in der Welle die Richtung zu verändern. Ein Brett zu haben, das jegliche Steuerversuche ignoriert, ist auf Dauer einfach nicht zielführend, und daher freuen wir uns schon sehr auf unsere neuen Surfbretter, die ja bereits in Euskirchen bei Sonjas Eltern auf uns warten.

Nach einiger Zeit kam die Sonne richtig heraus, und sie hat wirklich spürbar gewärmt. Da die Wassertemperatur allerdings nur 16 Grad betrug, sind wir nach einer Stunde ziemlich durchgefroren aus dem Wasser gegangen und haben uns unter der warmen Dusche aufgewärmt.

Anschließend gab es dann Frühstück, und wir haben teilweise tatsächlich im T-Shirt vor dem Wohnmobil auf den Campingstühlen gesessen. Ungefähr so hatten wir uns ein Überwintern in Spanien vorgestellt. Der Regen der letzten Tage ist damit schon vollständig vergessen, und wir freuen uns auf die nächsten Sonnentage mit Über 20 Grad.

Vom heutigen Tag gibt es keine Bilder, ebenso wie es von mir keine Surffotos gibt, denn Sonja ist irgendwie immer auf dem Wasser, wenn ich auch drauf bin… Sie hat aber versprochen, irgendwann eines zu machen, vielleicht glaubt mir dann auch mal einer, dass ich ab und an auf nem Brett stehe…

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Deshalb einfach noch mal ein altes Bild (2009) von Sonja… ist auch viel schöner anzusehen ;-)…
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…und von vor ein paar Tagen… Die Technik hat sich verbessert (sowohl Sonjas Surftechnik als auch die Fototechnik), das Brett geändert, aber Sonja hübsch wie eh und je…durch meine rosa Brille!

Nach unserem obligatorischen Strandspaziergang haben wir dann noch alte Fotos angeschaut, denn hier haben wir die Zeit dazu, und wir haben beschlossen, nun jeden Abend einige Zeit Bilder anzusehen, denn etwas mehr als 52.000 befinden sich auf dem Rechner, und es kommen ja fast täglich einige – mittlerweile aber deutlich weniger – hinzu.