Weiter in Portugals Norden und “Hausarbeit” (Belinho – Esposende – Vila Chã)

Die Nacht auf dem Campingplatz Belinho war sehr ruhig und erholsam, nur das Meer hat man wieder deutlich rauschen hören. Der Vorteil auf einem echten Campingplatz zu stehen war vor allen Dingen die Dusche mit “unbegrenzt” warmem Wasser, die wir beide sehr genossen haben. Auch die Tatsache, dass man die Duschkabine auf dem Platz – im Gegensatz zu unserer eingebauten Dusche – nicht austrocknen musste, war wirklich luxuriös. Auch Ver- und Entsorgen war demnach nicht notwendig, und wir fuhren sehr entspannt an den Strand nach Esposende. Dort schauten wir einer Surfschule zu, die tatsächlich auch im Oktober noch mehrere Kunden hatte. Im Anschluss gab es im EU-GO den berühmten Obstsalat, bevor wir dann weiter auf den nächsten Campingplatz in Vila Chã fuhren.

Die Fahrtstrecke war auch insgesamt nicht sehr weit, führte aber zu etwa 60% über Kopfsteinpflaster und zusätzlich, teilweise gleichzeitig, durch enge Ortschaften mit hohen Mauern. Dazu kommt noch, dass die Portugiesen (nur die, die an diesem Tag zufällig in unserer Nähe waren selbstverständlich) entweder ein sehr hohes Gottvertrauen haben, oder Fahrzeuge jenseits der Größe eines Fiat Pinto schlicht nicht einschätzen können. Die Fahrmanöver, die wir an diesem Tag erlebten, waren jedenfalls recht abenteuerlich.

Der Grund, warum wir den Campingplatz in Vila Chã anfuhren, war unter anderem, dass gutes Wetter angesagt war, der Campingplatz über eine Waschmaschine verfügen sollte (im Gegensatz zu dem in Belinho) und wir schlicht einmal waschen und nicht Autofahren wollten. Daher planten wir von Anfang an zwei Übernachtungen ein, denn am Nachmittag, als wir ankamen, war es zu knapp zum Waschen, bzw. dass die Wäsche auch wieder trocken wurde. Die angekündigte Waschmaschine erfüllte dann auch alle Erwartungen, denn es handelte sich um  eine hervorragende Industriewaschmaschine, die in sehr kurzer Zeit ein hervorragendes Waschergebnis erzielt. Selbst das Waschmittel dosiert dieses Wunderwerk der Technik vollautomatisch (und im Preis von 5 € inklusive) hinzu. Oft haben wir unsere Wäsche auch in einer Waschschüssel von Hand gewaschen, aber diesmal waren auch einige Hand- und Badetücher, sowie die Bettwäsche “fällig”, so dass sich die 7 kg Trommel auch fast vollständig füllte.

Während die Waschmaschine lief, gingen wir an den Strand, um den Fischern zuzusehen, wie sie mit Ihrem Fang nach Hause kamen. Aber wohl wegen der recht aufgewühlten See, war nicht viel zu sehen, außer den Booten und den Fischerhütten, sowie einzelnen Fischern und ihren Frauen, die Netze flickten.

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Der Strand von Vila Chã mit Fischerbooten und Fischerhütten

Im Anschluss stand dann das Wäscheaufhängen an und anschließend “Fahrzeugpflege”, denn auch der EU-GO wollte mal wieder gereinigt werden und die Teerspritzer, die wir uns irgendwo unterwegs eingefangen haben, ließen diese Arbeit deutlich länger dauern als ursprünglich geplant. Diese erwiesen sich als sehr hartnäckig und auch die Versiegelung, die die sonstige Reinigung deutlich beschleunigte, hat dabei weniger geholfen. Nun strahlt unser Reisemobil aber wieder in vollem Glanz und ist bereit für die nächsten Touren.

Natürlich gingen wir noch einige Male zwischendurch an den Strand spazieren und der Himmel war erneut strahlend blau (und windig war es ebenso…):

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Der 10. 10. für uns immer ein besonderes Datum

Heute jährt sich der 10. 10. 2010 zum 9ten Mal. Bevor ich schreibe, warum dieses Datum für uns so besonders ist, zitiere ich lieber Sonja, die es 2016 schon einmal in Perfektion in Worte gefasst hat.

Den Artikel, wie er im Mai 2016 in der Sonderbeilage des Trierischen Volksfreunds erschienen ist, findet ihr hier im folgenden:

Sonjas Geschichte: Auf dem Surfbrett in die Ehe

Auf diesem Wege möchte ich meinem tollen Ehemann dafür danken, dass er mich immer wieder aufs Neue erobert hat — bis ich mal an der Reihe war.

Seit Anfang 2007 sind wir, Marc und ich, ein Paar. Allerdings ließ ich von Beginn an deutlich durchklingen, dass für mich eine Hochzeit nicht in Frage kommen würde. Weder kirchlich noch steuerlich hatte ich zu der Zeit Beweggründe. Als ein sehr freiheitsliebender Mensch wollte ich mich durch eine Ehe nicht einschränken lassen — obwohl ich meinem jetzigen Mann und damaligen Freund ewige Treue und Liebe geschworen hatte. Allerdings wusste ich auch, dass es ein großer Traum von Marc gewesen wäre, mich zu heiraten. Ihm war klar, da ich zu dem stehe, was ich sage und da sehr konsequent bin, hätte er natürlich nie gewagt, mich zu fragen, ob ich es mir doch noch überlegen möchte mit einer Hochzeit. Er hatte zu sehr Angst, dass ich „Nein“ sagen würde.

So vergingen einige Jahre, und im Oktober 2010 wurde mein Gefühl von „Liebe“ für ihn immer intensiver. Den größten Liebesbeweis konnte ich ihm erbringen, wenn ich ihm einen Heiratsantrag machen würde. Seine Antwort wusste ich ja schon im Voraus. Und auch, dass ich die Frage stellen müsste.

Ich ließ mir noch ein paar Tage Zeit, um das legendäre Datum 10. Oktober 2010 abzuwarten — ein Wochenende. Und somit konnte ich mir noch überlegen, wie ich es anstellen sollte. Schließlich wollte ich einen außergewöhnlichen, keinen spießigen, Antrag machen.

Wir wohnen an der Sauermündung, wo die Mosel recht breit ist und sind beide passionierte Wassersportler (Kajakfahren und Windsurfen). Daher beschloss ich im Oktober 2010, vormittags bei schönem Wetter windsurfen zu gehen. Marc half mir beim Aufbauen des Materials. Nach den ersten Metern auf dem Wasser bat ich ihn, in der Wohnung einen schwarzen wasserfesten Stift zu holen, weil ich auf meinem Surfbrett eine verblasste Linie nachziehen wollte. Nichtsahnend verschwand er in unserem Zuhause. In der Zwischenzeit zog ich ein weißes T-Shirt, das ich vorher mit einer Aufschrift präpariert hatte, über meinen Neoprenanzug: „Dies ist kein Witz…“

Als er bewaffnet mit einem Stift wieder ans Ufer kam, surfte ich auf ihn zu. Er war ein wenig irritiert, mich jetzt mit einem T-Shirt mit dem Schriftzug zu sehen. Er schaute fragend und ich stürzte mich samt Segel ins Wasser, tauchte wieder auf und zeigte ihm die Beschriftung auf meinem Rücken: „Willst du mich heiraten?“und zwei Kästchen zum Ankreuzen „Ja“ und „Nein“. Sofort verstand er, warum er den Stift in der Hand hielt und stürzte sich zu mir ins Wasser — das Kreuz machte er direkt und vor Glück kullerten die Freudentränen. „Ja“, sagte er noch.

Gut zwei Monate später heirateten wir in Dänemark.

Auch neun Jahre später kann ich mein Glück kaum fassen. Mit dieser tollen Frau den heutigen Tag in Portugal (dazu demnächst mehr) bei strahlendem Sonnenschein verbringen zu dürfen, ist einfach unbezahlbar.

Von Spanien nach Portugal (von Pontevedra nach Esposende)

Die letzte Nacht haben wir, wie von Sonja bereits beschrieben, in Pontevedra verbracht. In den letzten Tagen haben wir keine Campingplätze aufgesucht sondern Stellplätze. Diese besonderen Parkplätze für Wohnmobile (oft sind Wohnwagen nicht erlaubt) gibt es mehr oder weniger häufig, je nach Interesse der Stadt oder Gemeinde an Wohnmobilisten und in Spanien auch oft kostenlos. Für alle, die sich darunter bislang wenig vorstellen können, heute ein klein wenig mehr Information dazu. Auf den Parkplätzen, die deutlich größere Parkbuchten als normale PKW-Parkplätze aufweisen, befindet sich oft noch eine kombinierte Versorgung-/Entsorgungsstation. An dieser kann das Frischwasser aufgefüllt werden sowie das Grauwasser (Dusch- und Händewaschwasser) ebenso wie der Inhalt der Toilettenkassette entsorgt werden. Zum Spülen der Toilettenkassette ist in der Regel ein separater Wasserhahn vorhanden (Die Gründe dürften offensichtlich sein.). Das Grauwasser wird in der Regel auf einer gesonderten Fläche in einen Bodenablauf eingeleitet (ähnlich einem gewöhnlichen Gully). Die Fläche, in die der Ablauf integriert ist, hat daher immer ein Gefälle in alle Richtungen auf diesen Ablauf hin.

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Ein typischer Reisemobil-Stellplatz (hier in Pontevedra recht zentrumsnah gelegen). In diesem Falle für Reisemobile bis etwa 8,5 Meter Länge passend
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Eine kombinierte Versorgungs-/Entsorgungssäule. (Linke Seite: Frischwasserentnahme; Rechte Seite: WC Entsorgung (unter der Klappe) mit separatem Wasserhahn zum Spülen der WC-Kassette)

Unsere letzte Nacht war jedenfalls aus mehrerlei Gründen nicht sehr ruhig, denn zum einen führte eine recht viel befahrene Straße direkt am Stellplatz vorbei, zum anderen war auf der anderen Seite eine Baustelle, auf der recht lange und sehr früh wieder gearbeitet wurde. Aber Ohropax ist in solchen Fällen sehr hilfreich, und wir haben dann doch ganz gut geschlafen. Pünktlich zum Aufstehen zog sich der Himmel zu, und kurz nachdem wir unser Wasser aufgefüllt und die Toilettenkassette geleert hatten, begann ein leichter Nieselregen. Dieser steigerte sich im Laufe des Vormittags, so dass unsere Stadtbesichtigung in Pontevedra relativ kurz ausfiel, was nicht unbedingt der Optik der recht ansprechenden Altstadt geschuldet war. Wir machten uns also auf gen Süden, und unser EU-GO durfte dabei noch einige Hügel erklimmen und wieder hinunterfahren.

Da wir gehört hatten, dass in Portugal Benzin und Diesel deutlich teurer sind als in Spanien, wollten wir kurz vor der Grenze noch “mal eben” tanken gehen. Diese Aktion hat dann im Ganzen etwa eine Stunde in Anspruch genommen, denn unser Navigationssystem wollte uns ein wenig Abenteuer gönnen und wählte sehr enge Straßen mit hohen Mauern aus, um dann letztlich an einer Straße anzukommen, die vielleicht vor vielen Jahren einmal befahrbar gewesen ist, das heute aber vielleicht für ein geländegängiges Fahrzeug mit Allradantrieb ist. Kurzum, wir fuhren den gesamten Weg wieder zurück. Fanden dann doch noch eine Tankstelle (auch diese war sehr gut versteckt und nicht ohne fahrerisches Können zu erreichen), die tatsächlich auch noch zu den günstigsten gehörte, die wir in Spanien bisher gesehen haben. Wenn man allerdings die mehrgefahrenen Kilometer gegenrechnet, haben wir wohl eher nicht so viel gespart. Und hätten auch einfach in Portugal tanken können. Dann wären wir allerdings um dieses Abenteuer ärmer…

Die Weiterfahrt nach Esposende – Belinho gestaltete sich dann recht ereignisarm, so dass wir am frühen Nachmittag auf einen “richtigen” Campingplatz angekommen sind.  Auf der Fahrt hat es bis kurz vor unserem Ziel entweder genieselt oder war nebelig, so dass wir nicht sehr viel von der Umgebung sehen konnten. Vom Campingplatz aus haben wir nach dem Frühstück (ihr kennt das ja mittlerweile von uns… ist immer etwas später, heute sogar erst um 15 Uhr…) einen kleinen Spaziergang in Richtung Strand unternommen.

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Der Strand und die Dünen von Esposende
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Einen solchen Strand – mit so großen, glatt geschliffenen Steinen – kann man kaum noch als Kiesstrand bezeichnen. Traumhaft schön und ganz anders als ein Sandstrand.

Den Abend lassen wir dann ruhig ausklingen, denn auch wenn wir in Portugal – dank der Zeitumstellung – eine Stunde hinzugewonnen haben, sind wir doch ein wenig “geschafft”. Wir werden dann noch überlegen, wohin es in der nächsten Zeit gehen soll. Porto werden wir sicher umfahren, denn das haben wir ja bereits intensiv kennengelernt und tendenziell zieht es uns in den Süden, denn im “Norden” wird es doch ein wenig herbstlich (Wir mussten heute bei bei den Spaziergängen Windjacken anziehen!!! ;-)). Aktuell bläst zudem der Wind sehr kräftig, was die gefühlte Temperatur weiter reduziert. Im Gegensatz zum 20 °C warmen Wasser in Moliets, hat das Meer hier auch aktuell nur noch 17 °C.

Vom “Ende der Welt” mit Zwischenstopp in Santiago nach Pontevedra kurz vor Portugal

Um an den gestrigen Bericht anzuschließen, gehe ich auf die Schräglage unseres Wohnmobils kurz ein, was uns wirklich nicht an einem guten Schlaf gehindert hat, also muss man es mit den Auffahrkeilen nicht so genau nehmen. Nur der Kühlschrank funktioniert besser, wenn er aufrecht steht. Nach einer geruhsamen Nacht mit einem Sternenhimmel mit Millionen Sternen (würde der Trierer sagen!) konnten wir heute Morgen aus unserem Bett den Sonnenaufgang über den Bergen beobachten. In welchem Schlafzimmer kann man gleichzeitig aus den Bett sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen? Einfach genial!

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Der Sonnenaufgang in Fisterra. Sonja schaut zum Kreuz auf.

Die ersten Wanderer oder Pilger waren auch schon wieder unterwegs, um diesen von Finisterre aus zu beobachten. Wir warteten auch nicht lange und spazierten noch zum Leuchtturm und stiegen die Treppen hinab bis ans Wasser. Da war dann wirklich das Ende der Welt und das finale Ende vom Jakobsweg. Bald machten wir auch wieder unseren EU-GO startklar um in die Pilgerstadt Santiago de Compostela aufzubrechen.

Am Abend zuvor hatten wir uns eine günstige Tankstelle gemerkt, wo wir auf dem Rückweg noch einmal volltanken wollten, bevor es nach Portugal geht, wo der Sprit teurer sein soll. Ebenso gab es dort einen riesigen spanischen Supermarkt, den wir einmal auf sein Sortiment testen wollten, nachdem wir davor in einem spanischen Lidl einmal eingekauft hatten. Fazit, die Preise sind fast gleich, doch der Lidl hatte eine deutlich größere Obstauswahl. Danach ging es recht entspannt über wechselnde Autobahnen und Nationalstraßen nach Santiago, wo wir einen Stellplatz suchten. Ein Parkplatz für Busse und Wohnmobile sollte 12 Euro kosten, egal ob für eine oder für 24 Stunden, das lehnte ich allerdings kategorisch ab, weil mir das für 3 Stunden zu parken einfach zu teuer war. Also lotste mich mein Gefühl einen Berg hinauf Richtung Wald, wo Marc über eine App einen kostenlosen Waldparkplatz ausfindig machte, der zu Fuß 25 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Zwei französischen Geschwister der Marke Chausson standen bereits auf diesem Platz, und deren Besitzer grüßten freundlich.

Nach unserem Frühstück, was heute dann erst um 14 Uhr stattfand, machten wir uns gegen 15 Uhr auf in die Stadt. Es war wirklich ein Katzensprung, und es war auch wirklich nicht viel los. Von weitem sah man schon die Kathedrale die ganze Stadt im Tal überragen. Von unserem Parkplatz aus lag uns quasi die Stadt zu Füßen. Zuerst besuchten wir eine schöne kleinere Kirche namens San Francisco, welche auf dem Weg lag, bevor wir zur Kathedrale gingen. Der Platz vor der Kathedrale war recht voll von Pilgern, die auf dem Boden saßen und ihre Füße “lüfteten” und sich von ihren Strapazen erholten. Eine nette ruhige Atmosphäre. Die große Enttäuschung kam, als wir in die Kathedrale hineingingen, alles war mit Folie verhüllt wegen Bauarbeiten. Sowohl alle Seitenkapellen, der Altar, einfach alles. Nur den engen Zugang zum heiligen Jakobus hatten sie offen gelassen, damit die Pilger ihn traditionell umarmen können. Dafür musste man Schlage stehen, was wir uns ersparten. Von außen ist die Kathedrale allerdings sehr beeindruckend, ebenfalls die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde mit ihren Säulengängen und engen Gassen.

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Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Platz davor viele mehr oder weniger erschöpfte und gezeichnete Pilger.

Die Stimmung war wirklich friedlich und angenehm, ich hatte erwartet, dass die Stadt von Pilgern überlaufen sei. Mit 100.000 Einwohnern ist sie auch überschaubar, so dass wir mit unserer Besichtigung in knapp zwei Stunden schon “durch” waren. Daraufhin beschlossen wir, uns wieder Richtung Meer zu orientieren, Pontevedra, unser nächstes Ziel kurz vor Portugal. Das Wetter war auch heute wieder traumhaft, über 20 Grad und Sonnenschein, so verlängert man sich den Sommer gerne. Die Stadtbesichtigung von Pontevedra steht dann morgen auf dem Programm.

Die Anfahrt hierhin war sehr anstrengend für mich (Sonja), enge Landstraßen, LKWs im Gegenverkehr, so was macht mir “latent” Stress, so dass ich mich auf den nächsten “Urlaub” freue, sprich, ein paar Tage auf einen Campingplatz zu fahren und noch mal von der Fahrerei pausieren. Wir sind jetzt genau eine Woche unterwegs (von unserem franz. Campingplatz in Moliets) und waren jede Nacht und jeden Tag irgendwo anders, wir haben so viel gesehen, dass man es erst mal wieder sacken lassen muss, und wir haben in dieser Woche die ganze spanische Nordküste (inkl. 2 Tage Picos de Europa) abgefahren und unsere Highlights besichtigt. Sehr viele und schöne Eindrücke, die wir in einem “normalen” Jahresurlaub niemals gesammelt hätten! Wir freuen uns jetzt schon auf Portugal, wo wir beide erst zweimal waren, einmal gemeinsam in Porto und jeder einmal alleine. Da wir zu unseren “Luxemburgzeiten” und in Stuttgart (Herr Illi bleibt unvergessen! (Marc)) auch sehr nette Bekanntschaften mit liebenswürdigen Portugiesen im Alltag und als Kollegen gemacht haben, freuen wir uns besonders, dieses Land zu erkunden.

Unsere geplant nächste Etappe nach La Coruña

Nach einer sehr ruhigen Nacht am Flussufer von Bergondo stand unsere Weiterfahrt nach La Coruña auf dem Programm. Da die Sonne schon schön schien, und es auf dem Stellplatz sogar einen kleinen Sandstrand mit Duschen gab, beschloss ich doch ganz spontan, noch gerade in den Fluss zu hüpfen und dann am Ufer zu duschen. Open-air Dusche bei strahlendem Sonnenschein und gefühlt 20 Grad, ein Traum, was will man mehr an einem Sonntagmorgen?

Auf den heutigen Tag hatten wir uns schon sehr gefreut, da er nicht so anstrengend wie die letzten Tage werden sollte auch aufgrund der kurzen Fahrtzeit nach La Coruña von nur 40 Minuten. Dort wollten wir dann auch übernachten nach der Stadtbesichtigung.

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Unser Parkplatz mit Blick auf die Stadt

Auf einem schönen Parkplatz nahe dem Stadtzentrum und mit tollster Aussicht auf das tosende Meer stellten wir unseren EU-GO ab und machten erst mal Frühstück. Wir frühstücken meist erst mittags, da wir nach dem Aufwachen immer erst mal ein Stück fahren möchten, und dann wird es oft zwischen 12 und 14 Uhr, bis wir den frisch zubereiteten Obstsalat etc. genießen können. Gegen 14 Uhr brachen wir dann heute auf unseren Stadtrundgang auf.

Das Wahrzeichen der Stadt ist ein 2000 Jahre alter römischer Leuchtturm, den wir von unserem Parkplatz aus sehen konnten. Typisch für die Stadt sind schöne verglaste Holzerker, mit denen die Häuserfronten verziert sind, was der Stadt auch den Spitznamen “Kristallstadt” verleiht.

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Wir beide im Freizeithafen mit Blick auf die typischen Häuserfronten
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Der römische Leuchtturm überwacht die Stadt

Die Stadt hat uns sehr gut gefallen, da sie mehrere Strandpromenaden hat, einen riesigen Stadtstrand, wo sowohl Surfer schöne Wellen surfen als auch Sonnenanbeter schwimmen gehen können. Die Altstadt besticht mit schönen gemütlichen Gassen und einigen alten Kirchen. Palmen säumen die Hafenstraße, wo Spaziergänger, Jogger und Radfahrer anzutreffen sind. Alles in Allem, hier lässt es sich sicher gut leben bei im Herbst selbst sommerlichen Temperaturen. Als wir dann gegen 17 Uhr zurück am Parkplatz sind, beschließen wir doch kurzum, wieder weiter zu fahren, da der Platz zum Schlafen nicht so gemütlich ist. Unser nächstes Ziel, was eigentlich für morgen gedacht war, ist Fisterra, das spanische “Ende der Welt”, und der westlichste Punkt Europas. Bis dahin wären es noch gut 2 Stunden zu fahren. Da wir heute ja erst 40 Minuten gefahren sind, brachen wir also auf. Die Straßen waren angenehm zu fahren, leere Autobahnen und gut ausgebaute Landstraßen, von denen man in Deutschland oft träumt. Gegen 19.30  Uhr kamen wir doch glatt rechtzeitig zum Sonnenuntergang an. Auf dem Weg zum Leuchtturm waren Pilgerströme unterwegs, Jakobspilger verlängern oft ihren Weg von Santiago bis hierhin, aber auch so manch andere Leute verirrten sich so spät noch auf diesem Felsen.

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Unser EU-GO am Ende der Welt mit Blick auf den Leuchtturm

Zum Glück bekamen wir noch einen Parkplatz, das Gefälle ist so stark, dass wir selbst mit den Auffahrkeilen die Unterschiede nicht ausgleichen konnten. Unsere französischen Nachbarn auf dem Stellplatz meinten: “Für eine Nacht wird das gehen. Dafür ist die Aussicht unbezahlbar.” Wir werden es heute Nacht erleben, wie die Schräglage so ist. Pünktlich um 20.09 Uhr ging die Sonne am Horizont über dem Atlantik unter. An diesem Punkt geht in unserer Zeitzone in Europa am spätesten die Sonne unter. Bis 20.50 Uhr war es noch nicht komplett dunkel. In Stuttgart zum Vergleich ging sie schon um 18.50 Uhr unter. Ein schönes Naturschauspiel zum Tagesausklang, wir sind gespannt auf den morgigen Tag.

Ein ruhiger Tag an der Küste entlang – sollte es werden…

Die Nacht haben wir, wie bereits gestern von Sonja beschrieben, in Muros de Nalón verbracht und tatsächlich hervorragend direkt am Meer geschlafen. Die doch recht lauten Wellengeräusche haben uns nicht im geringsten gestört, eher im Gegenteil. Sonja ist dann nach dem Aufstehen noch mal eben im Meer schwimmen gegangen, während ich zu sehr Frostbeule war. Direkt anschließend sind wir nach Coaña gefahren. Dort gibt es zwei Parkplätze, die beide über Treppen mit dem dortigen Strand verbunden sind. Wir sind zum etwas tiefer gelegenen Parkplatz gefahren, der allerdings nicht jener ist, an dem der Leuchtturm steht. Da wir den Turm dann auch aus der Nähe sehen wollten, haben uns auch 341 Stufen nicht abgeschreckt, denn genau so viele galt es zu bewältigen, um von einem Parkplatz über den Strand zum anderen zu kommen. So war das Kapitel Frühsport jedenfalls auch erledigt.

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Der Leuchtturm von Coaña und davor ein Häuschen, das aus den typischen Steinen der Küste gebaut ist, ebenso wie viele Mauern um die Grundstücke und die Dacheindeckungen

Im Anschluss sind wir danach O Vicedo an einen kleinen Strand weitergefahren und haben dort unsere Frühstückspause gemacht. Entgegen der Planung hat das aber bis etwa 13 Uhr gedauert, denn die Fahrtzeiten auf den teils sehr engen und verschlungenen Küstenstraßen sind deutlich länger als man das so erwartet. Die ein oder andere Engstelle verlangt vom Fahrer (oder der Fahrerin) doch ein hohes Maß an Konzentration. Weil es so spät war, haben wir beschlossen, nur noch zum nächsten Strand zu fahren, den wir uns ansehen wollten, zudem sollte es dort einen guten Stellplatz geben. So erreichten wir also gegen 18 Uhr den Strand von Ferrol, der wirklich ausgesprochen schön ist. Leider war vom angekündigten Stellplatz (angeblich sogar mit Ver- und Entsorgungsmöglichkeit) keine Spur, mehr noch, Übernachten im Wohnmobil ist ausdrücklich verboten. Das war bislang das erste Mal, dass uns unsere Campercontact-App im Stich gelassen hat, denn zuvor waren alle Angaben sehr gut und präzise. Außerdem hatten vermutlich freundliche Einheimische auf den Asphalt des Parkplatzes noch unmissverständliche Sprüche wie “Danger” oder “Campervans not welcome” gesprüht. Da kann auch ein Traumstrand nichts gegen das unwohl Gefühl  helfen.

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Der wirklich schöne Strand von Ferrol

Daher war unser Aufenthalt dort von deutlich kürzerer Dauer als ursprünglich geplant und wir machten uns, obwohl wir beide schon recht müde waren, auf in Richtung La Coruña. Glücklicherweise sollte etwa auf halber Strecke ein sehr ruhiger und kostenloser Stellplatz in Bergondo liegen. Auch wenn die Anfahrt wieder etwas “interessant” war, haben wir den Platz dann um kurz nach 19 Uhr endlich erreicht und konnten ganz bald müde in die Kissen sinken. Der Platz direkt am Wasser ist tatsächlich wohl ganz annehmbar, genaueres wissen wir dann morgen.

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Der Stellplatz in Bergondo, definitiv mehr als nur eine Notlösung

Morgen fahren wir dann nur bis La Coruña und werden voraussichtlich auch die folgende Nacht dort verbringen… Voraussichtlich, es bleibt spannend!

Eine abenteuerliche Gebirgstour durch die Picos (Teil II) mit Happy End

Nachdem wir nach der gestrigen Etappe recht müde ins Bett gefallen waren, erwachten wir heute Morgen im dichten Nebel bei 8 Grad am Stausee von Riaño. Unser heutiges Ziel war eigentlich ausschließlich, wieder heil und unfallfrei aus diesem gigantischen Gebirge, welches wir extrem unterschätzt hatten, herauszukommen. Der gestrige Tag war wirklich nervenaufreibend, wie Marc ja schon geschildert hat. Der heutige hielt auch wieder einige Überraschungen parat. Kurz: Wir fuhren ohne lange nachzudenken recht früh los, weil wir heute irgendwann wieder am Meer ankommen wollten. Das Navi spielte recht schnell verrückt und führte uns auf eine falsche Straße, was wir aber schnell merkten und noch rechtzeitig wieder wenden konnten. Nach ca. 20 km kamen wir an einen Ort, wo ein Schild “Straße gesperrt” stand. Die Umleitung sollte über eine sehr enge und kurvenreiche Straße gehen, die für lange Fahrzeuge nicht geeignet war.

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Straßensperrung mitten im Gebirge

Laut Aussage der Bauarbeiter würde ausnahmsweise, weil Freitag war, die Baustelle wieder um 14 Uhr anstelle von 20 Uhr geöffnet. Zwei andere deutsche Wohnmobile standen ebenfalls vor dem Schild, und wir beschlossen gemeinsam, einfach hier Mittagspause zu machen und auf der Öffnung zu warten, anstatt die risikoreiche Umleitung zu fahren.

Vor der Baustelle entdeckte ich am linken Straßenrand einen riesigen Walnussbaum, und wer mich kennt, weiß, dass ich jedes Jahr kiloweise Walnüsse sammele. Schon an der Mosel hatte ich damit begonnen, und auch in Stuttgart sammelte ich in der Herbstzeit jeden Tag Walnüsse nach meinem Morgenlauf.  Der Baum hing voller reifer Nüsse, und sehr viele lagen auch schon auf dem Boden, so dass ich mir erst einmal eine Tüte besorgte. Die Ausbeute der 20 minütigen Sammelaktion kann sich sehen lassen. Bio-Walnüsse aus den Picos de Europa. Eine Delikatesse! Selbst die frischen, die noch nicht getrocknet sind, kann man schon essen.

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Die gesammelte Nussausbeute von heute

Pünktlich um 14 Uhr wurde die Baustelle freigegeben, und wir machten uns auf den Weg Richtung Küste. Dieser sollte noch 200 km lang sein und über drei Stunden dauern. Sehr ermutigend! Was uns erwartete, seht ihr auf den nächsten Bildern: Enge Tunnel, viele scharfe Kurven an Felswänden entlang mit tiefen Abgründen auf der gegenüberliegenden Seite. “Mein Vater wäre ausgestiegen und zu Fuß weiter gegangen”, sagte ich zu Marc.

Anscheinend hatte ich schon etwas Übung von gestern, oder ich hatte nur den Eindruck, dass diese Route nicht mehr ganz so heftig war. Dennoch war es immer wieder eine Herausforderung, nicht mit dem Gegenverkehr zusammenzukrachen, weil doch rechts auch eine Felswand war, die wir mit unserem rollenden Haus nicht unbedingt “streifen” wollten. Und ungeduldige Einheimische schoben uns oft von hinten an, die ich dann auch oft vorbeifahren ließ, wenn es mal eine Haltebucht gab.

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“leichter” Überhang über der Straße
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Tunnel in den blanken Fels gehauen, ohne jede Beleuchtung
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nicht ganz so enge Straße, denn sonst hätte es kein Foto gegeben 😉

So kamen wir mit gefühlt einem Schnitt von 30 – 40 km/h vorwärts. Irgendwann wurden die Straßen weiter, und wir erreichten den Ort Cangas de Onís, laut Reiseführer sind wir mit der Nationalstraße N625 durch die Schlucht des Río Sella den engsten befahrbaren Pass Europas gefahren. Darauf bin ich doch recht stolz, dass wir wohlbehalten dadurch gekommen sind.

Gegen Abend erreichten wir wieder den Atlantik, unser Stellplatz direkt am Wasser vor einem Traumstrand (Playa de Aguilar) für uns alleine. Nur ein paar Profisurfer saßen noch draußen im Wasser. Spontan beschloss ich, noch einmal in die Fluten zu springen, bei 18 Grad Wasser- und Lufttemperatur ein angenehmes Vergnügen vor dem Duschen. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Ergänzung von Marc: Natürlich nicht ohne ein leckeres, von Sonja gezaubertes Abendessen!

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Heute mal Swimmingsonja