Schnell nach Christchurch – Nun ist Corona auch in Neuseeland wirklich angekommen…

Daher fasse ich die Ereignisse der letzten zwei Tage zusammen und wir werden vermutlich auch weniger zu berichten haben, aber dazu später mehr…

Wir hatten nach unserem Ausflug zum Milford Sound ja noch in Te Anau übernachtet und sollten eigentlich in die abgelegene Region der Catlins und danach nach Dunedin fahren. Während am Abend und während unserer Nacht veränderte sich die Situation aber ziemlich deutlich. Emirates sagte sämtliche Rückflüge nach Deutschland ab, Australien schloss auch für den Transit die Flughäfen und die neuseeländische Regierung verkündete auf der vierstufigen Maßnahmen-Skala sofort auf Stufe drei und 48 Stunden später, also ab dem 26. März auf Stufe vier zu gehen. Schon Stufe drei untersagt nicht notwendige Reisen, bei Stufe vier sind jegliche Fahrten, die nicht absolut unumgänglich sind untersagt. Außerdem müssen alle nicht absolut notwendigen Geschäfte nach und nach bis auf Weiteres, mindestens für vier Wochen schließen. Der Abstand zu anderen Menschen, mit denen man nicht in häuslicher Gemeinschaft lebt, muss damit auch unter allen Umständen ab sofort zwei Meter betragen. Der Ausgang ist nur noch zum Arzt (nach Anmeldung), zum Sport (alleine oder mit dem Menschen mit dem man zusammen lebt) und zum einkaufen erlaubt. Jegliche öffentliche Einrichtungen, auch Toiletten, öffentlicher Nahverkehr und jegliche Benutzung von Spielplätzen, Sportstätten, Restaurants usw. ist bei Strafe untersagt.

Die Haupteinkaufsstraße in Christchurch Dienstag um 16 Uhr…

Daher haben wir dann gemeinsam als Gruppe mit unserem Reiseleiter entschieden direkt in Richtung Christchurch zu fahren, um dann in Flughafennähe zu sein. Da die Fahrt für einen Tag zu lang gewesen wäre, fuhren wir nach Wanaka zurück. Jürgen organisierte in Rekordzeit die Unterkunft dort und gleich für den Folgetag auch eine Bleibe in Christchurch. Da wir aufgrund der Diskussion und Organisation erst nach 10 Uhr losfahren konnten, kamen wir erst am Nachmittag in Wanaka an. Auf der Fahrt hielten wir dennoch für einige Toilettenstopps an, die zufällig an sehr schönen Aussichtspunkten lagen. Nach der Ankunft in Wanaka spazierten Sonja und ich noch einmal zum See, an dem – bis auf den Wind- schon fast gespenstische Stille herrschte. Die wenigen Menschen, denen wir begegneten wichen uns ebenso mindestens zwei Meter aus, wie wir das ebenfalls taten. Als wir nach gut zwei Stunden zurück am Holiday Park waren, hatte Jürgen auch schon bald ein hervorragendes Curry für uns alle gekocht. Das sollte unser Abschiedsessen werden, denn der weitere Verlauf der Gruppenreise war nicht klar. Einige Teilnehmer wollten versuchen so schnell wie möglich selbst Flüge zu buchen, was allerdings wegen der Verfügbarkeit letztlich scheiterte. Jedenfalls hatten wir ein sehr leckeres Essen und eine emotionale Ansprache von Jürgen. Unser lieber, normalerweise aber nicht sehr geschwätziger Michael hielt eine kurze aber wunderbare Rede in einer Mischung aus deutsch, englisch und maori. Zum Abschluss sang er auch noch einen Maori-Song und wünschte uns allen eine gesunde und glückliche Reise. Wir haben „sein Herz berührt“. Wir bedankten uns natürlich auch bei unserem genialen Reiseleiterteam und waren und sind uns alle einig, dass wir mit Michael und Jürgen das größtmögliche Glück hatten. Ihre Ortskenntnis und die teilweise schon langjährige Bekanntschaft mit den Betreibern der Unterkünfte ermöglichte uns eine tolle Reise und die spontane Umplanung. Wir sind sehr dankbar, das Land und Euch beide kennengelernt zu haben.

Auf der Fahrt bei einem „Toilettenstopp„

Am nächsten Tag ging es dann schon sehr früh in Richtung Christchurch. Denn außer dem Fakt der kommenden praktischen Reise- und Ausgangssperre war noch nicht viel klar. Auch Michael und Jürgen müssten eigentlich in ihre jeweiligen Heimatorte (beide bei Auckland) zurück. Jürgen hat aber sofort entschieden, dass er in Christchurch bleibt, bis der letzte der Gruppe ausgereist ist, was für ihn bedeutet, dass auch er Christchurch nicht mehr verlassen kann, bis die Sperre aufgehoben wurde. Die Fähre zur Nordinsel war auch auf allen erreichbaren Fahrten ausgebucht. Daher organisierte Jürgen während der Fahrt noch einen Flug für Michael, der ihn hoffentlich am Donnerstag (nach Beginn von Stufe 4) nach Auckland bringen soll.

Kirche am Lake Tekapo

Trotz dieser Schwierigkeiten erhielten wir während der Fahrt immer noch interessante Informationen über das Land und die Regionen durch die wir gerade fuhren. Auch die Stopps waren weiterhin so, dass man keinen Unterschied zu einem „ganz normalen“ Reisetag ausmachen konnte.

Auf einem Pass hatte es in der Nacht sogar geschneit.

In Christchurch angekommen bezogen wir tatsächlich noch Zimmer in einem sonst total überfüllten Holiday Park. Am Nachmittag zeigte uns Jürgen dann bei einem Stadtrundgang noch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und die immer noch präsente Zerstörung durch die großen Erdbeben 2010 und 2011, die das Stadtzentrum fast vollständig zerstörten und 185 Todesopfer und weit mehr Verletzte forderten. Daher halten sich die Sehenswürdigkeiten im Zentrum in Grenzen. Nach einem Stopp am Supermarkt ging es zurück zur Unterkunft.

Ein Denkmal für die Toten des Erdbebens 2011. 185 unterschiedliche weiße Stühle, alle unbefestigt und frei beweglich… wie lange das wohl in Deutschland gehalten hätte?!?
Eines der wenigen alten Gebäude, dass wieder aufgebaut wurde und immer noch wird.

Am nächsten Tag haben wir unsere Freiheit noch einmal genutzt und sind mit dem Bus an den Strand gefahren, der leider knapp 10 Kilometer entfernt ist. Das ist zu weit um sich auf dem Weg zum Supermarkt dorthin zu verlaufen. Die Meeresbrise und der Spaziergang tat wirklich gut, die Sonne schien, nur sehr leer war alles und die paar Menschen hielten ganz bewusst Abstand. Anschließend noch ein Stopp am Supermarkt, den wir allerdings nicht mehr aufgesucht haben. Stattdessen spazierten wir zur Unterkunft, aßen zu Abend und spazierten noch einmal über den Platz. Nun sind wir in unserer kleinen Kammer und harren der Dinge und hoffentlich Flüge, die da kommen.

Das letzte Mal am Strand, wer weiß für wie lange….
Diese Nachricht erschien auf allen Mobiltelefonen um 18:30 Uhr. Damit kann niemand behaupten, er hätte nichts von der Ausgangssperre gewusst.

Am schönsten Ende der Welt zu unschönen Zeiten

Der Bergpapagei Kea ist auch sehr selten und wir hatten heute gleich zweimal das Glück jeweils einen zu sehen und zwar jeweils aus nur wenigen Metern Distanz.

Früh um 6:45 Uhr starteten wir heute in Richtung Fiordland-Nationalpark. Die 120 kilometerlange Milford Road führt uns zur majestätischen Landschaft des Milford Sounds. Wir schauten uns den zerklüfteten Fjord bei einer anderthalbstündigen Bootsfahrt aus nächster Nähe an und waren sehr beeindruckt. Allerdings waren wir inklusive Crew mit 22 Personen an Bord und es war die letzte Fahrt dieses Schiffes für unbestimmte Zeit. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung bei der Crew, die praktisch komplett arbeitslos wird. Wir sind unendlich dankbar, dass wir die beeindruckende Natur noch erleben durften. Seit einigen Tagen sind wir allerdings im engen Kontakt mit dem Reiseveranstalter bezüglich der Optionen am Ende der Reise.

Die Hafenausfahrt in Milford
Pelzrobben gab es auch zu sehen.

Nach der Schifffahrt besuchten wir noch zwei weitere Aussichtspunkte auf kleinen Spaziergängen. Auf dem Rückweg blieb immer wieder Zeit für Fotostopps an Wasserfällen oder besonders beeindruckenden Bergformationen, bis wir gegen Abend wieder zurück in Te Anau ankamen.

Der Walk entlang des Fjords, der fälschlicher Weise Sound genannt wird, war auch sehr schön.

Dort hatten wir dann erstmalig wieder Internetzugang und uns erreichte die Nachricht, die wir schon lange befürchtet haben, nämlich das unser Flug nicht mehr wie geplant stattfinden wird. Aktuell sieht es noch so aus, als ob wir mit Emirates und dem gebuchten Flug bis Dubai kommen könnten. Allerdings ist der Anschlussflug nach Frankfurt gecancelt. Wir werden nun (da heute Sonntag ist) bis morgen Abend warten müssen, bis es weitere Informationen gibt. Der Kontakt zu der Fluggesellschaft und zum auswärtigen Amt ist aktuell leider nicht mehr möglich, so dass wir selbst mit der Reisegruppe und dem Veranstalter sehen müssen, wie es weiter geht.

Wir wünschen Euch alles Gute und können leider auch nicht nur über die heile Welt berichten, die es in aktuellen Zeiten nirgendwo zu geben scheint. Warum sind wir überhaupt weggeflogen? Weil es zu dem Zeitpunkt als wir Deutschland verließen noch keine Anzeichen gab, dass die Entwicklung so dramatisch sein würde. Es gab keine Reisewarnung, keine Empfehlung auf Reisen zu verzichten.

Am heutigen Tag haben wir so viele Glücksbringer getroffen, zwei Keas an einem Tag, den kleinen Fächervogel, Delphine im Milford Sound, einen Silberreiher, strahlenden Sonnenschein und Regenbogen, so dass wir hoffen, dass wir auch in den nächsten Tagen und Wochen Glück haben werden.

Denn selbst wenn wir zurück nach Deutschland kommen, haben wir auf den Flughäfen zwangsläufig und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Risiko uns zu infizieren. Da alle potentiellen Menschen, bei denen wir in Deutschland unterkommen könnten Risikogruppen angehören, wollen wir uns dann komplett für 14 Tage isolieren. Dazu stehen wir im Kontakt mit unserem Wohnmobilhändler Dörr, bei dem unser EU-GO aktuell in der Werkstatt steht. Herr Dörr hat selbst am Wochenende sehr freundlich geantwortet und sollten wir es irgendwie ins Saarland schaffen, werden wir auch an das Wohnmobil kommen um darin 14 Tage isoliert leben zu können. Wir würden dann bei Verwandten in der Nähe des Hauses stehen, denn so wäre auch unsere Versorgung und Entsorgung sichergestellt. Leider ist das aktuell erst der letzte Schritt, aber ihr merkt, dass wir schon sehr lange verschiedene Optionen prüfen.

Bitte bedenkt auch, dass unsere Berichte mit mehrtägiger Verzögerung erscheinen und daher manche Informationen bereits bei Veröffentlichung veraltet sein können. Dennoch wollen wir Euch weiter an den Erlebnissen und Herausforderungen teilhaben lassen.

Ein ganz großer Dank gilt bereits jetzt unseren Eltern und Verwandten, Freunden und Bekannten, der Firma Dörr, unserem Reiseleiter Jürgen, unserem Fahrer Michael und allen Menschen, die uns die Daumen drücken. Wir sind sehr froh, dass wir nicht alleine sind und uns beide haben.

Queenstown die Action City

Heute ging es nach dem Frühstück direkt in Richtung Queenstown. Unser erster Stopp war allerdings zum „AJ Hacket Bungy„ wo sich einer unserer Mitreisenden am Gummiseil in die Tiefe der Schlucht stürzen wollte. Wir anderen sahen natürlich zu und leisteten moralische Unterstützung.

Die erste Brücke von der sich kommerziell Menschen am Gummiseil in die Tiefe stürzen. Wirklich landschaftlich schön gelegen.

Aber auch hier kommt das Coronavirus und die damit verbundenen Probleme sehr schnell und immer schneller an. Wir haben allerdings den Eindruck, dass die Politik und allen voran die Premierministerin hier wesentlich schneller und härter durchgreifen, wenn Regeln nicht eingehalten werden.

Wir erlebten heute, dass wir uns selbst als Besucher des Bungy-Centers in Listen eintragen mussten, damit potentielle Kontaktpersonen identifiziert werden können. Alle Mitarbeiter hielten sehr bewusst die hier geforderte Distanz von zwei Metern ein und Handläufe und Toiletten wurden praktisch permanent gereinigt und desinfiziert. Dazu ist auch zu erwähnen, dass alle Personen, die in den letzten 14 Tagen eingereist sind, sich selbst isolieren müssen. Mehrere Touristen, die sich nicht daran gehalten haben, wurden bereits verhaftet. Die vermutlich spektakulärste Aktion diesbezüglich legte ein Hubschrauberpilot am Fox Gletscher hin, der die Insassen seines Hubschraubers, nachdem er während des Fluges erfahren hatte, dass sich diese erst seit wenigen Tagen im Land befanden, direkt zur Verhaftung bis vor die Polizeistation flog.

Da die meisten unserer Leser aber genug eigene Herausforderungen in dieser schwierigen Zeit haben, werden wir den Schwerpunkt nicht auf das Virus legen, denn diesbezüglich gibt es kompetentere Informationen von offizieller Seite. Wir selbst wissen ja auch noch nicht ob wir wie geplant zurück reisen können oder wie es in der nächsten Zeit weiter geht. Unsere Reise im April mit dem Wohnmobil fortzusetzen und in Richtung Skandinavien zu fahren erscheint aktuell jedenfalls wenig realistisch. Auch hier in Neuseeland sollten unnötige Reiseaktivitäten ab heute eingestellt werden. Da wir allerdings vorgebuchte Unterkünfte haben und uns ohnehin in Richtung menschenleerer Regionen und dann zum Flughafen bewegen werden, hat unser Reiseleiter zusammen mit der Firma in Deutschland entschieden die Reise fortzusetzen, wenn auch in abgewandelter Form und unter Vermeidung von Menschenansammlungen. In diesem Sinne: Passt auf Euch auf! Wir machen das ebenfalls und spielen verschiedene Optionen für die Zukunft durch.

Wir jedenfalls besuchten heute zuerst die Stadt Arrowtown und die chinesische Goldgräbersiedlung dort, bevor wir nach Queenstown, der Hochburg der Adrenalinjunkies, fuhren. In beiden Orten merkte man deutlich, dass der Tourismus bereits extrem zurück gegangen ist, denn es war sehr wenig los. Wir beschränken uns an den jeweiligen Orten auch auf Spaziergänge im Freien und dem Zusehen bei Aktivitäten andrer. So erfreuten sich Jetbootfahrten weiterhin großer Beliebtheit, wobei dabei 20 Personen auf engstem Raum zusammen sitzen. Von unserer Gruppe beteiligte sich niemand mehr an solchen Aktivitäten, aber viele, vor allem asiatische Touristen, scheinen potenzielle Gefahren vollständig zu ignorieren.

Der Blick von der gegenüber liegenden Halbinsel auf die Stadt Queenstown, die wir uns deutlich größer vorgestellt hatten.

Von Queenstown aus ging es an vielen Schaf- und Hirschweiden vorbei in Richtung unseres Tagesziels Te Anau. Das ehemalige Schafland Neuseeland scheint immer mehr auf die Rinder-, Hirsch- und Rehzucht umzustellen, denn die Anzahl der Schafe ist zwar immer noch hoch, aber deutlich geringer als vor einigen Jahren noch. In Te Anau besorgten wir unser Abendessen im örtlichen Supermarkt und bereiteten es in unseren jeweiligen Bungalows zu. Niemand aus der Gruppe geht noch in Restaurants oder Kneipen. Wir versuchen aber alle das beste aus der Situation zu machen, denn es hilft uns nicht in Panik zu verfallen. Die Unsicherheit ist dennoch überall zu spüren.

Wanaka und Umgebung

Heute schnürten wir erneut die Wanderschuhe und nach einer kurzen Busfahrt ging es auch schon los zum Rocky Mountain. Der Weg war zuerst zwar schon recht steil, aber bis zum Diamond Lake noch recht breit und gut ausgebaut. Das änderte sich sukzessive nach dem See. Die Steilheit blieb in weiten Teilen erhalten oder nahm sogar noch deutlich zu, dafür wurde der Weg an manchen Stellen nur noch etwa 20 Zentimeter breit. Als es dann rechts vom Weg nur noch, fast senkrecht bergab und links ebenso steil bergauf ging, habe ich mich entschieden umzudrehen, auch wenn ich nur wenige hundert Meter Strecke vom Gipfel entfernt war.

Oben im Berg ist der Weg mit einigen Wanderern zu erkennen. Aufgenommen vom Aussichtspunkt auf etwa halber Höhe des Weges.

Sonja hat den Weg dann noch fortgesetzt und ist auf einem anderen Weg wieder zurück gegangen. Da ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher zu einem Aussichtspunkt gemacht habe und mir auch etwas Zeit gelassen habe, holte mich Sonja schon recht bald wieder ein.

Ausblick auf den Diamond Lake von etwas weiter oben.

Zusammen umrundeten wir noch den Diamond Lake und gingen dann zurück zum Bus, wo wir uns mit dem Rest der Gruppe trafen.

Deutlich weiter oben hat Sonja erst mal ein paar kleine Felsblöcke gesichert 😉

Anschließend fuhren wir zur Unterkunft zurück und legten die Rucksäcke ab, machten uns etwas frisch und wurden dann in die Stadt gefahren. Außer vielen Outdoor-Geschäften, -veranstaltern und Restaurants hat die Stadt selbst nicht so viel zu bieten. Die Lange direkt am glasklaren See hat allerdings etwas für sich. Wir spazierten am See entlang zurück in Richtung Unterkunft und ließen den Tag bei einem leckeren Gemüseeintopf ausklingen, den Sonja aus sehr wenigen Zutaten gezaubert hatte.

Der glasklare See Wanaka liegt wirklich schön in Mitten der Berge. Der 300 Meter tiefe Grund des Sees liegt etwa auf Meereshöhe.

Postkartenmotive auf dem Weg nach Süden

Auf dem Weg nach Wanaka hielten wir immer wieder für kleine Wanderungen und Fotostopps. Der heutige Tag war so ereignisreich und eindrucksvoll, dass es mir wirklich schwer fällt alle Highlights zu erwähnen. Zuerst hielten wir unmittelbar am Strand, am Rande des Highways an und konnten bereits aus dem Bus Hektor-Delphine beobachten. Da die kleinste und auch eine der seltensten Delphinarten eher selten springen, war meist zwar nur die Rückenflosse und ein Teil des Rückenflosse zu erkennen, aber immerhin!

Weiter ging es zu zwei kleineren Wanderungen von je einer halben Stunde Länge, bei denen wir erneut Delphine am Strand sahen und ein besonders verspieltes Exemplar sprang sogar in die Luft. Der andere Teil führte dich sehr beeindruckenden Regenwald, der heute immer wieder seinem Namen alle Ehre machte. Die Pflanzen standen teilweise im Wasser oder Sumpf.

Der dunkel eingefärbte Fluss mitten durch den Regenwald

Anschließend besuchten wir einen Wasserfall, der über 100 Meter in die Tiefe stürzt, bevor wir unsere Mittagspause in Haast machten.

Schon beeindruckend, wie das Wasser aus großer Höhe herabfällt.

Von dort aus ging es weiter ins Landesinnere und zum nächsten Stopp für einen Walk zu den Blue Pools. Der Weg führte über eine recht lange und wacklige Hängebrücke (immerhin mit einer maximalen Belastbarkeit von 10 Personen) zu den Blue Pools, einer kristallklaren Serie von Wasserbecken, die über die Jahrhunderte aus den Steinen gewaschen wurden.

Die Blue Pools luden heute aufgrund der kühlen Temperaturen eher nicht zum Schwimmen ein, waren aber toll anzusehen.

Unser Weg nach Wanaka führte uns weiter über den Haast-Pass, eine der atemberaubendsten Strecken unserer bisherigen Reise! Wir hielten mehrfach, vor allem für Fotos der Bergkulisse vor den Seen, an.

Ein Blick auf See und Berge, den man so such nicht alle Tage genießen darf.

Am frühen Abend erreichten wir dann, mit vielen Fotos und noch deutlich mehr Eindrücken, die am gleichnamigen See gelegene Kleinstadt Wanaka. Außer einem kurzen Einkaufsstopp für unser Abendessen, dass Sonja dann wieder für uns zauberte, haben wir nicht mehr viel unternommen und fielen müde ins Bett.

Traumhafte Gletscherregion

Entlang des Highway 6 fuhren wir in das Dorf Fox mit seinem gleichnamigen Gletscher. Unterwegs besuchten wir einen Aussichtspunkt, um den Franz Josef Gletscher in all seiner Pracht zu bestaunen. Leider machte uns das Wetter, bzw. die tief hängenden Wolken einen Blick auf den Gletscher etwas schwer.

Im Hintergrund kann man den Gletscher erkennen, mit viel gutem Willen 😉

In Fox angekommen kannst man an einem Helikopter Rundflug über die Gletscher teilnehmen, was allerdings für uns nicht nur wegen der Kosten nicht in Frage kam. Stattdessen spazierten wir erst durch den Regenwald in unmittelbarer Stadtnähe und anschließend um den Matheson See, in dessen Wasser sich bei gutem Wetter die höchsten Berge des Landes spiegeln. Auch dabei sahen wir leider nur den Fuß der Berge und die entsprechende Spiegelung.

Der Wald wirkt durch das viele Moos total unwirklich.
Auch ohne die Spiegelung zu sehen, war der Blick auf den See und die Berge sehenswert. (Links der Mt. Tasman; rechts der Mt. Fox)

Anschließend fuhren wir in kleiner Besetzung, mit insgesamt sieben Personen über eine abenteuerliche Gravel Road zu einem Strand und besuchten dort die Hinterlassenschaften einer alten Goldmine, die seit 1942 vor sich hin rosten. Der Rückweg über den Kiesstrand war auf jeden Fall noch einmal toll, auch wenn wir keine Delfine gesehen haben.

Der einsame Kiesstrand, an dem man mit etwas Glück auch Jade finden kann…

Nach Einbruch der Dunkelheit spazierten wir dann gemeinsam in den Regenwald, um uns von den zahlreichen Glühwürmchen verzaubern zu lassen. Das war wirklich ein eindrucksvolles Erlebnis, denn anders als Europäische Glühwürmchen leuchten die neuseeländischen dauerhaft und der Wald sieht aus als würden tausend Sterne überall herum liegen und hängen.

Rund um Hokitika

Heute Morgen ging es mit dem Bus etwas außerhalb des Städtchens, um auf einer kleinen Wanderung (1,5 Std., leicht) durch den Urwald zur Hokitika-Schlucht zu gelangen. Die Farbe des Wassers und der umgebende Wald waren wirklich toll.

Die Hängebrücke galt es zu überqueren um auf die andere Seite der Schlucht zu gelangen.

Auch wenn einige Menschen wohl Schwierigkeiten mit dem Zahlenverständnis haben, denn die Hängebrücke, die es zu überqueren galt, hat eine zulässige Belastung von 6 Personen, was aber z.B. eine asiatische Reisegruppe nicht daran hinderte mit der doppelten Anzahl Personen gleichzeitig stehen zu bleiben und Fotos zu machen. Da wundert es kaum, dass viele Menschen zu dumm sind einen exponentialen Anstieg von Erkrankungen nachzuvollziehen. Ich hoffe inständig, dass unter unseren Bekannten keine Idioten sind, die Corona-Partys veranstalten oder sich aktuell in größeren Gruppen treffen.

Der Hokitika-Fluss in der gleichnamigen Schlucht
Die Farne und Bäume sind wirklich wie aus einer anderen Welt.

Nach dem ersten Highlight fuhren wir wieder etwa 45 Minuten mit dem Bus um zum Mahinapua-See zu gelangen, den wir nach einem etwa halbstündigen Spaziergang erreichten. Auf dem Weg zeigte uns Jürgen welche Teile des Baumfarns essbar sind und wie ein Blatt des Pepper-Trees schmeckt.

Neue Blätter des Baumfarnes als Besonderheit hübsch herzförmig angeordnet

Am Nachmittag waren wir wieder zurück in Hokitika, wo wir den Rest des Tages zur freien Verfügung hatten. Sonja und ich besuchten das „national Kiwi Center“ um den bekanntesten, aber vom Aussterben bedrohten Laufvogel aus nächster Nähe zu sehen. Da die Tiere nachtaktiv sind, gaukelt man ihnen eben tagsüber die Nacht vor und die Besucher gehen dann in den abgedunkelten Raum. Tatsächlich hatten wir Glück und einer der Kiwis lief direkt an der Scheibe und damit nur einige Zentimeter an uns vorbei. Das war dank des recht großen Geheges nicht selbstverständlich. Da wir selbstverständlich das Fotoverbot respektieren, können wir leider keine Bilder vom Kiwi zeigen.

Der Blick über den Mahinapua-See

Anschließend gingen wir noch in der Stadt und am Strand spazieren. Dabei warfen wir auch in die zahlreichen Jadeläden einen ausgiebigen Blick. Anschließend gingen wir einkaufen und durften nicht nur feststellen, dass die Neuseeländer (noch) keine Hamsterkäufe tätigen, sondern dass noch das gesamte Sortiment erhältlich war.