Carcassonne in der Realität…

… und nicht wie beim gleichnamigen Spiel (Spiel des Jahres 2001) auf dem Tisch, durften wir heute erleben. Während der Fahrt von der Küste in die Berge (Carcassonne liegt auf bis zu 250m üNN) machten wir unterwegs auf einem Rastplatz etwas länger Pause, denn wir wollten bewusst erst am späten Nachmittag in Carcassonne ankommen, denn die beleuchteten Stadtmauern und Gassen wollten wir ebenfalls sehen. So haben wir unser Frühstück schon gegen 13 Uhr eingenommen, also ausgesprochen früh ;-).

Nach etwa zweieinhalbstündiger Fahrt sind wir auf dem Parkplatz direkt bei Carcassonne angekommen. Einer der Parkplätze ist tatsächlich auch explizit für Wohnmobile gedacht, und auch ein Übernachten ist dort wohl möglich. Allerdings kostet eine Parkgebühr für 24 Stunden auch satte 20€. Dafür muss man in Carcassonne selbst nur für die Besichtigung der Burg bezahlen, und an wirklich jeder Ecke steht ein kostenloses und sauberes WC zur Verfügung. Insofern relativiert sich der teure Parkplatz.

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Die mächtigen Mauern um die Stadt Carcassonne mit einem gewaltigen Graben davor.
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Zwischen den beiden Mauern ist auch noch sehr viel Platz, was von Außen gar nicht so erscheint…
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Abends und noch weihnachtlich beleuchtet wirkt die Festungsanlage noch imposanter!
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Auf der „Rückseite“ der Stadt hat sich offensichtlich ein Künstler mit dem Hochdruckreiniger ausgetobt, so dass konzentrische Ringe entstanden sind, zumindest wenn man genau vom richtigen Standpunkt aus schaut…

Wir sind dann direkt nach der Stadtbesichtigung allerdings wieder abgefahren und haben unsere Nacht auf einem sehr ruhigen, ganz neu angelegten Wohnmobil-Stellplatz verbracht. Die Anfahrt zu diesem Stellplatz war etwas abenteuerlich, zumal es teilweise Kurven zu durchfahren galt, bei denen wir vor- und zurücksetzen mussten, um das Fahrzeug herum zu bringen, das Ganze dann auch noch bei Dunkelheit hob den Adrenalinspiegel doch noch einmal deutlich. Außerdem wollte uns das Navi unbedingt eine Diät verpassen, denn wir sollten durch eine lediglich 2 Meter breite Straße fahren, was aber bei einer Breite unseres EU-GO von 2,25 m ohne Spiegel schlicht zu schmal war. Natürlich war die entsprechende Passage dann nicht einfach geradeaus zu fahren, sondern um eine Kurve bei etwa 15% Gefälle… Die Kupplung hat ihren Unmut durch deutlichen Geruch zum Ausdruck gebracht. Letztlich haben wir es aber gemeinsam und unfallfrei geschafft, um die Ecke und zurück zu manövrieren, und das ist ja die Hauptsache.

Dafür durften wir eine sehr ruhige Nacht verbringen, bei der wir lediglich das Plätschern des nahen Baches und den Wind gehört haben.

In Portugal gen Osten (Lagos – Alvor -Portimão – Vilamoura – Faro)

Nach einer ruhigen Nacht in Lagos sind wir rechtzeitig losgefahren und bereits gegen 10 Uhr am Strand von Alvor entlang spaziert und haben dort die wirklich beeindruckenden Felsformationen angesehen. Die Uhrzeit war sehr gut, denn es herrschte Ebbe, und so kamen wir auch in die nächsten Buchten trockenen Fußes hinein. Das Meer hat im Laufe der Zeit nicht nur Höhlen oder einzeln stehende Felsen ausgewaschen, sondern auch mehrere Torbögen. Auch wenn die Sandsteinfelsen recht stabil aussehen, sollte man vorsichtig sein, denn an mehreren Stellen war zu erkennen, wie die Erosion ganz praktisch vonstatten geht. Und damit aus Erosion nicht Evolution wird, haben wir zumindest versucht, uns so weit es ging von den Felsen fernzuhalten oder zumindest die Aufenthaltszeit im potentiellen Einsturzbereich gering zu halten.

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beeindruckende Sandsteinfelsen am Strand von Alvor, bei Ebbe auch trockenen Fußes zu besichtigen. Sonja ist auch auf dem Bild, so sind die Dimensionen abzuschätzen…
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Die Bögen haben schon beeindruckende Ausmaße und sehen aus, wie auf den Stand gestellt

Im Anschluss sind wir nach Portimão weitergefahren und haben unseren EU-GO am LIDL-Parkplatz abgestellt, denn die LIDL-Supermärkte haben in Portugal recht häufig spezielle Parkplätze für Reisemobile, auf denen man sogar übernachten darf. Wir haben allerdings nur einen Stadtrundgang durch diese – nun ja – architektonische weniger reizvolle Stadt gemacht (sie ist einfach grottenhässlich mit ein paar schönen Stränden und viel Touristensouvenirläden), bevor wir natürlich dann beim LIDL auch unsere Vorräte wieder aufgefüllt haben. Der fast acht Kilometer lange Rundgang war dann auch noch ungeplant anstrengend, da das Thermometer die 25 Gradmarke deutlich überschritt und das bei mehr als 80% Luftfeuchtigkeit.  Die meisten Leser werden nun in Deutschland bei Regen und Temperaturen unter 10 °C sitzen und sich denken: „Wie gerne würden wir jetzt schwitzen“.  So ist das eben… Das Wetter ist nie richtig 😉

Weiter ging es über Amação de Pêra, wo wir an der Küste mit Blick aufs Meer eine kurze Pause zum Frühstücken einlegten, bis nach Vilamoura. In Vilamoura trifft sich alles, was Geld hat (oder zumindest gerne so tun möchte, als ob…). Wenn die Yachtgröße für Monaco nicht gereicht hat, kann man hier den „tollen Hecht“ spielen. Entsprechend laufen um die Marina auch viele besonders coole, teils stark gealterte Machos und ebensoviele oder mehr aufgespritzt und gestraffte (ehemalige) Schönheiten und lassen sich in den Restaurants und Bars kulinarisch verwöhnen, um den ehemaligen Astralkörper noch etwas weiter vom Idealzustand zu entfernen. Wer etwas Authentisches sucht, ist in Vilamoura sicherlich nicht richtig. Ein bisschen Kitsch mit Phantasialandatmosphäre passt dann schon eher… Wir waren froh, wieder weiterfahren zu dürfen.

Allerdings haben wir, als wir gerade den Motor wieder gestartet hatten, eine Nachricht von einer ehemaligen Kollegin – der lieben Stefanie – bekommen, dass sie nebst ihrem Gatten ebenfalls in Vilamoura angekommen ist, um es sich noch einen Tag im Hotel richtig gut gehen zu lassen, bevor es dann wieder zurück nach Stuttgart geht. Selbstverständlich sind wir dann noch zu Ihrem Hotel gefahren, was mit unserem „Kleinwagen“ durchaus sportlich war. Wir haben dann einfach mitten im Wendehammer vor dem Hotel geparkt und uns kurz mit den beiden getroffen. Die Hotelangestellten waren völlig entspannt… Wenn die Polizei käme, sollten wir einfach sagen, dass wir zum Hotel gehören, dann wäre das schon ok…

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Ein weiteres Wiedersehen, diesmal mit meiner (Marc) lieben Ex-Kollegin Stefanie

So jedenfalls hat der Abend mit einem weiteren Wiedersehen seinen Abschluss gefunden, wobei nicht ganz, denn wir sind ja noch bis Faro gefahren, um dort zu nächtigen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch Orangen eingekauft, für die diese Region berühmt ist, und Sonja hat dann abends noch eine Jongliereinlage hingelegt.

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Sonja jongliert im EU-GO mit den riesigen Orangen aus Albufeira, natürlich ohne Unfall…