VW T5 Kastenwagen Selbstausbau (2014 bis 2015)

Nachdem unser Fort Transit Nugget ja sehr plötzlich verstorben war, wir aber noch mehrere Reisen mit dem Wohnmobil geplant hatten und außerdem unser Wohnmobil ja fast immer – so auch zu dieser Zeit – unser einziges Auto war, brauchten wir dringend Ersatz.

Auf die Schnelle fiel mir dann der liebe Ralf Zimmer von Autocollection.de in Bonn ein, der mir bereits den T5 Multivan sehr günstig als EU-Import besorgt hatte und uns auch mit seinen Kontakten bei der Beschaffung des Ford Transit Nugget sehr behilflich war. Und so kam es, dass wir nur wenige Tage nach unserem Kontakt einen Kastenwagen in Bonn abgeholt haben. Wieder lief alles reibungslos und absolut professionell ab. Wenn wir jemals wieder ein “normales” Auto, also alles, was nicht Wohnmobil ist, benötigen sollten, wird Ralf Zimmer und Autocollection.de mein erster Ansprechpartner sein. Vor allem die offene und ehrliche, markenunabhängige Beratung und die unglaubliche Detailkenntnis des Firmeninhabers haben mich sehr beeindruckt, und die Hilfe endete nicht mit Abschluss des Kaufvertrages.

Jedenfalls stand dann ein leerer Kastenwagen (mit dem sehr schönen Nummernschild TR-EU 1010 – was der 10.10. für ein Datum ist, könnt ihr hier nachlesen) vor unserem Haus in Oberbillig. Ich habe mich dann daran gemacht, ihn zu isolieren (mit Armaflex), eine Innenverkleidung zu basteln, die Lampen durch LEDs auszutauschen, ein Bett und einen Innenboden aus Siebdruckplatte hineinzurasseln, so dass das Fahrzeug wenigstens ein rudimentäres Wohnmobil wurde, was wir dann allerdings schon nach einem Jahr gegen unserem Pössl Vario 545 eingetauscht haben.

Hier jedenfalls einige Bilder vom Auto und Ausbau:

Markttag in Oliva und Wassersportsession

Freitags ist Markt in Oliva und zwar nicht nur ein Touristenmarkt, sondern einer, bei dem die Einheimischen sich mit Obst und Gemüse eindecken. Sowohl Qualität, Frische als auch Preis lassen sich nicht mit dem Supermarkt vergleichen. Wir sind also bereits um 8:30 Uhr mit dem Fahrrad in Richtung Oliva aufgebrochen, haben zuerst noch den Hafen angesehen und sind dann zum Markt gefahren. Dort waren wir wirklich positiv überrascht und haben weit mehr als 10 kg Obst, Gemüse und Nüsse eingekauft, dafür haben wir deutlich weniger ausgegeben als im Supermarkt. Da unsere Gepäckkapazitäten dann schon ziemlich erschöpft waren, hat Sonja nur noch ein paar Kleinigkeiten im Aldi gekauft, und wir haben beschlossen, am Samstagvormittag erneut in die Stadt zu fahren, um die restlichen Vorräte aufzufüllen, da auf dem Markt eben zum Beispiel kein Käse angeboten wurde.

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Der Markt in Oliva, immer freitags und wirklich einen Besuch wert.

Als wir zurück am Campingplatz waren, wollten unsere Nachbarn gerade mit dem Auto in den Supermarkt fahren und haben uns netterweise angeboten, noch etwas Wasser mitzubringen. Da wir größere Massen schlecht auf dem Fahrrad transportiert bekommen und wir unseren EU-GO noch einige Zeit stehen lassen wollen, haben wir das Angebot gerne in Anspruch genommen und uns 30 Liter Trinkwasser mitbringen lassen. Damit können wir noch mal etwas länger als eine Woche überbrücken.

Am Nachmittag haben wir dann unsere SUPs aus der Surfbox geholt und auf einem testweise den Sitz zum kajakähnlichen Paddeln montiert. Erstmalig haben wir die Aufpumparbeit durch unseren Kompressor erledigen lassen, der über den notwendigen Druck von einem Bar nur müde gebrummt hat (denn er schafft mehr als 8 Bar). Das Aufpumpen hat ebenso wie mit der Handpumpe etwa 10 Minuten je Brett in Anspruch genommen. Allerdings spart es zwei mal 600 Hübe mit der Handpumpe, was vor allem rückenschonender ist. Außerdem ist der Strom auf dem Campingplatz ja eh bezahlt ;-).

Als wir dann mit den beiden SUPs auf dem Meer waren, schlief der Wind komplett ein (Super!) und die Wellen wurden wieder höher (fürs SUPen weniger toll). Also Beschloss Sonja kurzerhand, noch den Wellenreiter auszupacken und eine Surfsession anzuschließen. Da ich ja sowieso schon mit auf dem Wasser war, habe ich ein paar Fotos von Sonja gemacht. Außerdem habe ich auch versucht, einige Wellen anzupaddeln, allerdings sind diese für mich und mit Sonjas Wellenreiter doch etwas sehr klein gewesen. Dafür gibt es aber einige brauchbare Bilder von Surfingsonja in Ihrem Element:

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Miniwellen und eine strahlende Sonja
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Surfingsonja die Zweite… Die Welle, auf der sie surft, ist so klein, dass sie auf dem Bild kaum als solche zu erkennen ist.

Nach mehr als einer Stunde auf und im Wasser war es uns dann doch etwas kühl, und die Sonne ging unter. Also zurück zum EU-GO und anschließend unter die warme Dusche.

Anschließend lecker Abendessen und dann ins Bett, denn morgen dürfen wir ja zum Frühstück noch eimal 20 Kilometer Fahrradfahren um einzukaufen. Außerdem wollen wir morgen eventuell noch eine Waschmaschine waschen, denn danach soll es drei Tage lang immer wieder regnen. Wir werden sehen und lassen uns überraschen.

Reaktionen und Fragen von anderen Menschen zu unserer Langzeitreise

Wie ihr Euch vorstellen könnt, sind die Rückmeldungen und Reaktionen, die wir auf unsere “Auszeit” bekommen, sehr unterschiedlich.

Am weitaus häufigsten haben wir bislang gehört: “Super, dass ihr das macht, aber wir könnten das nicht“. Dazu können wir natürlich wenig Konkretes sagen, da die Situation von Menschen ausgesprochen unterschiedlich sein kann, aber wir haben unterwegs ganze Familien mit zwei schulpflichtigen Kindern getroffen, die eine Lösung gefunden haben, um mindestens ein Jahr zusammen zu reisen. Daher sind die meisten Grenzen und Hindernisse, die Menschen mit einer solchen Auszeit haben, die eigenen Denkmuster und Gewohnheiten. Denn was nicht geht, damit muss man sich ja nicht weiter auseinandersetzen. Niemand muss so etwas machen, aber wir haben genügend ältere Menschen getroffen, die nun gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, längere Reisen zu unternehmen, und alle haben positiv auf eine rechtzeitige Reise reagiert. Denn immer bis auf die Rente zu warten, dass kann auch schief gehen, wie wir leider mehr als einmal erleben mussten.

Die am häufigsten gestellte Frage war: “Wie finanziert ihr denn Euer Leben so ohne Einkünfte?“. Die Antwort ist relativ simpel und unspektakulär, denn wir haben schlicht ganz altmodisch gespart und können von unseren Rücklagen einige (auch längere Zeit) unterwegs sein. Dazu war es natürlich wichtig, sich alle regelmäßigen Ausgaben genau anzuschauen und nicht wirklich benötigte Verträge zu kündigen und Kosten zu reduzieren. Das haben wir zum Beispiel auch durch die Aufgabe unserer Wohnung in Stuttgart getan, denn die laufenden Kosten wären ja geblieben, obwohl wir keinerlei Nutzen gehabt hätten.

“Ihr habt also wirklich alle Eure Möbel weggegeben?”
Ja, also “fast”. Unser Heimtrainer, das Clavinova und ein Bürostuhl, der extra für meine Körpergröße angefertigt wurde, und ein Bett haben den Weg zu Sonjas Eltern ins Haus gefunden und warten dort auf unsere zukünftige Bleibe, um wieder von uns genutzt zu werden. Alles andere an Möbeln haben wir tatsächlich entweder separat oder mit der Wohnung verkauft.

“Habt ihr also (fast) nur noch das, was ihr in eurem EU-GO dabeihabt?”
Nein. Neben Winter- und Büroklamotten (Anzüge, Hemden und so Zeug…) haben wir auch noch Fernseher, Staubsauger, Windsurfbretter, Kajaks, Bücher, Spiele, CDs eine Stereoanlage und diverse Kleinteile an unserem Hauptwohnsitz und in einem gemieteten Kellerraum untergebracht, so dass wir nicht alles neu beschaffen müssen, wenn wir irgendwann wieder sesshaft werden.

“Habt Ihr noch einen festen Wohnsitz?”
Ja, wir sind in unserer beider Heimatstadt Euskirchen nicht nur gemeldet, sondern haben dort unseren “Lebensmittelpunkt”, auch wenn wir aktuell vorwiegend telefonisch und per Internet verbunden sind. Allerdings war es uns wichtig, in Deutschland weiterhin sesshaft zu sein, denn wir haben ja beide im Jahr 2019 noch zum Großteil in Deutschland gearbeitet und müssen daher z.B. auch noch unsere Steuererklärung machen. Außerdem ist es überaus hilfreich, wenn Briefe in Deutschland zugestellt werden können. Wir erhalten über deren Inhalt dank netter Verwandter umgehend Auskunft, bzw. Scans oder Fotos, so dass wir auch unterwegs alle wichtigen und dringenden Dinge erledigen können. Auch unsere Versicherungen laufen teilweise entsprechend angepasst weiter. (Siehe auch Krankenversicherung auf Langzeitreisen – nicht ganz so einfach wie man zunächst denkt)

“Wie lange wollt Ihr unterwegs sein?”
Wir haben aktuell mal ein Jahr ins Auge gefasst, da wir aber (noch) kein konkretes Ende in Sicht haben, ist dieser Zeitraum flexibel.

“Macht ihr ein Sabbatical?”
Jein, denn wenn man damit eine Auszeit aus dem Berufsleben meint, ist die Antwort klar “JA!” Die meisten verstehen darunter aber eine vom Arbeitgeber mehr oder weniger unterstützte Zeit, bei der der Arbeitsvertrag entweder ruht, oder aber die Freizeit vorgearbeitet wurde. Das ist bei uns nicht der Fall, da wir beide unsere jeweiligen Angestelltenverhältnisse durch Kündigung beendet haben. So haben wir im Anschluss an unsere Reise die Möglichkeit, uns an einem Ort der Wahl niederzulassen und neu zu beginnen.

“Was macht ihr danach?”
Das ist aktuell noch völlig unklar. Klar ist allerdings, dass wir beide wieder etwas arbeiten wollen. Was genau das sein wird, werden wir sehen, denn uns ist mittlerweile der Sinn der Arbeit deutlich wichtiger als nur der reine Broterwerb. Klar ein Luxus, den man sich auch erst einmal leisten können muss. Wir sehen uns also nach erfüllenden Tätigkeiten in Deutschland um, denn gerade weil wir schon eine Menge von der Welt gesehen haben, wollen wir Deutschland treu bleiben. Unsere deutlich bevorzugte Region ist der Norden Deutschlands, da uns sowohl die Landschaft und die Nähe zum Meer ebenso gefallen, wie die Mentalität der Menschen.

“Wo wollt ihr noch hin?”
Nach Frankreich und der Iberischen Halbinsel wollen wir auf jeden Fall noch nach Skandinavien, allerdings wohl erst im Frühsommer 2020. Wie die Reise bis dahin weitergeht ist von verschiedenen Faktoren abhängig, und auch eine Weiterreise bzw. ein Abstecher in andere Regionen der Welt ohne Wohnmobil sind explizit nicht ausgeschlossen. Wir wollen uns bewusst etwas treiben lassen, um auch auf äußere Einflüsse reagieren können. Bislang haben wir die Reise immer sehr nach dem Wetter ausgerichtet, aber auch familiäre Ereignisse oder potentielle Traumjobs können natürlich “dazwischen kommen”, und daher planen wir eher wochen- als monatsweise. So sind wir flexibel und haben keine Verpflichtungen.

Das Surfmekka Peniche – und es gibt wirklich viel zu sehen

Nach unserer Abfahrt in São Martiño do Porto wurde es dann fahrtechnisch wieder sehr interessant, aber das kennen wir ja von Portugal bereits. Jedenfalls sind wir dann ohne viele Unterbrechungen bis nach Peniche gefahren. Dort haben wir uns ganz dekadent wieder auf dem städtischen Campingplatz einquartiert. OK, wenn man bedenkt, dass dieser ganze 4,25 € pro Nacht kostet, ist es mit der Dekadenz vielleicht doch sehr relativ. Wichtig ist vor allem, dass dieser Platz sehr zentral liegt und zwei Strände mit sieben Namen (einzelne Strandabschnitte werden als neue Strände bezeichnet) zügig erreichbar sind.

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Der Strand mit den vielen Namen und tollen Wellen in Peniche

Kurz nach Ankunft und Frühstück (ihr kennt das ja schon…) sind wir dann am Nachmittag zu einem Spaziergang zum Leuchtturm aufgebrochen. Dieser war dann doch etwas über 12 Kilometer lang und wir haben die komplette Halbinsel umrundet, so dass wir uns das Abendessen, die heiße Dusche und das Bett redlich verdient hatten.

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Das Ziel – oder eher die Halbzeit unseres Spaziergangs um die Halbinsel – der Leuchtturm am Cabo Carvoeiro

Am nächsten Morgen sind wir “nur” etwas mehr als fünf Kilometer entlang der Strände gegangen und haben dabei zuerst den “normalsterblichen” Surfern und dann denn Profis der World Surf League zugesehen, die für den vom 16. bis 28. Oktober stattfindenden Wettkampf trainierten, bzw. die Bedingungen des Supertubos austesten wollten. Es war schon sehr beeindruckend, die besten Surfer der Welt in ihrem Element zu sehen, denn was diese so in den Wellen anstellen, ist für einen Menschen, der ungefähr weiß, wie man sich auf dem Brett hält, nahezu unvorstellbar. Wir hatten ja vor einigen Wochen bereits das Vergnügen, die Deutschen Meisterschaften in Saint Girons zu erleben, aber hier haben wir noch einmal deutliche Unterschiede zu den Weltbesten Surfern feststellen können. Am Wettbewerb wird auch kein Deutscher teilnehmen. Die Maßstäbe sind jedenfalls komplett andere als bei den Deutschen Meisterschaften, denn es wird praktisch eine Kleinstadt errichtet. Am Tag vor dem Wettkampf kamen wir jedenfalls sehr nah an die Location heran und waren mittendrin. Mal sehen, ob uns das in den nächsten Tagen auch gelingt?!?

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Die Aufbauten für den Wettkampf der World Surf League am Tag vor dem Wettkampf.

Die Feuerwehr von Peniche war mit Ihrem Einsatzleitwagen auch bereits vor Ort, und ich durfte einen kurzen Blick in das Fahrzeug werfen. Die Ausstattung entspricht ungefähr einem geländegängigen ELW2 einer deutschen Feuerwehr. Danke an die Kameraden aus Portugal.

Vom “Ende der Welt” mit Zwischenstopp in Santiago nach Pontevedra kurz vor Portugal

Um an den gestrigen Bericht anzuschließen, gehe ich auf die Schräglage unseres Wohnmobils kurz ein, was uns wirklich nicht an einem guten Schlaf gehindert hat, also muss man es mit den Auffahrkeilen nicht so genau nehmen. Nur der Kühlschrank funktioniert besser, wenn er aufrecht steht. Nach einer geruhsamen Nacht mit einem Sternenhimmel mit Millionen Sternen (würde der Trierer sagen!) konnten wir heute Morgen aus unserem Bett den Sonnenaufgang über den Bergen beobachten. In welchem Schlafzimmer kann man gleichzeitig aus den Bett sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen? Einfach genial!

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Der Sonnenaufgang in Fisterra. Sonja schaut zum Kreuz auf.

Die ersten Wanderer oder Pilger waren auch schon wieder unterwegs, um diesen von Finisterre aus zu beobachten. Wir warteten auch nicht lange und spazierten noch zum Leuchtturm und stiegen die Treppen hinab bis ans Wasser. Da war dann wirklich das Ende der Welt und das finale Ende vom Jakobsweg. Bald machten wir auch wieder unseren EU-GO startklar um in die Pilgerstadt Santiago de Compostela aufzubrechen.

Am Abend zuvor hatten wir uns eine günstige Tankstelle gemerkt, wo wir auf dem Rückweg noch einmal volltanken wollten, bevor es nach Portugal geht, wo der Sprit teurer sein soll. Ebenso gab es dort einen riesigen spanischen Supermarkt, den wir einmal auf sein Sortiment testen wollten, nachdem wir davor in einem spanischen Lidl einmal eingekauft hatten. Fazit, die Preise sind fast gleich, doch der Lidl hatte eine deutlich größere Obstauswahl. Danach ging es recht entspannt über wechselnde Autobahnen und Nationalstraßen nach Santiago, wo wir einen Stellplatz suchten. Ein Parkplatz für Busse und Wohnmobile sollte 12 Euro kosten, egal ob für eine oder für 24 Stunden, das lehnte ich allerdings kategorisch ab, weil mir das für 3 Stunden zu parken einfach zu teuer war. Also lotste mich mein Gefühl einen Berg hinauf Richtung Wald, wo Marc über eine App einen kostenlosen Waldparkplatz ausfindig machte, der zu Fuß 25 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Zwei französischen Geschwister der Marke Chausson standen bereits auf diesem Platz, und deren Besitzer grüßten freundlich.

Nach unserem Frühstück, was heute dann erst um 14 Uhr stattfand, machten wir uns gegen 15 Uhr auf in die Stadt. Es war wirklich ein Katzensprung, und es war auch wirklich nicht viel los. Von weitem sah man schon die Kathedrale die ganze Stadt im Tal überragen. Von unserem Parkplatz aus lag uns quasi die Stadt zu Füßen. Zuerst besuchten wir eine schöne kleinere Kirche namens San Francisco, welche auf dem Weg lag, bevor wir zur Kathedrale gingen. Der Platz vor der Kathedrale war recht voll von Pilgern, die auf dem Boden saßen und ihre Füße “lüfteten” und sich von ihren Strapazen erholten. Eine nette ruhige Atmosphäre. Die große Enttäuschung kam, als wir in die Kathedrale hineingingen, alles war mit Folie verhüllt wegen Bauarbeiten. Sowohl alle Seitenkapellen, der Altar, einfach alles. Nur den engen Zugang zum heiligen Jakobus hatten sie offen gelassen, damit die Pilger ihn traditionell umarmen können. Dafür musste man Schlage stehen, was wir uns ersparten. Von außen ist die Kathedrale allerdings sehr beeindruckend, ebenfalls die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde mit ihren Säulengängen und engen Gassen.

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Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Platz davor viele mehr oder weniger erschöpfte und gezeichnete Pilger.

Die Stimmung war wirklich friedlich und angenehm, ich hatte erwartet, dass die Stadt von Pilgern überlaufen sei. Mit 100.000 Einwohnern ist sie auch überschaubar, so dass wir mit unserer Besichtigung in knapp zwei Stunden schon “durch” waren. Daraufhin beschlossen wir, uns wieder Richtung Meer zu orientieren, Pontevedra, unser nächstes Ziel kurz vor Portugal. Das Wetter war auch heute wieder traumhaft, über 20 Grad und Sonnenschein, so verlängert man sich den Sommer gerne. Die Stadtbesichtigung von Pontevedra steht dann morgen auf dem Programm.

Die Anfahrt hierhin war sehr anstrengend für mich (Sonja), enge Landstraßen, LKWs im Gegenverkehr, so was macht mir “latent” Stress, so dass ich mich auf den nächsten “Urlaub” freue, sprich, ein paar Tage auf einen Campingplatz zu fahren und noch mal von der Fahrerei pausieren. Wir sind jetzt genau eine Woche unterwegs (von unserem franz. Campingplatz in Moliets) und waren jede Nacht und jeden Tag irgendwo anders, wir haben so viel gesehen, dass man es erst mal wieder sacken lassen muss, und wir haben in dieser Woche die ganze spanische Nordküste (inkl. 2 Tage Picos de Europa) abgefahren und unsere Highlights besichtigt. Sehr viele und schöne Eindrücke, die wir in einem “normalen” Jahresurlaub niemals gesammelt hätten! Wir freuen uns jetzt schon auf Portugal, wo wir beide erst zweimal waren, einmal gemeinsam in Porto und jeder einmal alleine. Da wir zu unseren “Luxemburgzeiten” und in Stuttgart (Herr Illi bleibt unvergessen! (Marc)) auch sehr nette Bekanntschaften mit liebenswürdigen Portugiesen im Alltag und als Kollegen gemacht haben, freuen wir uns besonders, dieses Land zu erkunden.

Tschüss Moliets – Hallo Spanien!

Nach einer Morgensurfsession (diesmal nur von Sonja) und dem anschließenden Duschen haben wir in Moliets auf dem Campingplatz unsere Sachen zusammengepackt. Das gestaltet sich gar nicht ganz so schnell, denn nach mehr als drei Wochen ist doch vieles nicht im Fahrzustand. Die Surfbretter müssen mit Süßwasser abgespült und in Ihre Hüllen verpackt werden und auf dem Dach verstaut werden (natürlich auf den entsprechenden Polstern), die Wäscheleine wird abgehängt und die Wäscheklammern ordnungsgemäß verstaut, im Auto wird alles wieder so gesichert, dass es beim Fahren nicht durch die Gegend rutscht oder gar umfällt. Das Stromkabel will wieder aufgewickelt (und weil ich es ungerne dreckig verpacke, auch noch abgewischt) werden, die Gasflasche muss während der Fahrt verschlossen sein, der Kühlschrank dementsprechend umgestellt werden, außerdem sollten alle Fenster, Luken und Klappen verschlossen sein. Die Auffahrkeile, auf denen der EU-GO stand, müssen verpackt und zumindest grob abgekehrt werden, damit sie auch am nächsten Halt wieder für einen ebenen Stand sorgen können. Dann haben wir noch lecker gefrühstückt (unter anderem Sonjas legendären Obstsalat… lecker!!!) und Geschirr gespült.

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Sonjas Obstsalat

Nachdem das alles erledigt war, haben wir das Grauwasser (Wasser, was wir zum Beispiel zum Händewaschen verwendet haben) an der geeigneten Entsorgungsstation abgelassen und unseren Frischwassertank (natürlich mit dem eigenen Schlauch) vollständig befüllt. Die Bezahlung des Campingplatzes hatte Sonja bereits am Tag zuvor erledigt, so dass wir dann “schon” aufbrechen konnten. OK nur fast, denn die erste Kurzetappe ging in “die falsche Richtung” nämlich kurz nach Norden zum Super U in Moliets, um unsere Vorräte aufzufüllen. Tanken mussten wir nicht, denn der Tankinhalt sollte bis Spanien reichen, denn dort ist der Diesel erheblich günstiger als in Frankreich.

Als wir dann mit ausreichenden Lebensmittelvorräten gen Süden aufgebrochen waren, wussten wir noch nicht, wohin es uns wirklich verschlagen würde, denn wir haben uns bewusst nur die grobe Richtung gesetzt und wollten dann sehen, wo wir landen, bzw. erst vor Ort nach geeigneten Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Die französische Küste bis einschließlich Saint-Jean-De-Luz kennen wir aus den letzten Jahren schon ganz gut, so dass wir keine große Lust verspürten, diese erneut aufzusuchen, zumal der Verkehr an diesem Montag gewaltig war. Einige Ortszufahrten sind zudem eher für normale PKW als für Wohnmobile geeignet, falls sie nicht sogar aufgrund von Massen oder Größenbeschränkungen verboten sind. Zudem scheint es in Frankreich (zumindest an der südlichen Atlantikküste) den Trend zu geben, Wohnmobile nur noch auf (gebührenpflichtigen) Stellplätzen abstellen zu dürfen. Das mag für eine Übernachtung ja sinnvoll und akzeptabel sein, wobei man für das reine Parken manchmal mit 14 € und mehr zur Kasse gebeten wird, was ich schon als recht unverschämt empfinde, aber um nur mal eben einen Blick auf den Strand zu werfen?!? Wir haben uns der Gastfreundschaft jedenfalls gebeugt und sind weitergefahren. So sind wir viel schneller als ursprünglich gedacht in Spanien angekommen. Mit dem Grenzübertritt ändert sich von jetzt auf gleich auch die Landschaft grundlegend. War Frankreich noch weitestgehend flach, allenfalls hügelig, sind in Spanien sofort wirkliche Berge vorhanden. Der Verkehr wird deutlich ruhiger, auch wenn es in Spanien den ein oder anderen Roller- oder Autofahrer gibt, der seinen Schutzengel ganz schön strapaziert. Wir kommen dann recht schnell nach Donostia-San Sebastián und entschließen uns spontan noch einen Stadtrundgang zu machen, da wir hinter dem Stadion einen hervorragenden Parkplatz gefunden haben, an dem auch schon einige andere Reisemobilisten Halt gemacht hatten.

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Unser EU-GO mit zwei Geschwistern aus demselben Herstellungsort

Aus dem kleinen Stadtrundgang wurde dann ein mehrstündiger Spaziergang von etwa 11 Kilometern Länge…

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Dabei durften wir feststellen, dass sich die Leichtathletik in San Sebastian offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, denn der Trainingsplatz war voll von jungen Athleten, die auch nicht erst seit gestern dabei sind, denn die Bewegungen waren wirklich gekonnt (was wir als langjährige Leichtathleten durchaus beurteilen können). Am Fluss Urumea entlang wanderten wir so zuerst bis zum Meer und dann durch die sehenswerte Altstadt zurück Richtung Stadion. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, hier einige Impressionen. Wir sind abends jedenfalls hundemüde ins Bett gefallen, nicht jedoch ohne einen Obstsalat gegessen zu haben, dessen Zutaten wir teilweise in einem kleinen Geschäft auf dem Weg eingekauft haben.

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kitschiger Sonnenuntergang
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Das Rathaus mit der Bibliothek (im Keller)
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Ja, auch einen Kursaal gibt es…
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… ebenso wie nette Plätze

 

Wohnen in der Abstellkammer

So langsam geht es an den Endspurt unserer Wohnungsauflösung. Die Wohnung ist, ebenso wie die meisten Möbel, verkauft, unser Hab und Gut auf das Notwendigste reduziert. Nur die Dinge, die nicht so ohne Weiteres neu zu beschaffen sind, oder an denen Erinnerungen hängen, werden in Kisten verpackt und in Kellern und bei Verwandten eingelagert. Aktuelle lässt sich der Zustand am Besten als “geordnetes Chaos” umschreiben.

In der Wohnung gibt es verschiedene – mehr oder weniger große – “Haufen” von Kisten oder Dingen. So türmen sich in der einen Ecke die Dinge, die ins Wohnmobil einziehen werden, in der anderen Ecke die Dinge die nach Euskirchen fahren und an dritter Stelle die noch nicht verkauften oder abgeholten Dinge, von denen wir uns noch trennen werden.

Ab morgen wird auch unser Bett den Besitzer wechseln und wir werden bis auf Weiteres auf (noch) unserem Schlafsofa nächtigen, dass anschließend wie das meiste Inventar der Wohnung an den neuen Eigentümer übergehen wird.