Ausflug zum Yala-Nationalpark

Normalerweise steht man im Urlaub ja eher nicht so früh auf, und unser Surfen um 6 Uhr morgens sowie das damit verbundene Aufstehen um 5:30 Uhr ist jedes Mal eine Überwindung. Am heutigen Tag sollten wir bereits um 3:30 Uhr abfahren, um pünktlich zum Sonnenaufgang im Nationalpark zu sein. Also ging es bereits um 3 Uhr aus den Federn, was besonders hart ist, da die Zeitverschiebung zu Deutschland noch hinzukommt.

Nun könnte man meinen, dass wir ja während der Autofahrt hätten schlafen können, allerdings mag das für europäische Verhältnisse gelten, nicht jedoch hier in Sri Lanka, denn der Verkehr und die Fahrweise ist wirklich abenteuerlich. Nach mehreren Beinahezusammenstößen, bei Überholmanövern trotz Gegenverkehrs haben wir unseren Fahrer dazu aufgefordert, etwas zurückhaltender zu fahren, was dann auch funktioniert hat.

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Auch so kann Stau aussehen… Wasserbüffel voraus

Dennoch kamen wir nach knapp drei Stunden Fahrt rechtzeitig in Yala an und stiegen vom Toyota Prius in einen Jeep um, der uns dann in den eigentlichen Nationalpark bringen sollte. Wir hatten, wie schon bei der Bootstour, ein Fahrzeug für uns alleine. Der Fahrer war zwar recht gut im Auffinden von Tieren, allerdings konnte er nicht wirklich zwischen seinem Blickwinkel aus dem Fahrerhaus und dem der Gäste auf der deutlich erhöhten Ladefläche differenzieren, so dass er uns mehrfach vor einem Baum oder anderen Jeep parkte, ohne dass wir viel sehen konnten. Erst auf Zuruf unsererseits hat er dann die Position korrigiert.

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Manchmal waren wir auch deutlich näher dran… der Kollege scharrte schon mit den Hufen

Jedenfalls fuhren wir mit dem Jeep kreuz und quer durch den zweitgrößten Nationalpark Sri Lankas (mit einer Fläche von immerhin 1500 Quadratkilometern), immer auf der Suche nach Wasserbüffeln, Elefanten und Leoparden.

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Die Bienenfresser saßen häufig direkt an den Wegen und waren überhaupt nicht scheu.

Wasserbüffel und Elefanten haben wir mehrfach zu Gesicht bekommen, ebenso wie hunderte Vögel, darunter Reiher, Pfauen, Schwarzstörche, Pelikane sowie Bienenfresser und Warane, Krokodile, Wildschweine und mehrere Reh- und Hirscharten. Vom Leoparden haben wir eine recht frische Spur im Sand erkennen können, der Verursacher aber hatte sich gut versteckt. Es ist ohnehin faszinierend zu erleben, dass ein ausgewachsener Elefant etwa 15 Meter von einem entfernt im Gebüsch stehen kann, ohne dass man ihn wahrnimmt. Erst wenn sich der Riese bewegt und damit die Bäume und Sträucher in seiner Umgebung, hat man eine Chance. Dankbarerweise zeigte sich einer der Dickhäuter auf einer etwas freieren Fläche, so dass wir ihn in voller Pracht sehen konnten.

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Ein Elefant zeigte sich dann netterweise außerhalb des Dickichts… und der war echt groß!

Insgesamt waren wir etwa drei Stunden mit dem Jeep durch den Park unterwegs. Mehr musste dann auch wirklich nicht mehr sein, denn unsere Rücken waren von der doch recht heftigen Schaukelei ganz schön mitgenommen. Die recht sandigen Wege waren vom Wasser ausgewaschen mit teils tiefen Spurrillen, die den Jeep oft fast zum Umkippen brachten. Neben einem Gewässer direkt daneben, in dem sich Krokodile tummeln, fühlt sich das nicht besonders angenehm an. In Anbetracht der ebenfalls etwa dreistündigen Rückfahrt haben wir uns dann spontan gegen den mehr als zweistündigen Umweg nach Ella entschieden. So kamen wir noch am Nachmittag in Weligama an und konnten unsere mitgenommenen Rücken zuerst kurz im Bett liegend und dann in den warmen Fluten des Indischen Ozeans entspannen. Den Abend ließen wir dann mit einem Einkaufs- und Essengehbummel ausklingen, bevor wir hundemüde ins Bett fielen.

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Er hat sich ganz nett in Pose gestellt, aber leider ist der Einfall des Lichtes nicht ideal… das üben wir noch mal 😉
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Das Einzige, was wir von Leoparden zu Gesicht bekommen haben, war diese noch recht frische Fährte… Schade eigentlich…

8. Tag Marokko: Abreise und Flug von Agadir nach Düsseldorf

Der letzte Tag in Marokko war erneut von 250 Kilometern Busfahrt geprägt, die wir nach einem späten Frühstück antraten. Denn am letzten Tag fuhr der Bus erst um 10:30 ab. Die sonstigen Abfahrten waren eher zwischen 7 und 8 Uhr, so dass wir richtig Urlaub hatten. Wir kamen schon sehr zeitig am Flughafen in Agadir an, so dass ich auch noch einen Notausgangsplatz im Flugzeug bekommen habe, also wirklich recht bequem sitzen konnte. Diesmal durfte Sonja sogar neben mir Platz nehmen, denn oft werden wir sonst getrennt. Überhaupt muss ich das Bild von Condor und den Mitarbeitern revidieren. Diesmal hatten wir ein gut gelauntes und supermotiviertes Team an Bord, das es verstand verbindlich und freundlich mit den Passagieren umzugehen, ein absoluter Kontrast zum Hinflug. Ob die Übernahme durch die staatliche polnische Fluggesellschaft die Ursache ist, oder es sich einfach um motivierter Mitarbeiter handelt, ist schwer zu sagen. Wir haben es jedenfalls genossen.

Wir durften immerhin ganz normal ausreisen, was auf eine unserer Mitreisenden leider nicht zutraf, denn sie war nur im Besitz eines türkischen Passes und hat den deutschen Aufenthaltstitel verloren, was ihr neben einigen Behördenbesuchen auch einen längeren Marokkoaufenthalt beschert hat.

Wir hingegen sind ohne Komplikationen nach Düsseldorf geflogen und haben dort auch recht zügig den Zug nach Köln bekommen. Dort sahen wir den vorletzten Zug nach Euskirchen am Nachbargleis gerade noch abfahren, so dass wir uns bei einem warmen Kakao ins Schnellrestaurant gesetzt haben, um nicht eine Stunde in der Kälte zu stehen.

Um kurz vor 1 Uhr nachts kamen wir dann in Euskirchen an und wurden von Sonjas Vater Klaus am Bahnhof abgeholt. Anschließend fielen wir nur noch müde ins Bett.

Silvester 2019 und Neujahr 2020

Nach dem Spaziergang am Silvesterabend haben wir uns ziemlich schnell ins Bett begeben, da wir von der anstrengenden Fahrt ziemlich erschöpft waren. Der Wecker hat uns um 23:40 Uhr geweckt, so dass wir den Jahreswechsel im wachen Zustand verbringen konnten.

Den Jahreswechsel 2019/2020 haben wir in Argelès-sur-Mer verbracht. Ursprünglich wollten wir um 0 Uhr zum Strand gehen und dort ins neue Jahr feiern, aber es war uns schlicht zu kalt, denn Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich sind wir einfach nicht mehr gewöhnt. Außerdem haben wir keine echte Winterkleidung dabei. So sind wir beide teils kurz vor das Wohnmobil gegangen und haben den schönen Sternenhimmel angesehen, und den Rest des Abends haben wir im warmen Bett verbracht.

Pünktlich zu den Glockenschlägen um 24 Uhr (ok, es war gar keine Glocke hörbar) haben wir nach spanischem Brauch jeder zwölf Weintrauben gegessen. Das soll Glück für das neue Jahr bringen, und Glück können wir ganz sicher gebrauchen, sowohl für unsere weitere Reise, als auch für ein Leben „danach“.

Hier in Argelès-sur-Mer findet jedes Jahr am 1. Januar ein Neujahrsschwimmen statt, dass wir uns zumindest anschauen wollten. Wir sind ja sonst beide nicht wasserscheu, aber bei vorherrschenden 5°C ins 14 °C kühle Wasser zu springen und danach noch einen etwa zwei Kilometer langen Weg zurück zum Wohnmobil zu haben, das war uns dann doch zu heftig. Allerdings haben wir sie moralisch unterstützt und den vielen Badenden zugesehen. Es waren sicher über hundert Menschen im Wasser, um das neue Jahr so zu begrüßen.

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Das Anbaden 2020 in Argelès-sur-Mer vor der Kulisse der Pyrenäen und wolkigem Himmel bei eisigen Temperaturen.

Ob die Urkunde, die es dafür gab, für mache auch Motivation war, sei dahingestellt. Die weitaus meisten Teilnehmer hatten normale Badekleidung, also Badehose oder Badeanzug an, waren dafür allerdings auch mit etwas mehr Biopren (körpereigenes Isolationsmaterial, umgangssprachlich „Fett“) als wir ausgestattet. Dass das Oberflächen-/Volumenverhältnis bei etwas fülligen, möglichst großen Menschen günstiger ist, dürfte bekannt sein. Wer nun noch ein bisschen Material zum Angeben haben möchte, kann dabei noch die Bergmannsche Regel zitieren, denn was für Pinguine gilt, ist bestimmt für Menschen nicht falsch. (Hat ja niemand behauptet, dass man hier nicht noch essenzielles biologisches Fachwissen vermittelt bekommt…)

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Außerhalb des Wassers an der Strandpromenade wurde mit Musik „eingeheizt“.

Nach unserem Morgenspaziergang sind wir dann zum ausgiebigen Frühstück in den EU-GO zurückgekehrt und haben es uns bis zum frühen Nachmittag gemütlich gemacht. Ich habe dann weiter gelesen, und meine liebe Sonja ist joggen gegangen.

 

VW T5 Kastenwagen Selbstausbau (2014 bis 2015)

Nachdem unser Fort Transit Nugget ja sehr plötzlich verstorben war, wir aber noch mehrere Reisen mit dem Wohnmobil geplant hatten und außerdem unser Wohnmobil ja fast immer – so auch zu dieser Zeit – unser einziges Auto war, brauchten wir dringend Ersatz.

Auf die Schnelle fiel mir dann der liebe Ralf Zimmer von Autocollection.de in Bonn ein, der mir bereits den T5 Multivan sehr günstig als EU-Import besorgt hatte und uns auch mit seinen Kontakten bei der Beschaffung des Ford Transit Nugget sehr behilflich war. Und so kam es, dass wir nur wenige Tage nach unserem Kontakt einen Kastenwagen in Bonn abgeholt haben. Wieder lief alles reibungslos und absolut professionell ab. Wenn wir jemals wieder ein „normales“ Auto, also alles, was nicht Wohnmobil ist, benötigen sollten, wird Ralf Zimmer und Autocollection.de mein erster Ansprechpartner sein. Vor allem die offene und ehrliche, markenunabhängige Beratung und die unglaubliche Detailkenntnis des Firmeninhabers haben mich sehr beeindruckt, und die Hilfe endete nicht mit Abschluss des Kaufvertrages.

Jedenfalls stand dann ein leerer Kastenwagen (mit dem sehr schönen Nummernschild TR-EU 1010 – was der 10.10. für ein Datum ist, könnt ihr hier nachlesen) vor unserem Haus in Oberbillig. Ich habe mich dann daran gemacht, ihn zu isolieren (mit Armaflex), eine Innenverkleidung zu basteln, die Lampen durch LEDs auszutauschen, ein Bett und einen Innenboden aus Siebdruckplatte hineinzurasseln, so dass das Fahrzeug wenigstens ein rudimentäres Wohnmobil wurde, was wir dann allerdings schon nach einem Jahr gegen unserem Pössl Vario 545 eingetauscht haben.

Hier jedenfalls einige Bilder vom Auto und Ausbau:

Markttag in Oliva und Wassersportsession

Freitags ist Markt in Oliva und zwar nicht nur ein Touristenmarkt, sondern einer, bei dem die Einheimischen sich mit Obst und Gemüse eindecken. Sowohl Qualität, Frische als auch Preis lassen sich nicht mit dem Supermarkt vergleichen. Wir sind also bereits um 8:30 Uhr mit dem Fahrrad in Richtung Oliva aufgebrochen, haben zuerst noch den Hafen angesehen und sind dann zum Markt gefahren. Dort waren wir wirklich positiv überrascht und haben weit mehr als 10 kg Obst, Gemüse und Nüsse eingekauft, dafür haben wir deutlich weniger ausgegeben als im Supermarkt. Da unsere Gepäckkapazitäten dann schon ziemlich erschöpft waren, hat Sonja nur noch ein paar Kleinigkeiten im Aldi gekauft, und wir haben beschlossen, am Samstagvormittag erneut in die Stadt zu fahren, um die restlichen Vorräte aufzufüllen, da auf dem Markt eben zum Beispiel kein Käse angeboten wurde.

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Der Markt in Oliva, immer freitags und wirklich einen Besuch wert.

Als wir zurück am Campingplatz waren, wollten unsere Nachbarn gerade mit dem Auto in den Supermarkt fahren und haben uns netterweise angeboten, noch etwas Wasser mitzubringen. Da wir größere Massen schlecht auf dem Fahrrad transportiert bekommen und wir unseren EU-GO noch einige Zeit stehen lassen wollen, haben wir das Angebot gerne in Anspruch genommen und uns 30 Liter Trinkwasser mitbringen lassen. Damit können wir noch mal etwas länger als eine Woche überbrücken.

Am Nachmittag haben wir dann unsere SUPs aus der Surfbox geholt und auf einem testweise den Sitz zum kajakähnlichen Paddeln montiert. Erstmalig haben wir die Aufpumparbeit durch unseren Kompressor erledigen lassen, der über den notwendigen Druck von einem Bar nur müde gebrummt hat (denn er schafft mehr als 8 Bar). Das Aufpumpen hat ebenso wie mit der Handpumpe etwa 10 Minuten je Brett in Anspruch genommen. Allerdings spart es zwei mal 600 Hübe mit der Handpumpe, was vor allem rückenschonender ist. Außerdem ist der Strom auf dem Campingplatz ja eh bezahlt ;-).

Als wir dann mit den beiden SUPs auf dem Meer waren, schlief der Wind komplett ein (Super!) und die Wellen wurden wieder höher (fürs SUPen weniger toll). Also Beschloss Sonja kurzerhand, noch den Wellenreiter auszupacken und eine Surfsession anzuschließen. Da ich ja sowieso schon mit auf dem Wasser war, habe ich ein paar Fotos von Sonja gemacht. Außerdem habe ich auch versucht, einige Wellen anzupaddeln, allerdings sind diese für mich und mit Sonjas Wellenreiter doch etwas sehr klein gewesen. Dafür gibt es aber einige brauchbare Bilder von Surfingsonja in Ihrem Element:

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Miniwellen und eine strahlende Sonja
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Surfingsonja die Zweite… Die Welle, auf der sie surft, ist so klein, dass sie auf dem Bild kaum als solche zu erkennen ist.

Nach mehr als einer Stunde auf und im Wasser war es uns dann doch etwas kühl, und die Sonne ging unter. Also zurück zum EU-GO und anschließend unter die warme Dusche.

Anschließend lecker Abendessen und dann ins Bett, denn morgen dürfen wir ja zum Frühstück noch eimal 20 Kilometer Fahrradfahren um einzukaufen. Außerdem wollen wir morgen eventuell noch eine Waschmaschine waschen, denn danach soll es drei Tage lang immer wieder regnen. Wir werden sehen und lassen uns überraschen.

Reaktionen und Fragen von anderen Menschen zu unserer Langzeitreise

Wie ihr Euch vorstellen könnt, sind die Rückmeldungen und Reaktionen, die wir auf unsere „Auszeit“ bekommen, sehr unterschiedlich.

Am weitaus häufigsten haben wir bislang gehört: „Super, dass ihr das macht, aber wir könnten das nicht„. Dazu können wir natürlich wenig Konkretes sagen, da die Situation von Menschen ausgesprochen unterschiedlich sein kann, aber wir haben unterwegs ganze Familien mit zwei schulpflichtigen Kindern getroffen, die eine Lösung gefunden haben, um mindestens ein Jahr zusammen zu reisen. Daher sind die meisten Grenzen und Hindernisse, die Menschen mit einer solchen Auszeit haben, die eigenen Denkmuster und Gewohnheiten. Denn was nicht geht, damit muss man sich ja nicht weiter auseinandersetzen. Niemand muss so etwas machen, aber wir haben genügend ältere Menschen getroffen, die nun gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, längere Reisen zu unternehmen, und alle haben positiv auf eine rechtzeitige Reise reagiert. Denn immer bis auf die Rente zu warten, dass kann auch schief gehen, wie wir leider mehr als einmal erleben mussten.

Die am häufigsten gestellte Frage war: „Wie finanziert ihr denn Euer Leben so ohne Einkünfte?„. Die Antwort ist relativ simpel und unspektakulär, denn wir haben schlicht ganz altmodisch gespart und können von unseren Rücklagen einige (auch längere Zeit) unterwegs sein. Dazu war es natürlich wichtig, sich alle regelmäßigen Ausgaben genau anzuschauen und nicht wirklich benötigte Verträge zu kündigen und Kosten zu reduzieren. Das haben wir zum Beispiel auch durch die Aufgabe unserer Wohnung in Stuttgart getan, denn die laufenden Kosten wären ja geblieben, obwohl wir keinerlei Nutzen gehabt hätten.

„Ihr habt also wirklich alle Eure Möbel weggegeben?“
Ja, also „fast“. Unser Heimtrainer, das Clavinova und ein Bürostuhl, der extra für meine Körpergröße angefertigt wurde, und ein Bett haben den Weg zu Sonjas Eltern ins Haus gefunden und warten dort auf unsere zukünftige Bleibe, um wieder von uns genutzt zu werden. Alles andere an Möbeln haben wir tatsächlich entweder separat oder mit der Wohnung verkauft.

„Habt ihr also (fast) nur noch das, was ihr in eurem EU-GO dabeihabt?“
Nein. Neben Winter- und Büroklamotten (Anzüge, Hemden und so Zeug…) haben wir auch noch Fernseher, Staubsauger, Windsurfbretter, Kajaks, Bücher, Spiele, CDs eine Stereoanlage und diverse Kleinteile an unserem Hauptwohnsitz und in einem gemieteten Kellerraum untergebracht, so dass wir nicht alles neu beschaffen müssen, wenn wir irgendwann wieder sesshaft werden.

„Habt Ihr noch einen festen Wohnsitz?“
Ja, wir sind in unserer beider Heimatstadt Euskirchen nicht nur gemeldet, sondern haben dort unseren „Lebensmittelpunkt“, auch wenn wir aktuell vorwiegend telefonisch und per Internet verbunden sind. Allerdings war es uns wichtig, in Deutschland weiterhin sesshaft zu sein, denn wir haben ja beide im Jahr 2019 noch zum Großteil in Deutschland gearbeitet und müssen daher z.B. auch noch unsere Steuererklärung machen. Außerdem ist es überaus hilfreich, wenn Briefe in Deutschland zugestellt werden können. Wir erhalten über deren Inhalt dank netter Verwandter umgehend Auskunft, bzw. Scans oder Fotos, so dass wir auch unterwegs alle wichtigen und dringenden Dinge erledigen können. Auch unsere Versicherungen laufen teilweise entsprechend angepasst weiter. (Siehe auch Krankenversicherung auf Langzeitreisen – nicht ganz so einfach wie man zunächst denkt)

„Wie lange wollt Ihr unterwegs sein?“
Wir haben aktuell mal ein Jahr ins Auge gefasst, da wir aber (noch) kein konkretes Ende in Sicht haben, ist dieser Zeitraum flexibel.

„Macht ihr ein Sabbatical?“
Jein, denn wenn man damit eine Auszeit aus dem Berufsleben meint, ist die Antwort klar „JA!“ Die meisten verstehen darunter aber eine vom Arbeitgeber mehr oder weniger unterstützte Zeit, bei der der Arbeitsvertrag entweder ruht, oder aber die Freizeit vorgearbeitet wurde. Das ist bei uns nicht der Fall, da wir beide unsere jeweiligen Angestelltenverhältnisse durch Kündigung beendet haben. So haben wir im Anschluss an unsere Reise die Möglichkeit, uns an einem Ort der Wahl niederzulassen und neu zu beginnen.

„Was macht ihr danach?“
Das ist aktuell noch völlig unklar. Klar ist allerdings, dass wir beide wieder etwas arbeiten wollen. Was genau das sein wird, werden wir sehen, denn uns ist mittlerweile der Sinn der Arbeit deutlich wichtiger als nur der reine Broterwerb. Klar ein Luxus, den man sich auch erst einmal leisten können muss. Wir sehen uns also nach erfüllenden Tätigkeiten in Deutschland um, denn gerade weil wir schon eine Menge von der Welt gesehen haben, wollen wir Deutschland treu bleiben. Unsere deutlich bevorzugte Region ist der Norden Deutschlands, da uns sowohl die Landschaft und die Nähe zum Meer ebenso gefallen, wie die Mentalität der Menschen.

„Wo wollt ihr noch hin?“
Nach Frankreich und der Iberischen Halbinsel wollen wir auf jeden Fall noch nach Skandinavien, allerdings wohl erst im Frühsommer 2020. Wie die Reise bis dahin weitergeht ist von verschiedenen Faktoren abhängig, und auch eine Weiterreise bzw. ein Abstecher in andere Regionen der Welt ohne Wohnmobil sind explizit nicht ausgeschlossen. Wir wollen uns bewusst etwas treiben lassen, um auch auf äußere Einflüsse reagieren können. Bislang haben wir die Reise immer sehr nach dem Wetter ausgerichtet, aber auch familiäre Ereignisse oder potentielle Traumjobs können natürlich „dazwischen kommen“, und daher planen wir eher wochen- als monatsweise. So sind wir flexibel und haben keine Verpflichtungen.

Das Surfmekka Peniche – und es gibt wirklich viel zu sehen

Nach unserer Abfahrt in São Martiño do Porto wurde es dann fahrtechnisch wieder sehr interessant, aber das kennen wir ja von Portugal bereits. Jedenfalls sind wir dann ohne viele Unterbrechungen bis nach Peniche gefahren. Dort haben wir uns ganz dekadent wieder auf dem städtischen Campingplatz einquartiert. OK, wenn man bedenkt, dass dieser ganze 4,25 € pro Nacht kostet, ist es mit der Dekadenz vielleicht doch sehr relativ. Wichtig ist vor allem, dass dieser Platz sehr zentral liegt und zwei Strände mit sieben Namen (einzelne Strandabschnitte werden als neue Strände bezeichnet) zügig erreichbar sind.

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Der Strand mit den vielen Namen und tollen Wellen in Peniche

Kurz nach Ankunft und Frühstück (ihr kennt das ja schon…) sind wir dann am Nachmittag zu einem Spaziergang zum Leuchtturm aufgebrochen. Dieser war dann doch etwas über 12 Kilometer lang und wir haben die komplette Halbinsel umrundet, so dass wir uns das Abendessen, die heiße Dusche und das Bett redlich verdient hatten.

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Das Ziel – oder eher die Halbzeit unseres Spaziergangs um die Halbinsel – der Leuchtturm am Cabo Carvoeiro

Am nächsten Morgen sind wir „nur“ etwas mehr als fünf Kilometer entlang der Strände gegangen und haben dabei zuerst den „normalsterblichen“ Surfern und dann denn Profis der World Surf League zugesehen, die für den vom 16. bis 28. Oktober stattfindenden Wettkampf trainierten, bzw. die Bedingungen des Supertubos austesten wollten. Es war schon sehr beeindruckend, die besten Surfer der Welt in ihrem Element zu sehen, denn was diese so in den Wellen anstellen, ist für einen Menschen, der ungefähr weiß, wie man sich auf dem Brett hält, nahezu unvorstellbar. Wir hatten ja vor einigen Wochen bereits das Vergnügen, die Deutschen Meisterschaften in Saint Girons zu erleben, aber hier haben wir noch einmal deutliche Unterschiede zu den Weltbesten Surfern feststellen können. Am Wettbewerb wird auch kein Deutscher teilnehmen. Die Maßstäbe sind jedenfalls komplett andere als bei den Deutschen Meisterschaften, denn es wird praktisch eine Kleinstadt errichtet. Am Tag vor dem Wettkampf kamen wir jedenfalls sehr nah an die Location heran und waren mittendrin. Mal sehen, ob uns das in den nächsten Tagen auch gelingt?!?

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Die Aufbauten für den Wettkampf der World Surf League am Tag vor dem Wettkampf.

Die Feuerwehr von Peniche war mit Ihrem Einsatzleitwagen auch bereits vor Ort, und ich durfte einen kurzen Blick in das Fahrzeug werfen. Die Ausstattung entspricht ungefähr einem geländegängigen ELW2 einer deutschen Feuerwehr. Danke an die Kameraden aus Portugal.