Am schönsten Ende der Welt zu unschönen Zeiten

Der Bergpapagei Kea ist auch sehr selten und wir hatten heute gleich zweimal das Glück jeweils einen zu sehen und zwar jeweils aus nur wenigen Metern Distanz.

Früh um 6:45 Uhr starteten wir heute in Richtung Fiordland-Nationalpark. Die 120 kilometerlange Milford Road führt uns zur majestätischen Landschaft des Milford Sounds. Wir schauten uns den zerklüfteten Fjord bei einer anderthalbstündigen Bootsfahrt aus nächster Nähe an und waren sehr beeindruckt. Allerdings waren wir inklusive Crew mit 22 Personen an Bord und es war die letzte Fahrt dieses Schiffes für unbestimmte Zeit. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung bei der Crew, die praktisch komplett arbeitslos wird. Wir sind unendlich dankbar, dass wir die beeindruckende Natur noch erleben durften. Seit einigen Tagen sind wir allerdings im engen Kontakt mit dem Reiseveranstalter bezüglich der Optionen am Ende der Reise.

Die Hafenausfahrt in Milford
Pelzrobben gab es auch zu sehen.

Nach der Schifffahrt besuchten wir noch zwei weitere Aussichtspunkte auf kleinen Spaziergängen. Auf dem Rückweg blieb immer wieder Zeit für Fotostopps an Wasserfällen oder besonders beeindruckenden Bergformationen, bis wir gegen Abend wieder zurück in Te Anau ankamen.

Der Walk entlang des Fjords, der fälschlicher Weise Sound genannt wird, war auch sehr schön.

Dort hatten wir dann erstmalig wieder Internetzugang und uns erreichte die Nachricht, die wir schon lange befürchtet haben, nämlich das unser Flug nicht mehr wie geplant stattfinden wird. Aktuell sieht es noch so aus, als ob wir mit Emirates und dem gebuchten Flug bis Dubai kommen könnten. Allerdings ist der Anschlussflug nach Frankfurt gecancelt. Wir werden nun (da heute Sonntag ist) bis morgen Abend warten müssen, bis es weitere Informationen gibt. Der Kontakt zu der Fluggesellschaft und zum auswärtigen Amt ist aktuell leider nicht mehr möglich, so dass wir selbst mit der Reisegruppe und dem Veranstalter sehen müssen, wie es weiter geht.

Wir wünschen Euch alles Gute und können leider auch nicht nur über die heile Welt berichten, die es in aktuellen Zeiten nirgendwo zu geben scheint. Warum sind wir überhaupt weggeflogen? Weil es zu dem Zeitpunkt als wir Deutschland verließen noch keine Anzeichen gab, dass die Entwicklung so dramatisch sein würde. Es gab keine Reisewarnung, keine Empfehlung auf Reisen zu verzichten.

Am heutigen Tag haben wir so viele Glücksbringer getroffen, zwei Keas an einem Tag, den kleinen Fächervogel, Delphine im Milford Sound, einen Silberreiher, strahlenden Sonnenschein und Regenbogen, so dass wir hoffen, dass wir auch in den nächsten Tagen und Wochen Glück haben werden.

Denn selbst wenn wir zurück nach Deutschland kommen, haben wir auf den Flughäfen zwangsläufig und trotz aller Vorsichtsmaßnahmen das Risiko uns zu infizieren. Da alle potentiellen Menschen, bei denen wir in Deutschland unterkommen könnten Risikogruppen angehören, wollen wir uns dann komplett für 14 Tage isolieren. Dazu stehen wir im Kontakt mit unserem Wohnmobilhändler Dörr, bei dem unser EU-GO aktuell in der Werkstatt steht. Herr Dörr hat selbst am Wochenende sehr freundlich geantwortet und sollten wir es irgendwie ins Saarland schaffen, werden wir auch an das Wohnmobil kommen um darin 14 Tage isoliert leben zu können. Wir würden dann bei Verwandten in der Nähe des Hauses stehen, denn so wäre auch unsere Versorgung und Entsorgung sichergestellt. Leider ist das aktuell erst der letzte Schritt, aber ihr merkt, dass wir schon sehr lange verschiedene Optionen prüfen.

Bitte bedenkt auch, dass unsere Berichte mit mehrtägiger Verzögerung erscheinen und daher manche Informationen bereits bei Veröffentlichung veraltet sein können. Dennoch wollen wir Euch weiter an den Erlebnissen und Herausforderungen teilhaben lassen.

Ein ganz großer Dank gilt bereits jetzt unseren Eltern und Verwandten, Freunden und Bekannten, der Firma Dörr, unserem Reiseleiter Jürgen, unserem Fahrer Michael und allen Menschen, die uns die Daumen drücken. Wir sind sehr froh, dass wir nicht alleine sind und uns beide haben.

Postkartenmotive auf dem Weg nach Süden

Auf dem Weg nach Wanaka hielten wir immer wieder für kleine Wanderungen und Fotostopps. Der heutige Tag war so ereignisreich und eindrucksvoll, dass es mir wirklich schwer fällt alle Highlights zu erwähnen. Zuerst hielten wir unmittelbar am Strand, am Rande des Highways an und konnten bereits aus dem Bus Hektor-Delphine beobachten. Da die kleinste und auch eine der seltensten Delphinarten eher selten springen, war meist zwar nur die Rückenflosse und ein Teil des Rückenflosse zu erkennen, aber immerhin!

Weiter ging es zu zwei kleineren Wanderungen von je einer halben Stunde Länge, bei denen wir erneut Delphine am Strand sahen und ein besonders verspieltes Exemplar sprang sogar in die Luft. Der andere Teil führte dich sehr beeindruckenden Regenwald, der heute immer wieder seinem Namen alle Ehre machte. Die Pflanzen standen teilweise im Wasser oder Sumpf.

Der dunkel eingefärbte Fluss mitten durch den Regenwald

Anschließend besuchten wir einen Wasserfall, der über 100 Meter in die Tiefe stürzt, bevor wir unsere Mittagspause in Haast machten.

Schon beeindruckend, wie das Wasser aus großer Höhe herabfällt.

Von dort aus ging es weiter ins Landesinnere und zum nächsten Stopp für einen Walk zu den Blue Pools. Der Weg führte über eine recht lange und wacklige Hängebrücke (immerhin mit einer maximalen Belastbarkeit von 10 Personen) zu den Blue Pools, einer kristallklaren Serie von Wasserbecken, die über die Jahrhunderte aus den Steinen gewaschen wurden.

Die Blue Pools luden heute aufgrund der kühlen Temperaturen eher nicht zum Schwimmen ein, waren aber toll anzusehen.

Unser Weg nach Wanaka führte uns weiter über den Haast-Pass, eine der atemberaubendsten Strecken unserer bisherigen Reise! Wir hielten mehrfach, vor allem für Fotos der Bergkulisse vor den Seen, an.

Ein Blick auf See und Berge, den man so such nicht alle Tage genießen darf.

Am frühen Abend erreichten wir dann, mit vielen Fotos und noch deutlich mehr Eindrücken, die am gleichnamigen See gelegene Kleinstadt Wanaka. Außer einem kurzen Einkaufsstopp für unser Abendessen, dass Sonja dann wieder für uns zauberte, haben wir nicht mehr viel unternommen und fielen müde ins Bett.

Das Oceanogràfic in Valencia – ein unvergesslicher Besuch!

Wie bereits geschrieben, haben wir den Mittwoch im Oceanografic in Valencia verbracht. Generell bin ich, was die Präsentation von Lebewesen in Zoos oder Tierparks angeht, ja immer recht skeptisch, da naturgemäß zu wenig Raum zur Verfügung steht, und der Auslauf der Tiere sich daher in Grenzen hält (für Fische und schwimmende Säugetiere gilt entsprechendes). Was wir allerdings am heutigen Tag erleben durften, waren wahnsinnig engagierte und motivierte Tierpfleger, die jedes der Tiere beim Namen und  mit den Eigenheiten kannten.

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Der Eingangsbereich mit Informationszentrum wirkt ebenso gepflegt wie die gesamte Anlage

Ein eindrucksvolles Beispiel erlebten wir bei den Pelikanen: Ein besonders neugieriger Kollege hat bei der Fütterung im Nachbargehege sein eigenes verlassen und ist in den Bereich zwischen zwei Holzgittertore geflogen. Eine Tierpflegerin ging daraufhin zwischen die Tore, von denen eines direkt an den Besucherbereich grenzte, sprach den Vogel mit Namen an und sagte ihm, er solle doch mitkommen. Dann öffnete sie die Türe zum Pelikangehege, hielt die anderen Vögel durch Worte und Gesten zurück und ermöglichte dem Ausbrecher so einen bequemen Rückweg. Dieser blieb allerdings kurz vor dem Tor stehen und hatte offensichtlich keine Lust auf seine Artgenossen. Daraufhin schloss die Tierpflegerin das Tor zum Pelikangehege wieder und meinte: „Wenn du es nicht einfach haben willst, dann musst du eben selbst zusehen wie du wieder zurückkommst… Raus hast du es ja auch alleine geschafft“. Sie verließ den Bereich zwischen den Toren und den vorwitzigen Pelikan und zog eine Absperrung einige Meter weiter vorne zu. Den umstehenden Besuchern erklärte sie, dass die Pelikane gerne mal nach den Besuchern schnappen und sie daher zur Sicherheit der Besucher diese Absperrung vorgenommen habe.

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Der etwas sehr neugierige Pelikan, der sich von seinen Artgenossen (im Hintergrund) abgegrenzt hat…

Einen solchen motivierten und engagierten Umgang mit den Tieren haben wir gleich mehrfach feststellen dürfen. Alle Menschen, die mit den Tieren zu tun hatten, wirkten absolut konzentriert, fröhlich und in ihrem Element. Einen solchen Tierpark habe ich bislang noch nicht erlebt, ein großes Kompliment an das Management. Die Gestaltung der einzelnen Gehege und Aquarien ist dem natürlichen Lebensraum möglichst nachempfunden. Es gibt keine unglaubliche Anzahl verschiedener Arten, dafür wird auf die Bedürfnisse jeder einzelnen wohl tatsächlich eingegangen, denn alle Tiere waren topgepflegt und augenscheinlich kerngesund. Der Bildungsauftrag wurde durch entsprechende kurzweilige Infografiken und Informationen ebenfalls nicht vernachlässigt, Schulklassen gleich von mehreren Angestellten begleitet. Und ja, der Eintrittspreis ist mit 30,70€ pro Erwachsenem recht hoch, aber das Geld wird offensichtlich auch zum Wohle der Tiere eingesetzt (es gibt zum Beispiel eine Krankenstation für verunfallte Meeresschildkröten).

Die in der Delphinshow eingesetzten Tiere sind allesamt gerettete Tiere, die wieder aufgepeppelt wurden. Manchem Tier sieht man das auch noch an, denn so fehlen Teile von Flossen, oder große Narben sind erkennbar. Allerdings ist allen Tieren der Spaß anzumerken, und auch wie sie mit Ihren Trainern interagieren ist absolut vertrauensvoll. So war zum Beispiel im Nachbarbecken zum Showbecken zu beobachten, wie Tiere, die nicht an der Show beteiligt waren, ebenfalls kleine Kunststücke vorführten.

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Verspielte und motivierte Tiere und Mitarbeiter in der Delphin-Show

Natürlich dürfen auch ein paar Bilder nicht fehlen, sie können aber das Erlebnis vor Ort nicht ersetzen. Falls Ihr einmal nach Valencia kommen solltet, der Besuch im Oceanografic sollte eingeplant werden (nicht unter einem halben Tag!).

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Wunderschön in Szene gesetzte Medusen, die Aufzucht wird in gläsernen Labors ebenfalls für den Besucher sichtbar durchgeführt

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Mit einer Glasscheibe getrennt und entsprechend beleuchtet sehen die Tiere wirklich toll aus, im Meer begegnet man ihnen doch eher ungerne…

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Auch Clownfische dürfen – spätestens seit Nemo – in einer solchen Ausstellung nicht fehlen!

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Auch Aquarien für Großfische sind gleich mehrere – nach Herkunftsregionen getrennte – vorhanden. Durch dieses kann man in einem gläsernen Tunnel hindurchgehen und Haie, Rochen und viele andere Fischarten aus nächster Nähe (wie hier Sonja) erleben. Genau dieses Aquarium ist das größte Europas mit einer Füllmenge von 7 Millionen Litern Wasser! Die Gesamtwassermenge de Komplexes beträgt 42 Millionen Liter!