Von Sevilla an die Küste nördlich von Cádiz – einen ganzen Tag ohne Meer, das geht ja nicht…

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in Sevilla, die recht früh nicht mehr ganz so ruhig war, da die Arbeit in einem Hafen wohl früh startet. Wie nah wir am Hafen und der damit verbundenen Betriebsamkeit waren, hatten wir am Vortag gar nicht so richtig wahrgenommen, denn am Sonntag war es sogar im Hafen ruhig. Das änderte sich allerdings dann am frühen Montag, dennoch haben wir sehr gut geschlafen, was vermutlich auch an  der Anstrengung des gestrigen Tages gelegen hat.

Bereits am Abend hatten wir beschlossen, dass wir nun wieder ein wenig Urlaub benötigen und etwas länger an einem Ort bleiben wollen. Dass dieser Ort möglichst direkt am Meer liegen sollte, war ja eigentlich klar. So haben wir uns für einen Campingplatz in der Nähe von Rota entschieden, den Camping Aguadulce (woher der Name kommt, haben wir bislang noch nicht herausgefunden, denn das Meerwasser ist bekanntlich salzig und weniger süß). Was allerdings sehr süß ist, ist die Distanz vom Platz zum Meer, was den Ausschlag gegeben hat, sich für diesen Platz zu entscheiden.

Nach einer morgendlichen Dusche, die der Stellplatz in Sevilla ja ebenso wie Toiletten anbot, der Leerung unseres Brauchwassertanks und der Abrechnung fuhren wir dann also schon recht bald wieder gen Südwesten in Grobrichtung Cádiz. Die Straßen waren viel besser, als wir es von Portugal gewohnt waren, und so kamen wir äußerst zügig voran. Mitten im Nirgendwo sahen wir dann auf einem Hügel ein prächtiges Bauwerk…

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Die Kirche in El Palmar de Troya

Natürlich haben wir angehalten, und da wir mal wieder Glück hatten, war das Tor von einem der Angestellten gerade geöffnet worden, so dass wir genau dieses eine Bild machen und einen Blick auf die Kirche erhaschen konnten. Das Gelände durften wir als “Ungläubige”, die zudem nicht festlich genug gekleidet waren (wir wollten ja auch Auto fahren und nicht heiraten), nicht betreten. Es stellte sich heraus, dass diese Kirche das Zentrum der “palmairanischen Kirche” darstellt. Diese Glaubensgemeinschaft, die sich als verbliebener Rest des “wahren Katholizismus” sieht, erkennt die Veränderungen des zweiten Vatikanischen Konzils nicht an und hat folglich auch einen eigenen Pabst. Die Messe wird nach wie vor in Latein gelesen und der Zehnt eingefordert. Die Kirche hat weltweit etwa 10.000 Mitglieder, viele davon auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So erklärt sich auch, dass mitten in der öden Landschaft ein solch prächtiges Bauwerk entstehen konnte, denn alles, was dafür gespendet wurde, wird im Leben nach dem Tode hundertfach zurückgegeben… Eigentlich logisch, dass vor allem Schwaben sich auf einen solchen Deal einlassen… Tatsächlich ist in Stuttgart wohl ein großer Teil der deutschen Anhänger zu finden, wie uns der Mitarbeiter erklärte. Außerdem erhielten wir auch Informationsmaterial auf deutsch.

Derart informiert machten wir uns dann auf die Weiterfahrt an die Küste. Kurz vor dem eigentlichen Ziel fand Sonja wieder eine ausgesprochen günstige Tankstelle, so dass wir unseren Treibstoffvorrat auffüllen konnten, und anschließend erledigten wir das auch noch mit den Vorräten für uns und kauften reichlich Nahrungsmittel ein. Die enge Zufahrt und der Parkplatz, der eigentlich nach deutschen Maßstäben lediglich für Kleinstwagen geeignet war, schreckte uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr ab.

Bereits gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz und stellten fest, dass dieser zu einem großen Teil von Dauercampern genutzt wird, diese aber nicht anwesend waren. Kurzum, es ist absolut ruhig und Menschen sehen wir eher selten. Die ideale Lage direkt am Strand hat sich bewahrheitet, denn von unserer Parzelle bis zum Meer sind es nicht einmal 100 Meter.

Natürlich haben wir auch den Strand direkt mit einem Spaziergang erkundet und nach knapp 5 Kilometern in eine Richtung umgedreht. Auf dem Rückweg gingen wir nicht direkt am Strand, sondern auf einem direkt dahinter liegenden Weg entlang. Dort waren auf dem Golfplatz tatsächlich vereinzelte Menschen zu sehen, alle Häuser und Wohnungen, die wir sahen, wirkten vollständig ausgestorben und das, obwohl die Luft mit 20 °C durchaus noch angenehm warm ist, und sogar das Wasser eine Temperatur von 19 °C hat. Auf dem Rückweg hörten wir mehrere Male laute Knallgeräusche vom Meer, und wir haben eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass die spanische Marine dort wohl ein Manöver abhielt, denn vereinzelt war auch Leuchtmunition zu erkennen. Unwahrscheinlich ist das hier nicht, da in Rota einer der größten Marinestützpunkte Europas liegt, was wir aber auch erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden haben. Unter anderem leben auf der Base auch 3000 Amerikaner. Rota wurde im März 2019 sogar Operationshauptquartier der EU, auch eine Folge des Brexit, denn das Hauptquartier in Northwood (GB) wurde durch Rota ersetzt. Eines der fünf Hauptquartiere liegt übrigens in Potsdam (wo da ausreichend Wasser ist, ist mir allerdings ein Rätsel…). Es ist schon erstaunlich, wie nahe man an Ereignisse des Weltgeschehens kommt, ohne sich wirklich damit zu beschäftigen, denn wir verzichten aktuell bewusst auf “Nachrichten”.

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Ein Schiff der (spanischen?) Kriegsmarine

Reisebericht über die letzten Tage und unsere Fahrt an den südfranzösischen Atlantik

Nun sind wir schon eine Woche unterwegs, begonnen mit unserer Fahrt nach Südfrankreich am Dienstag Morgen, nachdem wir eine Nacht mit meinem Bruder als Nachbarn in seinem VW-Bus am Moselufer verbracht hatten.

img_1274Die erste Etappe nach einem Einkauf und noch einmal Volltanken in Luxemburg ging über 800 km bis in die Nähe von Poitiers, alles über Nationalstraßen, die mittlerweile in Frankreich super gut ausgebaut sind, meist zweispurig wie Autobahnen, so dass wir also recht zügig voran kamen. Im Wechsel alle paar Stunden mit kurzen Boxenstopps kamen wir noch im Hellen an unserer Schlafstätte auf einem Carrefour-Parkplatz mitten im Nirgendwo jenseits der kostenlosen Autobahn an, wo wir dann auch unseren fast leer gefahrenen Tank endlich wieder auffüllen konnten. Die Tankstellen waren da unten recht rar gesät, so dass wir schon unser Navigationsgerät nach der nächsten Tankstelle befragen mussten. Mit dem Erfolg, dass wir diese Bedienfunktion demnächst etwas früher nutzen werden, um unnötigen Stresssituationen mangels Kraftstoff zu vermeiden. Unterwegs machen wir nämlich öfter mal spaßeshalber so Spekulationsspielchen wie „es kommt noch eine günstigere Tankstelle“ 🙂 mit dem Resultat, dass gar keine mehr kam. Aus Fehlern lernt man!

Zum Fahrverhalten unseres neuen Mobils kann ich nur schwärmen, wie souverän und stabil es sich fahren lässt. Der starke Motor schafft es auch bergauf noch, langsamere LKW locker zu überholen, ohne selbst ins Straucheln zu geraten. Aber mit Tempomat bei 100 km/h ist man sehr entspannt wie auf Schienen unterwegs. Unser Pössl war wegen seines Hochdachs sogar windanfälliger, außerdem bringt der EU-GO einfach mehr Gewicht auf die Straße und liegt so sicher auf der Straße auch in Kurven und Autobahnauffahrten. Wenn man einmal die Spur im Kreisverkehr kennt, die man zu fahren hat, und bei Kurven die Rückspiegel geschickt nutzt, kommt man überall durch und rum. Alles in Allem: Das Fahren mit unserem EU-GO macht einfach Spaß!

Die Nacht auf dem Parkplatz war eine gute Entscheidung, da ruhig gelegen und sicher. Morgens haben wir ausgeschlafen und in dem Carrefour noch etwas Proviant besorgt. Nach weiteren 5 Stunden Fahrt kamen wir ziemlich entspannt am frühen Nachmittag auf unserem langjährigen Campingplatz unserer Sommerurlaube St. Martin in Moliets-Plage an. Hier kennen wir schon alles, selbst die Shopbesitzer an der Strandpromenade. Da jetzt Nachsaison ist, hatten wir auch eine gute Platzauswahl, und man kam unseren Wünschen entgegen.

Wellentechnisch hatten wir noch nicht viel Glück, aber es kann nur noch besser werden. Bis auf heute waren wir zumindest sonst jeden Vormittag im Wasser. Nachmittags stand dann meist ein ausgiebiger Strandspaziergang wegen des starken Windes auf dem Programm. Unser befreundetes Ehepaar, mit dem wir uns hier oft zum Surfen treffen, ist auch gestern eingetroffen. Ebenfalls kennen wir schon ein weiteres Ehepaar aus Trier, welches auch jedes Jahr hier Urlaub macht.

Die Wetteraussichten für die nächsten 2 Wochen sind sonnig, so dass wir diese sicher noch auf diesem Platz verbringen werden.

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