Der 23. 12. 2019…

ist nicht nur der Vorabend von Heiligabend, sondern gleichzeitig Sonjas und mein zehnter Hochzeitstag, wir sind also heute tatsächlich seit 9 Jahren verheiratet. Vor 9 Jahren waren die Temperaturen allerdings deutlich andere, denn wir haben an der Nordsee in Dänemark, genauer in Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, geheiratet. Zu dieser Zeit war die Nordsee mit etwa 15 Zentimeter dickem Eis bedeckt, und am Tag unserer Hochzeit erreichte die Temperatur nur etwa -10°C.

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Vor 9 Jahren war es auch sonnig, aber deutlich kälter!

Heute war das Wetter zwar ähnlich sonnig, die Temperaturen lagen allerdings  etwa 30°C höher als damals, was schon sehr angenehm ist.

Zur Vorgeschichte der Hochzeit könnt Ihr hier nachlesen.

Am heutigen morgen waren wir gemeinsam in der Stadt auf dem Markt und haben unsere Obstvorräte wieder aufgefüllt. Außerdem sind wir noch über den restlichen Teil des Marktes geschlendert und haben uns die dort angebotenen Kleidungsstücke angesehen, die aber eher weniger unseren Geschmack trafen. Anschließend spazierten wir an der Strandpromenade – mit 13 kg Obst im Gepäck – zurück zum Campingplatz. Sonja sprang danach noch einmal kurz in die Fluten und versuchte einige Wellen zu erwischen, die aber mittlerweile schon sehr klein geworden waren. Anschließend frühstückten wir gemeinsam wie immer ausgiebig und unterhielten uns intensiv über die Vergangenheit und die weitere Zukunft.

Nachmittags wollte Sonja noch einmal in die Stadt und noch ein paar Kleinigkeiten im Supermarkt einkaufen, während ich diese Zeilen tippe. Denn auch wenn wir uns nach vielen Jahren noch sehr gern haben, so ist eines der Geheimnisse weiterhin gut miteinander auszukommen, dem jeweils anderen auch Zeit für sich zu lassen. Das ist besonders wichtig, wenn man wie wir aktuell auf etwa 9 Quadratmetern permanent zusammen ist.

Dabei hat sie natürlich noch ein wenig einem anderen Surfer zugesehen, der täglich hier ebenfalls übt.

Nun lassen wir den Abend ruhig bei einem leckeren Essen ausklingen.

Die Weihnachtslotterie und noch ein wenig Alltag

Wie ja schon im gestrigen Artikel erwähnt, wollen wir bei der berühmten spanischen Weihnachtslotterie um „El Gordo“ – „Den Dicken“ mitspielen. Streng genommen wird nur der Hauptpreis so bezeichnet, nicht die Lotterie, auch wenn viele Menschen das synonym gebrauchen. Dazu hatten wir uns bereits gestern erkundigt, wo man die Lose erwerben kann. An dieser Stelle fanden wir heute dann tatsächlich einen Losverkäufer, der allerdings nur für andere Lotterien (ONCE) Lose verkaufte, aber sehr auskunftsfreudig war und uns zur staatlichen Lotterieverkaufsstelle geschickt hat. Dort konnten wir dann tatsächlich Lose für uns erwerben, die wir uns gegenseitig zu Weihnachten schenken. Der Vorteil ist, sie nehmen keinen unnötigen Platz weg. Wahrscheinlich gewinnen wir eh nichts und wenn, dann ist Geld  nie ein Problem bzw. lediglich Zahlen auf dem Konto 😉

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Sonja mit unseren Losen vor dem Lotteriebüro

Die Ziehung der Gewinne findet am 22. Dezember ab 9 Uhr morgens statt. Die gezogenen Losnummern werden traditionell im Madrider Opernhaus gezogen. Dafür stehen zwei Lostrommeln, in denen sich kleine Holzkugeln aus Buchsbaumholz befinden, zur Verfügung. In der einen Trommel befinden sich die Kugeln mit den Losnummern und in der anderen die Gewinnklassen. Die Gewinnzahlen werden also nicht einzeln zusammengestellt, wie beim „deutschen Lotto“, sondern als Ganzes aus der Lostrommel gezogen. Anschließend wird der Losnummer ein Gewinn zugeordnet.

Die Holzkugeln fallen aus den Trommeln in kleine Glasschalen und werden von dort aus von Schülern des Madrider Colegio de San Ildefonso, einem ehemaligen Waisenhaus für Jungen, das mittlerweile eine Schule für Jungen und Mädchen (aus zum Großteil schwierigen Familienverhältnissen) ist, vorgesungen. Dabei singt ein Kind die Losnummer und das zweite Kind die Gewinnsumme.

Die Kinder gehen singend mit den Kugeln zu den offiziellen Vertretern der Lotterie, die sowohl Losnummer als auch Gewinn bestätigen.

  • Bei der größten Lotterie der Welt liegen 2,4 Milliarden Euro im Jackpot
  • Der Hauptpreis „El Gordo“ liegt bei 4 Millionen Euro
  • Die erste Ziehung von „El Gordo“ war im Jahr 1812 in Cádiz.
  • Insgesamt gibt es bei der spanischen Weihnachtslotterie 100.000 Lose mit den Gewinnzahlen 00000 bis 99999.
  • Die Nummern werden in sogenannte Serien eingeteilt. Das bedeutet, dass jede Losnummer 170 Mal ausgegeben wird.
  • Die Gewinnchancen auf den Hauptgewinn „El Gordo“ stehen daher bei 1:100.000, was sehr gut ist, wenn man bedenkt, dass beim Lotto die Chance auf den Hauptgewinn bei 1:140.000.000 liegt
  • Ein ganzes Los für „El Gordo“ kostet hier in Spanien 200 Euro, über das Internet in Deutschland kommen dann noch Gebühren des Anbieters hinzu.
  • Die Spanier kaufen für „El Gordo“ üblicherweise Zehntellose (“Décimos“), womit man ein Zehntel des gesamten Gewinns bekommt, genau so haben wir es auch gehandhabt und Zehntellose zu je 20 € erworben. Damit sind natürlich auch die Gewinne gezehntelt. Im Falle des Gewinns von „EL Gordo“ währen es  dann „nur 400.000€“.

Es gibt unterschiedliche Gewinnklassen, die zufällig auf die gezogenen Losnummern verteilt werden:

  • 1x Erster Preis: 4.000.000 Euro
  • 1x Zweiter Preis: 1.250.000 Euro
  • 1x Dritter Preis: 500.000 Euro
  • 2x Vierter Preis: 200.000 Euro
  • 8x Fünfter Preis: 60.000 Euro
  • 794x Sechster Preis: 1.000 Euro

Hinzu kommen die Zusatzgewinne:

  • Jeweils 20.000 Euro für die Losnummern direkt vor und nach dem Hauptgewinn
  • Jeweils 12.500 Euro für die Losnummern direkt vor und hinter dem zweiten Preis
  • Jeweils 9.600 Euro für die Losnummern direkt vor und hinter dem dritten Preis
  • 297 x 1.000 Euro für die Losnummern, welche mit den ersten 3 Ziffern des ersten, zweiten oder dritten Preises übereinstimmen
  • 997 x 1.000 Euro für die Losnummern, welche mit den letzten beiden Ziffern des ersten, zweiten oder dritten Preises übereinstimmen
  • 999 x 200 Euro für alle Losnummern, deren letzte Ziffer mit der letzten Ziffer des ersten Preises übereinstimmt

Auf den ersten Blick ziemlich kompliziert, aber eigentlich ganz logisch…

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Auf der Rückseite der Lose sind die Gewinnklassen und Regeln auch noch einmal in Kurzform aufgedruckt. (Da auf der Vorderseite die Losnummer zu sehen sind, enthalten wir Euch diese vor, falls wir doch noch reich werden… )

Nun werden wir wohl am 22. Dezember morgens mit mehr als der Hälfte der spanischen Bevölkerung vor irgendeinem Bildschirm sitzen und die Ziehung verfolgen.

Sonst haben wir lediglich eingekauft und dabei haben sowohl Sonja als auch ich etwas mehr als 20% unseres Körpergewichtes in Lebensmitteln und Wasser aus der Stadt zu unserem Auto getragen, was immerhin etwas über 2 Kilometer sind.

Wer meinte, das sei dann Sport genug, der hat sich in Sonja getäuscht, sie war noch Laufen und anschließend kurz surfen, musste aber feststellen, dass die Wellen heute nicht besonders gut surfbar waren…

Und neben diesen Aktivitäten hat meine liebe Sonja mir noch die Haare geschnitten, und natürlich haben wir wieder ausgiebig gefrühstückt und zu Abend gegessen.

Jetzt bin ich mal gespannt, wer bis hier hin wirklich gelesen hat… Das war ein langer Text… Lasst gerne einen Kommentar da, wir freuen uns darüber!

Valencia erkunden mit dem Bus und per Pedes

Bereits gestern sind wir von Oliva, mit mehreren Einkaufs- und Tankstops, in die Nähe von Valencia, auf den Campingplatz Coll Vert gefahren.

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Imposante ältere Gebäude, die heute meist von Banken genutzt werden, gibt es jede Menge…

Heute sind wir zur Abwechslung noch einmal früh aufgestanden und vor 9 Uhr mit dem Linienbus in die Stadt Valencia gefahren. Dort haben wir dann den ersten Stadtrundfahrt-Bus der roten Linie genommen, der sich durch die historische Altstadt bewegt. Dabei haben wir schon eine grobe Orientierung bekommen und da die Altstadt aber garnicht vollständig vom Bus durchfahren werden kann, sind wir im Anschluss an die 90-minütige Tour zu Fuß durch die engen Gassen spaziert.

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Der Turm und das Portal der Kathedrale mit einer schönen Krippe im Park davor.

Im Inneren viel beeindruckender als die (kostenpflichtige) Kathedrale war allerdings die Basilika. Das hat Valencia dann mit Trier gemeinsam. In beiden Städten sind die beiden Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft untergebracht und von außen wirkt die Basilika in beiden Fällen recht unscheinbar.

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Versteckt hinter hohen Mauern findet sich auch so manche Besonderheit, wie hier der Jardines de Monforte

Im Anschluss haben wir dann den Tag mit der weiteren Rundfahrt, diesmal in der blauen Linie, zum Hafen, der Marina und entlang der imposanten neuen Gebäude gemacht. Anschließend sind wir müde und geschafft von soviel Eindrücken und etwa 10 Kilometern zu Fuß wieder in den Bus der Linie 25 gestiegen, der uns zurück zum Campingplatz gebracht hat.

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Auch im Mercado Central, einer sehr imposanten Markthalle, war eine dreidimensionale Krippe sogar mit Wasserläufen aufgebaut.

Für den morgigen Tag haben wir uns den Besuch des Oceanografic vorgenommen und werden, da die imposanten Neubauten in der Nähe liegen oder sogar Teil des Oceanografic sind, dann noch einmal darauf eingehen.

Den Tagesabschluss hat Sonja mit einem Thunfischsalat und einer anschließenden Paella kulinarisch gestaltet:

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Eine komplett selbstgemachte Paella von meiner liebsten Sonja. Was passt besser zur Stadt Valencia, dem Ursprung der Paella…

Strandspaziergang, Büro, Mikrowellensurfen, Sonnenuntergang…

ungefähr so lässt sich unser heutiger Tag zusammenfassen. Denn mit einem 6 Kilometer Strandspaziergang begann unser Tag, dann gab es Frühstück. Anschließend hab ich ein bisschen „Büro“ gemacht, denn auch das ist bei solch einer Reise ja hin und wieder notwendig. Rechnungen müssen kontrolliert und Kontostände abgeglichen werden, die Steuererklärung will ebenso vorbereitet, wie die Kosten unserer Reise im Blick behalten werden. Anschließend haben wir etwas gelesen, bzw. Mittagsschlaf gehalten, und dann hat Sonja befunden, dass die Vierzig-Zentimeter-Mittelmeerwelle hoch genug ist,  um von ihr gesurft zu werden, was sich überraschenderweise auch als tatsächlich funktionierend herausgestellt hat. Dazu hilft es sicherlich, dass Sonja schon verdammt gut und vor allem sehr leicht ist.

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Nachmittagssurfsession in Mikrowellen vor bezaubernder Kulisse

Zum Sonnenuntergang sind wir dann noch einmal ein wenig über den Campingplatz gegangen und haben die atemberaubenden Farben des Himmels bewundert.

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Der Himmel sah heute wirklich ziemlich beeindruckend aus.

Anschließend gab es dann Abendessen, wie fast immer drei Gänge: Ein Salat vorab, eine warme Hauptspeise und dann noch ein Nachtisch.

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So sieht unser Zuhause aktuell bei Sonnenuntergang aus, mit frisch geschnittenen Hecken und Bäumen gleich viel aufgeräumter.

Nun ist der Tag schon fast wieder vorbei, und ich frage mich, wie wir die ganzen Aktionen in unserem früheren Leben in einen Tag gepackt haben. OK, alltägliche Dinge, wie Geschirrspülen, Wäsche waschen und trocknen, Wohnung reinigen, Einkaufen usw. nehmen deutlich mehr Zeit in Anspruch, da sowohl unsere Lagermöglichkeiten begrenzt sind, als auch keine eigenen Maschinen zur Verfügung stehen. Selbst mit den Wegen von und zum Waschhaus (Toilette, Zähne putzen, Spülen) kommen am Tag schnell mal 1,5 bis 2 Kilometer Strecke zusammen, die auch etwas Zeit benötigen. Kurzum, es dreht sich alles mehr um die essentiellen Dinge des Lebens. Zudem schlafen wir wirklich viel, da das Leben an der frischen Luft irgendwie anstrengend ist.

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Da Sonja unbedingt auch mal ein Foto von mir auf der Homepage haben wollte (ja ich bin tatsächlich auch dabei!)… hier ist es nun bei unserer abendlichen Campingplatzrunde aufgenommen.

Morgen früh geht es dann mit dem Fahrrad zum Markt von Oliva, um unsere Vorräte wieder aufzustocken und vielleicht noch ein wenig die Stadt anzusehen.

Aktuell werden wir immer wieder gefragt, wie (und wo) wir Weihnachten und Sylvester  verbringen werden, aktueller Stand: Wir wissen es selbst noch nicht, da wir das Ganze vom Wetter und unserer Lust abhängig machen wollen. Zunächst planen wir eine weitere Woche hier zu bleiben, um dann irgendwann mal weiter gen Norden zu fahren. Wann und wie?!? Wir werden sehen…

Oliva erkunden und Hausarbeit

Nachdem gestern bereits der EU-GO wieder seine Reinigung erhalten hat und auch das Frischwasser wieder befüllt war, kam heute die Wäsche dran. Bevor wir aber die Waschmaschinen benutzen durften, musste man sich erst um 9 Uhr am Büro des Campingplatzmanagers anstellen und in eine Liste eintragen (immer nur für den jeweiligen Tag) und anschließend dann die notwendige Waschmarke käuflich erwerben. Die Waschmaschine kostet pro Ladung 4€, und sonntags ist kein Waschen möglich. Bislang hatte ich immer geglaubt, die Deutschen sind, was Bürokratie an unnötiger Stelle angeht, immer ganz vorne, aber diese Waschverwaltung und Organisation ist wirklich nicht schlecht. Jedenfalls haben wir dann erst für 10:30 Uhr eine Waschzeit ergattert, so dass wir noch gut eine halbe Stunde am Strand spazieren gegangen sind.

Während die Waschmaschine dann lief, ist Sonja noch einmal ins Mittelmeer gesprungen und hat die letzten Reste der immer kleiner werdenden Wellen ausgenutzt. Anschließend hatte sie ein sehr gutes Argument, die Wäsche nicht aufhängen zu können, denn ich hatte die Leinen (wegen der Hecken und Bäume) so hoch aufgehängt, dass sie schlicht nicht herankommt. Da wir diesmal so viel Wäsche und in dieser Maschine so viel „Kleinkram“ hatten, gingen uns die Wäscheklammern aus. Ohne Klammern kann man hier nichts hinhängen, denn der Wind ist doch immer wieder sehr heftig, so dass alles heruntergeweht werden würde. Letztlich ist aber noch alles trocken geworden und liegt nun wieder gefaltet und wohlriechend im Schrank. Für die nächsten Tage werden wir dann vermutlich noch zwei Maschinen waschen, denn Bettwäsche und Handtücher ebenso wie noch eine Ladung „normaler Wäsche“ wollen auch noch gereinigt werden. Das Wetter sollte passen, wenn wir dann noch das Glück haben,  eine der beiden Waschmaschinen zu ergattern, dann sollte das funktionieren.

Nach der Waschaktion sind wir dann mit den Fahrrädern nach Oliva geradelt (etwas über 6 Kilometer entfernt) und haben auf einigen Umwegen dann auch den Aufstieg zum Castillo gefunden. Von dort oben hat man einen sehr schönen Ausblick über die gesamte Region.

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Der Blick vom Castillo in Richtung „unseres“ Campingplatzes. Gut zu erkennen sind die Orangen und Mandarinenplantagen, aber auch die gewöhnungsbedürftige Architektur der Häuser. Immerhin ist hier die Küste nicht mit Betonklötzen zugebaut wie vielerorts in Spanien.

Der Weg führte fast die gesamte Zeit an Orangen- und Mandarinenbäumen vorbei, deren Früchte aktuell auch geerntet werden. Vielleicht hat der ein oder andere Leser also eine Frucht unter dem Weihnachtsbaum liegen, an der wir heute direkt vorbeigeradelt sind.

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Weiter hoch ging es mit den Rädern nicht mehr, wir sind daher zu Fuß und nacheinander die letzten Meter zum Castillo aufgestiegen.

Besonders der Hinweg hatte es in sich, denn der Wind blies fast die gesamte Zeit mit ziemlicher Kraft entgegen. Nach einer Rundfahrt durch die Altstadt und einem Stop beim Discounter der Gebrüder Albrecht (Aldi) ging es dann mit wirklich hoher Geschwindigkeit (deutlich über 30 km/h) zum Campingplatz zurück. So macht Wind dann wieder Spaß. Insgesamt waren wir 22 Kilometer unterwegs und haben immerhin 163 Höhenmeter zurückgelegt, wobei uns diese leichter gefallen sind als das „gegen-den-Wind-anstrampeln“auf der Hinfahrt. Zurück am EU-GO, dann Wäsche abhängen, falten ein bisschen mit Nachbarn quatschen und dann Abendessen. So schnell ist der Tag auch wieder vorbei.

Aus Sturm und Regen in die Sonne: St(r)andtage in Roquetas de Mar

Bereits gestern sind wir dem Sturm und Regen in Motril entflohen und nach Roquetas de Mar gefahren. Eigentlich wollten wir ja Don Cactus länger Gesellschaft leisten, aber der Sturm und die permanente Angst, von herabfallenden Ästen erschlagen zu werden, haben uns die Entscheidung leicht gemacht. In Roquetas de Mar schien tatsächlich die Sonne, und es war kaum noch Wind zu spüren. Natürlich gingen wir wieder einmal an der Strandpromenade spazieren. Am gestrigen Tag waren es nur etwa 9 Kilometer in Richtung des Stadtzentrums und zurück, wobei wir auch unsere Obstvorräte aufgestockt haben. Die Stadt verfügt neben großen, modernen Einkaufszentren, in denen es alles, was man braucht und noch viel mehr zu kaufen gibt, auch eine kleines älteres Zentrum in der Nähe des Castillos.

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Das Castillo in Roquetas de Mar

Zuerst haben wir auf einem schönen, asphaltierten Wohnmobilstellplatz gestanden. Es kam dann aber ein deutsches Pärchen vorbeispaziert, die uns auf die danebenliegende Bar aufmerksam machten und meinten, an Nachtruhe sei an dieser Stelle nicht zu denken. Da wir ja schon einmal eine solche Warnung ignoriert hatten, waren wir diesmal schlauer und sind  nach dem ersten Spaziergang und vor dem Frühstück noch ein Stück weiter gefahren, denn in der Nähe der Salinen gibt es einen weiteren, noch viel größeren Stellplatz, auch wenn der Boden unbefestigt ist.

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Der Stellplatz in Roquetas de Mar direkt am Strand sah eigentlich super aus, wäre nicht die Bar direkt nebenan… So haben wir nur den Tag über dort geparkt

Nach einem Abendspaziergang und einer längeren Lesesession war der Tag dann beendet. Einen riesigen Vorteil hat die lange Strandpromenade, denn dort sind etwa alle zwei Kilometer kostenlose Toiletten und alle paar hundert Meter Strandduschen vorhanden.

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Den Sonnenaufgang über dem Meer direkt aus unserem Fenster zu genießen… unbezahlbar!

Am heutigen Morgen haben wir zuerst den Sonnenaufgang bestaunt, der wahnsinnig schöne Farben an den Himmel gezaubert hat. Anschließend sind wir die Strandpromenade in die andere Richtung, nämlich nach Aguadulce (ja, einen Ort mit diesem Namen gibt es auch hier), spaziert. Hin und zurück waren das dann immerhin knapp 12 Kilometer Strecke. Dabei ist es uns wirklich warm geworden, und wir hätten am liebsten kurze Hosen angehabt, denn die 17°C Lufttemperatur haben sich in der Sonne und ohne Wind viel wärmer angefühlt.  So entstand dann die verrückte Idee, dass wir doch eben ins Meer springen könnten und anschließend an der Stranddusche duschen, denn das spart uns Wasser, sowie das Austrocknen der Dusche und ist wirklich etwas Besonderes. Der einzige Haken an der Sache war die Wassertemperatur des Meeres, die mit 16°C wirklich als frisch zu bezeichnen ist. Also wurde aus dem hineinspringen eher ein mehr oder weniger kontrolliertes hineingehen, schnell Abtauchen und raus aus dem Wasser. Anschließend waren wir wirklich gut erfrischt, und das kalte Leitungswasser aus der Dusche war tatsächlich deutlich wärmer. Damit hatten wir uns unser Frühstück redlich verdient.

Während des Frühstücks kam eine Dame und pries ihre Zucchini, Tomaten, Paprika und Chilis an. Nun waren unsre Vorräte diesbezüglich aber bereits wieder aufgefüllt… Schlechtes Timing. Bemerkenswert ist, dass die Dame ihre Verkaufsgespräche auf Spanisch, Deutsch und Englisch führte.

Dabei haben wir noch überlegt, wohin die Reise in den nächsten Tagen gehen soll. Nach einem Mittagsschläfchen sind wir noch in den Baumarkt und den Supermarkt spaziert und haben Material für mein „TV-Schrank-Projekt“ und Eier gekauft, die wir gestern vergessen hatten. Zurück am Wohnmobil stellten wir fest, dass wir heute etwa 22.000 Schritte gemacht und etwa 19 Kilometer zurückgelegt haben. Nicht schlecht für einen „faulen Tag“.

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Puh sind die hoch! Am Strand stehen in kleinen Gruppen immer wieder Palmen, etwas kitschig, aber uns gefällt es!

Von Sevilla an die Küste nördlich von Cádiz – einen ganzen Tag ohne Meer, das geht ja nicht…

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in Sevilla, die recht früh nicht mehr ganz so ruhig war, da die Arbeit in einem Hafen wohl früh startet. Wie nah wir am Hafen und der damit verbundenen Betriebsamkeit waren, hatten wir am Vortag gar nicht so richtig wahrgenommen, denn am Sonntag war es sogar im Hafen ruhig. Das änderte sich allerdings dann am frühen Montag, dennoch haben wir sehr gut geschlafen, was vermutlich auch an  der Anstrengung des gestrigen Tages gelegen hat.

Bereits am Abend hatten wir beschlossen, dass wir nun wieder ein wenig Urlaub benötigen und etwas länger an einem Ort bleiben wollen. Dass dieser Ort möglichst direkt am Meer liegen sollte, war ja eigentlich klar. So haben wir uns für einen Campingplatz in der Nähe von Rota entschieden, den Camping Aguadulce (woher der Name kommt, haben wir bislang noch nicht herausgefunden, denn das Meerwasser ist bekanntlich salzig und weniger süß). Was allerdings sehr süß ist, ist die Distanz vom Platz zum Meer, was den Ausschlag gegeben hat, sich für diesen Platz zu entscheiden.

Nach einer morgendlichen Dusche, die der Stellplatz in Sevilla ja ebenso wie Toiletten anbot, der Leerung unseres Brauchwassertanks und der Abrechnung fuhren wir dann also schon recht bald wieder gen Südwesten in Grobrichtung Cádiz. Die Straßen waren viel besser, als wir es von Portugal gewohnt waren, und so kamen wir äußerst zügig voran. Mitten im Nirgendwo sahen wir dann auf einem Hügel ein prächtiges Bauwerk…

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Die Kirche in El Palmar de Troya

Natürlich haben wir angehalten, und da wir mal wieder Glück hatten, war das Tor von einem der Angestellten gerade geöffnet worden, so dass wir genau dieses eine Bild machen und einen Blick auf die Kirche erhaschen konnten. Das Gelände durften wir als „Ungläubige“, die zudem nicht festlich genug gekleidet waren (wir wollten ja auch Auto fahren und nicht heiraten), nicht betreten. Es stellte sich heraus, dass diese Kirche das Zentrum der „palmairanischen Kirche“ darstellt. Diese Glaubensgemeinschaft, die sich als verbliebener Rest des „wahren Katholizismus“ sieht, erkennt die Veränderungen des zweiten Vatikanischen Konzils nicht an und hat folglich auch einen eigenen Pabst. Die Messe wird nach wie vor in Latein gelesen und der Zehnt eingefordert. Die Kirche hat weltweit etwa 10.000 Mitglieder, viele davon auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So erklärt sich auch, dass mitten in der öden Landschaft ein solch prächtiges Bauwerk entstehen konnte, denn alles, was dafür gespendet wurde, wird im Leben nach dem Tode hundertfach zurückgegeben… Eigentlich logisch, dass vor allem Schwaben sich auf einen solchen Deal einlassen… Tatsächlich ist in Stuttgart wohl ein großer Teil der deutschen Anhänger zu finden, wie uns der Mitarbeiter erklärte. Außerdem erhielten wir auch Informationsmaterial auf deutsch.

Derart informiert machten wir uns dann auf die Weiterfahrt an die Küste. Kurz vor dem eigentlichen Ziel fand Sonja wieder eine ausgesprochen günstige Tankstelle, so dass wir unseren Treibstoffvorrat auffüllen konnten, und anschließend erledigten wir das auch noch mit den Vorräten für uns und kauften reichlich Nahrungsmittel ein. Die enge Zufahrt und der Parkplatz, der eigentlich nach deutschen Maßstäben lediglich für Kleinstwagen geeignet war, schreckte uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr ab.

Bereits gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz und stellten fest, dass dieser zu einem großen Teil von Dauercampern genutzt wird, diese aber nicht anwesend waren. Kurzum, es ist absolut ruhig und Menschen sehen wir eher selten. Die ideale Lage direkt am Strand hat sich bewahrheitet, denn von unserer Parzelle bis zum Meer sind es nicht einmal 100 Meter.

Natürlich haben wir auch den Strand direkt mit einem Spaziergang erkundet und nach knapp 5 Kilometern in eine Richtung umgedreht. Auf dem Rückweg gingen wir nicht direkt am Strand, sondern auf einem direkt dahinter liegenden Weg entlang. Dort waren auf dem Golfplatz tatsächlich vereinzelte Menschen zu sehen, alle Häuser und Wohnungen, die wir sahen, wirkten vollständig ausgestorben und das, obwohl die Luft mit 20 °C durchaus noch angenehm warm ist, und sogar das Wasser eine Temperatur von 19 °C hat. Auf dem Rückweg hörten wir mehrere Male laute Knallgeräusche vom Meer, und wir haben eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass die spanische Marine dort wohl ein Manöver abhielt, denn vereinzelt war auch Leuchtmunition zu erkennen. Unwahrscheinlich ist das hier nicht, da in Rota einer der größten Marinestützpunkte Europas liegt, was wir aber auch erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden haben. Unter anderem leben auf der Base auch 3000 Amerikaner. Rota wurde im März 2019 sogar Operationshauptquartier der EU, auch eine Folge des Brexit, denn das Hauptquartier in Northwood (GB) wurde durch Rota ersetzt. Eines der fünf Hauptquartiere liegt übrigens in Potsdam (wo da ausreichend Wasser ist, ist mir allerdings ein Rätsel…). Es ist schon erstaunlich, wie nahe man an Ereignisse des Weltgeschehens kommt, ohne sich wirklich damit zu beschäftigen, denn wir verzichten aktuell bewusst auf „Nachrichten“.

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Ein Schiff der (spanischen?) Kriegsmarine