Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?

Nun sind wir schon fast fünf Wochen wieder in unserer „ursprünglichen“ Heimat. So viel Zeit haben wir schon lange nicht mehr am Stück in Euskirchen und Umgebung, nahe unserer Familie und Freunden, verbracht, natürlich auf Distanz!

In diesen Wochen haben wir nur selten das Wohnmobil wegen einiger Fahrten zu Vorstellungsgesprächen bewegt. Ansonsten stehen wir hier sehr ruhig und sicher in einer schönen Umgebung. Bisher hatten wir viel Glück mit dem Wetter, der April war schon sommerlich warm, jetzt holt der Mai noch ein wenig Aprilwetter nach.

Ich genieße jeden Morgen bei einem schönen Lauf durch die Felder zwischen Flamersheim, Schweinheim, Odendorf und Palmersheim. Blühende Felder, kleine Bäche und einige Burgen liegen auf dem Weg, welcher jeden Tag anders ist. Sei es durch unterschiedliches Licht, Wind, absolute Stille oder einfach durch eine andere Route.

Einige Leute kennen mich schon und grüßen, weil wir uns regelmäßig begegnen.

Nachmittags oder am frühen Abend drehen wir dann noch einmal zusammen eine Runde durch die Felder oder durch die Wohngebiete von Flamersheim. Hier kann man den Menschen aus dem Weg gehen, oder man unterhält sich auf Distanz. In den Feldern haben wir in den letzten Wochen öfter schon Bekannte aus Sportverein und Schule getroffen, die alle wieder in ihre alte Heimat gezogen sind.

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Burg Flamersheim, eine der vielen Wasserburgen im Euskirchener Umland

Wir planen, in den nächsten Tagen in unsere zweite ehemalige Heimat zu fahren, an die wunderschöne Mosel. Denn auch in Rheinland-Pfalz ist Camping wieder erlaubt. Natürlich mit vielen Einschränkungen, und das ist gut so. Wir werden unsere SUP-Bretter mitnehmen, damit wir diese in diesem Jahr endlich mal aufs Wasser bringen können. Zum letzten Mal waren wir vor sechs Monaten an der Algarve und im Dezember an der spanischen Mittelmeerküste gepaddelt. Unvorstellbar, was in der Zwischenzeit alles passiert ist, und was wir in dieser Zeit auch alles erlebt und gesehen haben. Im Nachhinein war alles gut und richtig so. Irgendjemand muss uns rechtzeitig aus Spanien weggeschickt haben, für uns war es gefühlt Petrus, der uns mit kalten Temperaturen aus Spanien verscheucht hat, sonst hätten wir womöglich dort überwintert.

So haben wir in den ersten vier Monaten dieses Jahres alle drei Ozeane gesehen, den Atlantik im Januar in Marokko (Agadir, Rabat, Casablanca), den indischen Ozean mit seinen warmen Temperaturen in Sri Lanka im Februar und zum Schluss den Pazifischen Ozean in Neuseeland. Welch ein Traum!

Die Urwälder mit ihren Baumfarnen in Neuseeland haben uns schon sehr fasziniert durch ihr saftiges Grün. Am Wochenende ging ich mit einer Freundin durch einen heimischen Wald 🌳 🌳 🌳. Und da war es wieder, dieses bekannte Gefühl, durch einen sattgrünen Wald mit frischem Laub über weichen Boden zu gehen. Der Unterschied war: Hier zwitscherten unzählige Vögel, während es in Neuseeland nahezu still war. Unser Reiseleiter berichtete uns von einem enormen Rückgang des Vogelbestands in Neuseeland. Sehr traurig!

Und wegen dieses bekannten Gefühls stellte sich mir die Frage der Überschrift.

Stay local and discover your surroundings!

Plötzlich wieder in Deutschland

In Vancouver war der Aufenthalt dann doch deutlich kürzer und schon nach nicht einmal einer Stunde hoben wir bereits wieder ab in Richtung Frankfurt. Der Flug verlief ziemlich ruhig und ereignisarm. Beim Anflug um kurz nach 6 Uhr morgens auf Frankfurt waren dann auf vielen Vorfeldpositionen und auch Rollbahnen geparkte Flugzeuge zu erkennen. Spätestens dann fühlte sich der Flug dann wieder deutlich ungewöhnlicher an.

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Ein letzter Blick auf die Maschine der Air New Zealand, in der wir den letzten Tag Verbacht haben, am Frankfurter Flughafen

Das Aussteigen war Reihenweise organisiert, so dass möglichst wenig Kontakt zwischendrin Passagieren erfolgte. Auch die Passformalitäten waren schnell erledigt, auch weil die automatischen Kontrollportale offen waren. Wir hatten das Glück und gingen mit als erste von Bord. Nach der Passkontrolle war noch ein recht weiter Weg durch leere Flughafenhallen zurückzulegen. Nur vereinzelt sah man andere Menschen. Das Abstandhalten war überhaupt kein Problem. Als wir dann als erste am Gepäckband (das einzige, was in Betrieb war) ankamen, liefen unsere Koffer bereits rund und wir konnten praktisch sofort unser Gepäck an uns nehmen und den Flughafen verlassen.

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So leer haben wir die Halle mit den Gepäckbändern noch nie gesehen, dafür war unser Gepäck bereits vollständig da!

Allerdings wartete erst noch ein kleiner Schock auf uns, denn am Ausgang empfing uns eine riesige Gruppe Menschen, die von Abstand halten nicht viel gehört hatte, die Disziplin in Deutschland scheint einfach eine ganz andere zu sein, als in Neuseeland. Wir bahnten uns möglichst schnell und mit möglichst großem Abstand einen Weg durch die Wartenden und begaben uns in Richtung Bahnhof. Mit großem Glück erreichten wir fast sofort einen ICE nach Köln in dem wir uns einen Großraumwagen mit noch zwei weiteren Passagieren teilen „durften“. In Köln angekommen bot sich ein surreales Bild, denn der Bahnhof war fast ausgestorben.

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Der Kölner Hauptbahnhof morgens um etwa 9 Uhr… gähnende Leere

Wir warteten dann am Gleis eine Dreiviertelstunde bis die Regionalbahn nach Euskirchen einfuhr. So erreichten wir dann bereist um kurz nach 9:30 Uhr den Bahnhof Euskirchen. Sonja machte sich zu Fuß auf den Weg zu Ihren Eltern um ein Auto abzuholen, während ich am Bahnhof  das Gepäck bewacht habe. Bereits eine halbe Stunde später war Sonja mit einem Auto wieder da und wir konnten unser Gepäck verstauen und ins Saarland fahren, um unser Wohnmobil abzuholen. Die Fahrt durch die Eifel absolvierte Sonja mit Bravour und mittags waren wir dann bereit um unser Wohnmobil abzuholen. Leider war es nicht ganz in dem Zustand indem wir uns es erhofft hatten, aber die Reparaturen waren ausgeführt. Nach der Übernahme des Wohnmobils machten wir noch einen Stop am benachbarten Supermarkt und fuhren dann mit Auto und Wohnmobil zurück in Richtung Euskirchen. In Blankenheim stoppten  wir erneut, um noch die letzten Vorräte aufzufüllen, die wie für unsere zweiwöchige Selbstisolation, die wir anzutreten gedachten, benötigen würden.

In Euskirchen übergaben wir dann das Auto wieder an Sonjas Eltern und bedankten uns für die erneute Zurverfügungstellung. In Euskirchen luden wir dann noch einige Kleinigkeiten wieder ins Wohnmobil ein. Wir haben tatsächlich am frühen Abend Euskirchen und dann anschließend Flamersheim erreicht. Wir hatten Glück und der Jetlag machte uns tatsächlich  keine Probleme, auch wenn wir natürlich nach dem Flug und der langen Fahrt entsprechend erschöpft waren. In Flamersheim, vor dem Haus meiner Eltern, verbrachten ir dann die erste Nacht seit langem auf deutschem Boden.

Auf diesem Wege noch einmal ein großes DANKE an die Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaft Wellington, die unsere Rückreise ermöglicht haben. Es ist erschreckend, wie ausgeliefert man sich fühlt, wenn man seinen Aufenthaltsort nicht mehr selbst bestimmen kann. Und das, obwohl wir uns ja in einer wirklich luxuriösen Lage befinden, denn wir hatten ja noch geplant unsere Reise fortzusetzen, haben demnach keinerlei berufliche oder sonstige Verpflichtungen und auch die Rücklagen reichen noch eine ganze Zeit. Damit sind wir im Vergleich zu vielen Menschen in Deutschland und der Welt absolut privilegiert, denn viele haben echte Existenzängste, weil die Arbeit und das Einkommen gefährdet ist. Hoffentlich überstehen wir als Gesellschaft diese Herausforderung und schaffen eine emotionale Nähe bei gleichzeitigem physischem Abstand.