Mit dem Fahrrad bis ans Mittelmeer…

Klingt jetzt sehr beeindruckend, oder? Wenn wir irgendwo in Deutschland gestartet wären, dann wäre es das durchaus, so sind wir allerdings “nur” etwa 10 Kilometer gefahren, um von unserem Campingplatz Valdavaqueros bis ans Mittelmeer zu fahren. In Tarifa, der südlichsten Stadt Kontinentaleuropas, treffen sich Mittelmeer und Atlantik, und wir mussten natürlich ein Beweisfoto machen. Tatsächlich ist das Mittelmeer wesentlich ruhiger als der Atlantik, was allerdings auch an der vorherrschenden Windrichtung liegt.

img_2523
Sonja zwischen den Meeren. Links im Bild das Mittelmeer, rechts der Atlantik. Im Hintergrund kann man “unseren Strand” bzw. die Düne von Valdevaqueros am linken der beiden Berge hell “leuchten” sehen.

Neben dem Besuch des Meere, bzw. des Dammes dazwischen, der auf die (leider abgesperrte) Isla de las Palomas führte, haben wir natürlich auch die teilweise sehr engen Gassen Tarifas erkundet und neben dem zentralen Markt auch einige Kirchen besucht (wie sollte es anders sein), die uns allerdings mehr von Außen als im Inneren beeindruckt haben.

img_2534
Die Kirche des heiligen Franz von Assisi in Tarifa. Inmitten der engen Gassen in direkter Nachbarschaft eines schön mit Bougainvillea bewachsenen Hauses.

Danke noch an Manuel (MPR), einen lieben Exkollegen aus Fellbach, für den Tipp, Tarifa zu besuchen. Wer damals noch nicht mitgelesen hat: Die Kollegen aus Fellbach haben mir zum Abschied einen sehr individuellen Reiseführer geschenkt, in dem jeder einen oder mehrere Orte vorgestellt hat, die es sich zu besuchen lohnt. (Wer die rosafarben eingefärbten Textstellen anklickt, landet direkt an den angesprochenen Artikeln).

img_2520
Dieses “Türmchen” überblickt den Hafeneingang, beeindruckend auch, was darunter im zweiten Weltkrieg für Bunkeranlagen angelegt wurden.

Da wir ja auch immer an Wellenreitbrettern interessiert sind, haben wir jeden einzelnen Surfshop in Tarifa aufgesucht. Der Schwerpunkt liegt in der windigen Stadt allerdings mittlerweile deutlich auf dem Kite- und Windsurfen, so dass es keine allzu große Auswahl an Wellenreitbrettern anzuschauen gab.

Auf dem Rückweg zum Campingplatz haben wir den Wind dann auch “genießen dürfen”, denn er wehte ziemlich kräftig entgegen unserer Fahrtrichtung. So haben wir nach dieser Frühsporteinheit dann noch geduscht und ausgiebig gebruncht, denn vor unserer Abfahrt haben wir schon etwas Obst zu uns genommen.

Und falls ihr Euch über den schönen blauen Himmel wundert… Der war natürlich extra bestellt 😉 Der Nachteil ist allerdings, dass die Temperaturen nachts auf unter 10°C sinken, was dann schon recht frisch ist. So hat sich Sonja heute früh auch das Surfen verkniffen, da es ihr schlicht zu kalt war. Beim Radfahren wurde uns dann ja warm, und wenn die Sonne herauskommt, fühlen sich die 18°C sogar deutlich wärmer an.

Leider ist nicht alles Sonnenschein… Denn bereits gestern erreichte uns die traurige Nachricht, dass unser Freund und Ex-Nachbar “Hermann” am Wochenende verstorben ist. Wir werden Ihn immer in Erinnerung behalten und hoffen, dass er nun auf einer Wolke bei seiner lieben “Sanni” sitzt und uns zuwinkt. Danke, dass wir Dich kennenlernen durften.

Von Sevilla an die Küste nördlich von Cádiz – einen ganzen Tag ohne Meer, das geht ja nicht…

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in Sevilla, die recht früh nicht mehr ganz so ruhig war, da die Arbeit in einem Hafen wohl früh startet. Wie nah wir am Hafen und der damit verbundenen Betriebsamkeit waren, hatten wir am Vortag gar nicht so richtig wahrgenommen, denn am Sonntag war es sogar im Hafen ruhig. Das änderte sich allerdings dann am frühen Montag, dennoch haben wir sehr gut geschlafen, was vermutlich auch an  der Anstrengung des gestrigen Tages gelegen hat.

Bereits am Abend hatten wir beschlossen, dass wir nun wieder ein wenig Urlaub benötigen und etwas länger an einem Ort bleiben wollen. Dass dieser Ort möglichst direkt am Meer liegen sollte, war ja eigentlich klar. So haben wir uns für einen Campingplatz in der Nähe von Rota entschieden, den Camping Aguadulce (woher der Name kommt, haben wir bislang noch nicht herausgefunden, denn das Meerwasser ist bekanntlich salzig und weniger süß). Was allerdings sehr süß ist, ist die Distanz vom Platz zum Meer, was den Ausschlag gegeben hat, sich für diesen Platz zu entscheiden.

Nach einer morgendlichen Dusche, die der Stellplatz in Sevilla ja ebenso wie Toiletten anbot, der Leerung unseres Brauchwassertanks und der Abrechnung fuhren wir dann also schon recht bald wieder gen Südwesten in Grobrichtung Cádiz. Die Straßen waren viel besser, als wir es von Portugal gewohnt waren, und so kamen wir äußerst zügig voran. Mitten im Nirgendwo sahen wir dann auf einem Hügel ein prächtiges Bauwerk…

img_2465
Die Kirche in El Palmar de Troya

Natürlich haben wir angehalten, und da wir mal wieder Glück hatten, war das Tor von einem der Angestellten gerade geöffnet worden, so dass wir genau dieses eine Bild machen und einen Blick auf die Kirche erhaschen konnten. Das Gelände durften wir als “Ungläubige”, die zudem nicht festlich genug gekleidet waren (wir wollten ja auch Auto fahren und nicht heiraten), nicht betreten. Es stellte sich heraus, dass diese Kirche das Zentrum der “palmairanischen Kirche” darstellt. Diese Glaubensgemeinschaft, die sich als verbliebener Rest des “wahren Katholizismus” sieht, erkennt die Veränderungen des zweiten Vatikanischen Konzils nicht an und hat folglich auch einen eigenen Pabst. Die Messe wird nach wie vor in Latein gelesen und der Zehnt eingefordert. Die Kirche hat weltweit etwa 10.000 Mitglieder, viele davon auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So erklärt sich auch, dass mitten in der öden Landschaft ein solch prächtiges Bauwerk entstehen konnte, denn alles, was dafür gespendet wurde, wird im Leben nach dem Tode hundertfach zurückgegeben… Eigentlich logisch, dass vor allem Schwaben sich auf einen solchen Deal einlassen… Tatsächlich ist in Stuttgart wohl ein großer Teil der deutschen Anhänger zu finden, wie uns der Mitarbeiter erklärte. Außerdem erhielten wir auch Informationsmaterial auf deutsch.

Derart informiert machten wir uns dann auf die Weiterfahrt an die Küste. Kurz vor dem eigentlichen Ziel fand Sonja wieder eine ausgesprochen günstige Tankstelle, so dass wir unseren Treibstoffvorrat auffüllen konnten, und anschließend erledigten wir das auch noch mit den Vorräten für uns und kauften reichlich Nahrungsmittel ein. Die enge Zufahrt und der Parkplatz, der eigentlich nach deutschen Maßstäben lediglich für Kleinstwagen geeignet war, schreckte uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr ab.

Bereits gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz und stellten fest, dass dieser zu einem großen Teil von Dauercampern genutzt wird, diese aber nicht anwesend waren. Kurzum, es ist absolut ruhig und Menschen sehen wir eher selten. Die ideale Lage direkt am Strand hat sich bewahrheitet, denn von unserer Parzelle bis zum Meer sind es nicht einmal 100 Meter.

Natürlich haben wir auch den Strand direkt mit einem Spaziergang erkundet und nach knapp 5 Kilometern in eine Richtung umgedreht. Auf dem Rückweg gingen wir nicht direkt am Strand, sondern auf einem direkt dahinter liegenden Weg entlang. Dort waren auf dem Golfplatz tatsächlich vereinzelte Menschen zu sehen, alle Häuser und Wohnungen, die wir sahen, wirkten vollständig ausgestorben und das, obwohl die Luft mit 20 °C durchaus noch angenehm warm ist, und sogar das Wasser eine Temperatur von 19 °C hat. Auf dem Rückweg hörten wir mehrere Male laute Knallgeräusche vom Meer, und wir haben eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass die spanische Marine dort wohl ein Manöver abhielt, denn vereinzelt war auch Leuchtmunition zu erkennen. Unwahrscheinlich ist das hier nicht, da in Rota einer der größten Marinestützpunkte Europas liegt, was wir aber auch erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden haben. Unter anderem leben auf der Base auch 3000 Amerikaner. Rota wurde im März 2019 sogar Operationshauptquartier der EU, auch eine Folge des Brexit, denn das Hauptquartier in Northwood (GB) wurde durch Rota ersetzt. Eines der fünf Hauptquartiere liegt übrigens in Potsdam (wo da ausreichend Wasser ist, ist mir allerdings ein Rätsel…). Es ist schon erstaunlich, wie nahe man an Ereignisse des Weltgeschehens kommt, ohne sich wirklich damit zu beschäftigen, denn wir verzichten aktuell bewusst auf “Nachrichten”.

img_2468.jpg
Ein Schiff der (spanischen?) Kriegsmarine

Peniche – World Surf League Pro Portugal und Stadtrundgang

Leider waren die Bedingungen für die 2019er Ausgabe des Meo Rip Curl Pro Portugal heute am ersten Tag des Wettkampfes noch weit davon entfernt ideal zu sein, dennoch waren wir natürlich mehrfach am Veranstaltungsort. Am heutigen Tag sollten dann, eben wegen der ungünstigen Bedingungen, keine Wettkämpfe stattfinden. Dennoch waren einige der Profis im nur 16 Grad kalten Wasser und haben den Bedingungen getrotzt. Besonders die Surfer aus Australien, Brasilien und Florida, die eher warmes Wasser gewöhnt sind, hatten so ihre Schwierigkeiten und blieben auch nicht übermäßig lange im Wasser.

IMG_3884

IMG_3975

IMG_3969

Am Nachmittag haben wir einige von den Profis in mitten der anderen Surfer und Surfschulen am anderen Strand wiedergesehen, denn dort war der Wind ablandig, was deutlich besser für die Wellen ist. Einen Wettkampf haben wir aber natürlich noch nicht zu Gesicht bekommen. Da es uns hier aber auch langsam zu kühl uns stürmisch wird, werden wir bald weiterziehen. Wir haben uns daher auch entschieden nicht selbst zu surfen, denn uns war bereits am Strand kalt 😉 Wir sind ja auch keine Profis und müssen nicht erfrieren.

IMG_3985
Surfer auf dem Weg aus dem Wasser vor der Kulisse der Stadt Peniche

Die Organisation des Events ist dennoch beeindruckend, so hat zum Beispiel jeder Surfer einen eigenen Parkplatz im VIP Bereich, der mit seinem Namen gekennzeichnet ist. Für die Zuschauer ist das dann gleichzeitig ein Anhaltspunkt, wer sich auf dem Wettkampfgelände aufhält. Allerdings haben wir mehrere Surfer gesehen, die keinen PKW auf ihren Parkplätzen stehen hatten, aber definitiv im Wasser waren… Aber man will vielleicht auch einmal seine Ruhe haben.

img_2033
Sonja mit dem Parkplatzschild von DEM Surfer überhaupt. Kelly Slater war der jüngste und ist der älteste Gewinner von Profiwettkämpfen und mehrfacher Weltmeister. Leider haben wir Ihn noch nicht live getroffen.

Am Nachmittag sind wir dann durch die Altstadt von Peniche spaziert und auf dem Rückweg natürlich wieder an den Surferstränden gelandet, wo wir noch einmal den Surfern zugesehen haben. Zumindest so lange, bis wir uns vor der Kälte wieder in unseren EU-GO verabschiedet haben. Die alte und sehr sehenswerte Kirche von Peniche haben wir heute sogar sehr intensiv kennengelernt, denn eine nette Dame hat sich bereit erklärt uns die Besonderheiten der Kirche und die darin gelagerten Kunstwerke zu erklären und auch die weniger bekannten Stücke in den Nebenräumen zu zeigen. Die Dame sprach hervorragendes Deutsch und so haben wir viele neue Informationen sammeln können, die ich Euch aber im Detail erspare. Falls Ihr nach Peniche kommt, unbedingt die Kirche anschauen! Es lohnt sich. So nebenbei sind wir heute also wieder 15 Kilometer zu Fuß unterwegs gewesen – also nicht untätig – wenn auch nicht aktiv surfend…

San Sebastian – Deba – Zierbena

Da wir die Stadtbesichtigung in San Sebastian ja bereits am Vorabend gemacht hatten, konnten wir am Dienstag ausschlafen und uns ganz in Ruhe entlang der Küste weiter gen Westen bewegen. Die Straße verlief teils hinter den Bergen etwas im Landesinneren, teils auch direkt an der Küste.

img_1557

Über Getaria ging es dann nach Deba, wo wir einen kurzen Stop einlegten, um den schönen Strand und die kleinen Wellen aus der Nähe zu begutachten. Auf dem Parkplatz mit Blick auf den Strand waren etliche deutsche Surfer in ihren teils wirklich alten Mobilen zugegen.

img_1561
Der Strand in Deba
img_1560
Der EU-GO und zwei Surferinnen

Nach diesem Stop ging es dann weiter in Richtung Bilbao. Zwischendurch wurde der EU-GO noch einmal vollgetankt, denn Sonja hatte eine unglaublich günstige Tankstelle erspäht. Auch wenn die Zufahrt dank des sehr steilen Rampenwinkels nur an zweien der vier Zapfsäulen überhaupt möglich war, ohne dass wir aufsetzten, der Preis war fast 30 Cent pro Liter günstiger als noch in Frankreich und immerhin 10 Cent günstiger als die meisten anderen Tankstellen, an denen wir vorbeifuhren. Als wir in Bilbao versuchten, noch einmal ans Wasser zu kommen und die Autobahn zu vermeiden, wären wir fast auf  eine Fähre gefahren, also erst die nächste Möglichkeit wieder… So hat es uns nach Zierbena verschlagen, und hier änderte sich dann auch das Wetter ziemlich deutlich, denn der Wind frischte auf und Regenwolken zogen über uns hinweg.

img_1566
Der Strand “La Arena”, wirklich hübsch: mit harmlosen, kleinen Wellen, was sich am Abend allerdings änderte

Die Basken verstehen es, den frontón, den Platz mit einer dazugehörigen Schlagwand aus Beton, auf dem Pelota gespielt wird, mit dem Glauben zu verbinden, indem sie in Zierbena die Wände gleich kombinieren:

img_1567
Kirche mit Schlagwand für das Rückschlagspiel Pelota
img_1569
Der Surfsport ist im Baskenland überall gegenwärtig (hier an der Wartehalle direkt neben der Kirche mit der Pelota-Wand in Zierbena); Sonja mit surfboardtragendem Rotkehlchen