Schnell nach Christchurch – Nun ist Corona auch in Neuseeland wirklich angekommen…

Daher fasse ich die Ereignisse der letzten zwei Tage zusammen und wir werden vermutlich auch weniger zu berichten haben, aber dazu später mehr…

Wir hatten nach unserem Ausflug zum Milford Sound ja noch in Te Anau übernachtet und sollten eigentlich in die abgelegene Region der Catlins und danach nach Dunedin fahren. Während am Abend und während unserer Nacht veränderte sich die Situation aber ziemlich deutlich. Emirates sagte sämtliche Rückflüge nach Deutschland ab, Australien schloss auch für den Transit die Flughäfen und die neuseeländische Regierung verkündete auf der vierstufigen Maßnahmen-Skala sofort auf Stufe drei und 48 Stunden später, also ab dem 26. März auf Stufe vier zu gehen. Schon Stufe drei untersagt nicht notwendige Reisen, bei Stufe vier sind jegliche Fahrten, die nicht absolut unumgänglich sind untersagt. Außerdem müssen alle nicht absolut notwendigen Geschäfte nach und nach bis auf Weiteres, mindestens für vier Wochen schließen. Der Abstand zu anderen Menschen, mit denen man nicht in häuslicher Gemeinschaft lebt, muss damit auch unter allen Umständen ab sofort zwei Meter betragen. Der Ausgang ist nur noch zum Arzt (nach Anmeldung), zum Sport (alleine oder mit dem Menschen mit dem man zusammen lebt) und zum einkaufen erlaubt. Jegliche öffentliche Einrichtungen, auch Toiletten, öffentlicher Nahverkehr und jegliche Benutzung von Spielplätzen, Sportstätten, Restaurants usw. ist bei Strafe untersagt.

Die Haupteinkaufsstraße in Christchurch Dienstag um 16 Uhr…

Daher haben wir dann gemeinsam als Gruppe mit unserem Reiseleiter entschieden direkt in Richtung Christchurch zu fahren, um dann in Flughafennähe zu sein. Da die Fahrt für einen Tag zu lang gewesen wäre, fuhren wir nach Wanaka zurück. Jürgen organisierte in Rekordzeit die Unterkunft dort und gleich für den Folgetag auch eine Bleibe in Christchurch. Da wir aufgrund der Diskussion und Organisation erst nach 10 Uhr losfahren konnten, kamen wir erst am Nachmittag in Wanaka an. Auf der Fahrt hielten wir dennoch für einige Toilettenstopps an, die zufällig an sehr schönen Aussichtspunkten lagen. Nach der Ankunft in Wanaka spazierten Sonja und ich noch einmal zum See, an dem – bis auf den Wind- schon fast gespenstische Stille herrschte. Die wenigen Menschen, denen wir begegneten wichen uns ebenso mindestens zwei Meter aus, wie wir das ebenfalls taten. Als wir nach gut zwei Stunden zurück am Holiday Park waren, hatte Jürgen auch schon bald ein hervorragendes Curry für uns alle gekocht. Das sollte unser Abschiedsessen werden, denn der weitere Verlauf der Gruppenreise war nicht klar. Einige Teilnehmer wollten versuchen so schnell wie möglich selbst Flüge zu buchen, was allerdings wegen der Verfügbarkeit letztlich scheiterte. Jedenfalls hatten wir ein sehr leckeres Essen und eine emotionale Ansprache von Jürgen. Unser lieber, normalerweise aber nicht sehr geschwätziger Michael hielt eine kurze aber wunderbare Rede in einer Mischung aus deutsch, englisch und maori. Zum Abschluss sang er auch noch einen Maori-Song und wünschte uns allen eine gesunde und glückliche Reise. Wir haben „sein Herz berührt“. Wir bedankten uns natürlich auch bei unserem genialen Reiseleiterteam und waren und sind uns alle einig, dass wir mit Michael und Jürgen das größtmögliche Glück hatten. Ihre Ortskenntnis und die teilweise schon langjährige Bekanntschaft mit den Betreibern der Unterkünfte ermöglichte uns eine tolle Reise und die spontane Umplanung. Wir sind sehr dankbar, das Land und Euch beide kennengelernt zu haben.

Auf der Fahrt bei einem „Toilettenstopp„

Am nächsten Tag ging es dann schon sehr früh in Richtung Christchurch. Denn außer dem Fakt der kommenden praktischen Reise- und Ausgangssperre war noch nicht viel klar. Auch Michael und Jürgen müssten eigentlich in ihre jeweiligen Heimatorte (beide bei Auckland) zurück. Jürgen hat aber sofort entschieden, dass er in Christchurch bleibt, bis der letzte der Gruppe ausgereist ist, was für ihn bedeutet, dass auch er Christchurch nicht mehr verlassen kann, bis die Sperre aufgehoben wurde. Die Fähre zur Nordinsel war auch auf allen erreichbaren Fahrten ausgebucht. Daher organisierte Jürgen während der Fahrt noch einen Flug für Michael, der ihn hoffentlich am Donnerstag (nach Beginn von Stufe 4) nach Auckland bringen soll.

Kirche am Lake Tekapo

Trotz dieser Schwierigkeiten erhielten wir während der Fahrt immer noch interessante Informationen über das Land und die Regionen durch die wir gerade fuhren. Auch die Stopps waren weiterhin so, dass man keinen Unterschied zu einem „ganz normalen“ Reisetag ausmachen konnte.

Auf einem Pass hatte es in der Nacht sogar geschneit.

In Christchurch angekommen bezogen wir tatsächlich noch Zimmer in einem sonst total überfüllten Holiday Park. Am Nachmittag zeigte uns Jürgen dann bei einem Stadtrundgang noch die Sehenswürdigkeiten der Stadt und die immer noch präsente Zerstörung durch die großen Erdbeben 2010 und 2011, die das Stadtzentrum fast vollständig zerstörten und 185 Todesopfer und weit mehr Verletzte forderten. Daher halten sich die Sehenswürdigkeiten im Zentrum in Grenzen. Nach einem Stopp am Supermarkt ging es zurück zur Unterkunft.

Ein Denkmal für die Toten des Erdbebens 2011. 185 unterschiedliche weiße Stühle, alle unbefestigt und frei beweglich… wie lange das wohl in Deutschland gehalten hätte?!?
Eines der wenigen alten Gebäude, dass wieder aufgebaut wurde und immer noch wird.

Am nächsten Tag haben wir unsere Freiheit noch einmal genutzt und sind mit dem Bus an den Strand gefahren, der leider knapp 10 Kilometer entfernt ist. Das ist zu weit um sich auf dem Weg zum Supermarkt dorthin zu verlaufen. Die Meeresbrise und der Spaziergang tat wirklich gut, die Sonne schien, nur sehr leer war alles und die paar Menschen hielten ganz bewusst Abstand. Anschließend noch ein Stopp am Supermarkt, den wir allerdings nicht mehr aufgesucht haben. Stattdessen spazierten wir zur Unterkunft, aßen zu Abend und spazierten noch einmal über den Platz. Nun sind wir in unserer kleinen Kammer und harren der Dinge und hoffentlich Flüge, die da kommen.

Das letzte Mal am Strand, wer weiß für wie lange….
Diese Nachricht erschien auf allen Mobiltelefonen um 18:30 Uhr. Damit kann niemand behaupten, er hätte nichts von der Ausgangssperre gewusst.

Wellington

Einen ganzen Tag hatten wir Zeit, um die Hauptstadt Neuseelands zu erkunden. Nach unserem ersten durch ein Hotel organisierten Frühstück, freuen wir uns bereits wieder auf die Frühstücke von unserem Jürgen, die sowohl qualitativ als auch mengenmäßig deutlich besser sind. Einigermaßen gestärkt ging es dann auf die Stadtführung, zuerst in Richtung des australischen Kriegsdenkmals, dass noch recht neu und mit Aborigine- und Maorikunst verziert ist.

Das australische Kriegsdenkmal erinnert an die gemeinsamen Kriege und Schlachten, die Australien und Neuseeland miteinander bestritten haben.

Anschließend ging es am Kino von Peter Jackson (Herr der Ringe) und der Hauptfeuerwache von Wellington zum neuseeländischen Nationalmuseum „Te Papa“, dass allerdings wegen eines Branded im städtischen Kraftwerk geschlossen hatte. Allerdings war damit die gähnende Leere in der Feuerwache zu erklären.

Die Bibliothek des Parlaments…

Weiter ging es dann am Hafen entlang zum Parlament.

… ist deutlich hübscher anzusehen als das Abgeordnetenhaus (Bienenkorb, links im Bild) und das Parlament.
Die Standseilbahn brachte uns durch mehrere mit LEDs bunt beleuchtete Tunnel auf den Berg und an den Eingang des botanischen Gartens.

Nach dem Ende der gemeinsamen Stadterkundung am botanischen Garten spazierten Sonja und ich über den Bush Walk den Berg wieder hinunter in die City. Der zweite Versuch „Te Papa“ zu besuchen war dann auch von Erfolg gekrönt und wir verbrachten viel Zeit in den verschiedenen Ausstellungen, die der Natur Neuseelands, den Maori und dem Einfluss der Menschen im Land gewidmet sind. Außerdem ist aktuell eine sehr gute und bedrückende Ausstellung über den Krieg zu sehen, bei denen die Kriegserfahrungen einzelner Personen aufgegriffen werden und anhand dieser die Geschichte erzählt wird. Diese Personen sind als überlebensgroße Figuren zu Beginn jeden Abschnitts zu bewundern und der Grad der Realitätsnähe ist unglaublich, da sogar die feinen Härchen und die Struktur der Haut realistisch nachgebildet wurde.

Eine der überlebensgroßen Figuren in der Kriegsausstellung des „Te Papa“.

Nach der anstrengenden Besichtigung des „Te Papa“ machten wir uns zurück zum Hotel auf, bevor wir am Abend noch einmal in die Stadt aufbrache, um Wasser einzukaufen und zu Abend zu essen.

Spaziergang durch den Whakarewarewa Forest und Maori Kultur

Der heutige Tag begann für uns mit einem Frühstück und ein Großteil der Gruppe machte Dich schon sehr bald auf nach Hobbiton, so dass nur wir beide und zwei weitere Mitreisende den Vormittag zur freien Verfügung hatten. Wir beschlossen einen Spaziergang durch den Whakarewarewa Forest zu unternehmen und wählten einen Aussichtspunkt zwischen Green und Blue Lake als Ausgangspunkt. Jürgen hat sich bereit erklärt uns vier mit dem Bus dort hin zu bringen. Bereits bei der Anfahrt sahen wir, dass ein großer Teil des Waldes in der Nähe der Seen abgeholzt und wieder aufgeforstet wurde, so dass ein Spaziergang dort nicht sehr abwechslungsreich gewesen wäre. Wir fuhren also zum Aussichtspunkt, warfen einen Blick auf die beiden Seen und fuhren dann wieder Richtung Rotorua.

Blick auf den blauen und den grünen See.

Im ursprünglichen und sehr natürlichen Teil des Waldes begannen wir unseren Spaziergang. Natürlich wollten wir auch die Redwoods sehen, wirklich riesige Bäume, die Höhen über 100 Meter erreichen können. Daher sollte das Visitor Center „The Redwoods – Whakarewarewa Forest“ unser Ziel sein, das nur etwas mehr als einen Kilometer von unserer Unterkunft entfernt liegt.

Manchmal sah der Wald aus wie eine Fototapete…

Das erste Stück des Weges führte durch dichten und ursprünglichen Wald, teils mit riesigen Baumfarnen und wir konnten uns am vielen Grün nicht sattsehen.

Ein kleiner Baumfarn stand wie ein Sonnenschirm am Wegesrand

Nicht minder beeindruckend waren die Redwoods, die recht eng stehend hoch in den Himmel hinauf ragen.

Sonja in Mitten der riesigen Redwoods

Am frühen Abend fuhren wir dann ins Maori Dorf Ohinemutu direkt am Lake Rotorua. Am Eingang begrüßte uns ein waschechter Maori. Shiloh Mitchell führte uns durch das Dorf und erzählte viele interessante Geschichten über die Kultur und Geschichte der Maori. Dabei erfuhren wir unter anderem, dass unser lieber Fahrer Michael ebenfalls ein Vetter ist und somit relativ eng verwandt. Die Familie spielt eine große Rolle und es ist normal, dass mindestens die Erstgeborenen 24 Generationen in die Vergangenheit namentlich kennen. Die Namen der Stämme leiten sich von den Kanus ab, mit denen die ersten Siedler in Neuseeland ankamen.

Shiloh heißt Sonja mit der tradition Maori Begrüßung im Dorf willkommen.

Das von uns besuchte Dorf zeichnet sich durch sehr hohe vulkanische Aktivität aus, so dass es viele heiße Quellen gibt. Auch der Boden ist so warm, dass man sich, sollte es kühl werden, einfach hinlegen kann. Allerdings sollte man die Gefahren der Wasserlöcher nicht unterschätzen, denn etliche Menschen sind bereits umgekommen, weil sie die Wassertemperaturen unterschätzt haben. Wir haben heute bis zu 121Grad gemessen.

Auch wenn der kleine See einladend aussieht, so sollte man ein Bad doch lieber vermeiden, denn kalt wird einem dabei sicher nicht!

Nach der interessanten Führung sind Sonja und ich noch durch ein aktives geothermisches Gebiet zurück zum Motel spaziert.

Auf dem Rückweg zum Motel führte der Weg unmittelbar an heißen Löchern vorbei…
…und es ist definitiv eine gute Idee auf den Wegen zu bleiben, falls einem das Leben lieb ist.

Direkt in der Nachbarschaft haben wir uns Fish and Chips sowie Frühlingsrollen gekauft, die wirklich lecker und sehr günstig waren. Nach dem Abendessen entstand dann dieser Artikel, die Fotos des Tages wurden gesichtet und passende zur Ergänzung des Textes hochgeladen. Danach ging es direkt ins Bett.