Die alte Stadt Cartagena und eine lange Fahrt nach Oliva

Nach einer sehr ruhigen und entspannten Nacht in Cartagena haben wir uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Cartagena soll angeblich 3000 Jahre alt sein, und tatsächlich waren in jedem Loch, das für Bauarbeiten ausgehoben wurde, irgendwelche alten Mauern zu erkennen. Unter anderem gibt es auch ein römisches Bad, aber das kennen wir sowohl von Trier als auch von Zülpich, also für uns nicht sooo besonders, auch wenn die Technik der damaligen Zeit durchaus beeindruckend ist. Die Stadt Cartagena liegt jedenfalls an einem sehr großen Naturhafen und stellt den größten Marinestützpunkt Spaniens am Mittelmeer. Außerdem gibt es eine Universität. Sehr viele wunderschöne Gebäude lassen sich allerdings kaum wirklich bewundern, da die Straßen und Wege so eng sind, dass man nicht genug Abstand gewinnen kann, um diese in voller Pracht oder als Gesamtes zu erfassen und bestaunen.

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Der Blick vom Hafen auf die Stadt Cartagena ist schon beeindruckend. Leider ist das auch der einzige Bereich, wo etwas mehr Platz vor den Gebäuden ist.
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Das Rathaus von Cartagena liegt ebenfalls recht nah am Hafen.

Nach unserem Stadtrundgang, der diesmal nur knapp 12 Kilometer lang war, sind wir in Richtung Norden aufgebrochen. Eigentlich wollten wir nach La Manga del Mar Menor fahren und dort länger Station machen, aber da die riesige Salzwasserlagune vor einigen Wochen (ebenso wie der Max-Eyth-See an unserer vorherigen Spazierrunde in Stuttgart) komplett „umgekippt“ ist und alle Fische und Pflanzen gestorben sind, haben wir uns das verkniffen. Auch darauf hat uns Stefan gestern noch aufmerksam gemacht, und wir haben ein wenig weiter nachgelesen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir uns das nicht antun müssen. Da wir ja bekennende Hasser von Touristenhochburgen sind und weiter nördlich dann Alicante und Benidorm mit den Bettentürmen und absolut zugebauter Küste folgten, sind wir noch weiter bis kurz vor Oliva gefahren. Sonja hat die dreistündige Fahrt hervorragend und ohne Zwischenfälle gemeistert. Unser Bedarf an Sonderaktionen und Abenteuer ist nach den letzten beiden Tagen auch erst einmal gestillt. So kamen wir dann um 16 Uhr in Oliva an und haben auf dem Campingplatz Olé eingecheckt. Anschließend haben wir gegen 17 Uhr unser vermutlich spätestes Frühstück der bisherigen Reise eingenommen.

Unsere Parzelle liegt etwa 50 Meter Luftlinie und ebenso weit zu Fuß vom Meer entfernt, fast direkt hinter der Düne. Hier planen wir,  noch mal ein wenig Urlaub zu machen, denn in Raddistanz gibt es einiges zu entdecken, der Strand ist wunderschön, und es laufen aktuell sogar Wellen, so dass eventuell Wellenreiten möglich sein könnte. Das Wetter soll die nächsten Tage mehrfach die 20°C Marke knacken, und das Wasser ist mit 17°C auch nicht sooo kalt.

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Der Strand direkt am Campingplatz. Wunderschön im Abendlicht, allerdings heute auch windig, und daher fühlten sich die 15°C schon recht kühl an, vielleicht auch wegen unser etwas geringen Nahrungszufuhr bisher…

Die ersten Kilometer am Mittelmeer entlang (LaLínea – Sotogrande – Estepona)

Nach einer fast ruhigen, aber sehr kalten Nacht bei unter 10 °C sind wir entlang der Mittelmeerküste gen Osten gefahren. In der Nacht haben nur einige Hunde und Hähne unseren Schlaf geringfügig gestört. Mittlerweile haben wir uns wohl schon fast an das ständige Gekläffe gewöhnt, das uns praktisch seit der Einreise nach Portugal begleitet. Hunde gibt es immer mehr, nicht aufgehobene Hundesch… auch und Besitzer, die ihre Tiere absolut nicht unter Kontrolle haben ebenfalls. Leider sind viele Menschen wohl auch deshalb im Wohnmobil unterwegs, damit sie ihre Tiere mit in Urlaub nehmen können. So haben wir schon mehr Volumen Hund in kleinen Kastenwagen bestaunen dürfen, als Menschen… Und das nennt sich dann Tierliebe, ok, jedem das Seine… Aber egal, jedenfalls war es in der Nacht sehr kalt, so kalt, dass das campingplatzeigene Pfauenpärchen die Hälse ganz eingezogen hatte und aus kleinen Augen in Richtung der Gäste schaute. Die Menschen, die im Zelt unterwegs waren, waren irgendwie schon sehr früh auf den Beinen, haben sie doch auch nicht mit solch winterlichen Temperaturen gerechnet.

Wir sind dann auch recht bald aufgebrochen und an den Strand nach Sotogrande gefahren, wo wir unsere Frühstückspause verbringen und noch ein wenig am Strand spazieren gehen wollten. Tatsächlich entpuppte sich der Ort als ein sehr nobler Ferienort mit einer riesigen Marina und farbenfrohen Häuschen. Die Luxusyachten, die teilweise dort lagen, waren ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Da mittlerweile die Sonne herausgekommen war, fühlten sich die angeblich 15 °C auch deutlich wärmer an und im Windschatten saßen mache Menschen schon mit T-Shirts und kurzen Hosen in der Sonne. Wir haben das gute Wetter natürlich ebenfalls genossen und vor allem die Tatsache, dass es wenig bis keinen Wind gab. Das waren wir von der Atlantikseite in den letzten Wochen ganz anders gewöhnt.

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Die Marina von Sotogrande mit den farbenfrohen Häusern und den Kleinstyachen. An anderen Stellen der Marina lagen deutlich größere Yachten, dann sieht man aber von den Häusern nichts mehr 😉

Nach dem kleinen Spaziergang, der dann doch wieder einige Kilometer weit war, gab es lecker Frühstück mit Blick auf die nächste Marina, denn wir sind noch bis Estepona weitergefahren und haben dort einen – wie wir dachten – sehr ruhigen Parkplatz gefunden. Nach einem kurzen Mittagsschläfchen sind wir dann an der wahnsinnig langen Strandpromenade von Estepona entlangspaziert. Diese Promenade reicht tatsächlich bis Málaga und bildet einen Teil eines großen Rundwanderweges (GR 249). Wir sind nur einige Kilometer auf und ab spaziert, und das Ganze hat sich so lange hingezogen, bis die Sonne unterging. Dafür sah die Promenade im Sonnenuntergang auch noch einmal besonders prächtig aus.

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Die Promenade von Estepona… mit Palmen und meiner tollen Frau

Als wir dann zum EU-GO zurückgekehrt waren, haben wir lecker zu Abend gegessen und uns schlafen gelegt. Zuvor haben wir beschlossen, dass wir Málaga und Marbella links (in Wirklichkeit rechts) liegen lassen und daran vorbei fahren wollen, denn beide Städte hatten wir vor einigen Jahren schon besucht, und sie sind uns nicht in bester Erinnerung geblieben. Außerdem sind die Innenstädte nur bedingt wohnmobiltauglich. Den Campingplatz „Don Cactus“ haben wir uns als nächstes Ziel ausgeguckt. Einen Zwischenstopp planen wir in Nerja einzulegen.

In Portugal gen Osten (Lagos – Alvor -Portimão – Vilamoura – Faro)

Nach einer ruhigen Nacht in Lagos sind wir rechtzeitig losgefahren und bereits gegen 10 Uhr am Strand von Alvor entlang spaziert und haben dort die wirklich beeindruckenden Felsformationen angesehen. Die Uhrzeit war sehr gut, denn es herrschte Ebbe, und so kamen wir auch in die nächsten Buchten trockenen Fußes hinein. Das Meer hat im Laufe der Zeit nicht nur Höhlen oder einzeln stehende Felsen ausgewaschen, sondern auch mehrere Torbögen. Auch wenn die Sandsteinfelsen recht stabil aussehen, sollte man vorsichtig sein, denn an mehreren Stellen war zu erkennen, wie die Erosion ganz praktisch vonstatten geht. Und damit aus Erosion nicht Evolution wird, haben wir zumindest versucht, uns so weit es ging von den Felsen fernzuhalten oder zumindest die Aufenthaltszeit im potentiellen Einsturzbereich gering zu halten.

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beeindruckende Sandsteinfelsen am Strand von Alvor, bei Ebbe auch trockenen Fußes zu besichtigen. Sonja ist auch auf dem Bild, so sind die Dimensionen abzuschätzen…
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Die Bögen haben schon beeindruckende Ausmaße und sehen aus, wie auf den Stand gestellt

Im Anschluss sind wir nach Portimão weitergefahren und haben unseren EU-GO am LIDL-Parkplatz abgestellt, denn die LIDL-Supermärkte haben in Portugal recht häufig spezielle Parkplätze für Reisemobile, auf denen man sogar übernachten darf. Wir haben allerdings nur einen Stadtrundgang durch diese – nun ja – architektonische weniger reizvolle Stadt gemacht (sie ist einfach grottenhässlich mit ein paar schönen Stränden und viel Touristensouvenirläden), bevor wir natürlich dann beim LIDL auch unsere Vorräte wieder aufgefüllt haben. Der fast acht Kilometer lange Rundgang war dann auch noch ungeplant anstrengend, da das Thermometer die 25 Gradmarke deutlich überschritt und das bei mehr als 80% Luftfeuchtigkeit.  Die meisten Leser werden nun in Deutschland bei Regen und Temperaturen unter 10 °C sitzen und sich denken: „Wie gerne würden wir jetzt schwitzen“.  So ist das eben… Das Wetter ist nie richtig 😉

Weiter ging es über Amação de Pêra, wo wir an der Küste mit Blick aufs Meer eine kurze Pause zum Frühstücken einlegten, bis nach Vilamoura. In Vilamoura trifft sich alles, was Geld hat (oder zumindest gerne so tun möchte, als ob…). Wenn die Yachtgröße für Monaco nicht gereicht hat, kann man hier den „tollen Hecht“ spielen. Entsprechend laufen um die Marina auch viele besonders coole, teils stark gealterte Machos und ebensoviele oder mehr aufgespritzt und gestraffte (ehemalige) Schönheiten und lassen sich in den Restaurants und Bars kulinarisch verwöhnen, um den ehemaligen Astralkörper noch etwas weiter vom Idealzustand zu entfernen. Wer etwas Authentisches sucht, ist in Vilamoura sicherlich nicht richtig. Ein bisschen Kitsch mit Phantasialandatmosphäre passt dann schon eher… Wir waren froh, wieder weiterfahren zu dürfen.

Allerdings haben wir, als wir gerade den Motor wieder gestartet hatten, eine Nachricht von einer ehemaligen Kollegin – der lieben Stefanie – bekommen, dass sie nebst ihrem Gatten ebenfalls in Vilamoura angekommen ist, um es sich noch einen Tag im Hotel richtig gut gehen zu lassen, bevor es dann wieder zurück nach Stuttgart geht. Selbstverständlich sind wir dann noch zu Ihrem Hotel gefahren, was mit unserem „Kleinwagen“ durchaus sportlich war. Wir haben dann einfach mitten im Wendehammer vor dem Hotel geparkt und uns kurz mit den beiden getroffen. Die Hotelangestellten waren völlig entspannt… Wenn die Polizei käme, sollten wir einfach sagen, dass wir zum Hotel gehören, dann wäre das schon ok…

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Ein weiteres Wiedersehen, diesmal mit meiner (Marc) lieben Ex-Kollegin Stefanie

So jedenfalls hat der Abend mit einem weiteren Wiedersehen seinen Abschluss gefunden, wobei nicht ganz, denn wir sind ja noch bis Faro gefahren, um dort zu nächtigen. Auf dem Weg dorthin haben wir noch Orangen eingekauft, für die diese Region berühmt ist, und Sonja hat dann abends noch eine Jongliereinlage hingelegt.

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Sonja jongliert im EU-GO mit den riesigen Orangen aus Albufeira, natürlich ohne Unfall…