Von Sevilla an die Küste nördlich von Cádiz – einen ganzen Tag ohne Meer, das geht ja nicht…

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in Sevilla, die recht früh nicht mehr ganz so ruhig war, da die Arbeit in einem Hafen wohl früh startet. Wie nah wir am Hafen und der damit verbundenen Betriebsamkeit waren, hatten wir am Vortag gar nicht so richtig wahrgenommen, denn am Sonntag war es sogar im Hafen ruhig. Das änderte sich allerdings dann am frühen Montag, dennoch haben wir sehr gut geschlafen, was vermutlich auch an  der Anstrengung des gestrigen Tages gelegen hat.

Bereits am Abend hatten wir beschlossen, dass wir nun wieder ein wenig Urlaub benötigen und etwas länger an einem Ort bleiben wollen. Dass dieser Ort möglichst direkt am Meer liegen sollte, war ja eigentlich klar. So haben wir uns für einen Campingplatz in der Nähe von Rota entschieden, den Camping Aguadulce (woher der Name kommt, haben wir bislang noch nicht herausgefunden, denn das Meerwasser ist bekanntlich salzig und weniger süß). Was allerdings sehr süß ist, ist die Distanz vom Platz zum Meer, was den Ausschlag gegeben hat, sich für diesen Platz zu entscheiden.

Nach einer morgendlichen Dusche, die der Stellplatz in Sevilla ja ebenso wie Toiletten anbot, der Leerung unseres Brauchwassertanks und der Abrechnung fuhren wir dann also schon recht bald wieder gen Südwesten in Grobrichtung Cádiz. Die Straßen waren viel besser, als wir es von Portugal gewohnt waren, und so kamen wir äußerst zügig voran. Mitten im Nirgendwo sahen wir dann auf einem Hügel ein prächtiges Bauwerk…

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Die Kirche in El Palmar de Troya

Natürlich haben wir angehalten, und da wir mal wieder Glück hatten, war das Tor von einem der Angestellten gerade geöffnet worden, so dass wir genau dieses eine Bild machen und einen Blick auf die Kirche erhaschen konnten. Das Gelände durften wir als “Ungläubige”, die zudem nicht festlich genug gekleidet waren (wir wollten ja auch Auto fahren und nicht heiraten), nicht betreten. Es stellte sich heraus, dass diese Kirche das Zentrum der “palmairanischen Kirche” darstellt. Diese Glaubensgemeinschaft, die sich als verbliebener Rest des “wahren Katholizismus” sieht, erkennt die Veränderungen des zweiten Vatikanischen Konzils nicht an und hat folglich auch einen eigenen Pabst. Die Messe wird nach wie vor in Latein gelesen und der Zehnt eingefordert. Die Kirche hat weltweit etwa 10.000 Mitglieder, viele davon auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So erklärt sich auch, dass mitten in der öden Landschaft ein solch prächtiges Bauwerk entstehen konnte, denn alles, was dafür gespendet wurde, wird im Leben nach dem Tode hundertfach zurückgegeben… Eigentlich logisch, dass vor allem Schwaben sich auf einen solchen Deal einlassen… Tatsächlich ist in Stuttgart wohl ein großer Teil der deutschen Anhänger zu finden, wie uns der Mitarbeiter erklärte. Außerdem erhielten wir auch Informationsmaterial auf deutsch.

Derart informiert machten wir uns dann auf die Weiterfahrt an die Küste. Kurz vor dem eigentlichen Ziel fand Sonja wieder eine ausgesprochen günstige Tankstelle, so dass wir unseren Treibstoffvorrat auffüllen konnten, und anschließend erledigten wir das auch noch mit den Vorräten für uns und kauften reichlich Nahrungsmittel ein. Die enge Zufahrt und der Parkplatz, der eigentlich nach deutschen Maßstäben lediglich für Kleinstwagen geeignet war, schreckte uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr ab.

Bereits gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz und stellten fest, dass dieser zu einem großen Teil von Dauercampern genutzt wird, diese aber nicht anwesend waren. Kurzum, es ist absolut ruhig und Menschen sehen wir eher selten. Die ideale Lage direkt am Strand hat sich bewahrheitet, denn von unserer Parzelle bis zum Meer sind es nicht einmal 100 Meter.

Natürlich haben wir auch den Strand direkt mit einem Spaziergang erkundet und nach knapp 5 Kilometern in eine Richtung umgedreht. Auf dem Rückweg gingen wir nicht direkt am Strand, sondern auf einem direkt dahinter liegenden Weg entlang. Dort waren auf dem Golfplatz tatsächlich vereinzelte Menschen zu sehen, alle Häuser und Wohnungen, die wir sahen, wirkten vollständig ausgestorben und das, obwohl die Luft mit 20 °C durchaus noch angenehm warm ist, und sogar das Wasser eine Temperatur von 19 °C hat. Auf dem Rückweg hörten wir mehrere Male laute Knallgeräusche vom Meer, und wir haben eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass die spanische Marine dort wohl ein Manöver abhielt, denn vereinzelt war auch Leuchtmunition zu erkennen. Unwahrscheinlich ist das hier nicht, da in Rota einer der größten Marinestützpunkte Europas liegt, was wir aber auch erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden haben. Unter anderem leben auf der Base auch 3000 Amerikaner. Rota wurde im März 2019 sogar Operationshauptquartier der EU, auch eine Folge des Brexit, denn das Hauptquartier in Northwood (GB) wurde durch Rota ersetzt. Eines der fünf Hauptquartiere liegt übrigens in Potsdam (wo da ausreichend Wasser ist, ist mir allerdings ein Rätsel…). Es ist schon erstaunlich, wie nahe man an Ereignisse des Weltgeschehens kommt, ohne sich wirklich damit zu beschäftigen, denn wir verzichten aktuell bewusst auf “Nachrichten”.

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Ein Schiff der (spanischen?) Kriegsmarine

An Lissabon vorbei über den Tejo nach Alcacér do Sal und Vila Nova de Santo André – puh was für Namen

Gottseidank sind nicht alle Dinge so schwierig, wie die portugiesischen Namen für mich. Ich kann sie mir einfach sehr schlecht merken… Aber der Reihe nach:

Nach dem anstrengenden Tag Montag in Lissabon und Cascais ging es dann heute weiter Richtung Süden. Zuerst haben wir aber beide das wieder vorhandene Wasser auf dem Campingplatz genutzt und noch einmal geduscht. Anschließend die übliche Abfahrtroutine mit Stufenkeilen einpacken und säubern, Wäscheleine einpacken, Innenraum fahrfertig machen, Ver- und Entsorgen. Alles zusammen dauert eben so seine Zeit.

Unser primäres Ziel für den heutigen Tag war vor allem die Stadt Lissabon hinter uns zu lassen und den Tejo zu überqueren und das ohne auf eine Fähre, eine Autobahn oder eine mautpflichtigen Straße zu kommen. Es ist uns, auch dank unseres Navigationssystems, geglückt und so konnten wir nach etwa dreistündiger Fahrt unsere Frühstückspause in Alcacér do Sal machen. Dort haben wir dann auch einen Rundgang durch das Städtchen mit den weißen Häusern und den vielen Storchennestern gemacht. Besonders  die Kirche, die innen komplett mit den typischen blauen Kacheln verziert ist, hat es uns angetan und muss keinen Vergleich mit den Kirchen Lissabons scheuen.  Der Ort Alcacér do Sal leistet sich den Luxus einer eigenen, wirklich langen  Fußgängerbrücke, so dass man auf der einen Seite des Flusses in die Stadt, auf der anderen zurück gehen kann. Überhaupt wird für Besucher einiges geboten, so stehen ausreichend Parkplätze und kostenlose und saubere öffentliche Toiletten bereit. Wenn das nur immer so wäre… Zum Abschluss hat sich dann doch noch ein Quotenstorch  gezeigt, bevor wir weitergefahren sind (bestimmt auch vom Touristenoffice extra angeheuert, dass er nicht wegfliegt).

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Alcacér do Sal, eine kleines Städtchen, das es sich anzusehen lohnt

Als Backup hätten wir in Alcacér do Sal auch übernachten können, da wir aber sehr gut durchgekommen sind, haben wir uns entschlossen die weitere Stunde bis Vila Nova de Santo André in Angriff zu nehmen und dort am Meer und gleichzeitig an der Lagune unsere Nacht zu verbringen.

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Der Holzsteg führt am Sandstrand von Vila Nova de Santo André entlang zur Lagune. Diese ist links im Bild zu sehen, das offene Meer rechts.

Bunte portugiesische Städtchen und mehr (Mutosa – Aveiro – Costa Nova do Prado – Praia de Mira)

Nach einer ruhigen Nacht in Mutosa direkt am Wasser, wurde unser Kreislauf  bei der Weiterfahrt dann sofort wieder auf Touren gebracht, denn die Straße, die uns das Navi führen wollte, war gesperrt und alle anderen Wege waren sehr schmal. Sehr schmal bedeutet, dass wir an beiden Spiegeln teilweise nur wenige Zentimeter Platz hatten und gleich mehrfach freundliche Anwohner mitgeholfen haben, sei es durch Mitschauen oder Wegfahren von anderen Fahrzeugen, ohne dass es keinerlei Fortkommen gegeben hätte. Im Endeffekt stellte sich heraus, dass es zur “gesperrten” Straße keine Alternative gab und heute eh an der vermeintlichen Baustelle nicht gearbeitet wurde. Nur die Schilder sind eben stehen geblieben… Anschließend wurden die Straßen deutlich besser, und wir konnten ab und an tatsächlich auch fast die erlaubten 50 km/h im Ort erreichen. Fast allerdings nur deshalb, weil wir ständig mit selbstmordgefährdeten anderen Verkehrsteilnehmern rechnen mussten. So war die Oma, die mit ihrem Rollator zwischen parkenden Autos hervorschoss, weniger überraschend, als Linksabbieger, die einfach durch den Gegenverkehr abbogen, obwohl es keine Lücke gab und ich teilweise kräftig in die Eisen steigen musste. Dass die Verwendung von Blinkern generell überbewertet ist, haben wir ebenfalls gelernt. Einzig als Warnblinker, wenn man mitten auf der Straße im absoluten Halteverbot, aber direkt vor dem Geschäft seines Vertrauens parkt, werden diese gelegentlich verwendet. Ein Überholen innerhalb geschlossener Ortschaften, bei Gegenverkehr mit Geschwindigkeiten jenseits der 80km/h ist eher normal. Damit das aber wirklich überraschend kommt, fahren die Menschen erst einige Kilometer direkt hinter einem her, um dann nicht etwa auf der breiten, gut ausgebauten Straße zu überholen, nein im Ort ist das viel interessanter und vielleicht kann Mann da seine Potenz (oder zumindest die des Fahrzeugs) besser zur Schau stellen?!? Das nach dem Überholmanöver so eingeschert wird, dass der Überholte abbremsen muss, ist schon selbstverständlich, nicht nur des Gegenverkehrs wegen…

Nach knapp einer Stunde erreichten wir dann Aveiro und den zwar sehr zentral gelegenen, aber alles andere als einladenden Stellplatz. Weil wir das aber ja bereits wussten, nutzten wir diesen lediglich als Parkplatz für die Stadtbesichtigung. Bereits nach etwa einer Stunde waren wir auch damit “durch”, denn die Stadt wird sehr gut vermarktet und ist entsprechend voll mit Touristen, ist aber nicht so besonders. Die Boote, mit denen dort Touristen durch die Kanäle geschippert werden, kann man entlang der Küste – mindestens ebenso reich verziert – im alltäglichen Einsatz sehen.

Ganz anders der eher unbekanntere Ort Costa Nova do Prado, der durch seine wirklich hübschen, bunte bemalten Häuser besticht und zudem einen ausgesprochen schönen Sandstrand besitzt. Dorthin haben wir dann auch unsere Frühstückspause verlegt.

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Die bunten Häuser von Costa Nova do Prado, in Richtung des Binnengewässers gelegen…
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… und keine 500 Meter entfernt: Ein wunderschöner Sandstrand und Dünen, die mit Holzstegen sehr gut zu erreichen sind

Im Anschluss sind wir die Küstenstraße weiter gen Süden gefahren und haben Praia de Mira erreicht. Dieser Ort hat bezüglich der Architektur etwas weniger zu bieten, dafür kann man aber direkt mit Blick auf das Meer parken. Der Strand ist ebenso wie die Kapelle absolut sehenswert. Noch dazu mit solch hohen Wellen, wie heute.

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Die Kapelle von Praia de Mira, direkt am Strand gelegen

Vom “Ende der Welt” mit Zwischenstopp in Santiago nach Pontevedra kurz vor Portugal

Um an den gestrigen Bericht anzuschließen, gehe ich auf die Schräglage unseres Wohnmobils kurz ein, was uns wirklich nicht an einem guten Schlaf gehindert hat, also muss man es mit den Auffahrkeilen nicht so genau nehmen. Nur der Kühlschrank funktioniert besser, wenn er aufrecht steht. Nach einer geruhsamen Nacht mit einem Sternenhimmel mit Millionen Sternen (würde der Trierer sagen!) konnten wir heute Morgen aus unserem Bett den Sonnenaufgang über den Bergen beobachten. In welchem Schlafzimmer kann man gleichzeitig aus den Bett sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen? Einfach genial!

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Der Sonnenaufgang in Fisterra. Sonja schaut zum Kreuz auf.

Die ersten Wanderer oder Pilger waren auch schon wieder unterwegs, um diesen von Finisterre aus zu beobachten. Wir warteten auch nicht lange und spazierten noch zum Leuchtturm und stiegen die Treppen hinab bis ans Wasser. Da war dann wirklich das Ende der Welt und das finale Ende vom Jakobsweg. Bald machten wir auch wieder unseren EU-GO startklar um in die Pilgerstadt Santiago de Compostela aufzubrechen.

Am Abend zuvor hatten wir uns eine günstige Tankstelle gemerkt, wo wir auf dem Rückweg noch einmal volltanken wollten, bevor es nach Portugal geht, wo der Sprit teurer sein soll. Ebenso gab es dort einen riesigen spanischen Supermarkt, den wir einmal auf sein Sortiment testen wollten, nachdem wir davor in einem spanischen Lidl einmal eingekauft hatten. Fazit, die Preise sind fast gleich, doch der Lidl hatte eine deutlich größere Obstauswahl. Danach ging es recht entspannt über wechselnde Autobahnen und Nationalstraßen nach Santiago, wo wir einen Stellplatz suchten. Ein Parkplatz für Busse und Wohnmobile sollte 12 Euro kosten, egal ob für eine oder für 24 Stunden, das lehnte ich allerdings kategorisch ab, weil mir das für 3 Stunden zu parken einfach zu teuer war. Also lotste mich mein Gefühl einen Berg hinauf Richtung Wald, wo Marc über eine App einen kostenlosen Waldparkplatz ausfindig machte, der zu Fuß 25 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Zwei französischen Geschwister der Marke Chausson standen bereits auf diesem Platz, und deren Besitzer grüßten freundlich.

Nach unserem Frühstück, was heute dann erst um 14 Uhr stattfand, machten wir uns gegen 15 Uhr auf in die Stadt. Es war wirklich ein Katzensprung, und es war auch wirklich nicht viel los. Von weitem sah man schon die Kathedrale die ganze Stadt im Tal überragen. Von unserem Parkplatz aus lag uns quasi die Stadt zu Füßen. Zuerst besuchten wir eine schöne kleinere Kirche namens San Francisco, welche auf dem Weg lag, bevor wir zur Kathedrale gingen. Der Platz vor der Kathedrale war recht voll von Pilgern, die auf dem Boden saßen und ihre Füße “lüfteten” und sich von ihren Strapazen erholten. Eine nette ruhige Atmosphäre. Die große Enttäuschung kam, als wir in die Kathedrale hineingingen, alles war mit Folie verhüllt wegen Bauarbeiten. Sowohl alle Seitenkapellen, der Altar, einfach alles. Nur den engen Zugang zum heiligen Jakobus hatten sie offen gelassen, damit die Pilger ihn traditionell umarmen können. Dafür musste man Schlage stehen, was wir uns ersparten. Von außen ist die Kathedrale allerdings sehr beeindruckend, ebenfalls die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde mit ihren Säulengängen und engen Gassen.

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Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Platz davor viele mehr oder weniger erschöpfte und gezeichnete Pilger.

Die Stimmung war wirklich friedlich und angenehm, ich hatte erwartet, dass die Stadt von Pilgern überlaufen sei. Mit 100.000 Einwohnern ist sie auch überschaubar, so dass wir mit unserer Besichtigung in knapp zwei Stunden schon “durch” waren. Daraufhin beschlossen wir, uns wieder Richtung Meer zu orientieren, Pontevedra, unser nächstes Ziel kurz vor Portugal. Das Wetter war auch heute wieder traumhaft, über 20 Grad und Sonnenschein, so verlängert man sich den Sommer gerne. Die Stadtbesichtigung von Pontevedra steht dann morgen auf dem Programm.

Die Anfahrt hierhin war sehr anstrengend für mich (Sonja), enge Landstraßen, LKWs im Gegenverkehr, so was macht mir “latent” Stress, so dass ich mich auf den nächsten “Urlaub” freue, sprich, ein paar Tage auf einen Campingplatz zu fahren und noch mal von der Fahrerei pausieren. Wir sind jetzt genau eine Woche unterwegs (von unserem franz. Campingplatz in Moliets) und waren jede Nacht und jeden Tag irgendwo anders, wir haben so viel gesehen, dass man es erst mal wieder sacken lassen muss, und wir haben in dieser Woche die ganze spanische Nordküste (inkl. 2 Tage Picos de Europa) abgefahren und unsere Highlights besichtigt. Sehr viele und schöne Eindrücke, die wir in einem “normalen” Jahresurlaub niemals gesammelt hätten! Wir freuen uns jetzt schon auf Portugal, wo wir beide erst zweimal waren, einmal gemeinsam in Porto und jeder einmal alleine. Da wir zu unseren “Luxemburgzeiten” und in Stuttgart (Herr Illi bleibt unvergessen! (Marc)) auch sehr nette Bekanntschaften mit liebenswürdigen Portugiesen im Alltag und als Kollegen gemacht haben, freuen wir uns besonders, dieses Land zu erkunden.

Eine abenteuerliche Gebirgstour durch die Picos (Teil II) mit Happy End

Nachdem wir nach der gestrigen Etappe recht müde ins Bett gefallen waren, erwachten wir heute Morgen im dichten Nebel bei 8 Grad am Stausee von Riaño. Unser heutiges Ziel war eigentlich ausschließlich, wieder heil und unfallfrei aus diesem gigantischen Gebirge, welches wir extrem unterschätzt hatten, herauszukommen. Der gestrige Tag war wirklich nervenaufreibend, wie Marc ja schon geschildert hat. Der heutige hielt auch wieder einige Überraschungen parat. Kurz: Wir fuhren ohne lange nachzudenken recht früh los, weil wir heute irgendwann wieder am Meer ankommen wollten. Das Navi spielte recht schnell verrückt und führte uns auf eine falsche Straße, was wir aber schnell merkten und noch rechtzeitig wieder wenden konnten. Nach ca. 20 km kamen wir an einen Ort, wo ein Schild “Straße gesperrt” stand. Die Umleitung sollte über eine sehr enge und kurvenreiche Straße gehen, die für lange Fahrzeuge nicht geeignet war.

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Straßensperrung mitten im Gebirge

Laut Aussage der Bauarbeiter würde ausnahmsweise, weil Freitag war, die Baustelle wieder um 14 Uhr anstelle von 20 Uhr geöffnet. Zwei andere deutsche Wohnmobile standen ebenfalls vor dem Schild, und wir beschlossen gemeinsam, einfach hier Mittagspause zu machen und auf der Öffnung zu warten, anstatt die risikoreiche Umleitung zu fahren.

Vor der Baustelle entdeckte ich am linken Straßenrand einen riesigen Walnussbaum, und wer mich kennt, weiß, dass ich jedes Jahr kiloweise Walnüsse sammele. Schon an der Mosel hatte ich damit begonnen, und auch in Stuttgart sammelte ich in der Herbstzeit jeden Tag Walnüsse nach meinem Morgenlauf.  Der Baum hing voller reifer Nüsse, und sehr viele lagen auch schon auf dem Boden, so dass ich mir erst einmal eine Tüte besorgte. Die Ausbeute der 20 minütigen Sammelaktion kann sich sehen lassen. Bio-Walnüsse aus den Picos de Europa. Eine Delikatesse! Selbst die frischen, die noch nicht getrocknet sind, kann man schon essen.

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Die gesammelte Nussausbeute von heute

Pünktlich um 14 Uhr wurde die Baustelle freigegeben, und wir machten uns auf den Weg Richtung Küste. Dieser sollte noch 200 km lang sein und über drei Stunden dauern. Sehr ermutigend! Was uns erwartete, seht ihr auf den nächsten Bildern: Enge Tunnel, viele scharfe Kurven an Felswänden entlang mit tiefen Abgründen auf der gegenüberliegenden Seite. “Mein Vater wäre ausgestiegen und zu Fuß weiter gegangen”, sagte ich zu Marc.

Anscheinend hatte ich schon etwas Übung von gestern, oder ich hatte nur den Eindruck, dass diese Route nicht mehr ganz so heftig war. Dennoch war es immer wieder eine Herausforderung, nicht mit dem Gegenverkehr zusammenzukrachen, weil doch rechts auch eine Felswand war, die wir mit unserem rollenden Haus nicht unbedingt “streifen” wollten. Und ungeduldige Einheimische schoben uns oft von hinten an, die ich dann auch oft vorbeifahren ließ, wenn es mal eine Haltebucht gab.

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“leichter” Überhang über der Straße
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Tunnel in den blanken Fels gehauen, ohne jede Beleuchtung
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nicht ganz so enge Straße, denn sonst hätte es kein Foto gegeben 😉

So kamen wir mit gefühlt einem Schnitt von 30 – 40 km/h vorwärts. Irgendwann wurden die Straßen weiter, und wir erreichten den Ort Cangas de Onís, laut Reiseführer sind wir mit der Nationalstraße N625 durch die Schlucht des Río Sella den engsten befahrbaren Pass Europas gefahren. Darauf bin ich doch recht stolz, dass wir wohlbehalten dadurch gekommen sind.

Gegen Abend erreichten wir wieder den Atlantik, unser Stellplatz direkt am Wasser vor einem Traumstrand (Playa de Aguilar) für uns alleine. Nur ein paar Profisurfer saßen noch draußen im Wasser. Spontan beschloss ich, noch einmal in die Fluten zu springen, bei 18 Grad Wasser- und Lufttemperatur ein angenehmes Vergnügen vor dem Duschen. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende. Ergänzung von Marc: Natürlich nicht ohne ein leckeres, von Sonja gezaubertes Abendessen!

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Heute mal Swimmingsonja

Tschüss Moliets – Hallo Spanien!

Nach einer Morgensurfsession (diesmal nur von Sonja) und dem anschließenden Duschen haben wir in Moliets auf dem Campingplatz unsere Sachen zusammengepackt. Das gestaltet sich gar nicht ganz so schnell, denn nach mehr als drei Wochen ist doch vieles nicht im Fahrzustand. Die Surfbretter müssen mit Süßwasser abgespült und in Ihre Hüllen verpackt werden und auf dem Dach verstaut werden (natürlich auf den entsprechenden Polstern), die Wäscheleine wird abgehängt und die Wäscheklammern ordnungsgemäß verstaut, im Auto wird alles wieder so gesichert, dass es beim Fahren nicht durch die Gegend rutscht oder gar umfällt. Das Stromkabel will wieder aufgewickelt (und weil ich es ungerne dreckig verpacke, auch noch abgewischt) werden, die Gasflasche muss während der Fahrt verschlossen sein, der Kühlschrank dementsprechend umgestellt werden, außerdem sollten alle Fenster, Luken und Klappen verschlossen sein. Die Auffahrkeile, auf denen der EU-GO stand, müssen verpackt und zumindest grob abgekehrt werden, damit sie auch am nächsten Halt wieder für einen ebenen Stand sorgen können. Dann haben wir noch lecker gefrühstückt (unter anderem Sonjas legendären Obstsalat… lecker!!!) und Geschirr gespült.

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Sonjas Obstsalat

Nachdem das alles erledigt war, haben wir das Grauwasser (Wasser, was wir zum Beispiel zum Händewaschen verwendet haben) an der geeigneten Entsorgungsstation abgelassen und unseren Frischwassertank (natürlich mit dem eigenen Schlauch) vollständig befüllt. Die Bezahlung des Campingplatzes hatte Sonja bereits am Tag zuvor erledigt, so dass wir dann “schon” aufbrechen konnten. OK nur fast, denn die erste Kurzetappe ging in “die falsche Richtung” nämlich kurz nach Norden zum Super U in Moliets, um unsere Vorräte aufzufüllen. Tanken mussten wir nicht, denn der Tankinhalt sollte bis Spanien reichen, denn dort ist der Diesel erheblich günstiger als in Frankreich.

Als wir dann mit ausreichenden Lebensmittelvorräten gen Süden aufgebrochen waren, wussten wir noch nicht, wohin es uns wirklich verschlagen würde, denn wir haben uns bewusst nur die grobe Richtung gesetzt und wollten dann sehen, wo wir landen, bzw. erst vor Ort nach geeigneten Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Die französische Küste bis einschließlich Saint-Jean-De-Luz kennen wir aus den letzten Jahren schon ganz gut, so dass wir keine große Lust verspürten, diese erneut aufzusuchen, zumal der Verkehr an diesem Montag gewaltig war. Einige Ortszufahrten sind zudem eher für normale PKW als für Wohnmobile geeignet, falls sie nicht sogar aufgrund von Massen oder Größenbeschränkungen verboten sind. Zudem scheint es in Frankreich (zumindest an der südlichen Atlantikküste) den Trend zu geben, Wohnmobile nur noch auf (gebührenpflichtigen) Stellplätzen abstellen zu dürfen. Das mag für eine Übernachtung ja sinnvoll und akzeptabel sein, wobei man für das reine Parken manchmal mit 14 € und mehr zur Kasse gebeten wird, was ich schon als recht unverschämt empfinde, aber um nur mal eben einen Blick auf den Strand zu werfen?!? Wir haben uns der Gastfreundschaft jedenfalls gebeugt und sind weitergefahren. So sind wir viel schneller als ursprünglich gedacht in Spanien angekommen. Mit dem Grenzübertritt ändert sich von jetzt auf gleich auch die Landschaft grundlegend. War Frankreich noch weitestgehend flach, allenfalls hügelig, sind in Spanien sofort wirkliche Berge vorhanden. Der Verkehr wird deutlich ruhiger, auch wenn es in Spanien den ein oder anderen Roller- oder Autofahrer gibt, der seinen Schutzengel ganz schön strapaziert. Wir kommen dann recht schnell nach Donostia-San Sebastián und entschließen uns spontan noch einen Stadtrundgang zu machen, da wir hinter dem Stadion einen hervorragenden Parkplatz gefunden haben, an dem auch schon einige andere Reisemobilisten Halt gemacht hatten.

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Unser EU-GO mit zwei Geschwistern aus demselben Herstellungsort

Aus dem kleinen Stadtrundgang wurde dann ein mehrstündiger Spaziergang von etwa 11 Kilometern Länge…

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Dabei durften wir feststellen, dass sich die Leichtathletik in San Sebastian offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, denn der Trainingsplatz war voll von jungen Athleten, die auch nicht erst seit gestern dabei sind, denn die Bewegungen waren wirklich gekonnt (was wir als langjährige Leichtathleten durchaus beurteilen können). Am Fluss Urumea entlang wanderten wir so zuerst bis zum Meer und dann durch die sehenswerte Altstadt zurück Richtung Stadion. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, hier einige Impressionen. Wir sind abends jedenfalls hundemüde ins Bett gefallen, nicht jedoch ohne einen Obstsalat gegessen zu haben, dessen Zutaten wir teilweise in einem kleinen Geschäft auf dem Weg eingekauft haben.

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kitschiger Sonnenuntergang
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Das Rathaus mit der Bibliothek (im Keller)
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Ja, auch einen Kursaal gibt es…
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… ebenso wie nette Plätze

 

Beim Wellenreiten sichteten wir einen Delfin

Dieses Mal widme ich mich dem Thema “Wellenreiten”, welches mein liebstes Hobby ist, seitdem ich 1996 das erste Mal auf einem Wellenreitbrett gestanden habe. Damals war ich mit dem Jugendferienwerk in Nordportugal. Meine erst Flugreise im Leben. Und dort wollte ich Windsurfen lernen in einem zweiwöchigen Kurs. Dass ich dort auch einen Wellenreitschnupperkurs machen durfte, wusste ich vorher nicht, und dass mich diese Surfvariante noch viel mehr faszinieren würde als das Windsurfen, hätte ich auch damals nie erahnt. Nach dem Urlaub wollte ich nur noch eins: Ein eigenes Wellenreitboard besitzen und sobald wie möglich wieder ans Meer. Diese Story würde zu weit gehen, von daher verweise ich auf das erst begonnene Buch, welches wir schreiben werden (voraussichtliche Fertigstellung nach unserer Reise), wo die ganze Story drin zu lesen ist mit der Suche nach einem Brett im kalten Deutschland ohne Internet und Co. Eine höchst anspruchsvolle Herausforderung mit einem bisschen Glück.

Nun zurück zu unseren Surfsessions an unserem Strand in Moliets. Die ersten Tage sind wir meist morgens als erstes gegen 10 Uhr zum Surfen an den Strand gegangen. Die Wellen waren bisher eher schlecht als recht. Viel Strömung, viel Chaos, die ganze Zeit ein heftiger Kampf gegen große Weißwasserwalzen, alles andere als entspannt. Nach einer Stunde waren wir meist schachmatt. Danach geht es normalerweise erst zum Entsalzen unter die heiße Dusche und danach zum späten Frühstück auf unserem Campingplatz, gemütlich vor unserem EU-GO im Schatten. Nachmittags zieht es mich dann erneut in die Wellen, immer in der Hoffnung, dass die Bedingungen besser werden. Gestern hatten wir erstmals so schöne Wellen, grüne, schön geordnet, gut kalkulierbare Sets rollten an den Strand. Auch nicht so hoch, so dass man locker hinter die Brechungszone paddeln konnte, ohne dabei gewaschen zu werden. Das Wasser war so klar und schimmerte grünlich, dass man den Sandboden überall sehen konnte. Überall sah man silberne Fische schwimmen, selbst in den Wellenkämmen, die sich über unseren Köpfen auftürmten, oder wenn wir eine Welle hoch paddelten. Plötzlich hörte ich hinter mir ein  undefinierbares Wassergeräusch. Ich drehte mich um und sah einen Fischschwarm aus dem Wasser springen und im selben Moment einen richtig großen “?”…….Marc rief vom Ufer aus: “Schau mal, ein Delfin hinter dir!” Ich konnte es kaum glauben, hier jemals einem Delfin zu begegnen. Vielleicht weil wir alle Bücher vom “träumenden Delfin”-Autor Sergio Bambaren neulich gelesen haben bzw. bei uns an Bord haben.

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Sonja surft eine grüne Welle und hat sichtlich Spaß dabei

Die Hoffnung, dass die Wellen heute auch noch so schön sein würden, bestätigte sich leider nicht. Dafür sind Marc und ich allerdings eine schöne Welle auf Kommando gemeinsam nebeneinander angepaddelt, haben sie bekommen und sind sie Hand in Hand bis fast an der Strand gesurft. Zum Abschluss gab es einen Kuss. Es gibt sicher nicht so viele Pärchen, die so eine Welle jemals gesurft sind! 🙂