Reaktionen und Fragen von anderen Menschen zu unserer Langzeitreise

Wie ihr Euch vorstellen könnt, sind die Rückmeldungen und Reaktionen, die wir auf unsere “Auszeit” bekommen, sehr unterschiedlich.

Am weitaus häufigsten haben wir bislang gehört: “Super, dass ihr das macht, aber wir könnten das nicht“. Dazu können wir natürlich wenig Konkretes sagen, da die Situation von Menschen ausgesprochen unterschiedlich sein kann, aber wir haben unterwegs ganze Familien mit zwei schulpflichtigen Kindern getroffen, die eine Lösung gefunden haben, um mindestens ein Jahr zusammen zu reisen. Daher sind die meisten Grenzen und Hindernisse, die Menschen mit einer solchen Auszeit haben, die eigenen Denkmuster und Gewohnheiten. Denn was nicht geht, damit muss man sich ja nicht weiter auseinandersetzen. Niemand muss so etwas machen, aber wir haben genügend ältere Menschen getroffen, die nun gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, längere Reisen zu unternehmen, und alle haben positiv auf eine rechtzeitige Reise reagiert. Denn immer bis auf die Rente zu warten, dass kann auch schief gehen, wie wir leider mehr als einmal erleben mussten.

Die am häufigsten gestellte Frage war: “Wie finanziert ihr denn Euer Leben so ohne Einkünfte?“. Die Antwort ist relativ simpel und unspektakulär, denn wir haben schlicht ganz altmodisch gespart und können von unseren Rücklagen einige (auch längere Zeit) unterwegs sein. Dazu war es natürlich wichtig, sich alle regelmäßigen Ausgaben genau anzuschauen und nicht wirklich benötigte Verträge zu kündigen und Kosten zu reduzieren. Das haben wir zum Beispiel auch durch die Aufgabe unserer Wohnung in Stuttgart getan, denn die laufenden Kosten wären ja geblieben, obwohl wir keinerlei Nutzen gehabt hätten.

“Ihr habt also wirklich alle Eure Möbel weggegeben?”
Ja, also “fast”. Unser Heimtrainer, das Clavinova und ein Bürostuhl, der extra für meine Körpergröße angefertigt wurde, und ein Bett haben den Weg zu Sonjas Eltern ins Haus gefunden und warten dort auf unsere zukünftige Bleibe, um wieder von uns genutzt zu werden. Alles andere an Möbeln haben wir tatsächlich entweder separat oder mit der Wohnung verkauft.

“Habt ihr also (fast) nur noch das, was ihr in eurem EU-GO dabeihabt?”
Nein. Neben Winter- und Büroklamotten (Anzüge, Hemden und so Zeug…) haben wir auch noch Fernseher, Staubsauger, Windsurfbretter, Kajaks, Bücher, Spiele, CDs eine Stereoanlage und diverse Kleinteile an unserem Hauptwohnsitz und in einem gemieteten Kellerraum untergebracht, so dass wir nicht alles neu beschaffen müssen, wenn wir irgendwann wieder sesshaft werden.

“Habt Ihr noch einen festen Wohnsitz?”
Ja, wir sind in unserer beider Heimatstadt Euskirchen nicht nur gemeldet, sondern haben dort unseren “Lebensmittelpunkt”, auch wenn wir aktuell vorwiegend telefonisch und per Internet verbunden sind. Allerdings war es uns wichtig, in Deutschland weiterhin sesshaft zu sein, denn wir haben ja beide im Jahr 2019 noch zum Großteil in Deutschland gearbeitet und müssen daher z.B. auch noch unsere Steuererklärung machen. Außerdem ist es überaus hilfreich, wenn Briefe in Deutschland zugestellt werden können. Wir erhalten über deren Inhalt dank netter Verwandter umgehend Auskunft, bzw. Scans oder Fotos, so dass wir auch unterwegs alle wichtigen und dringenden Dinge erledigen können. Auch unsere Versicherungen laufen teilweise entsprechend angepasst weiter. (Siehe auch Krankenversicherung auf Langzeitreisen – nicht ganz so einfach wie man zunächst denkt)

“Wie lange wollt Ihr unterwegs sein?”
Wir haben aktuell mal ein Jahr ins Auge gefasst, da wir aber (noch) kein konkretes Ende in Sicht haben, ist dieser Zeitraum flexibel.

“Macht ihr ein Sabbatical?”
Jein, denn wenn man damit eine Auszeit aus dem Berufsleben meint, ist die Antwort klar “JA!” Die meisten verstehen darunter aber eine vom Arbeitgeber mehr oder weniger unterstützte Zeit, bei der der Arbeitsvertrag entweder ruht, oder aber die Freizeit vorgearbeitet wurde. Das ist bei uns nicht der Fall, da wir beide unsere jeweiligen Angestelltenverhältnisse durch Kündigung beendet haben. So haben wir im Anschluss an unsere Reise die Möglichkeit, uns an einem Ort der Wahl niederzulassen und neu zu beginnen.

“Was macht ihr danach?”
Das ist aktuell noch völlig unklar. Klar ist allerdings, dass wir beide wieder etwas arbeiten wollen. Was genau das sein wird, werden wir sehen, denn uns ist mittlerweile der Sinn der Arbeit deutlich wichtiger als nur der reine Broterwerb. Klar ein Luxus, den man sich auch erst einmal leisten können muss. Wir sehen uns also nach erfüllenden Tätigkeiten in Deutschland um, denn gerade weil wir schon eine Menge von der Welt gesehen haben, wollen wir Deutschland treu bleiben. Unsere deutlich bevorzugte Region ist der Norden Deutschlands, da uns sowohl die Landschaft und die Nähe zum Meer ebenso gefallen, wie die Mentalität der Menschen.

“Wo wollt ihr noch hin?”
Nach Frankreich und der Iberischen Halbinsel wollen wir auf jeden Fall noch nach Skandinavien, allerdings wohl erst im Frühsommer 2020. Wie die Reise bis dahin weitergeht ist von verschiedenen Faktoren abhängig, und auch eine Weiterreise bzw. ein Abstecher in andere Regionen der Welt ohne Wohnmobil sind explizit nicht ausgeschlossen. Wir wollen uns bewusst etwas treiben lassen, um auch auf äußere Einflüsse reagieren können. Bislang haben wir die Reise immer sehr nach dem Wetter ausgerichtet, aber auch familiäre Ereignisse oder potentielle Traumjobs können natürlich “dazwischen kommen”, und daher planen wir eher wochen- als monatsweise. So sind wir flexibel und haben keine Verpflichtungen.

Langsam fahren alle nach Hause…

Hier auf dem Campingplatz wird es so langsam etwas leerer, auch wenn das Wetter weiterhin sehr angenehm ist. Aber die Geschäfte auf der Promenade schließen eins nach dem anderen, der Supermarkt wird am Montag folgen. Und auch unsere Bekannten und Freunde fahren so langsam gen Heimat, teils mit Zwischenstationen, teils ziemlich direkt.

Es hat uns sehr gefreut, Thomas und Susanne kennenzulernen, die uns definitiv – was die Verrücktheit in Richtung Surfen und den verwandten Sportarten – noch meilenweit voraus sind. Außerdem hat Susanne selbst eine Karrierewende hinter sich, und die beiden haben sich immer weiter gen Norden in Deutschland orientiert, um näher am Wasser zu sein, was Sonja und mir ja auch vorschwebt. Außerdem machen die beiden tolle Musik und sammeln regelmäßig Müll an den Stränden und Orten, an denen sie Urlaub machen, so auch in Moliets.

Wir haben einen netten Abend mit Marcel und Beata verbracht und dabei so einiges über Polen, die Gastfreundschaft aber auch die Geschäftswelt in Deutschland und Polen erfahren.

Und natürlich haben wir mit Karin und Uwe etliche Surfsessions und mehrere Abende  und Abendessen zusammen verbracht und viel erzählt. Ebenso waren wir mit den beiden in St-Girons bei den Deutschen Meisterschaften im Wellenreiten und Standup Paddling. Seit wir uns vor über 10 Jahren hier in Moliets kennen gelernt haben, ist es immer wieder schön sich wiederzutreffen. Die beiden sind nun schon fast zu Hause, und vielleicht schafft Karin es ja noch rechtzeitig auf ihr Klassentreffen…

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Abschlussabendessen mit Karin und Uwe, bevor es für die beiden weit in den Osten Deutschlands zurück nach Hause geht.

Nun sind aber alle aufgebrochen, und wir werden noch einmal Wäsche waschen und dann auch in absehbarer Zeit aus Moliets losfahren. Besonders nett anzusehen ist dabei immer das Gespann von Karin und Uwe, die mit Ihrem älteren BMW und dem noch viel älteren “Puck” unterwegs sind.

Die Wellen sind aktuell so hoch, dass kein Surfer sich hinein traut, egal wie gut die Fähigkeiten sind. Die Weißwasserwalzen sind locker über einen Meter hoch, und die Wellen erreichen die drei Meter Marke. Als die Bedingungen noch etwas besser waren, ist Sonja oft bis zum Sonnenuntergang im Wasser geblieben. Ich habe meist mit einer Session am Morgen genug gehabt. In der Mittagszeit war es uns schlicht noch zu heiß am Strand, bzw. die Sonne hat heftig gebrannt.

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Bereits hier kann man erahnen, dass die Wellen alles andere als klein sind, das war aber nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was die nächsten Tage folgte…

In den nächsten Tagen machen wir uns dann auch auf weiter gen Süden, denn in der nächsten Woche sind hier Stürme vorhergesagt, die wir nicht unbedingt miterleben müssen, außerdem ist es langsam an der Zeit, mehr herumzufahren und uns der spanischen Nordküste zu nähern.