… und tatsächlich kamen wir heute bis Sevilla

Nach einer sehr erholsamen Nacht auf dem Stellplatz in Tavira wurden wir von Trompetenklängen aus der Ferne und Sonnenstrahlen geweckt. Die zehn Stunden Schlaf hatten ausreicht, dass wir voll motiviert aus dem Bett gehüpft sind, um weiterzufahren (Wir gingen in Portugal oft recht zeitig ins Bett, da es nach der Zeitumstellung auch schon um 18 Uhr dunkel wurde, und wir von den ereignisreichen Tagen immer sehr erschöpft waren). Am Abend zuvor hatten wir uns schon die Route zu unserem nächsten Zwischenziel herausgesucht. Es sollte doch noch eine letzte Großstadt vor unserem “richtigen Urlaub” werden: Sevilla. Da der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal das Mündungsgebiet ziemlich schlecht für den Straßenbau gestaltet, war ein Ausweichen auf ein Stück Autobahn, die wir sonst aufgrund der Maut in Portugal gemieden hatten, unumgänglich. Denn diese hatte eine Brücke über den Fluss, ansonsten hätte wir über die Landstraße einen Umweg von mehreren hundert Kilometern auf uns nehmen müssen. Zum Glück wurde für die letzen Kilometer bis zur spanischen Grenze auch keine Maut mehr berechnet, sonst hätten wir mit einer Strafe rechnen müssen, da wir nicht die entsprechende Bezahlbox dafür installiert hatten.

Nach knapp zwei Stunden Fahrt über ausschließlich Autobahn, erreichten wir gegen Mittag den Stellplatz am Hafen. Die Autofahrt war wirklich sehr entspannt, solch lange Autobahnstücke von über 100 km hatten wir bisher noch nie auf unserer Tour zurückgelegt. Landschaftlich war die Gegend jetzt auch nicht so attraktiv, dass man auf den Landstraßen hätte ein paar mehr Oliven- und Orangenbäume hätte zählen können. Es gab sogar Weinstöcke an der Autobahn. Der Stellplatz lag sehr nah an der Altstadt, so dass man also zu Fuß dorthin gelangen konnte. Nach einem kleinen Frühstück mit u.a. Mandarinen vom Markt in Tavira und Orangen aus Albufeira machten wir uns auf zu unserem City-Walk. Dabei starten wir beide immer unsere Polarpulsuhr bzw. Apple-Watch. Sprich, wir starten beide unsere Pulsuhren und lassen unsere Schritte und Kilometer aufzeichnen. Dabei kommen wir fast täglich auf über 10 km, oft auch 15. Heute Abend haben wir nach dem Sevilla-Rundgang sage und schreibe 20.000 Schritte zurückgelegt.

Von unserem Stellplatz mussten wir nur eine Brücke über den Guadalquivir überqueren und schon waren wir in einem der vielen grünen Stadtparks mit Palmen, Eukalyptusbäumen und anderen Blütenpflanzen wie Hibiskus, Bugainvillea, etc. Bei 24 Grad im Schatten hielten wir uns dann gerne untern den großen Bäumen auf, um ins Zentrum zu gelangen. Durch die Baumwipfel erahnten wir schon die ersten schönen Gebäude, darunter einige Museen wie an diesem Platz:

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Maurischer Baustil dominiert die Gebäude

Weiter ging es dann zur Plaza de España, der 1929 zur iberoamerikanischen Ausstellung sehr aufwendig mit Marmor und Keramikelementen gebaut wurde.

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Auch hier dominiert der Mudéjar-Baustil mit den Hufeisenbögen
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Die Kathedrale mit dem fast 100 Meter hohen Glockenturm, ehemals Minarett der maurischen Moschee, in die die Kathedrale eingebaut wurde (leider hier nicht zu sehen)
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der Torre del Ort am Flussufer

Je weiter wir in die Stadt gelangten, umso beeindruckender wurden die Gebäude, wie die Tabakfabrik wie ein Schloss mit Wassergraben, tollen Ornamenten und einem gusseisernen Zaun darum, der heutigen Universität. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten, da es in alle Blickrichtungen immer wieder neue Sehenswürdigkeiten, meist in Form von toll verzierten Gebäuden in verschiedenen Baustilen, gab. Dazwischen immer wieder enge Gassen mit schönen Häuserfassaden, kleine Hinterhöfe oder große Plätze mit netten Restaurants und Cafés, Pferdekutschen, die die Touristen durch die Stadt fuhren. Besonders die Kathedrale hat uns aufgrund ihrer großen Dimension imponiert, gefühlt mehrere hundert Meter breit. Ich dachte immer, der Kölner Dom ist das Non-Plus-Ultra, wer ähnliches erleben möchte, dem sei Sevilla ans Herz gelegt. Zum Schluss hörten wir noch ein paar Flamenco-Klänge, dessen Ursprung auch in Sevilla liegt. Die Stierkampfarena konnten wir nur von außen bestaunen. Alles in Allem sind wir sehr beeindruckt von der Vielfalt bzgl. Baustilen und der farbenfrohen Prachtbauten gesäumt von Palmen-Alleen und schönen Parks. Somit hat Sevilla weit unsere Erwartungen übertroffen, und wir können jedem mal einen Besuch ans Herz legen.

Tschüss Moliets – Hallo Spanien!

Nach einer Morgensurfsession (diesmal nur von Sonja) und dem anschließenden Duschen haben wir in Moliets auf dem Campingplatz unsere Sachen zusammengepackt. Das gestaltet sich gar nicht ganz so schnell, denn nach mehr als drei Wochen ist doch vieles nicht im Fahrzustand. Die Surfbretter müssen mit Süßwasser abgespült und in Ihre Hüllen verpackt werden und auf dem Dach verstaut werden (natürlich auf den entsprechenden Polstern), die Wäscheleine wird abgehängt und die Wäscheklammern ordnungsgemäß verstaut, im Auto wird alles wieder so gesichert, dass es beim Fahren nicht durch die Gegend rutscht oder gar umfällt. Das Stromkabel will wieder aufgewickelt (und weil ich es ungerne dreckig verpacke, auch noch abgewischt) werden, die Gasflasche muss während der Fahrt verschlossen sein, der Kühlschrank dementsprechend umgestellt werden, außerdem sollten alle Fenster, Luken und Klappen verschlossen sein. Die Auffahrkeile, auf denen der EU-GO stand, müssen verpackt und zumindest grob abgekehrt werden, damit sie auch am nächsten Halt wieder für einen ebenen Stand sorgen können. Dann haben wir noch lecker gefrühstückt (unter anderem Sonjas legendären Obstsalat… lecker!!!) und Geschirr gespült.

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Sonjas Obstsalat

Nachdem das alles erledigt war, haben wir das Grauwasser (Wasser, was wir zum Beispiel zum Händewaschen verwendet haben) an der geeigneten Entsorgungsstation abgelassen und unseren Frischwassertank (natürlich mit dem eigenen Schlauch) vollständig befüllt. Die Bezahlung des Campingplatzes hatte Sonja bereits am Tag zuvor erledigt, so dass wir dann “schon” aufbrechen konnten. OK nur fast, denn die erste Kurzetappe ging in “die falsche Richtung” nämlich kurz nach Norden zum Super U in Moliets, um unsere Vorräte aufzufüllen. Tanken mussten wir nicht, denn der Tankinhalt sollte bis Spanien reichen, denn dort ist der Diesel erheblich günstiger als in Frankreich.

Als wir dann mit ausreichenden Lebensmittelvorräten gen Süden aufgebrochen waren, wussten wir noch nicht, wohin es uns wirklich verschlagen würde, denn wir haben uns bewusst nur die grobe Richtung gesetzt und wollten dann sehen, wo wir landen, bzw. erst vor Ort nach geeigneten Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Die französische Küste bis einschließlich Saint-Jean-De-Luz kennen wir aus den letzten Jahren schon ganz gut, so dass wir keine große Lust verspürten, diese erneut aufzusuchen, zumal der Verkehr an diesem Montag gewaltig war. Einige Ortszufahrten sind zudem eher für normale PKW als für Wohnmobile geeignet, falls sie nicht sogar aufgrund von Massen oder Größenbeschränkungen verboten sind. Zudem scheint es in Frankreich (zumindest an der südlichen Atlantikküste) den Trend zu geben, Wohnmobile nur noch auf (gebührenpflichtigen) Stellplätzen abstellen zu dürfen. Das mag für eine Übernachtung ja sinnvoll und akzeptabel sein, wobei man für das reine Parken manchmal mit 14 € und mehr zur Kasse gebeten wird, was ich schon als recht unverschämt empfinde, aber um nur mal eben einen Blick auf den Strand zu werfen?!? Wir haben uns der Gastfreundschaft jedenfalls gebeugt und sind weitergefahren. So sind wir viel schneller als ursprünglich gedacht in Spanien angekommen. Mit dem Grenzübertritt ändert sich von jetzt auf gleich auch die Landschaft grundlegend. War Frankreich noch weitestgehend flach, allenfalls hügelig, sind in Spanien sofort wirkliche Berge vorhanden. Der Verkehr wird deutlich ruhiger, auch wenn es in Spanien den ein oder anderen Roller- oder Autofahrer gibt, der seinen Schutzengel ganz schön strapaziert. Wir kommen dann recht schnell nach Donostia-San Sebastián und entschließen uns spontan noch einen Stadtrundgang zu machen, da wir hinter dem Stadion einen hervorragenden Parkplatz gefunden haben, an dem auch schon einige andere Reisemobilisten Halt gemacht hatten.

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Unser EU-GO mit zwei Geschwistern aus demselben Herstellungsort

Aus dem kleinen Stadtrundgang wurde dann ein mehrstündiger Spaziergang von etwa 11 Kilometern Länge…

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Dabei durften wir feststellen, dass sich die Leichtathletik in San Sebastian offensichtlich großer Beliebtheit erfreut, denn der Trainingsplatz war voll von jungen Athleten, die auch nicht erst seit gestern dabei sind, denn die Bewegungen waren wirklich gekonnt (was wir als langjährige Leichtathleten durchaus beurteilen können). Am Fluss Urumea entlang wanderten wir so zuerst bis zum Meer und dann durch die sehenswerte Altstadt zurück Richtung Stadion. Da Bilder mehr als tausend Worte sagen, hier einige Impressionen. Wir sind abends jedenfalls hundemüde ins Bett gefallen, nicht jedoch ohne einen Obstsalat gegessen zu haben, dessen Zutaten wir teilweise in einem kleinen Geschäft auf dem Weg eingekauft haben.

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kitschiger Sonnenuntergang
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Das Rathaus mit der Bibliothek (im Keller)
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Ja, auch einen Kursaal gibt es…
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… ebenso wie nette Plätze