… und tatsächlich kamen wir heute bis Sevilla

Nach einer sehr erholsamen Nacht auf dem Stellplatz in Tavira wurden wir von Trompetenklängen aus der Ferne und Sonnenstrahlen geweckt. Die zehn Stunden Schlaf hatten ausreicht, dass wir voll motiviert aus dem Bett gehüpft sind, um weiterzufahren (Wir gingen in Portugal oft recht zeitig ins Bett, da es nach der Zeitumstellung auch schon um 18 Uhr dunkel wurde, und wir von den ereignisreichen Tagen immer sehr erschöpft waren). Am Abend zuvor hatten wir uns schon die Route zu unserem nächsten Zwischenziel herausgesucht. Es sollte doch noch eine letzte Großstadt vor unserem “richtigen Urlaub” werden: Sevilla. Da der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal das Mündungsgebiet ziemlich schlecht für den Straßenbau gestaltet, war ein Ausweichen auf ein Stück Autobahn, die wir sonst aufgrund der Maut in Portugal gemieden hatten, unumgänglich. Denn diese hatte eine Brücke über den Fluss, ansonsten hätte wir über die Landstraße einen Umweg von mehreren hundert Kilometern auf uns nehmen müssen. Zum Glück wurde für die letzen Kilometer bis zur spanischen Grenze auch keine Maut mehr berechnet, sonst hätten wir mit einer Strafe rechnen müssen, da wir nicht die entsprechende Bezahlbox dafür installiert hatten.

Nach knapp zwei Stunden Fahrt über ausschließlich Autobahn, erreichten wir gegen Mittag den Stellplatz am Hafen. Die Autofahrt war wirklich sehr entspannt, solch lange Autobahnstücke von über 100 km hatten wir bisher noch nie auf unserer Tour zurückgelegt. Landschaftlich war die Gegend jetzt auch nicht so attraktiv, dass man auf den Landstraßen hätte ein paar mehr Oliven- und Orangenbäume hätte zählen können. Es gab sogar Weinstöcke an der Autobahn. Der Stellplatz lag sehr nah an der Altstadt, so dass man also zu Fuß dorthin gelangen konnte. Nach einem kleinen Frühstück mit u.a. Mandarinen vom Markt in Tavira und Orangen aus Albufeira machten wir uns auf zu unserem City-Walk. Dabei starten wir beide immer unsere Polarpulsuhr bzw. Apple-Watch. Sprich, wir starten beide unsere Pulsuhren und lassen unsere Schritte und Kilometer aufzeichnen. Dabei kommen wir fast täglich auf über 10 km, oft auch 15. Heute Abend haben wir nach dem Sevilla-Rundgang sage und schreibe 20.000 Schritte zurückgelegt.

Von unserem Stellplatz mussten wir nur eine Brücke über den Guadalquivir überqueren und schon waren wir in einem der vielen grünen Stadtparks mit Palmen, Eukalyptusbäumen und anderen Blütenpflanzen wie Hibiskus, Bugainvillea, etc. Bei 24 Grad im Schatten hielten wir uns dann gerne untern den großen Bäumen auf, um ins Zentrum zu gelangen. Durch die Baumwipfel erahnten wir schon die ersten schönen Gebäude, darunter einige Museen wie an diesem Platz:

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Maurischer Baustil dominiert die Gebäude

Weiter ging es dann zur Plaza de España, der 1929 zur iberoamerikanischen Ausstellung sehr aufwendig mit Marmor und Keramikelementen gebaut wurde.

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Auch hier dominiert der Mudéjar-Baustil mit den Hufeisenbögen
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Die Kathedrale mit dem fast 100 Meter hohen Glockenturm, ehemals Minarett der maurischen Moschee, in die die Kathedrale eingebaut wurde (leider hier nicht zu sehen)
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der Torre del Ort am Flussufer

Je weiter wir in die Stadt gelangten, umso beeindruckender wurden die Gebäude, wie die Tabakfabrik wie ein Schloss mit Wassergraben, tollen Ornamenten und einem gusseisernen Zaun darum, der heutigen Universität. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten, da es in alle Blickrichtungen immer wieder neue Sehenswürdigkeiten, meist in Form von toll verzierten Gebäuden in verschiedenen Baustilen, gab. Dazwischen immer wieder enge Gassen mit schönen Häuserfassaden, kleine Hinterhöfe oder große Plätze mit netten Restaurants und Cafés, Pferdekutschen, die die Touristen durch die Stadt fuhren. Besonders die Kathedrale hat uns aufgrund ihrer großen Dimension imponiert, gefühlt mehrere hundert Meter breit. Ich dachte immer, der Kölner Dom ist das Non-Plus-Ultra, wer ähnliches erleben möchte, dem sei Sevilla ans Herz gelegt. Zum Schluss hörten wir noch ein paar Flamenco-Klänge, dessen Ursprung auch in Sevilla liegt. Die Stierkampfarena konnten wir nur von außen bestaunen. Alles in Allem sind wir sehr beeindruckt von der Vielfalt bzgl. Baustilen und der farbenfrohen Prachtbauten gesäumt von Palmen-Alleen und schönen Parks. Somit hat Sevilla weit unsere Erwartungen übertroffen, und wir können jedem mal einen Besuch ans Herz legen.

Peniche: World Surf League Wettkampf 2. und 3. Tag und selbst surfen

Da das Wetter in Peniche dann doch deutlich besser wurde, sind wir noch zwei weitere Tage dort geblieben und haben den Morgen begonnen, indem wir selbst surfen gegangen sind. Nach der warmen Dusche, die nach 17 Grad Wassertemperatur besonders angenehm war, und unserem relativ frühen Frühstück sind wir dann noch (Donnerstag zweimalig, Freitag einmalig) zum Supertubos und den Profisurfern gepilgert. Was wir dort zu sehen bekamen, war wirklich sehr imposant, und ich konnte weiter üben, gute Fotos von Surfern zu machen… mittlerweile klappt das – wie ich finde – ganz gut.

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Surflegende Kelly Slater – heute nicht nur als Pappkamerad – sondern höchst selbst und vollkonzentriert vor seinem ersten Auftritt. Netterweise ist er direkt vor die Linse und etwa 2 Meter an mir vorbeigelaufen.
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Kelly Slater beim “Take Off” – dem Start des Abreitens einer Welle
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Auch mit solchen Situationen muss man als Profi klarkommen… da kommt einem plötzlich ein Tube entgegen. Kelly hat es mit Bravour gelöst und eine der höchsten Punktzahlen des Freitags dafür bekommen – Am Sonntag hat es ihm leider nicht geholfen
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Es geht auch “einfach mal” nur eine grüne Wand entlang, hier der Turn unten in der Welle (bottom turn), bevor es wieder nach oben zu einem weiteren Manöver oder Sprung geht.

Natürlich gab es neben der Legende Kelly Slater auch viele andere gute Surfer, so auch den amtierenden Weltmeister und führenden der Gesamtwertung in diesem Jahr Gabriel Medina. Allerdings sind  am Sonntag, nachdem Samstag wegen schlechten Wetters keine Wettkämpfe stattfanden, sowohl Kelly Slater (USA) als auch Gabriel Medina (Brasilien) in der nächsten Runde (der Top 16) aus dem Wettkampf geflogen. Nur der aktuell zweite der Wertung für die Weltmeisterschaft Filipe Toledo (Brasilien) konnte sich in seinem Heat durchsetzen und so wichtige Punkte sammeln. Selbiges gelang auch Jordy Smith (Südafrika), dem aktuell drittplatzierten, so dass der Herr Medina es sich nicht zu gemütlich machen sollte. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass Kelly Slater in der Weltcupwertung auf Platz 13 liegt. Und auch wenn er am Freitag einen überragenden Heat gezeigt hat, war am Sonntag dann leider Schluss.

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Gabriel Medina auf einer kleineren Welle, aber auch aus diesen das Optimale herauszuholen, war in Peniche die Herausforderung, denn an einem Sandstrand brechen die Wellen nicht so planbar, wie z.B. an einem Riff.

Wir haben jedenfalls Stunden den Profis und auch am anderen Surfstrand immer wieder den unbekannten, aber teilweise ebenso hervorragenden Surfern zugesehen. Nebenbei habe ich noch eine Schulklasse glücklich gemacht, da ich Ihr Klassenfoto aufgenommen und dann per Email versendet habe.

Peniche – World Surf League Pro Portugal und Stadtrundgang

Leider waren die Bedingungen für die 2019er Ausgabe des Meo Rip Curl Pro Portugal heute am ersten Tag des Wettkampfes noch weit davon entfernt ideal zu sein, dennoch waren wir natürlich mehrfach am Veranstaltungsort. Am heutigen Tag sollten dann, eben wegen der ungünstigen Bedingungen, keine Wettkämpfe stattfinden. Dennoch waren einige der Profis im nur 16 Grad kalten Wasser und haben den Bedingungen getrotzt. Besonders die Surfer aus Australien, Brasilien und Florida, die eher warmes Wasser gewöhnt sind, hatten so ihre Schwierigkeiten und blieben auch nicht übermäßig lange im Wasser.

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Am Nachmittag haben wir einige von den Profis in mitten der anderen Surfer und Surfschulen am anderen Strand wiedergesehen, denn dort war der Wind ablandig, was deutlich besser für die Wellen ist. Einen Wettkampf haben wir aber natürlich noch nicht zu Gesicht bekommen. Da es uns hier aber auch langsam zu kühl uns stürmisch wird, werden wir bald weiterziehen. Wir haben uns daher auch entschieden nicht selbst zu surfen, denn uns war bereits am Strand kalt 😉 Wir sind ja auch keine Profis und müssen nicht erfrieren.

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Surfer auf dem Weg aus dem Wasser vor der Kulisse der Stadt Peniche

Die Organisation des Events ist dennoch beeindruckend, so hat zum Beispiel jeder Surfer einen eigenen Parkplatz im VIP Bereich, der mit seinem Namen gekennzeichnet ist. Für die Zuschauer ist das dann gleichzeitig ein Anhaltspunkt, wer sich auf dem Wettkampfgelände aufhält. Allerdings haben wir mehrere Surfer gesehen, die keinen PKW auf ihren Parkplätzen stehen hatten, aber definitiv im Wasser waren… Aber man will vielleicht auch einmal seine Ruhe haben.

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Sonja mit dem Parkplatzschild von DEM Surfer überhaupt. Kelly Slater war der jüngste und ist der älteste Gewinner von Profiwettkämpfen und mehrfacher Weltmeister. Leider haben wir Ihn noch nicht live getroffen.

Am Nachmittag sind wir dann durch die Altstadt von Peniche spaziert und auf dem Rückweg natürlich wieder an den Surferstränden gelandet, wo wir noch einmal den Surfern zugesehen haben. Zumindest so lange, bis wir uns vor der Kälte wieder in unseren EU-GO verabschiedet haben. Die alte und sehr sehenswerte Kirche von Peniche haben wir heute sogar sehr intensiv kennengelernt, denn eine nette Dame hat sich bereit erklärt uns die Besonderheiten der Kirche und die darin gelagerten Kunstwerke zu erklären und auch die weniger bekannten Stücke in den Nebenräumen zu zeigen. Die Dame sprach hervorragendes Deutsch und so haben wir viele neue Informationen sammeln können, die ich Euch aber im Detail erspare. Falls Ihr nach Peniche kommt, unbedingt die Kirche anschauen! Es lohnt sich. So nebenbei sind wir heute also wieder 15 Kilometer zu Fuß unterwegs gewesen – also nicht untätig – wenn auch nicht aktiv surfend…

Der 10. 10. für uns immer ein besonderes Datum

Heute jährt sich der 10. 10. 2010 zum 9ten Mal. Bevor ich schreibe, warum dieses Datum für uns so besonders ist, zitiere ich lieber Sonja, die es 2016 schon einmal in Perfektion in Worte gefasst hat.

Den Artikel, wie er im Mai 2016 in der Sonderbeilage des Trierischen Volksfreunds erschienen ist, findet ihr hier im folgenden:

Sonjas Geschichte: Auf dem Surfbrett in die Ehe

Auf diesem Wege möchte ich meinem tollen Ehemann dafür danken, dass er mich immer wieder aufs Neue erobert hat — bis ich mal an der Reihe war.

Seit Anfang 2007 sind wir, Marc und ich, ein Paar. Allerdings ließ ich von Beginn an deutlich durchklingen, dass für mich eine Hochzeit nicht in Frage kommen würde. Weder kirchlich noch steuerlich hatte ich zu der Zeit Beweggründe. Als ein sehr freiheitsliebender Mensch wollte ich mich durch eine Ehe nicht einschränken lassen — obwohl ich meinem jetzigen Mann und damaligen Freund ewige Treue und Liebe geschworen hatte. Allerdings wusste ich auch, dass es ein großer Traum von Marc gewesen wäre, mich zu heiraten. Ihm war klar, da ich zu dem stehe, was ich sage und da sehr konsequent bin, hätte er natürlich nie gewagt, mich zu fragen, ob ich es mir doch noch überlegen möchte mit einer Hochzeit. Er hatte zu sehr Angst, dass ich „Nein“ sagen würde.

So vergingen einige Jahre, und im Oktober 2010 wurde mein Gefühl von „Liebe“ für ihn immer intensiver. Den größten Liebesbeweis konnte ich ihm erbringen, wenn ich ihm einen Heiratsantrag machen würde. Seine Antwort wusste ich ja schon im Voraus. Und auch, dass ich die Frage stellen müsste.

Ich ließ mir noch ein paar Tage Zeit, um das legendäre Datum 10. Oktober 2010 abzuwarten — ein Wochenende. Und somit konnte ich mir noch überlegen, wie ich es anstellen sollte. Schließlich wollte ich einen außergewöhnlichen, keinen spießigen, Antrag machen.

Wir wohnen an der Sauermündung, wo die Mosel recht breit ist und sind beide passionierte Wassersportler (Kajakfahren und Windsurfen). Daher beschloss ich im Oktober 2010, vormittags bei schönem Wetter windsurfen zu gehen. Marc half mir beim Aufbauen des Materials. Nach den ersten Metern auf dem Wasser bat ich ihn, in der Wohnung einen schwarzen wasserfesten Stift zu holen, weil ich auf meinem Surfbrett eine verblasste Linie nachziehen wollte. Nichtsahnend verschwand er in unserem Zuhause. In der Zwischenzeit zog ich ein weißes T-Shirt, das ich vorher mit einer Aufschrift präpariert hatte, über meinen Neoprenanzug: „Dies ist kein Witz…“

Als er bewaffnet mit einem Stift wieder ans Ufer kam, surfte ich auf ihn zu. Er war ein wenig irritiert, mich jetzt mit einem T-Shirt mit dem Schriftzug zu sehen. Er schaute fragend und ich stürzte mich samt Segel ins Wasser, tauchte wieder auf und zeigte ihm die Beschriftung auf meinem Rücken: „Willst du mich heiraten?“und zwei Kästchen zum Ankreuzen „Ja“ und „Nein“. Sofort verstand er, warum er den Stift in der Hand hielt und stürzte sich zu mir ins Wasser — das Kreuz machte er direkt und vor Glück kullerten die Freudentränen. „Ja“, sagte er noch.

Gut zwei Monate später heirateten wir in Dänemark.

Auch neun Jahre später kann ich mein Glück kaum fassen. Mit dieser tollen Frau den heutigen Tag in Portugal (dazu demnächst mehr) bei strahlendem Sonnenschein verbringen zu dürfen, ist einfach unbezahlbar.

Von Spanien nach Portugal (von Pontevedra nach Esposende)

Die letzte Nacht haben wir, wie von Sonja bereits beschrieben, in Pontevedra verbracht. In den letzten Tagen haben wir keine Campingplätze aufgesucht sondern Stellplätze. Diese besonderen Parkplätze für Wohnmobile (oft sind Wohnwagen nicht erlaubt) gibt es mehr oder weniger häufig, je nach Interesse der Stadt oder Gemeinde an Wohnmobilisten und in Spanien auch oft kostenlos. Für alle, die sich darunter bislang wenig vorstellen können, heute ein klein wenig mehr Information dazu. Auf den Parkplätzen, die deutlich größere Parkbuchten als normale PKW-Parkplätze aufweisen, befindet sich oft noch eine kombinierte Versorgung-/Entsorgungsstation. An dieser kann das Frischwasser aufgefüllt werden sowie das Grauwasser (Dusch- und Händewaschwasser) ebenso wie der Inhalt der Toilettenkassette entsorgt werden. Zum Spülen der Toilettenkassette ist in der Regel ein separater Wasserhahn vorhanden (Die Gründe dürften offensichtlich sein.). Das Grauwasser wird in der Regel auf einer gesonderten Fläche in einen Bodenablauf eingeleitet (ähnlich einem gewöhnlichen Gully). Die Fläche, in die der Ablauf integriert ist, hat daher immer ein Gefälle in alle Richtungen auf diesen Ablauf hin.

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Ein typischer Reisemobil-Stellplatz (hier in Pontevedra recht zentrumsnah gelegen). In diesem Falle für Reisemobile bis etwa 8,5 Meter Länge passend
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Eine kombinierte Versorgungs-/Entsorgungssäule. (Linke Seite: Frischwasserentnahme; Rechte Seite: WC Entsorgung (unter der Klappe) mit separatem Wasserhahn zum Spülen der WC-Kassette)

Unsere letzte Nacht war jedenfalls aus mehrerlei Gründen nicht sehr ruhig, denn zum einen führte eine recht viel befahrene Straße direkt am Stellplatz vorbei, zum anderen war auf der anderen Seite eine Baustelle, auf der recht lange und sehr früh wieder gearbeitet wurde. Aber Ohropax ist in solchen Fällen sehr hilfreich, und wir haben dann doch ganz gut geschlafen. Pünktlich zum Aufstehen zog sich der Himmel zu, und kurz nachdem wir unser Wasser aufgefüllt und die Toilettenkassette geleert hatten, begann ein leichter Nieselregen. Dieser steigerte sich im Laufe des Vormittags, so dass unsere Stadtbesichtigung in Pontevedra relativ kurz ausfiel, was nicht unbedingt der Optik der recht ansprechenden Altstadt geschuldet war. Wir machten uns also auf gen Süden, und unser EU-GO durfte dabei noch einige Hügel erklimmen und wieder hinunterfahren.

Da wir gehört hatten, dass in Portugal Benzin und Diesel deutlich teurer sind als in Spanien, wollten wir kurz vor der Grenze noch “mal eben” tanken gehen. Diese Aktion hat dann im Ganzen etwa eine Stunde in Anspruch genommen, denn unser Navigationssystem wollte uns ein wenig Abenteuer gönnen und wählte sehr enge Straßen mit hohen Mauern aus, um dann letztlich an einer Straße anzukommen, die vielleicht vor vielen Jahren einmal befahrbar gewesen ist, das heute aber vielleicht für ein geländegängiges Fahrzeug mit Allradantrieb ist. Kurzum, wir fuhren den gesamten Weg wieder zurück. Fanden dann doch noch eine Tankstelle (auch diese war sehr gut versteckt und nicht ohne fahrerisches Können zu erreichen), die tatsächlich auch noch zu den günstigsten gehörte, die wir in Spanien bisher gesehen haben. Wenn man allerdings die mehrgefahrenen Kilometer gegenrechnet, haben wir wohl eher nicht so viel gespart. Und hätten auch einfach in Portugal tanken können. Dann wären wir allerdings um dieses Abenteuer ärmer…

Die Weiterfahrt nach Esposende – Belinho gestaltete sich dann recht ereignisarm, so dass wir am frühen Nachmittag auf einen “richtigen” Campingplatz angekommen sind.  Auf der Fahrt hat es bis kurz vor unserem Ziel entweder genieselt oder war nebelig, so dass wir nicht sehr viel von der Umgebung sehen konnten. Vom Campingplatz aus haben wir nach dem Frühstück (ihr kennt das ja mittlerweile von uns… ist immer etwas später, heute sogar erst um 15 Uhr…) einen kleinen Spaziergang in Richtung Strand unternommen.

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Der Strand und die Dünen von Esposende
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Einen solchen Strand – mit so großen, glatt geschliffenen Steinen – kann man kaum noch als Kiesstrand bezeichnen. Traumhaft schön und ganz anders als ein Sandstrand.

Den Abend lassen wir dann ruhig ausklingen, denn auch wenn wir in Portugal – dank der Zeitumstellung – eine Stunde hinzugewonnen haben, sind wir doch ein wenig “geschafft”. Wir werden dann noch überlegen, wohin es in der nächsten Zeit gehen soll. Porto werden wir sicher umfahren, denn das haben wir ja bereits intensiv kennengelernt und tendenziell zieht es uns in den Süden, denn im “Norden” wird es doch ein wenig herbstlich (Wir mussten heute bei bei den Spaziergängen Windjacken anziehen!!! ;-)). Aktuell bläst zudem der Wind sehr kräftig, was die gefühlte Temperatur weiter reduziert. Im Gegensatz zum 20 °C warmen Wasser in Moliets, hat das Meer hier auch aktuell nur noch 17 °C.

Vom “Ende der Welt” mit Zwischenstopp in Santiago nach Pontevedra kurz vor Portugal

Um an den gestrigen Bericht anzuschließen, gehe ich auf die Schräglage unseres Wohnmobils kurz ein, was uns wirklich nicht an einem guten Schlaf gehindert hat, also muss man es mit den Auffahrkeilen nicht so genau nehmen. Nur der Kühlschrank funktioniert besser, wenn er aufrecht steht. Nach einer geruhsamen Nacht mit einem Sternenhimmel mit Millionen Sternen (würde der Trierer sagen!) konnten wir heute Morgen aus unserem Bett den Sonnenaufgang über den Bergen beobachten. In welchem Schlafzimmer kann man gleichzeitig aus den Bett sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen? Einfach genial!

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Der Sonnenaufgang in Fisterra. Sonja schaut zum Kreuz auf.

Die ersten Wanderer oder Pilger waren auch schon wieder unterwegs, um diesen von Finisterre aus zu beobachten. Wir warteten auch nicht lange und spazierten noch zum Leuchtturm und stiegen die Treppen hinab bis ans Wasser. Da war dann wirklich das Ende der Welt und das finale Ende vom Jakobsweg. Bald machten wir auch wieder unseren EU-GO startklar um in die Pilgerstadt Santiago de Compostela aufzubrechen.

Am Abend zuvor hatten wir uns eine günstige Tankstelle gemerkt, wo wir auf dem Rückweg noch einmal volltanken wollten, bevor es nach Portugal geht, wo der Sprit teurer sein soll. Ebenso gab es dort einen riesigen spanischen Supermarkt, den wir einmal auf sein Sortiment testen wollten, nachdem wir davor in einem spanischen Lidl einmal eingekauft hatten. Fazit, die Preise sind fast gleich, doch der Lidl hatte eine deutlich größere Obstauswahl. Danach ging es recht entspannt über wechselnde Autobahnen und Nationalstraßen nach Santiago, wo wir einen Stellplatz suchten. Ein Parkplatz für Busse und Wohnmobile sollte 12 Euro kosten, egal ob für eine oder für 24 Stunden, das lehnte ich allerdings kategorisch ab, weil mir das für 3 Stunden zu parken einfach zu teuer war. Also lotste mich mein Gefühl einen Berg hinauf Richtung Wald, wo Marc über eine App einen kostenlosen Waldparkplatz ausfindig machte, der zu Fuß 25 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Zwei französischen Geschwister der Marke Chausson standen bereits auf diesem Platz, und deren Besitzer grüßten freundlich.

Nach unserem Frühstück, was heute dann erst um 14 Uhr stattfand, machten wir uns gegen 15 Uhr auf in die Stadt. Es war wirklich ein Katzensprung, und es war auch wirklich nicht viel los. Von weitem sah man schon die Kathedrale die ganze Stadt im Tal überragen. Von unserem Parkplatz aus lag uns quasi die Stadt zu Füßen. Zuerst besuchten wir eine schöne kleinere Kirche namens San Francisco, welche auf dem Weg lag, bevor wir zur Kathedrale gingen. Der Platz vor der Kathedrale war recht voll von Pilgern, die auf dem Boden saßen und ihre Füße “lüfteten” und sich von ihren Strapazen erholten. Eine nette ruhige Atmosphäre. Die große Enttäuschung kam, als wir in die Kathedrale hineingingen, alles war mit Folie verhüllt wegen Bauarbeiten. Sowohl alle Seitenkapellen, der Altar, einfach alles. Nur den engen Zugang zum heiligen Jakobus hatten sie offen gelassen, damit die Pilger ihn traditionell umarmen können. Dafür musste man Schlage stehen, was wir uns ersparten. Von außen ist die Kathedrale allerdings sehr beeindruckend, ebenfalls die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde mit ihren Säulengängen und engen Gassen.

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Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Platz davor viele mehr oder weniger erschöpfte und gezeichnete Pilger.

Die Stimmung war wirklich friedlich und angenehm, ich hatte erwartet, dass die Stadt von Pilgern überlaufen sei. Mit 100.000 Einwohnern ist sie auch überschaubar, so dass wir mit unserer Besichtigung in knapp zwei Stunden schon “durch” waren. Daraufhin beschlossen wir, uns wieder Richtung Meer zu orientieren, Pontevedra, unser nächstes Ziel kurz vor Portugal. Das Wetter war auch heute wieder traumhaft, über 20 Grad und Sonnenschein, so verlängert man sich den Sommer gerne. Die Stadtbesichtigung von Pontevedra steht dann morgen auf dem Programm.

Die Anfahrt hierhin war sehr anstrengend für mich (Sonja), enge Landstraßen, LKWs im Gegenverkehr, so was macht mir “latent” Stress, so dass ich mich auf den nächsten “Urlaub” freue, sprich, ein paar Tage auf einen Campingplatz zu fahren und noch mal von der Fahrerei pausieren. Wir sind jetzt genau eine Woche unterwegs (von unserem franz. Campingplatz in Moliets) und waren jede Nacht und jeden Tag irgendwo anders, wir haben so viel gesehen, dass man es erst mal wieder sacken lassen muss, und wir haben in dieser Woche die ganze spanische Nordküste (inkl. 2 Tage Picos de Europa) abgefahren und unsere Highlights besichtigt. Sehr viele und schöne Eindrücke, die wir in einem “normalen” Jahresurlaub niemals gesammelt hätten! Wir freuen uns jetzt schon auf Portugal, wo wir beide erst zweimal waren, einmal gemeinsam in Porto und jeder einmal alleine. Da wir zu unseren “Luxemburgzeiten” und in Stuttgart (Herr Illi bleibt unvergessen! (Marc)) auch sehr nette Bekanntschaften mit liebenswürdigen Portugiesen im Alltag und als Kollegen gemacht haben, freuen wir uns besonders, dieses Land zu erkunden.

Beim Wellenreiten sichteten wir einen Delfin

Dieses Mal widme ich mich dem Thema “Wellenreiten”, welches mein liebstes Hobby ist, seitdem ich 1996 das erste Mal auf einem Wellenreitbrett gestanden habe. Damals war ich mit dem Jugendferienwerk in Nordportugal. Meine erst Flugreise im Leben. Und dort wollte ich Windsurfen lernen in einem zweiwöchigen Kurs. Dass ich dort auch einen Wellenreitschnupperkurs machen durfte, wusste ich vorher nicht, und dass mich diese Surfvariante noch viel mehr faszinieren würde als das Windsurfen, hätte ich auch damals nie erahnt. Nach dem Urlaub wollte ich nur noch eins: Ein eigenes Wellenreitboard besitzen und sobald wie möglich wieder ans Meer. Diese Story würde zu weit gehen, von daher verweise ich auf das erst begonnene Buch, welches wir schreiben werden (voraussichtliche Fertigstellung nach unserer Reise), wo die ganze Story drin zu lesen ist mit der Suche nach einem Brett im kalten Deutschland ohne Internet und Co. Eine höchst anspruchsvolle Herausforderung mit einem bisschen Glück.

Nun zurück zu unseren Surfsessions an unserem Strand in Moliets. Die ersten Tage sind wir meist morgens als erstes gegen 10 Uhr zum Surfen an den Strand gegangen. Die Wellen waren bisher eher schlecht als recht. Viel Strömung, viel Chaos, die ganze Zeit ein heftiger Kampf gegen große Weißwasserwalzen, alles andere als entspannt. Nach einer Stunde waren wir meist schachmatt. Danach geht es normalerweise erst zum Entsalzen unter die heiße Dusche und danach zum späten Frühstück auf unserem Campingplatz, gemütlich vor unserem EU-GO im Schatten. Nachmittags zieht es mich dann erneut in die Wellen, immer in der Hoffnung, dass die Bedingungen besser werden. Gestern hatten wir erstmals so schöne Wellen, grüne, schön geordnet, gut kalkulierbare Sets rollten an den Strand. Auch nicht so hoch, so dass man locker hinter die Brechungszone paddeln konnte, ohne dabei gewaschen zu werden. Das Wasser war so klar und schimmerte grünlich, dass man den Sandboden überall sehen konnte. Überall sah man silberne Fische schwimmen, selbst in den Wellenkämmen, die sich über unseren Köpfen auftürmten, oder wenn wir eine Welle hoch paddelten. Plötzlich hörte ich hinter mir ein  undefinierbares Wassergeräusch. Ich drehte mich um und sah einen Fischschwarm aus dem Wasser springen und im selben Moment einen richtig großen “?”…….Marc rief vom Ufer aus: “Schau mal, ein Delfin hinter dir!” Ich konnte es kaum glauben, hier jemals einem Delfin zu begegnen. Vielleicht weil wir alle Bücher vom “träumenden Delfin”-Autor Sergio Bambaren neulich gelesen haben bzw. bei uns an Bord haben.

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Sonja surft eine grüne Welle und hat sichtlich Spaß dabei

Die Hoffnung, dass die Wellen heute auch noch so schön sein würden, bestätigte sich leider nicht. Dafür sind Marc und ich allerdings eine schöne Welle auf Kommando gemeinsam nebeneinander angepaddelt, haben sie bekommen und sind sie Hand in Hand bis fast an der Strand gesurft. Zum Abschluss gab es einen Kuss. Es gibt sicher nicht so viele Pärchen, die so eine Welle jemals gesurft sind! 🙂