Von Wellington nach Nelson

Der heutige Tag begann schon sehr zeitig, denn um 7 Uhr fuhr der Bus am Hotel ab und um 8 Uhr die Fähre, die uns von der Nord- auf die Südinsel bringen sollte. Unser Frühstück bekamen wir daher auf der Fähre und beendeten es bereits bevor wir abgelegt hatten.

Blick auf Wellington

Die Überfahrt war sehr ruhig, da wir bestes Wetter und nur wenig Wellengang hatten. Ausfahrt aus dem Hafen von Wellington war ausgesprochen sehenswert. Die Einfahrt nach Picton war wesentlich enger und von größerer Entfernung ist die Einfahrt in die Malborough Sounds kaum zu erkennen. Kein Wunder, dass bei stärkerem Wellengang eine Durchfahrt der Enge manchmal nicht möglich ist.

Nach dem Verlassen der Fähre in Picton und einem Zwischenstopp an einer einspurigen Brücke mit einem nett anzusehenden Fluss darunter, indem man auch schwimmen gehen konnte, fuhren wir über sehr gewundene Straßen direkt nach Nelson. Dort bezogen wir unsere recht luxuriösen Studios, die uns nun für drei Nächte als Wohnung dienen. Im unmittelbaren Anschluss fuhren wir in das Stadtzentrum, spazierten zur etwas erhöht liegenden Kirche und genehmigten uns ein ausgesprochen leckeres Eis. Die Kugeln waren etwa dreimal so groß wie in einer deutschen Eisdiele und der Kommentar der Verkäuferin, auf meinen erstaunten Blick hin, war: „We do ice cream properly in New Zealand!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Nachdem wir dann auch noch im Supermarkt unsere Wasser- und Lebensmittelvorräte aufgestockt hatten, fuhren wir mit dem Rest der Gruppe zurück zu den Unterkünften. Für uns egal, für manche Mitreisenden ziemlich ärgerlich, da sie Eis gekauft hatten und dieses verständlicher Weise zügig im Gefrierfach unterbringen wollten, ist die regelmäßige Verspätung eines Teilnehmers. Aber es gibt eben Menschen für die allgemeine Absprachen nicht gelten.

Nach Rückankunft im Caravanpark, in dem wir wie fast immer feste Unterkünfte bewohnen, gingen Sonja und ich noch etwas an der Lagune, die durch einen natürlichen Steinwall vom offenen Meer abgetrennt ist, entlang spazieren.

Um 19:30 gab es dann eines der in der Rundreise inkludierten gemeinsamen drei Abendessen. Unser Guide Jürgen zauberte aus Reis, Salat und Fisch ein leckeres Essen, dass wir alle genossen. Sehr bald beendeten wir dann auch den Tag, da es am nächsten Morgen auch wieder früh los gehen soll.

Von Avignon weiter gen Norden und die Partnerstadt von Fellbach

Nachdem wir am gestrigen Abend die Stadt Avignon noch ein kleines Stück hinter und gelassen hatten, da uns die Stellplätze nicht wirklich zugesagt haben, ging es heute weiter gen Norden. Zuerst ist allerdings noch die sehr stürmische Nacht erwähnenswert, die unseren EU-GO ganz kräftig geschaukelt hat. Wohlweislich hatten wir am Abend nach einem Platz Ausschau gehalten, der nicht von Bäumen umgeben ist, oder anderweitig durch herumfliegende Gegenstände gefährlich werden könnte. Diesen Platz fanden wir auf einem SuperU-Parkplatz, auf dem wir bis auf den Sturm eine sehr ruhige Nacht verbracht haben. Bei strahlendem Sonnenschein und weiterhin starkem Wind und kühlen 8 Grad fuhren wir dann unter anderem durch Orange.

img_3528
Der Triumphbogen auf dem Kreisverkehr von Orange. Leider dreht uns der Weihnachtsmann aus unserer Fahrtrichtung kommend den Rücken zu…

Auf der Weiterfahrt sind wir dann an vielen Bäumen und ganzen Waldstücken vorbeigefahren, die durch den Sturm der letzten Nacht entweder Äste verloren hatten oder sogar komplett abgebrochen waren. Unser Nachtlager war also ideal ausgewählt, denn wir und der EU-GO blieben unversehrt (ok, bis auf die vorher vorhandenen Spuren des Schrankenangriffs…).

Unseren Tag beendeten wir mit einem Stadtrundgang durch Tain-l’Hermitage mit Blick auf die französische Partnerstadt der Stadt Fellbach Tournon-sur-Rhône.

img_3535
Fußgängerbrücke (1849) von Marc Seguin über den Fluss nach Tournon-sur-Rhône,

img_3540
Ob Sonja mit dem verspäteten Brief an den Weihnachtsmann in Tain-l´Herimitage noch Erfolg hat, oder ob dieser bis zum nächsten Jahr archiviert wird?!?

img_3537
Blick auf die Fußgängerbrücke und nach Tournon-sur-Rhône,

Die alte Stadt Cartagena und eine lange Fahrt nach Oliva

Nach einer sehr ruhigen und entspannten Nacht in Cartagena haben wir uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Cartagena soll angeblich 3000 Jahre alt sein, und tatsächlich waren in jedem Loch, das für Bauarbeiten ausgehoben wurde, irgendwelche alten Mauern zu erkennen. Unter anderem gibt es auch ein römisches Bad, aber das kennen wir sowohl von Trier als auch von Zülpich, also für uns nicht sooo besonders, auch wenn die Technik der damaligen Zeit durchaus beeindruckend ist. Die Stadt Cartagena liegt jedenfalls an einem sehr großen Naturhafen und stellt den größten Marinestützpunkt Spaniens am Mittelmeer. Außerdem gibt es eine Universität. Sehr viele wunderschöne Gebäude lassen sich allerdings kaum wirklich bewundern, da die Straßen und Wege so eng sind, dass man nicht genug Abstand gewinnen kann, um diese in voller Pracht oder als Gesamtes zu erfassen und bestaunen.

img_2759
Der Blick vom Hafen auf die Stadt Cartagena ist schon beeindruckend. Leider ist das auch der einzige Bereich, wo etwas mehr Platz vor den Gebäuden ist.

img_2773
Das Rathaus von Cartagena liegt ebenfalls recht nah am Hafen.

Nach unserem Stadtrundgang, der diesmal nur knapp 12 Kilometer lang war, sind wir in Richtung Norden aufgebrochen. Eigentlich wollten wir nach La Manga del Mar Menor fahren und dort länger Station machen, aber da die riesige Salzwasserlagune vor einigen Wochen (ebenso wie der Max-Eyth-See an unserer vorherigen Spazierrunde in Stuttgart) komplett „umgekippt“ ist und alle Fische und Pflanzen gestorben sind, haben wir uns das verkniffen. Auch darauf hat uns Stefan gestern noch aufmerksam gemacht, und wir haben ein wenig weiter nachgelesen und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir uns das nicht antun müssen. Da wir ja bekennende Hasser von Touristenhochburgen sind und weiter nördlich dann Alicante und Benidorm mit den Bettentürmen und absolut zugebauter Küste folgten, sind wir noch weiter bis kurz vor Oliva gefahren. Sonja hat die dreistündige Fahrt hervorragend und ohne Zwischenfälle gemeistert. Unser Bedarf an Sonderaktionen und Abenteuer ist nach den letzten beiden Tagen auch erst einmal gestillt. So kamen wir dann um 16 Uhr in Oliva an und haben auf dem Campingplatz Olé eingecheckt. Anschließend haben wir gegen 17 Uhr unser vermutlich spätestes Frühstück der bisherigen Reise eingenommen.

Unsere Parzelle liegt etwa 50 Meter Luftlinie und ebenso weit zu Fuß vom Meer entfernt, fast direkt hinter der Düne. Hier planen wir,  noch mal ein wenig Urlaub zu machen, denn in Raddistanz gibt es einiges zu entdecken, der Strand ist wunderschön, und es laufen aktuell sogar Wellen, so dass eventuell Wellenreiten möglich sein könnte. Das Wetter soll die nächsten Tage mehrfach die 20°C Marke knacken, und das Wasser ist mit 17°C auch nicht sooo kalt.

img_2787
Der Strand direkt am Campingplatz. Wunderschön im Abendlicht, allerdings heute auch windig, und daher fühlten sich die 15°C schon recht kühl an, vielleicht auch wegen unser etwas geringen Nahrungszufuhr bisher…

Muss man nicht gesehen haben: Almeria und weiter nach Cabo de Gata

Heute morgen schien wider Erwarten und der Wettervorhersage die Sonne, so dass Sonja sich entschlossen hat, nach ganz langer Zeit noch einmal laufen (nicht das schwäbische, sondern richtig schnell!) zu gehen. Währenddessen habe ich meinem Putzfimmel gefrönt und zuerst alle Spiegel und Glasscheiben im Auto geputzt, und anschließend habe ich mich selbst unter der Stranddusche gereinigt. Bei 14°C Außentemperatur war das schon ziemlich frisch, aber es ging. Als Sonja zurückkam, ist auch sie duschen gegangen. Anschließend sind wir mit einen Lidl-Stop nach Almeria aufgebrochen. Auf einen großen Parkplatz, etwa 2 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, haben wir den EU-GO abgestellt und sind entlang der Strandpromenade in die Stadt spaziert. Dabei ahnten wir noch nicht, dass die Promenade so ziemlich das einzig sehenswerte dieser hässlichen Stadt war. Nein nicht ganz, denn die Kathedrale, bzw. ihr Vorplatz und die Fassade (da sie leider verschlossen war), die städtische Markthalle und der Paseo de Almeria waren ganz nett anzusehen. Und da ich ja immer nur schöne Fotos mache, gibt es auch nur diese zu sehen. Den Rest der Stadt kann man wohl auf enge Gassen, mit Platz nur für ein Auto oder Fußgänger, viele hässliche Graffitis und baufällige Häuser reduzieren.  Die Burg auf dem Berg gibt es auch noch zu besichtigen, das haben wir allerdings nicht mehr gemacht.

img_2717
Der Platz vor der Kathedrale von Almeria und das Portal

img_2720
Der Paseo de Almeria, eine mehrspurige Straße mit einem beeindruckenden Grünstreifen und Gehweg in der Mitte.

Nach zwei Stunden und etwa 7,5 Kilometern war unser Stadtrundgang beendet, und wir brachen in Richtung des Cabo de Gata und dem gleichnamigen Dorf auf. Dort angekommen sind wir die Promenade auf- und abspaziert, haben noch die Fischerbötchen und den Wehrturm (von außen) angesehen und den Tag dann mit einem leckeren Abendessen ausklingen lassen. Dabei waren wir wegen des erneut aufgekommenem starken Windes sehr gut und vor allem winddicht verpackt. Wir werden heute direkt am Strand auf einen Stellplatz am Dorfrand übernachten. Außer uns sind noch etwa 15 andere Reisemobile und deren Insassen hier. Die Deutschen Überwinterter sind ganz klar in der Mehrheit, aber es sind auch Niederländer, Franzosen, Briten (so lange sie noch einfach so dürfen;-)) und erstaunlich viele Schweden und Finnen unterwegs. Aktuell sind wir noch nicht schlüssig, was wir morgen unternehmen werden, denn das Wetter soll jetzt für drei Tage nicht ganz so gut, also regnerisch, windig und recht kühl sein.

img_2723
Fischerhütten und dazugehörige Boote in Cabo de Gata

… und tatsächlich kamen wir heute bis Sevilla

Nach einer sehr erholsamen Nacht auf dem Stellplatz in Tavira wurden wir von Trompetenklängen aus der Ferne und Sonnenstrahlen geweckt. Die zehn Stunden Schlaf hatten ausreicht, dass wir voll motiviert aus dem Bett gehüpft sind, um weiterzufahren (Wir gingen in Portugal oft recht zeitig ins Bett, da es nach der Zeitumstellung auch schon um 18 Uhr dunkel wurde, und wir von den ereignisreichen Tagen immer sehr erschöpft waren). Am Abend zuvor hatten wir uns schon die Route zu unserem nächsten Zwischenziel herausgesucht. Es sollte doch noch eine letzte Großstadt vor unserem „richtigen Urlaub“ werden: Sevilla. Da der Grenzfluss zwischen Spanien und Portugal das Mündungsgebiet ziemlich schlecht für den Straßenbau gestaltet, war ein Ausweichen auf ein Stück Autobahn, die wir sonst aufgrund der Maut in Portugal gemieden hatten, unumgänglich. Denn diese hatte eine Brücke über den Fluss, ansonsten hätte wir über die Landstraße einen Umweg von mehreren hundert Kilometern auf uns nehmen müssen. Zum Glück wurde für die letzen Kilometer bis zur spanischen Grenze auch keine Maut mehr berechnet, sonst hätten wir mit einer Strafe rechnen müssen, da wir nicht die entsprechende Bezahlbox dafür installiert hatten.

Nach knapp zwei Stunden Fahrt über ausschließlich Autobahn, erreichten wir gegen Mittag den Stellplatz am Hafen. Die Autofahrt war wirklich sehr entspannt, solch lange Autobahnstücke von über 100 km hatten wir bisher noch nie auf unserer Tour zurückgelegt. Landschaftlich war die Gegend jetzt auch nicht so attraktiv, dass man auf den Landstraßen hätte ein paar mehr Oliven- und Orangenbäume hätte zählen können. Es gab sogar Weinstöcke an der Autobahn. Der Stellplatz lag sehr nah an der Altstadt, so dass man also zu Fuß dorthin gelangen konnte. Nach einem kleinen Frühstück mit u.a. Mandarinen vom Markt in Tavira und Orangen aus Albufeira machten wir uns auf zu unserem City-Walk. Dabei starten wir beide immer unsere Polarpulsuhr bzw. Apple-Watch. Sprich, wir starten beide unsere Pulsuhren und lassen unsere Schritte und Kilometer aufzeichnen. Dabei kommen wir fast täglich auf über 10 km, oft auch 15. Heute Abend haben wir nach dem Sevilla-Rundgang sage und schreibe 20.000 Schritte zurückgelegt.

Von unserem Stellplatz mussten wir nur eine Brücke über den Guadalquivir überqueren und schon waren wir in einem der vielen grünen Stadtparks mit Palmen, Eukalyptusbäumen und anderen Blütenpflanzen wie Hibiskus, Bugainvillea, etc. Bei 24 Grad im Schatten hielten wir uns dann gerne untern den großen Bäumen auf, um ins Zentrum zu gelangen. Durch die Baumwipfel erahnten wir schon die ersten schönen Gebäude, darunter einige Museen wie an diesem Platz:

img_2418
Maurischer Baustil dominiert die Gebäude

Weiter ging es dann zur Plaza de España, der 1929 zur iberoamerikanischen Ausstellung sehr aufwendig mit Marmor und Keramikelementen gebaut wurde.

img_2417
Auch hier dominiert der Mudéjar-Baustil mit den Hufeisenbögen

img_2431
Die Kathedrale mit dem fast 100 Meter hohen Glockenturm, ehemals Minarett der maurischen Moschee, in die die Kathedrale eingebaut wurde (leider hier nicht zu sehen)

img_2454
der Torre del Ort am Flussufer

Je weiter wir in die Stadt gelangten, umso beeindruckender wurden die Gebäude, wie die Tabakfabrik wie ein Schloss mit Wassergraben, tollen Ornamenten und einem gusseisernen Zaun darum, der heutigen Universität. Wir wussten gar nicht, wo wir zuerst hinschauen sollten, da es in alle Blickrichtungen immer wieder neue Sehenswürdigkeiten, meist in Form von toll verzierten Gebäuden in verschiedenen Baustilen, gab. Dazwischen immer wieder enge Gassen mit schönen Häuserfassaden, kleine Hinterhöfe oder große Plätze mit netten Restaurants und Cafés, Pferdekutschen, die die Touristen durch die Stadt fuhren. Besonders die Kathedrale hat uns aufgrund ihrer großen Dimension imponiert, gefühlt mehrere hundert Meter breit. Ich dachte immer, der Kölner Dom ist das Non-Plus-Ultra, wer ähnliches erleben möchte, dem sei Sevilla ans Herz gelegt. Zum Schluss hörten wir noch ein paar Flamenco-Klänge, dessen Ursprung auch in Sevilla liegt. Die Stierkampfarena konnten wir nur von außen bestaunen. Alles in Allem sind wir sehr beeindruckt von der Vielfalt bzgl. Baustilen und der farbenfrohen Prachtbauten gesäumt von Palmen-Alleen und schönen Parks. Somit hat Sevilla weit unsere Erwartungen übertroffen, und wir können jedem mal einen Besuch ans Herz legen.