Die ersten Tage zurück in Deutschland

Nachdem wir am Abend völlig erschöpft eingeschlafen waren, haben wir den nächsten Tag nicht zu früh begonnen. Wir wurden mit strahlendem Sonnenschein und bestem Wetter begrüßt. Da sich unser EU-GO sowohl innen als auch außen in einem so ungepflegten und dreckigen Zustand befand wie nie zuvor, beschlossen wir ihn, noch auf der Straße stehend zu waschen. Meine Eltern stellten netterweise den Wasseranschluss und Schlauch zur Verfügung, so dass wir ideale Voraussetzungen hatten.

img_5795
Sonja bei der Autowäsche… Nur sie ist leicht genug, um auf dem Dach herumzulaufen, daher darf ich mich dann vor dieser Arbeit „drücken“ 😉

Nach der gelungenen Außenwäsche parkten wir dann auf unseren finalen Stellplatz neben dem Haus meiner Eltern um, füllten das Wasser auf und reinigten das Auto von Innen. Da wir sowohl eine eigene Toilette als auch eine Dusche bei meinen Eltern im Haus nutzen dürfen, haben wir hier einen wirklichen Luxusstellplatz, den wir nun ja auch erst einmal zwei Wochen nicht zu verlassen planen. Natürlich halten wir ausreichend Abstand zu meinen Eltern, um sie nicht zu gefährden, denn auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, aber absolut sicher sein können wir uns nicht, dass wir uns nicht auf dem Flug angesteckt haben.

Sonst verbringen wir die Tage mit Spaziergängen, Sonja läuft morgens ihre Runde, und ab und an fahren wir mit dem Fahrrad. Auch im Garten meiner Eltern haben wir schon ein paar Büsche zurückgeschnitten und sonst ganz viel das tolle Wetter genossen und in der Sonne gesessen. Wir sind jedenfalls sehr dankbar, dass uns unsere Eltern so gut unterstützen, Sonjas Eltern durch zur Verfügungstellung des Autos und des „Ostermenüs“, und meine Eltern überlassen uns den Stellplatz, Dusche und Toilette und ermöglichen uns ein ziemlich luxuriöses Leben in unserem EU-GO.

img_5798
Unser Luxusstellplatz mit überdachter Terrasse und direktem Zugang zu Dusche und Toilette.

Darüber hinaus habe ich nun begonnen, mich wieder nach einer neuen Arbeit umzusehen und Bewerbungen zu schreiben, denn unsere Reise ist voraussichtlich erst einmal beendet. Wir lassen uns überraschen. Nun haben wir allerdings den Vorteil, sowohl zeitlich als auch räumlich absolut flexibel zu sein und unseren neuen Lebensmittelpunkt nach dem Beruf auszuwählen. Es wird auf jeden Fall eine spannende Zeit.

Außerdem haben wir die erste Woche mit viel Papierkram verbracht, mit Finanzverwaltungen und Krankenversicherungen gesprochen und die bürokratischen Hürden eines Lebens in Deutschlands überwunden.

Zur „Haustürreparatur“ von Stuttgart ins Saarland

Wie geplant sind wir am Donnerstag von Stuttgart aus ins Saarland aufgebrochen, da wir dort bei Reisemobile Dörr einen Termin zur Begutachtung unserer Aufbautüre hatten. Weil wir dem Team dort natürlich möglichst viel Zeit geben wollten und im Stillen gehofft haben, dass eventuell auch eine taggleiche Reparatur möglich sein könnte, sind wir schon früh aufgebrochen, so dass wir bereits um kurz nach 11 Uhr in St. Wendel ankamen.

Schon an der Rezeption wurden wir wie gewohnt freundlich begrüßt, und der Werkstattmeister Werner Lehmann hatte sehr bald Zeit für uns und unser Anliegen. Wir alle hofften gemeinsam, dass es nur am Türgestänge liegt, dass sich unsere Aufbautüre von außen weder auf- noch zuschließen ließ und – schlimmer – auch der Türgriff ohne Funktion blieb. Das bedeutete, wenn man die Aufbautüre schloss, ließ sich die Türe von außen nicht mehr öffnen. Wenn also die Fahrerhaustüren ebenfalls verschlossen waren (wie sie das bei uns eigentlich immer sind), und man keinen Schlüssel dabei gehabt hätte, wäre das Auto verschlossen, und es bestünde keine Chance mehr hineinzukommen. Daher haben wir peinlich genau und mit mehrmaliger gegenseitiger Rückversicherung, dass wir wirkliche einen Schlüssel dabei hatten, die Türe immer sehr bewusst verschlossen. Bei der Rückkehr zum EU-GO haben wir dann immer die Fahrertüre aufgeschlossen und sind über die Beifahrertüre eingestiegen, um dann dem Partner die Aufbautüre zu öffnen. Jedesmal eine ziemliche Kraxelei und reichlich umständlich. Da wir den Innenraum unseres EU-GO auch nicht mit Straßenschuhen betreten, durfte der „draußengebliebene“ dann die Schuhe desjenigen, der ins Auto geturnt ist, nach hinten bringen, um sie dann auf die Fußmatte an der Aufbautüre zu stellen.

img_2726
Die Aufbautür mit bereits demontiertem Eimer, der sich normalerweise in der unteren Hälfte befindet

All das ist dank der Werkstatt von Reisemobile Dörr, Herrn Lehmann und seinen netten Kollegen seit etwa 16 Uhr Geschichte. Die Reparatur war tatsächlich „nur“, das ausgehakte Gestänge der Aufbautür wieder einzuhaken und so zu modifizieren, dass der Fehler hoffentlich nicht wieder auftritt, allerdings musste dafür die gesamte Türe auseinandergenommen werden. Nun könnte man meinen, dass es dafür einige Schrauben gibt, die man lösen und anschließend wieder festziehen kann… Allerdings hat der Konstrukteur dieser, unserer „Luxusaufbautüre“ (so wird sie im Prospekt tatsächlich bezeichnet) es etwas schwieriger gestaltet. Es gibt zu den teils gut versteckten Schrauben zusätzlich noch Tackerklammern und doppelseitiges Klebeband, das das Meisterwerk der Technik zusammenhält. Daher ist die Arbeit für den Techniker alles andere als trivial und braucht eben seine Zeit.

img_2729
Der Griff ließ sich ohne Widerstand herausziehen, ohne dass im Inneren das Gestänge „mitgenommen“ wurde.

Wir bedanken uns ausdrücklich recht herzlich für die zügige, freundliche und sehr verbindliche Art, mit der uns vom Team von Reisemobile Dörr und allen voran Werner Lehmann geholfen wurde.

Außerdem haben wir gleich noch abgesprochen, wann das Panoramadach ersetzt wird (das Ersatzteil ist noch nicht eingetroffen) und die sonstigen „Kinderkrankheiten“ unseres EU-GO beseitigt werden. Aller Voraussicht nach wird das noch während unserer Flugreisezeiten passieren, so dass wir im April mit einem völlig überholten Reisemobil in Richtung Skandinavien aufbrechen können.

Da es leider ja schon recht früh dunkel wird und wir ungern im dunkeln und wie heute im Regen fahren, haben wir beschlossen, die Nacht noch in Bliesen auf dem Stellplatz der Firma Dörr zu verbringen. Das wir dort auch die tollen Duschen und Toiletten auch über Nacht nutzen durften, ist ein weiterer Bonus. Die Entsorgungsstation werden wir morgen früh ebenfalls nutzen, um sowohl Frischwasser als auch Brauchwasser und die Toilettenkassette komplett zu entleeren, damit wir den EU-GO auch getrost bei den vielleicht doch wieder kühleren Temperaturen in Deutschland abstellen können, ohne Frostschäden erwarten zu müssen.

Manchmal führt die Fahrt weiter als geplant…

Eigentlich wollten wir nur eine kurze Etappe in Spanien zurücklegen und nach Pálamos fahren. Da die Anzahl der brauchbaren und offenen Stellplätze und Campingplätze aktuell etwas beschränkt ist, da viele im Winter einfach geschlossen sind, hatten wir uns einen geöffneten Campingplatz sowie einen Stellplatz in Pálamos ausgeguckt. Aber weder die Lage, noch die Stadt selbst sagten uns zu, so dass wir kurzentschlossen weitergefahren sind.

Zwischendurch haben wir noch einen obligatorischen Lidl-Einkaufsstop gemacht und sowohl Diesel als auch Gas aufgefüllt. Da wir dann doch etwas länger unterwegs waren, haben wir auch einen Fahrerwechsel gemacht. Nachdem ich durch etliche enge Gassen, die zu allem Überfluss auch noch zugeparkt waren, gefahren war, hat Sonja dann auf dem Lidl-Parkplatz übernommen. Sie hatte dann die teils engen Bergstraßen zu bewältigen, die allerdings kein Vergleich zu denen in den Picos de Europa waren.

img_3428
Dass wir uns so schnell wieder der französischen Grenze nähern würden, hatten wir nicht gedacht…

Wir hatten bereits geplant, als übernächsten Stopp Argelès-sur-Mer anzufahren, was dann irgendwie unser nächster Stopp und der Ort wurde, an dem wir den Jahreswechsel verbracht haben.

Auf der Fahrt durch die Ausläufer der Pyrenäen haben wir zum zweiten Mal auf unserer Tour Schnee gesehen. (Zum ersten Mal war es auf den Gipfeln der Sierra Nevada.) Allerdings Gottseidank nur von Weitem.

Am Silvesterabend haben wir, nachdem wir auf dem total vollen Campingplatz Le Roussillonnais mit Glück einen Platz bekommen haben, noch einen Spaziergang entlang der Strandpromenade in den Hafen gemacht. Nach der langen Sitzerei im Auto tat etwas Bewegung wirklich gut.

img_3432
Fischerboote im Hafen von Argelès-sur-Mer bei Sonnenuntergang.

Schon sobald die Sonne hinter den Bergen verschwunden war, wurde es ziemlich schnell kühl, und die Temperaturen sanken tatsächlich bis auf etwa 5 °C ab. So haben wir uns Überwintern im „Warmen“ nicht wirklich vorgestellt. Leider ist es im Winter wirklich überall auf der Iberischen Halbinsel nicht so richtig warm. Also ein Trugschluss, denn viele Mitteleuropäer meinen, in Spanien sei immer „Sommer“.

El Catllar: Eine kalte, ruhige, aber auch unruhige Nacht

Aus Tarragona sind wir nur einige wenige  Kilometer nach El Catllar, einem Vorort von Tarragona, gefahren, um dort zu nächtigen. Das kleine Städtchen bietet neben einem Castillo auch eine alte Tuchfabrik und ein Dorfzentrum mit alten, engen, teils recht steilen Gassen. Natürlich haben wir das bei einem kleinen Spaziergang auch erkundet.

img_3375
Die Burg von El Catllar

Der Stellplatz war unten an einem Fluss gelegen und bis auf das Plätschern des Baches sehr ruhig. Zumindest, bis die Dorfjugend sich dort versammelte und mit Prollautos und lauter Musik demonstrieren musste, wie toll man so ist. Gegen ein Uhr Nacht war das aber dann auch vorbei, uns es war wunderbar ruhig.

Als wir auf dem Stellplatz ankamen, waren wir ganz alleine dort, was sich aber im Laufe des Abends noch änderte. Es wurde richtig voll (ok fünf Mobile bei vier Plätzen;-)).

img_3374
Der Burggraben der Burg ist recht schmal, aber tief. Es muss wohl eine Menge Arbeit gewesen sein, diesen aus dem Stein zu schlagen…

In der Nacht sanken die Temperaturen erstmalig auf 6 °C, so dass es selbst in unserem Auto nur noch unter 10°C warm (kalt) war. Das haben wir aber, weil wir ja gut geschlafen hatten, gar nicht bemerkt.

 

Vom windigen Cabo de Gata ins ruhige Garrucha

Nach einer ruhigen Nacht in Cabo de Gata sind wir durch die Berge um die Landzunge herum gefahren, in der Hoffnung, dahinter weniger Wind zu haben und vielleicht sogar dem angekündigten Regen aus dem Weg gehen zu können. Zuerst fuhren wir an Salinen vorbei, die von Flamingos bevölkert wurden. Dann ging es in die Höhe und an unendlichen Gewächshäusern vorbei. Die Abdeckungen dieser Gewächshäuser sind bedauerlicher Weise fast ausschließlich aus Kunststofffolie, und leider findet sich auch sehr viel in der Landschaft darum herum. Umso bedenklicher ist es, dass die Erzeugnisse dann unter dem Bio-Siegel vermarktet werden, da der Anbau selbst wohl diesen Kriterien genügt. Das war uns bisher so nicht bewusst.

Nach einer längeren Fahrt kamen wir dann in Garrucha an und haben zuerst auf einem Parkplatz im Hafen gestanden. Als wir auf unserem obligatorischen Spaziergang allerdings den zweiten möglichen Stellplatz angesehen haben, beschlossen wir ganz zügig umzupacken, denn dieser liegt direkt am Strand mit Blick durch Palmen auf das Meer und ist zudem noch weiter vom Hafen und den potentiellen Geräuschen in der Nacht entfernt. Nach dem Umparken setzten wir unseren Stadtrundgang dann fort.

img_2742
Der Strand von Garrucha. Im Hintergrund die Berge des Cabo de Gata, hinter denen die Regenwolken tatsächlich „hängengeblieben“ sind.
img_2739
In die andere Blickrichtung sind die Berge deutlich weniger hoch und schroff. Die Wellen sind kaum 20 cm hoch. Am Morgen in Cabo de Gata waren sie durch den Wind viel höher aufgepeitscht.

Eben haben wir erfahren, das Stefan Isheim nur einige Kilometer entfernt auf einem Platz steht, so dass wir ihn morgen früh besuchen wollen. Wie es dann weiter geht, wollen wir von unserer Lust, dem Wetter und den Eindrücken abhängig machen. Fest steht, dass sich unser Wäscheberg so weit entwickelt, dass wir demnächst einen Campingplatz mit Waschmaschine aufsuchen werden. Da das Wetter in den nächsten zwei Wochen in der Region um Murcia sehr gut werden soll und auch die 20°C Marke wieder „geknackt“ werden wird, können wir uns auch einen längeren Aufenthalt vorstellen… mal abwarten, was sich ergibt.

Wir nähern uns Afrika… Natürlich entlang der Küste Aguadulce – El Palmar – Valdevaqueros

Am heutigen Tag sind wir aus Aguadulce weiter gefahren und haben zuerst das schöne Surferörtchen Al Palmar besucht. Dort haben wir verschiedene Surfläden aufgesucht und einen tollen neuen Neoprenanzug für Sonja gefunden, denn ihr bisheriger ist nach 10 Jahren des Gebrauchs schon ziemlich verschlissen und unbeweglich geworden. Eigentlich wollten wir uns aber verschiedene Surfbretter genauer anschauen und die Unterschiede erklären lassen. Um diese dann probezusurfen, wären wir sogar gerne dort geblieben, aber die Distanz vom Campingplatz zum Strand beziehungsweise zum Surfshop, wo man die Bretter leihen und ausprobieren konnte, war mit deutlich über einem Kilometer einfach zu groß. Eine solche Distanz geht man eben doch nicht mit Surfklamotten und ggf. Brett entlang einer Straße. So sind wir dann kurz nach Mittag und unserem Frühstück, schweren Herzens weitergefahren.

img_2499
Der Strand von El Palmar, wirklich schön und endlos lang… 

Anschließend haben wir noch unsere Obst, Gemüse und vor allem Trinkwasservorräte aufgefüllt (diesmal als gute Deutsche im Aldi ;-)) und haben uns auf die Suche nach der nächsten Übernachtungsmöglichkeit gemacht. Dabei waren wir unter anderem am Campingplatz Bahia de la Plata, der wirklich sehr schön, direkt am Strand gelegen ist. allerdings sind die kleinen Parzellen wirklich sehr klein, nämlich nicht mal 5 Meter tief, so dass selbst ein VW-Bus Schwierigkeiten hat darauf zu stehen. Die großen Parzellen hätten 28 € pro Nacht gekostet und das war uns dann doch zu viel, denn eigentlich nutzen wir ja lediglich die Duschen und Toiletten… Wir haben zwar beides im Auto, aber es ist schon sehr großer Luxus eine Dusche mit unbegrenzt warmem Wasser zu haben, die man anschließend nicht austrocknen (und vorher nicht ausräumen) muss. Unsere Toilette versuchen wir ausschließlich für das „kleine Geschäft“ zu nutzen, denn den anderen Geruch muss man nicht unbedingt direkt im ganzen restlichen Haus (direkt neben Küche und Bett) haben… Daher sind wir dann weitergefahren. Einen anderen Campingplatz haben wir schon im Vorbeifahren aussortiert, denn die Lage direkt an der Hauptstraße wäre vielleicht noch ok gewesen, aber auf beiden Seiten Kuhweiden, das war dann doch das KO-Kriterium, denn Fliegen gibt es hier sowieso schon genug und in der Nähe von Kühen sicher nicht weniger. Letztlich wollten wir dann einen Campingplatz am Strand von Valdevaqueros anfahren. Das haben wir dann auch gemacht, um kurz vor Einbruch der Dunkelheit vor einem verschlossenen Tor zu stehen. Natürlich hatten wir einen Plan B (und ich meine nicht den guten Tropfen von unserem Freund Johannes Bauerle), nämlich den Campingplatz, der ebenso heißt wie der Strand anzufahren. Als wir allerdings am Ende der Straße wenden wollten, stießen wir auf einen traumhaften Parkplatz, direkt am Strand, der auch schon von einigen anderen, meist windsurfenden Wohnmobilisten, bevölkert war, und entschieden uns spontan die Nacht ebenfalls hier zu verbringen. Natürlich gingen wir noch eine kleine Runde am Strand spazieren, denn nach der ganzen Sitzerei tat ein bisschen Bewegung not.

img_2503
Der Strand von Valdevaqueros kurz nach Sonnenuntergang

Den Camping Valdevaqueros werden wir dann voraussichtlich morgen ansteuern und wenn er uns gefällt für einige Zeit zu unserem vorübergehendem Wohnsitz machen.

Von Sevilla an die Küste nördlich von Cádiz – einen ganzen Tag ohne Meer, das geht ja nicht…

Wir verbrachten eine ruhige Nacht in Sevilla, die recht früh nicht mehr ganz so ruhig war, da die Arbeit in einem Hafen wohl früh startet. Wie nah wir am Hafen und der damit verbundenen Betriebsamkeit waren, hatten wir am Vortag gar nicht so richtig wahrgenommen, denn am Sonntag war es sogar im Hafen ruhig. Das änderte sich allerdings dann am frühen Montag, dennoch haben wir sehr gut geschlafen, was vermutlich auch an  der Anstrengung des gestrigen Tages gelegen hat.

Bereits am Abend hatten wir beschlossen, dass wir nun wieder ein wenig Urlaub benötigen und etwas länger an einem Ort bleiben wollen. Dass dieser Ort möglichst direkt am Meer liegen sollte, war ja eigentlich klar. So haben wir uns für einen Campingplatz in der Nähe von Rota entschieden, den Camping Aguadulce (woher der Name kommt, haben wir bislang noch nicht herausgefunden, denn das Meerwasser ist bekanntlich salzig und weniger süß). Was allerdings sehr süß ist, ist die Distanz vom Platz zum Meer, was den Ausschlag gegeben hat, sich für diesen Platz zu entscheiden.

Nach einer morgendlichen Dusche, die der Stellplatz in Sevilla ja ebenso wie Toiletten anbot, der Leerung unseres Brauchwassertanks und der Abrechnung fuhren wir dann also schon recht bald wieder gen Südwesten in Grobrichtung Cádiz. Die Straßen waren viel besser, als wir es von Portugal gewohnt waren, und so kamen wir äußerst zügig voran. Mitten im Nirgendwo sahen wir dann auf einem Hügel ein prächtiges Bauwerk…

img_2465
Die Kirche in El Palmar de Troya

Natürlich haben wir angehalten, und da wir mal wieder Glück hatten, war das Tor von einem der Angestellten gerade geöffnet worden, so dass wir genau dieses eine Bild machen und einen Blick auf die Kirche erhaschen konnten. Das Gelände durften wir als „Ungläubige“, die zudem nicht festlich genug gekleidet waren (wir wollten ja auch Auto fahren und nicht heiraten), nicht betreten. Es stellte sich heraus, dass diese Kirche das Zentrum der „palmairanischen Kirche“ darstellt. Diese Glaubensgemeinschaft, die sich als verbliebener Rest des „wahren Katholizismus“ sieht, erkennt die Veränderungen des zweiten Vatikanischen Konzils nicht an und hat folglich auch einen eigenen Pabst. Die Messe wird nach wie vor in Latein gelesen und der Zehnt eingefordert. Die Kirche hat weltweit etwa 10.000 Mitglieder, viele davon auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz. So erklärt sich auch, dass mitten in der öden Landschaft ein solch prächtiges Bauwerk entstehen konnte, denn alles, was dafür gespendet wurde, wird im Leben nach dem Tode hundertfach zurückgegeben… Eigentlich logisch, dass vor allem Schwaben sich auf einen solchen Deal einlassen… Tatsächlich ist in Stuttgart wohl ein großer Teil der deutschen Anhänger zu finden, wie uns der Mitarbeiter erklärte. Außerdem erhielten wir auch Informationsmaterial auf deutsch.

Derart informiert machten wir uns dann auf die Weiterfahrt an die Küste. Kurz vor dem eigentlichen Ziel fand Sonja wieder eine ausgesprochen günstige Tankstelle, so dass wir unseren Treibstoffvorrat auffüllen konnten, und anschließend erledigten wir das auch noch mit den Vorräten für uns und kauften reichlich Nahrungsmittel ein. Die enge Zufahrt und der Parkplatz, der eigentlich nach deutschen Maßstäben lediglich für Kleinstwagen geeignet war, schreckte uns nach den Erfahrungen der letzten Wochen nicht mehr ab.

Bereits gegen Mittag erreichten wir den Campingplatz und stellten fest, dass dieser zu einem großen Teil von Dauercampern genutzt wird, diese aber nicht anwesend waren. Kurzum, es ist absolut ruhig und Menschen sehen wir eher selten. Die ideale Lage direkt am Strand hat sich bewahrheitet, denn von unserer Parzelle bis zum Meer sind es nicht einmal 100 Meter.

Natürlich haben wir auch den Strand direkt mit einem Spaziergang erkundet und nach knapp 5 Kilometern in eine Richtung umgedreht. Auf dem Rückweg gingen wir nicht direkt am Strand, sondern auf einem direkt dahinter liegenden Weg entlang. Dort waren auf dem Golfplatz tatsächlich vereinzelte Menschen zu sehen, alle Häuser und Wohnungen, die wir sahen, wirkten vollständig ausgestorben und das, obwohl die Luft mit 20 °C durchaus noch angenehm warm ist, und sogar das Wasser eine Temperatur von 19 °C hat. Auf dem Rückweg hörten wir mehrere Male laute Knallgeräusche vom Meer, und wir haben eine Weile gebraucht, bis wir festgestellt haben, dass die spanische Marine dort wohl ein Manöver abhielt, denn vereinzelt war auch Leuchtmunition zu erkennen. Unwahrscheinlich ist das hier nicht, da in Rota einer der größten Marinestützpunkte Europas liegt, was wir aber auch erst durch nachträgliche Recherche herausgefunden haben. Unter anderem leben auf der Base auch 3000 Amerikaner. Rota wurde im März 2019 sogar Operationshauptquartier der EU, auch eine Folge des Brexit, denn das Hauptquartier in Northwood (GB) wurde durch Rota ersetzt. Eines der fünf Hauptquartiere liegt übrigens in Potsdam (wo da ausreichend Wasser ist, ist mir allerdings ein Rätsel…). Es ist schon erstaunlich, wie nahe man an Ereignisse des Weltgeschehens kommt, ohne sich wirklich damit zu beschäftigen, denn wir verzichten aktuell bewusst auf „Nachrichten“.

img_2468.jpg
Ein Schiff der (spanischen?) Kriegsmarine