Es wird nervenaufreibend…

Am 6. April sollten die Rückflüge nach Deutschland beginnen und die ersten unserer Reisegruppe hatten am Abend des 5. März Tickets für diesen Flug erhalten. Über Nacht kamen immer weitere Tickets hinzu (teilweise zwei Stunden vor der Zeit an der die Menschen am Flughafen sein sollten). So fuhren dann am Vormittag des 6. April acht der dreizehn Mitreisenden mit unserem Reiseleiter Jürgen zum Flughafen. Wie anderen fünf wussten zu diesem Zeitpunkt nicht viel, außer einer Nachricht des Konsulats, die besagte, dass wir „zeitnah“ Informationen zu unseren „in den nächsten Tagen“ stattfindenden Flügen erhalten sollten.

Bis 7. April um 12:16 Uhr eine WhatsApp-Nachricht von Jürgen kam: „T, Sonja, Marc. Bitte Koffer packen; wir fahren in 15 Minuten los. Kein Spaß“. Woraufhin wir, wie von der Tarantel gestochen, unsere Sachen zusammen gepackt und in den Bus geladen haben. Zwei weitere Mitreisende waren zu diesem Zeitpunkt mit Jürgen spazieren und mit dem Taxi auf dem Rückweg zum Motel. Sonja und ich waren gerade dabei zum Spaziergang aufzubrechen und hätten fünf Minuten später das Motel verlassen und daher auch keinen WLAN-Empfang mehr gehabt. Wir saßen dann jedenfalls alle sechs um 12:28, teilweise nass geschwitzt, im Bus auf dem Weg zum Flughafen.

Während der Fahrt informierte und Jürgen was passiert war: Unsere Mitreisenden hatten am gestrigen Tag Jürgens Telefonnummer bei einem der Botschaftsmitarbeiter hinterlegt, mit der Information, dass wir verbleibenden fünf Personen innerhalb einer halben Stunde am Flughafen sein könnten, falls andere Reisende nicht erscheinen sollten. Und während des Spaziergangs rief dieser Mitarbeiter tatsächlich bei Jürgen an, dass wir sofort kommen sollten. Das Boarding des Fluges war für 14:00 Uhr vorgesehen. Unsere Zeit war also sehr sehr knapp und auf der Hinfahrt jede einzelne Ampel rot. Wir waren alle absolut ungläubig und konnten noch nicht glauben was passierte, denn nach 14 Tagen Unsicherheiten, Hoffen und Bangen und regelmäßigem nächtlichen etlichen Male Emails kontrollieren, passierte so plötzlich etwas.

Zügiger Weg zum Eingang des Flughafens in Christchurch

Am Flughafen angekommen waren lediglich zwei Sicherheitskräfte und ein Polizist zu sehen, die uns aber nach kurzer Erklärung sofort ins Gebäude ließen. Dort erwartete uns ein Team der Botschaft und die Kostenübernahmezettel wurden eingesammelt und unsere Pässe kontrolliert. Anschließend durften wir noch ein Bild mit den Mitarbeitern für das Auswärtige Amt machen, da wir „so herrlich verschwitzt und abgehetzt“ aussähen. Komisch, warum nur… Anschließend ging es dann zum Checkin, der von sechs Flughafenmitarbeitern an sechs Schaltern besetzt war. So hatte praktischer Weise jeder aus unserer Gruppe einen Schalter für sich, denn fast alle anderen Passagiere (bis auf zwei, die praktisch gleichzeitig mit uns angehetzt kamen) waren natürlich bereits eingecheckt. Die Mitarbeiter waren extrem freundlich und selbst auf meine Länge wurde Rücksicht genommen, die Gepäckstücke zwar gewogen, die Massen (die teilweise zu hoch für Air New Zealand waren) jedoch ignoriert. Alle fünf haben wir Plätze in der Business-Class bekommen und etwa 50 Minuten nach dem Anruf hielten wir die Bordkarten in Händen. Durch die Sicherheitskontrolle ging es dann auch sehr schnell, klar wir waren wieder die Einzigen! Die Mitarbeiter zeigten uns aus eigener Motivation wo wir das Wasser ausleeren und die Flaschen wieder mit Trinkwasser befüllen konnten. Dann waren wir tatsächlich ausreichend früh zum Boarding bereit und konnten kurz unsere Verwandten informieren, bevor es in den Flieger ging. Erst so langsam realisieren wir, was eigentlich alles passiert ist, womit wir nur Stunden vorher nicht gerechnet haben.

Die letzten Passagiere des Fluges über Vancouver nach Frankfurt mit den Mitarbeitern der Botschaft am Flughafen in Christchurch

Während ich das hier schreibe, liege ich im Bett (tatsächlich!) der Business-Class in der Boing 777-300W von Air New Zealand mit der Flugnummer NZ 1952 auf dem Weg nach Vancouver. Aktuell befinden wir uns irgendwo über dem Pazifik etwa auf Höhe der Datumsgrenze. In Vancouver werden wir nach 15 Stunden Flugzeit landen, die Crew wird getauscht und der Flieger gereinigt. Wir werden das Flugzeug allerdings nicht verlassen dürfen, da Kanada ebenfalls die Grenzen geschlossen hat. Aber die notwendige Zwischenlandung ist dank der Verhandlungen des Auswärtigen Amtes überhaupt erst möglich. So werden wir voraussichtlich dann nach etwa 27 Stunden im Flugzeug – irgendwann hoffentlich – in Frankfurt ankommen.

Wir bedanken uns noch einmal ausdrücklich bei Jürgen, Michael, den Mitarbeitern von Air New Zealand (am Flughafen und im Flugzeug) und den Mitarbeitern der Deutschen Botschaft sowie im Auswärtigen Amt, die diese Aktion überhaupt erst möglich machen. Wir hätten nie gedacht einmal auf diplomatische Hilfe angewiesen zu sein, aber es ist toll, dass so etwas organisiert wird. Danke!

Vom „Ende der Welt“ mit Zwischenstopp in Santiago nach Pontevedra kurz vor Portugal

Um an den gestrigen Bericht anzuschließen, gehe ich auf die Schräglage unseres Wohnmobils kurz ein, was uns wirklich nicht an einem guten Schlaf gehindert hat, also muss man es mit den Auffahrkeilen nicht so genau nehmen. Nur der Kühlschrank funktioniert besser, wenn er aufrecht steht. Nach einer geruhsamen Nacht mit einem Sternenhimmel mit Millionen Sternen (würde der Trierer sagen!) konnten wir heute Morgen aus unserem Bett den Sonnenaufgang über den Bergen beobachten. In welchem Schlafzimmer kann man gleichzeitig aus den Bett sowohl den Sonnenuntergang als auch den Sonnenaufgang sehen? Einfach genial!

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Der Sonnenaufgang in Fisterra. Sonja schaut zum Kreuz auf.

Die ersten Wanderer oder Pilger waren auch schon wieder unterwegs, um diesen von Finisterre aus zu beobachten. Wir warteten auch nicht lange und spazierten noch zum Leuchtturm und stiegen die Treppen hinab bis ans Wasser. Da war dann wirklich das Ende der Welt und das finale Ende vom Jakobsweg. Bald machten wir auch wieder unseren EU-GO startklar um in die Pilgerstadt Santiago de Compostela aufzubrechen.

Am Abend zuvor hatten wir uns eine günstige Tankstelle gemerkt, wo wir auf dem Rückweg noch einmal volltanken wollten, bevor es nach Portugal geht, wo der Sprit teurer sein soll. Ebenso gab es dort einen riesigen spanischen Supermarkt, den wir einmal auf sein Sortiment testen wollten, nachdem wir davor in einem spanischen Lidl einmal eingekauft hatten. Fazit, die Preise sind fast gleich, doch der Lidl hatte eine deutlich größere Obstauswahl. Danach ging es recht entspannt über wechselnde Autobahnen und Nationalstraßen nach Santiago, wo wir einen Stellplatz suchten. Ein Parkplatz für Busse und Wohnmobile sollte 12 Euro kosten, egal ob für eine oder für 24 Stunden, das lehnte ich allerdings kategorisch ab, weil mir das für 3 Stunden zu parken einfach zu teuer war. Also lotste mich mein Gefühl einen Berg hinauf Richtung Wald, wo Marc über eine App einen kostenlosen Waldparkplatz ausfindig machte, der zu Fuß 25 Minuten von der Innenstadt entfernt war. Zwei französischen Geschwister der Marke Chausson standen bereits auf diesem Platz, und deren Besitzer grüßten freundlich.

Nach unserem Frühstück, was heute dann erst um 14 Uhr stattfand, machten wir uns gegen 15 Uhr auf in die Stadt. Es war wirklich ein Katzensprung, und es war auch wirklich nicht viel los. Von weitem sah man schon die Kathedrale die ganze Stadt im Tal überragen. Von unserem Parkplatz aus lag uns quasi die Stadt zu Füßen. Zuerst besuchten wir eine schöne kleinere Kirche namens San Francisco, welche auf dem Weg lag, bevor wir zur Kathedrale gingen. Der Platz vor der Kathedrale war recht voll von Pilgern, die auf dem Boden saßen und ihre Füße „lüfteten“ und sich von ihren Strapazen erholten. Eine nette ruhige Atmosphäre. Die große Enttäuschung kam, als wir in die Kathedrale hineingingen, alles war mit Folie verhüllt wegen Bauarbeiten. Sowohl alle Seitenkapellen, der Altar, einfach alles. Nur den engen Zugang zum heiligen Jakobus hatten sie offen gelassen, damit die Pilger ihn traditionell umarmen können. Dafür musste man Schlage stehen, was wir uns ersparten. Von außen ist die Kathedrale allerdings sehr beeindruckend, ebenfalls die Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt wurde mit ihren Säulengängen und engen Gassen.

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Die Kathedrale von Santiago de Compostela. Auf dem Platz davor viele mehr oder weniger erschöpfte und gezeichnete Pilger.

Die Stimmung war wirklich friedlich und angenehm, ich hatte erwartet, dass die Stadt von Pilgern überlaufen sei. Mit 100.000 Einwohnern ist sie auch überschaubar, so dass wir mit unserer Besichtigung in knapp zwei Stunden schon „durch“ waren. Daraufhin beschlossen wir, uns wieder Richtung Meer zu orientieren, Pontevedra, unser nächstes Ziel kurz vor Portugal. Das Wetter war auch heute wieder traumhaft, über 20 Grad und Sonnenschein, so verlängert man sich den Sommer gerne. Die Stadtbesichtigung von Pontevedra steht dann morgen auf dem Programm.

Die Anfahrt hierhin war sehr anstrengend für mich (Sonja), enge Landstraßen, LKWs im Gegenverkehr, so was macht mir „latent“ Stress, so dass ich mich auf den nächsten „Urlaub“ freue, sprich, ein paar Tage auf einen Campingplatz zu fahren und noch mal von der Fahrerei pausieren. Wir sind jetzt genau eine Woche unterwegs (von unserem franz. Campingplatz in Moliets) und waren jede Nacht und jeden Tag irgendwo anders, wir haben so viel gesehen, dass man es erst mal wieder sacken lassen muss, und wir haben in dieser Woche die ganze spanische Nordküste (inkl. 2 Tage Picos de Europa) abgefahren und unsere Highlights besichtigt. Sehr viele und schöne Eindrücke, die wir in einem „normalen“ Jahresurlaub niemals gesammelt hätten! Wir freuen uns jetzt schon auf Portugal, wo wir beide erst zweimal waren, einmal gemeinsam in Porto und jeder einmal alleine. Da wir zu unseren „Luxemburgzeiten“ und in Stuttgart (Herr Illi bleibt unvergessen! (Marc)) auch sehr nette Bekanntschaften mit liebenswürdigen Portugiesen im Alltag und als Kollegen gemacht haben, freuen wir uns besonders, dieses Land zu erkunden.